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Jubiläum
KEINE GRENZEN DES WACHSTUMS
Zur zehnten Ausgabe der DFB! wird es mal wieder Zeit für eine kleine
Bilanzpressekonferenz. Seit der letzten Ausgabe sind über 100 neue Leser
dazugekommen, also erstmals eine Steigerung im dreistelligen Bereich.
Insgesamt haben wie jetzt über 550 Abonnenten. Abbestellungen seit Bestehen:
Vier. Sollen wir jetzt an die Börse gehen?
Software
UNZENSIERTES INTERNET
Internet-Nutzer in China, Saudi Arabien und anderen Schurkenstaaten konnten
bislang weder die Website von Amnesty noch die des Playboy abrufen, weil
ihre Regierungen missliebige Seiten sperren. Damit ist jetzt Schluss. Der
Kalifornier Stephen Hsu entwickelte eine neue Software namens Triangle Boy.
Diese Technik erlaubt es, gesperrte Seiten über eine unverdächtige
dritte
Website anzusteuern, ohne dass die Zensoren es bemerken können. Hsu bietet
seine subversive Software kostenlos an. Hunderttausende von Seiten werden
mittlerweile über Triangle Boy von Menschen in Diktaturen abgerufen. Ein
Dreieck des Guten gegen die Achse des Bösen. Auch deutsche Büroinsassen
können somit endlich wieder ihre Lieblings-Pornoseiten während der
Dienstzeit herunterladen. (Quelle: reason 3.02)
Windkraft
EINSTÜRZENDE WINDRÄDER
Auch sanfte Energie kann ziemlich unsanft zu Bruch gehen. Insgesamt wurden
in den letzten zwei Jahren 38 Unfälle mit Windkraftanlagen bekannt, und
einige davon waren gar nicht so ohne. Im Landkreis Dithmarschen mussten
beispielsweise 20 Anwohner evakuiert und in Notunterkünfte gebracht werden,
weil ein Rotor außer Kontrolle geriet. Wer mal nachschauen will, was die
Propellertechnik für Bruchlandungen erlebt, findet eine komplette
Dokumentation unter:
http://members.aol.com/fswemedien/ZZUnfalldatei.htm
Weltbevölkerung
UN KORRIGIERT PROGNOSEN WEITER NACH UNTEN
Zum wiederholten mal hat die United Nations Population Division die
Welt-Bevölkerungsprognose reduziert. Jetzt gehen die Experten davon aus,
dass die Zahl der Menschen noch vor dem Ende dieses Jahrhunderts zu sinken
beginnt. Bisher glaubte man, eine Stabilisierung erfolge erst im Jahre 2150
bei etwa 10 Milliarden. Die weltweite Geburtenrate liegt derzeit bei 2,7
Kindern pro Frau (1965 waren es noch fünf). Ein Grund für die Korrektur
sind
die auffallend schnell sinkenden Geburtszahlen in 74 Entwicklungs- und
Schwellenländern, darunter Brasilien und Indien. Selbst in einigen
islamischen Ländern wie Ägypten, Syrien und Tunesien flachen die hohen
Geburtenraten ab, dies trotz Armut und schlechter Bildungsmöglichkeiten
für
Frauen. (Quelle: The Christian Science Monitor)
Klima
WETTSTREIT DER VORHERSAGEN
Fast alle Indizien deuten darauf hin, dass es dieses Jahr wieder einen El
Niño geben wird. Dieses Wetterphänomen bezeichnet eine starke Erwärmung
des
äquatornahen Ostpazifiks, die periodisch auftritt. Der letzte El Niño
1997/98 verursachte katastrophale Überschwemmungen von Chile bis
Kalifornien, aber auch in Ostafrika. In Indonesien und Australien brachte er
extreme Dürren. Seit Jahren versuchen Forscher das Phänomen daher
möglichst
frühzeitig vorherzusagen. Mit Hilfe von Messbojen und Computermodellen
gelang dies bisher immer nur einige Monate im voraus. Auch derzeit sind sie
Klimarechenzentren noch vorsichtig. Um so spektakulärer sind die
Langzeitprognosen eines Außenseiters. Der Sonnenforscher Dr. Theodor
Landscheidt vom Schroeter Institute for Research in Cycles of Solar Activity
hat den aufziehenden El Niño schon vor vier Jahren vorhergesagt. Gesetzt
den
Fall er behält recht, wäre dies seine dritte erfolgreiche El-Niño-Prognose.
Landscheidt baut seine Vorhersagen auf Beobachtungen der Sonnenaktivitäten
auf. Er sieht das als Beweis, dass der Einfluss der Sonne auf das Klima weit
größer ist, als von der offiziellen Klimaforschung zugestanden. Sie
finden
die Untersuchung unter: www.john-daly.com/sun-enso/revisit.htm
Bildung
WILLKOMMEN IM MITTELALTER
Seit der PISA-Studie schimpfen alle auf das niedrige Bildungsniveau der
Jugend. Doch um die Erwachsenen steht es nicht besser. Fast jeder vierte
Deutsche glaubt, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Ein Drittel stimmt
der Meinung zu, dass die Erde nur einen Monat braucht, um sich um die Sonne
zu drehen. Etwa genauso viele gingen davon aus, dass sich unsere Vorfahren
mit Dinosauriern herumschlagen mussten. Dies ergab eine Umfrage der
Europäischen Kommission zum Thema "Europäer, Wissenschaft und
Technologie".
Website: http://europa.eu.int/comm/research/press/2001/pr0612en-report.pdf
Ökosteuer
SCHÖNER RECHNEN MIT TRITTIN
Ein Leser der DFB! hat sich die vom Bundesumweltministerium verbreitete
Erfolgsbilanz einmal näher angesehen. Darin werden zahlreiche Erfolge der
Öko-Steuer eindrucksvoll dokumentiert. Besonders stolz ist man auf einen
"Boom" bei Absatz von Drei- und Fünfliterautos. Die dazugehörige
Tabelle
zeigt eher das Gegenteil eines Booms. So ist der Anteil der Fünfliterautos
an den Neuzulassungen von 0,35 Prozent im Jahre 1998 auf auf sagenhafte 1,66
Prozent im Jahre 2000 gestiegen. Dreiliterautos konnte sich sogar von Null
Prozent auf unglaubliche 0,51 Prozent steigern. Wenn das so weiter geht,
ist in 200 Jahren das Dreiliterauto flächendeckend eingeführt. (Quelle:
Umwelt 2/2002)
Gentechnik
GEFÄHRLICHE EUROSCHEINE
Nachdem eine Warnung der Zeitschrift Öko-Test vor zinnorganischen
Verbindungen (TBT) in den Zehn-Euro-Scheinen das Land erschütterte, droht
jetzt neues Ungemach aus der Geldbörse. Euro-Geldscheine bestehen vermutlich
aus gentechnisch veränderter Baumwolle. Da ein Großteil der
Weltbaumwollernte von genetisch modifizierten Pflanzen stammt, enthält
statistisch gesehen jeder sechste Schein solches Material. Zum eigenen
Schutz bitten wir unsere Leser daher dringend, jeden sechsten Euroschein
umgehend in einem desinfizierten Briefumschlag an uns zu senden. Wir werden
die Scheine kostenlos für Sie entsorgen. (Quellen: Die Welt, 27.2.2002
und
Novo April/2002)
Statistik 1
ARMUT IST GEFÄHRLICHER ALS ATOMKRAFT
Das American Council of Science and Health hat verschiedene Risiken danach
bewertet, um wie viel sie die statistische Lebenserwartung eines
US-Amerikaners verringern. Ganz oben rangiert Alkoholismus (er vermindert
die statistische Lebenserwartung um 12 Jahre), gefolgt vom Tabakrauchen (6,6
Jahre für Männer, 3,9 Jahre für Frauen). Im Mittelfeld rangieren
Unfälle
(366 Tage). Die Hälfte davon sind Autounfälle, und davon wiederum
die Hälfte
gehen auf Trunkenheit am Steuer zurück. Es folgen Selbstmord (115 Tage)
und
Mord (93 Tage). Eines der größten Lebensrisiken ist Armut (9 Jahre).
Pestizidrückstände im Essen sind dagegen ziemlich unerheblich (12
Tage),
ebenso wie industrielle Luftverschmutzung (4 Tage). Alle radioaktiven
Belastungen durch Atomkraftwerke inklusive der Unfälle entsprechen 0,04
Tagen. Website:
http://healthfactsandfears.com/featured_articles/feb2002/risks022702.html
Statistik 2
TOD UNTER PALMEN
Auf ein unerwartetes Risiko machte indessen die Londoner Reiseversicherung
Club Direct aufmerksam: 150 Urlauber starben im Jahr 2000 durch herab
fallende Kokosnüsse, doch nur 10 durch Hai-Attacken. (Quelle: dpa 4.3.2002).
Journalismus
WAHR IST, WAS WAHR SEIN KÖNNTE
Eine Reportage des Hessischen Rundfunks hatte im März das Entstehen der
weltweit verbreiteten Bilder nachrecherchiert, die den schrecklichen Tod des
Palästinenser-Jungen Mohammed al-Durra zeigen. Angeblich starb das Kind
unter den Kugeln israelischer Soldaten. Die HR-Autorin fand jedoch etliche
Hinweise darauf, dass die Schüsse aus den eigenen Reihen gekommen sein
könnten. Eine merkwürdige Beurteilung der berühmten Aufnahme
lieferte
daraufhin der israelische Historiker und Journalist Tom Segev im Spiegel
(13/2002). Als Symbol sei diese Form der Berichterstattung berechtigt, "denn
wahr ist, dass viele Palästinensische Kinder von Soldaten getötet
wurden."
Afrika
DIE WÜSTE LEBT
Jeder kennt die Litanei: Die Wüste wächst, der Ackerboden erodiert,
die
Bauern der Sahelzone stehen vor dem Aus. Doch wenn Fachleute die Situation
vor Ort begutachten, gewinnen sie mitunter einen vollkommen anderen
Eindruck. Dies zeigt einmal mehr eine Fallstudie der Universität Wageningen
(Niederlande) die in Burkina Faso gemacht wurde. Die Wissenschaftler kommen
darin zu dem Ergebnis, dass die gängige Annahme über schwindende
Bodenfruchtbarkeit kaum belegbar ist. Denn die Erträge der wichtigsten
Feldfrüchte gehen nicht zurück, weder absolut noch pro Kopf oder pro
Flächeneinheit. Vielmehr steigen sie leicht an, trotz geringerer
Niederschläge und steigender Bevölkerung. Die Ernährungsgrundlage
im
Untersuchungsgebiet hat sich verbessert. Ein weiteres Ergebnis der Studie:
Die Bauern können sehr flexibel mit den ökologischen Bedingungen umgehen.
Ihre Methoden sind vielfach erfolgreicher als eindimensionale
Entwicklungsprojekte. (Quelle: Valentina Mazzucato und David Niemejer:
Rethinking Soil and Water Conservation in a Changing Society, Universität
Wageningen)
Entwicklungshilfe
DOGMA SOLARKOCHER
Seit zwanzig Jahren wundern wir uns auf Reisen in Entwicklungsländer, dass
wir die von Öko-Aktivisten vielfach gelobten Solarkocher immer nur in
besenreinen Pilotprojekten vorgeführt bekommen. Sobald man ein richtiges
Dorf betritt, sucht man die tolle Erfindung vergeblich. Endlich konnte uns
jemand sagen warum. Professor Werner Mühlbauer, Leiter des Instituts für
Agrartechnik in den Tropen der Uni Hohenheim, hat selbst Solartechniken
(darunter sehr erfolgreiche Trocknungsanlagen) entwickelt. Er fand die
Ursache für den Ofen-Flopp heraus: "Man kann nicht damit kochen."
Dies hat
drei Gründe. Erstens: In vielen heißen Ländern bereiten die
Menschen ihre
warmen Mahlzeiten vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang zu. Zweitens:
Mittägliches Kochen ist unter Umständen möglich. Doch bei jedem
vorbeiziehenden Wölkchen wird die Suppe kalt. Drittens: Man muss höllisch
aufpassen, dass der Lichtkegel aus dem Parabolspiegel genau auf die
Kochplatte trifft. Damit sie Sonne im Brennpunkt bleibt, muss man ihn alle
paar Minuten nachjustieren. Sonst kann es passieren, dass der
400-Grad-Strahl Unschuldige trifft. Mühlbauer: "Plötzlich brennt
der Hund."
Da fällt es eigentlich kaum noch ins Gewicht, dass beim Hantieren ständig
der Topf runter fällt. Um dem drängenden Problem der Entwaldung aufgrund
des
Brennholzbedarfs mit einer funktionierenden Technik zu begegnen, hat
Mühlbauer jetzt einen Allesbrenner entwickelt, der unter anderem mit
Pflanzenöl betrieben werden kann, dass in einigen Ländern sehr billig
ist.
Das Projekt wird von der Stiftung Europäisches Naturerbe unterstützt.
Staatlicherseits gibt's keine Kohle, weil das Zauberwort "solar" nicht
draufsteht.
Rückschau 1
SCHLIMME FOLGEN DER FROHEN BOTSCHAFT!
In der Letzten Ausgabe (DFB! Nr.9) hatten wir vorausgesagt, dass Bjørn
Lomborgs Buch "The Sceptical Environmentalist" auch in Deutschland
schon
bald mit ersten Verrissen gewürdigt wird. Das ist sofort eingetreten. Das
Öko-Establishment innerhalb von Spiegel und FAZ am Sonntag reagierte mit
den
erwarteten Reflexen. Ausnahmsweise gilt der Prophet im eigene Lande mehr.
Unserem Gerücht folgend wurde der Däne tatsächlich zum Leiter
des "Institute
for Environmental Assesment" berufen.
Rückschau 2
SCHWEINKRAM IN DER BISCHOFSSTADT
In DFB! Nr. 9 berichteten wir über ein Werbeplakat des Mediamarktes, das
eine Frau mit drei Brüsten zeigte. Nach Protest des deutschen Werberates
wurde es abgehängt. Jetzt fürchten wir um Bamberg. Ein anatomisch
bewanderter Leser teilte uns mit, dass die berühmte Rokokofassade des
historischen Rathauses eine Frau mit vier Brüsten zeigt. Er schreibt: "Ich
bitte Sie diese unglaubliche Darstellung, die seit Jahrhunderten
unkritisiert Frauen und Moral in der katholischen Bischofsstadt provoziert,
öffentlich anzuprangern und den Protest der üblichen Entrüsteten
auf diese
Darstellung zu lenken." Was hiermit geschehen ist.
Kommentare 1
NEUER GLANZ FÜR ROTE FAHNEN
Mit dem Verbot der Münchner Anti-Globalisierungs-Demonstration im Februar
beschäftigte sich ein Kommentar von Michael Miersch. Darin vertritt er
die
These, dass die Unterdrückung der Demonstrationsfreiheit die falschen
Botschaften der Globalisierungsgegner nur unnötig aufgewertet hat. Die
Welt
vom 4.2.2002. Link:
http://www.welt.de/daten/2002/02/04/0204fo312037.htx?search=Michael+Miersch
Kommentare 2
KULTURKAMPF IN DEN KLIMAPOLITIK
Die amerikanische Initiative zur Verringerung von Luftverschmutzung und
Treibhausgasen setzt auf Freiwilligkeit, Wirtschaftswachstum und Innovation.
Die europäische Kritik daran geht wie das Kyotoprotokoll an der Praxis
vorbei meint Dirk Maxeiner in einem Kommentar. Die Welt vom 18.2.2002. Link:
http://www.welt.de/daten/2002/02/18/0218fo315046.htx?search=Dirk+Maxeiner
Webtipps 1
http://www.all-species.org
Die All Species Foundation will ein komplettes Inventar der globalen
Artenvielfalt erstellen. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass zirka
25
Jahre und ein bis drei Milliarden Dollar dafür benötigt werden. Unter
den 40
Wissenschaftlern und Unternehmern, die diese Stiftung im Jahr 2000 in
Kalifornien gründeten, waren Kevin Kelly, Gründer von "Wired"
und Stewart
Brand, ein legendärer Pionier der US-Ökobewegung, der nicht in Dogmatismus
und Weltuntergangs-Larmoyanz erstarrt ist.
Webtipps 2
http://www.gerd-koenen.de
Der von uns hochgeschätzte Autor Gerd Koenen, Verfasser so unverzichtbarer
Bücher wie "Die Utopie der Säuberung" und "Das rote
Jahrzehnt" bietet auf
seiner Website Auszüge aus seinen Publikationen, Kommentare,
Veranstaltungshinweise und viele andere nützliche Informationen zum Thema
linke Utopien und Totalitarismus.
Webtipps 3
http://www.hawaii.edu/powerkills/
Ungewöhnliche und faktenstarke Website mit vielen Zahlen, Daten und
Statistiken über Krieg, Terror, Staatsverbrechen und ihre Opfer.
Webtipps 4
http://www.eugen-richter.de
Diese Website ist noch im Aufbau, bietet aber bereits ein Archiv, in dem
Reden und Schriften des großen deutschen Liberalen der Kaiserzeit, Eugen
Richter, abgerufen werden können.
Webtipps 5
http://www.un.org/ha/chernobyl/a56-447.pdf
In der DFB! Nr.9 stellten wir eine Studie der UN zu den Folgen des
Reaktorunfalls von Tschernobyl vor. Wer die Studie im Original lesen will,
findest Sie unter obiger Adresse.
Buchtipps 1
Gad Granach
HEIMAT LOS!
Ölbaum-Verlag, Augsburg 1999
Wer angesichts des immer härter werdenden Konflikts im nahen Osten nach
Hintergrundwissen sucht, für den ist dieses Buch eine echte Fundgrube.
Granach ist ein deutscher Jude, der es schaffte in den dreißiger Jahren
nach
Palästina zu emigrieren und dort halft den jungen Staat Israel aufzubauen.
Historisches Wissen aus erster Hand, mit viel Witz und Humor zu Papier
gebracht. Ein Buch, das man nicht mehr weglegt, wenn man mal angefangen hat
zu lesen.
Buchtipps 2
Henryk M. Broder
KEIN KRIEG NIRGENDS
Berlin Verlag, 2002
Da schlimmste, was man vielen deutschen Intellektuellen und Moralwächtern
antun kann, ist sie zu zitieren. Broder hat dankenswerter Weise ab dem 11.
September mitgeschrieben, was auf Podien, in Talkshows und Kommentaren so
abgesondert wurde. Herausgekommen ist ein Kompendium antiwestlichen Furors.
Unsere Geistesgrößen zeigten grenzenloses Verständnis für
islamische
Gotteskrieger und ermittelten die wahren Schuldigen in den USA und Israel.
Wir würden uns wünschen, dass auch andere Debatten, die die Nation
erschüttern, nach Broders Art festgehalten werden. Nichts wäre für
unsere
Großdenker peinlicher, und vielleicht sogar heilsamer.
Buchtipps 3
Vera Lengsfeld
Mein Weg zur Freiheit
Langen Müller, München 2002
Die ehemalige Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld hat ihr Leben aufgeschrieben
und damit ein Bild des real existierenden DDR-Sozialismus festgehalten, dass
in der Erinnerung der meisten Deutschen rapide verblasst. Das Buch schildert
drei Leben: Ein kleines Mädchen, das an den Sozialismus glaubt, Erfahrungen
sammelt und sich zu einer skeptischen Jugendlichen entwickelt. Die
Oppositionelle, die sich langsam aber stetig von der linken Antistalinistin
zur Liberalen wandelt. Und die im Westen angekommene, die als
Bundestagsabgeordnete (erst der Grünen, dann der CDU) gegen DDR-Nostalgie
und den neuen Machtgewinn alter SED-Kader streitet. Es macht bewusst, welche
zählebigen Legenden sich dreizehn Jahre nach dem Mauerfall breit gemacht
haben. Unbedingt lesen!
Buchtipps 4
Anne Chaplet
DIE FOTOGRAFIN
Verlag Antje Kunstmann, München 2002
Der Krimi spielt vor dem Hintergrund des Terrorismus der siebziger Jahre.
Die Handlung entwickelt sich zwischen Schauplätzen in Frankfurt und
Südfrankreich. Erstklassiges Handwerk, ein intelligenter Plot und ein
Spannungsbogen, der sich bis zum Schluß aufbaut. Selten haben wir uns
von
einem deutschen Krimi so vorbehaltlos gut unterhalten gefühlt.
Buchtipps 5
Karl Popper
Kritik und Vernunft
Der Hörverlag, München 2001
Reden von und Interviews mit Karl Popper auf fünf CDs. Ein Genuss für
alle,
die klare Gedanken und klare Sprache lieben. Popper spricht unter anderem
über die Offene Gesellschaft, über Kritik und Falsifizierung. Auch
wenn man
seine Bücher gelesen hat, ist es noch mal etwas anderes, das gesprochen
Wort
des Philosophen zu hören. Schön, dass es Hörbücher gibt.
Buchtipps 6
Dirk Maxeiner und Michael Miersch
Die Zukunft und ihre Feinde
Eichborn, Frankfurt 2002 (Lieferbar ab Mitte Juli)
Alle sozialen Reformen der Geschichte, jeder demokratische Fortschritt, jede
technische Verbesserung wurden von Menschen verwirklicht, die an die Zukunft
glaubten. Doch statt nach vorne zu blicken, verklärt der Zeitgeist die
Vergangenheit, vor allem in Deutschland mit seiner romantischen Tradition.
Die seltsamsten Verbindungen haben Konjunktur: Jörg Haider mobilisiert
gegen
Atomkraft, Oskar Lafontaine und Peter Gauweiler beklagen in der Bildzeitung
gemeinsam den allgemeinen Werteverfall, grüne Politiker und katholische
Kardinäle predigen einträchtig gegen Stammzellenforschung, Attac und
NPD
demonstrieren mit gleichen Parolen gegen die Globalisierung. Die
Zukunftsdebatten verlaufen quer zur alten rechts-links Aufstellung. Ob
Einwanderung, grüne Gentechnik oder Arbeitsmarktpolitik: Die Gesellschaft
sortiert sich neu und im allgemeinen Durcheinander bilden sich zwei
informelle Parteien heraus, die Partei des Fortschrittsoptimismus und die
Partei der Zukunftsangst. Die Zukunft und ihre Feinde zeigt die neue
politischen Formationen und ordnet bekannte Namen den jeweiligen Lagern zu.
Das Buch dokumentiert, welchen Schaden die rechten und linken
Zukunftspessimsten heute bereits angerichtet haben, indem sie Fortschritte
verhindern und Reformen blockieren. Zugleich ist es ein Appell, die Chancen
zu nutzen, die uns Wissenschaft und Technik eröffnen. Jeder DFB!-Leser
ist
berechtigt, eine unbegrenzte Zahl von Exemplaren zum offiziellen Ladenpreis
zu erwerben!!! :)
Wir verabschieden uns bis zur nächsten Ausgabe von DIE FROHE BOTSCHAFT!
mit
einem Aufruf an alle Leser: Wir suchen möglichst viele Beispiele von
Zukunftsprognosen, die grandios daneben lagen. Wenn wir eine schöne Anzahl
zusammen haben, soll daraus eine eigene Abteilung auf unserer Website
werden. Die Zitate können Sie uns ganz einfach über die Briefkastenseite
von
www.maxeiner-miersch.de zukommen lassen. Bitte vergessen Sie nicht den
Autor, die Quelle und, wenn es geh, auch das Datum. Hier zur Anregung ein
paar unserer Lieblingsvorhersagen von gestern:
"Die ersten großen Wälder werden schon in den nächsten
fünf Jahren sterben.
Sie sind nicht mehr zu retten."
(Professor Bernd Ulrich, "Waldpapst" , 1979)
"Mehr als dreieinhalb Milliarden Menschen bevölkern bereits unseren
sterbenden Planeten - und etwa die Hälfte von ihnen wird verhungern".
(Paul Ehrlich, "Dr.Doom", 1972)
"Ich glaube es gibt einen weltweiten Bedarf an vielleicht fünf Computern."
(IBM-Chef Thomas Watson während des 2. Weltkriegs).
"Es werden höchstens 5000 Autos gebaut werden. Denn es gibt nicht
mehr
Chauffeure, um sie zu steuern."
(Gottlieb Daimler)