DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 11 - 14.6.2002


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Welternährung
REVOLTE DER REALISTEN
Eine Gruppe international angesehener Umweltschützer und Ernährungsexperten
bittet im Internet um Unterstützung für eine Deklaration zum Schutz der
Natur durch intensive Land und Forstwirtschaft. Unter dem Motto "Growing
More Per Acre Leaves More Land for Nature" plädieren sie für den Erhalt der
verbliebenen Wildnisgebiete. Dafür muss die Produktivität der vorhandenen
Ackerfläche durch weiteren technischen Fortschritt erhöht werden.
Erstunterzeichner sind unter anderem: Patrick Moore, Mitbegründer von
Greenpeace und langjähriger Direktor von Greenpeace International. Oscar
Arias, Expräsident von Costa Rica, Nobelpreisträger und bekannt geworden als
Retter des mittelamerikanischen Regenwaldes. Eugène Lapointe, früherer
Präsident des Washingtoner Artenschutzabkommens. James Lovelock,
Wissenschaftler und Autor von "Die Gaia Hypothese". Norman Borlaug,
Friedensnobelpreisträger und Vater der "Grünen Revolution" (Für unsere Leser
unter 40: So wurde die gewaltige landwirtschaftliche
Produktivitätssteigerung der sechziger und siebziger Jahre genannt, aufgrund
derer beispielsweise China und Indien nicht mehr hungern). "Es ist langsam
an der Zeit, mit der Phrasendrescherei über Frankenfood, Terminator Saatgut
und Killertomaten aufzuhören", plädiert Patrick Moore für grüne Gentechnik,
"das könnte sich endlich auch die grüne Verbraucherministerin Renate Künast
hinter die Ohren schreiben." Wer den Aufruf unterstützen möchte, kann dies
tun unter:
http://www.highyieldconservation.org
Moores Kommentar zur grünen Gentechnik stand in Die Welt. Sie finden ihn
unter:
http://www.welt.de/daten/2002/06/08/0608fo336868.htx

Landwirtschaft
JENSEITS VON NITROFEN
Der Nitrofen Skandal ist kein Anlass zur Häme gegen den Biolandbau, sondern
nach momentanem Sachstand eine klassische Schlamperei, wie sie in jeder
Branche passieren kann. Interessanter erscheint uns, was der von uns
hochgeschätzte Lebensmittelkritiker Udo Pollmer kürzlich über die ganz
normalen und legalen Gifte im Biolandbau geschrieben hat (Newsletter
EU.L.E.N Spiegel, 7. Jahrgang, Nr.2 ) So spritzen beispielsweise im
Obstanbau Biobetriebe häufiger als ihre konventionellen Kollegen. Es sind
hauptsächlich Kupfer und Schwefelpräparate, zusätzlich benutzen Ökobauern
unter anderen die Insektengifte Quassin und Pyrethrin. Kupfer ist ein
Schwermetall, also prinzipiell nicht abbaubar, und reichert sich in der
Umwelt an. Für Nützlinge wie Regenwürmer und Raubmilben ist es erheblich
giftiger als vergleichbare konventionelle Pestizide. "Manche Böden von
Biobetrieben," schreibt Pollmer, "mussten bereits als Sondermüll entsorgt
werden." Er resümiert: "Die Bioverbände setzen auf die
Fortschrittsfeindlichkeit der Gesellschaft und verbauen sich damit ihre
eigene Zukunft." Der Biolandbau ist ein geschlossenes Glaubenssystem, das
sich seit vielen Jahrzehnten nicht weiterentwickelt hat und beurteilt Gifte
nur danach, ob sie von der chemischen Industrie kommen oder nicht. Die
Agrarwissenschaft entwickelt sich jedoch weiter und hat in den vergangenen
Jahren viel von der berechtigten Kritik an der konventionellen
Landwirtschaft aufgenommen und umgesetzt. Der Biolandbau wird sich
wissenschaftlichen Erkenntnissen öffnen müssen oder im Sektierertum enden.

Nahrungsmittelrückstände
DIE KLECKERSTATISTIK
Die britische Reinigungskette Johnsons hat die häufigsten Flecken auf
Kleidungsstücken analysiert und das Kleckerverhalten der Briten zwischen
1991 und 2001 verglichen. Daraus ergab sich: Das Inselvolk scheint seine
bizarren traditionellen Gerichte zugunsten schmackhafter internationaler
Speisen zu verändern. So rangierte 1991 noch der Teefleck auf Platz 1, heute
ist es Gelbwurz, ein Bestandteil des Curry. Platz 4 belegte 1991
Tomatenketchup, 2001 Espresso. Blut (Steak rare? Hooligans?) tauschte Platz
5 mit japanischer Teriyakisauce. An die Stelle von Schuhcreme (Platz 7)
rückte kalt gepresstes Olivenöl (Putzen sich diese Snobs jetzt damit die
Schuhe?) Offenbar schadet gut Essen auch dem Intellekt: Früher rangierte
Tinte auf Platz 8, heute findet sich dort Sauce Aioli. (Quelle: Der
Zukunftsletter, Ausgabe 4/ 2002).

Wuppertal Institut
OHRFEIGE VOM WISSENSCHAFTSRAT
Der deutsche Wissenschaftsrat hat das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt
und Energie im Auftrag von Nordrhein Westfalen evaluiert und empfiehlt dem
Land "das Institut in seiner bisherigen Form nicht weiter zu fördern." In
der Bewertung der Abteilung Klimapolitik schreiben die Gutachter unter
anderem: "Sie verfolgt ein einseitiges Konzept und schwächt damit die
wissenschaftliche Basis für die Politikberatung". Teilweise sei der Eindruck
entstanden, "dass nicht immer ergebnisoffen gearbeitet wird." Resümee des
Rates: "Insgesamt ist die Qualität des wissenschaftlichen Arbeit der
Abteilung nicht zufrieden stellend." Wer die Stellungnahme des Wuppertal
Instituts lesen will findet diese unter:
http://www.wupperinst.org/Seiten/home1.html
Dort lässt sich auch das ausführliche Gutachten des Wissenschaftsrates
herunter laden.

Wissenschaft
SKEPTIKER EINGELADEN
Die Österreichisch Bayerische Gesellschaft lädt am 22. Juni zu einem
Symposium "Klimaveränderungen durch Treibhausgase im Kreuzfeuer der
Wissenschaft". In der Aula der Ludwig Maximilians Universität tragen
zahlreiche Klimaforscher ihre Thesen vor. Das besondere an der Münchner
Veranstaltung: Es kommen auch viele bekannte Kritiker der katastrophalen
Treibhausprognosen zu Wort. So geht Ulrich Berner von der Bundesanstalt für
Geowissenschaften In Hannover der Frage nach, inwieweit Klimaveränderungen
natürlich oder vom Menschen beeinflusst sind und der Innsbrucker
Gletscherexperte Gernot Patzelt behandelt das Thema aus dem Blickwinkel der
Veränderungen der letzten 10.000 Jahre. Um Anmeldung wird gebeten unter
Mail: cpwieland@t-online.de. Dort können auch Programm und Referenten
erfragt werden. Eine Zusammenfassung von Argumenten gegen das
Klimakatastrophengeschrei hat Dirk Maxeiner in Die Weltwoche (Nr.21/2002)
veröffentlicht. Der Artikel unter dem Titel "Geistige Warmluftfront" löste
unter besorgten Lesern in der Schweiz sogleich ein mächtiges Unwetter aus.
Im Internetforum von Die Weltwoche haben sich bis Mitte Juni 262
Diskussionbeiträge dazu angesammelt, absoluter Rekord. Der Artikel und die
Reaktion darauf ist zu finden unter:
http://www.weltwoche.ch/ressort_bericht.asp?asset_id=2316&category_id=60#for
um

Richtigstellung
KEIN TOD UNTER PALMEN
In der DFB! NR.10 berichteten wir genüsslich über eine Statistik einer
Londoner Reiseversicherung, der zufolge im Jahr 2000 durch herab fallende
Kokosnüsse 150 Menschen getötet worden seien. Leider haben wir dabei
fahrlässig die alte Weisheit "Traue keiner Versicherung" vernachlässigt.
Denn sofort meldeten sich DFB! Leser, die seit Jahren in Tansania
unbehelligt unter Palmen leben. In dem afrikanischen Land wurde in den
letzten Jahren nur ein einziger Fall von Tod durch Nussbefall bekannt.
Tragischerweise handelte es sich bei dem Opfer um den Besucher einer
Beerdigung, der den Schatten einer Palme suchte. Wenn im äußerst
kokosreichen Tansania innerhalb mehrerer Jahre nur ein Mensch getroffen
wird, so erscheint die Angabe von 150 toten Urlaubern ziemlich
unglaubwürdig. Zur unserer Entschuldigung: dpa, FAZ und Die Welt waren auch
darauf reingefallen. Die haben aber nicht so ein dichtes Korrespondentennetz
wie wir. (Kleiner Tipp für Volontäre: So macht man aus einer Berichtigung
ein Selbstlob).

Afrika
UMWELTKATASTROPHE MUGABE
Aus Simbabwe erreichen uns immer mehr Hilferufe verzweifelter Naturschützer:
Offenbar ruiniert der alterstarre Despot nicht nur die Wirtschaft und die
Lebensmittelversorgung des Landes, sondern auch die wunderbare Natur. Das
einstige Vorzeigeland des afrikanischen Naturschutzes wird von einer Welle
der Wilderei überzogen. Der Grund: Von Mugabe aufgehetzte Landbesetzer
dringen in private Naturschutzgebiete ein und schlachten alles ab, was ihnen
vor die Flinte kommt oder in die Falle gerät. In einigen Schutzgebieten
wurde bereits 60 Prozent des Waldes abgebrannt und die Hälfte des
Tierbestandes getötet. In der Save Valley Conservancy, dem bisher größten
privaten Naturschutzgebiet der Welt, fanden Wildhüter viele tausend
Schlingen. In einer einzigen Woche wurden dort unter anderem 391 Impalas und
207 Kudus, sieben besonders seltene Wildhunde, fünf Elefanten und ein
Nashorn gewildert. Während wir diese Zeilen schreiben weilt Herr Mugabe in
Rom beim UN Welternährungsgipfel und geriert sich als Opfer des westlichen
Imperialismus.

Weltgesundheit
WER FORSCHT FÜR ARME?
Jenseits von Propaganda nach Art von Mugabe gibt es durchaus berechtigte
Vorwürfe gegen die reichen Industrieländer. Mediziner der Washington
University School of Medicine rufen dazu auf, endlich mehr Geld in die
Erforschung von Krankheiten zu investieren, unter denen Bewohner von
Entwicklungsländern leiden. Nur fünf Prozent der pro Jahr für
biomedizinische Forschung ausgegebenen 60 Milliarden Dollar sind jenen
Krankheiten gewidmet, unter denen 95 Prozent der Weltbevölkerung am meisten
leiden. An der Havard Medical School beispielsweise spezialisierten sich von
300 Doktoranden nur zwei auf Malaria, eine Krankheit die alleine in Afrika
alle 30 Sekunden ein Menschenleben auslöscht. (Quelle: Los Angeles Times vom
30.4.2002).

Weltmeisterschaft
BALLERMANN TRITTIN
In großen deutschen Magazinen wirbt das Umweltministerium mit geistreicher
Symbolik. Ein junger Fußballspieler tritt mit dem Fuß auf die runde
Reaktorkuppel eines Kernkraftwerkes. Text: "Deutschland wird Weltmeister.
Jedenfalls beim schnellsten Atomausstieg." Wir vermuten, das wird ein
Eigentor. Viele Menschen würden sich wünschen, Deutschland würde Weltmeister
in Wissenschaft, Bildung und Wirtschaftswachstum. Die Regierung sieht das
anders. Originaltext Anzeige: "Wir haben es geschafft: Kein anderes Land
schaltet so schnell, so viele AKW ab."

Stasi
SEILSCHAFT BEIM DATENSCHUTZ?
Henryk M. Broder berichtete im Spiegel, wie ein Mitarbeiter des Berliner
Datenschutzbeauftragten den Versuch unternahm, ehemalige Stasiopfer
einzuschüchtern (Der Spiegel 20/2002, Seite 52). Unter Androhung von
Geldstrafen und Freiheitsstrafen wollte der Beamte diesen verbieten, auf
ihren Websites einen Link zur so genannten "Fipro" Liste anzubieten. Dies
ist eine Aufstellung von mehreren tausend hauptamtlichen Mitarbeitern des
MfS. Weil wir mal ausprobieren wollen, ob diese Herrschaften auch DIE FROHE
BOTSCHAFT! lesen, bieten wir Ihnen mit größtem Vergnügen Links zu den
beanstandeten Websites an. Werfen Sie doch mal einen Blick auf:
http://www.stasiopfer.de
oder direkt auf die Anlaufseite in USA:
http://www.jya.com
Bitte reichen Sie diese Link nicht weiter, da der Berliner Datenschutz
ansonsten zusammenbrechen könnte.

Dioxin
ÜBERSCHÄTZTES ULTRAGIFT
Seit dem Chemieunfall von Seveso gilt Dioxin (TCDD) als einer der
schlimmsten Krebsverursacher. Das haben wir bisher auch geglaubt. Jetzt
lernten wir durch einen Vortrag von Udo Pollmer anlässlich eines Seminars
zum Thema Chemie und Gesundheit, dass "sich selbst bei Arbeitern, die
exorbitant hohen Belastungen ausgesetzt waren, nur eine mäßige statistisch
unsichere Steigerung der Krebsrate nachweisen lässt, ohne dass damit eine
Erhöhung der Sterblichkeit verbunden wäre." Bei den 5000 untersuchten
Chemiearbeitern deren TCDD Gehalt im Blut dreihundertfach erhöht war,
starben zwar mehr an bestimmten Krebsarten als im Bevölkerungsdurchschnitt,
insgesamt unterschied sich die Mortalität aber nicht vom Rest der
Bevölkerung. Pollmer folgert daraus, dass Dioxin die Bezeichnung Ultragift
zu Unrecht trägt. An objektivierbaren Gesundheitsschäden bleibt in erster
Linie die entstellende Chlorakne. Auch eine neurotoxische Wirkung, die sich
in schweren Depressionen äußern kann, ist wahrscheinlich. Weitere
Informationen finden Sie in EU.L.E.N Spiegel, Nr. 7/ 99 (Wissenschaftlicher
Informationsdienst des Europäischen Institutes für Lebensmittel und
Ernährungswissenschaften, EU.L.E. Titel der Originalarbeit: Steenland, K. et
al: Cancer, heart disease, and diabetes in workers exposed to
Tetrachlorodibenzopdioxin. Journal of the National Cancer Institute 1999/91.

Gesundheit
ZÄHES LEBEN
"Der Himmel ist blau, der Rasen ist grün, der Mensch ist krank", betitelt
die Zeitschrift des Bund Naturschutz (BN Magazin 2/2002) einen Bericht über
die bedenklichen Gesundheitsgefährdungen durch alle möglichen Schadstoffe.
Zur gleichen Zeit flattert uns eine Presseinformation der Max Planck
Gesellschaft auf den Tisch (PRI B 24. G4/2002/36). Sie berichtet von einem
bemerkenswerten Befund: "Immer mehr Hundertjährige. Prognosen der
Lebenserwartung müssen nach oben korrigiert werden." Die heutige
Rekordlebenserwartung hat in den letzten 160 Jahren mit verblüffender
Regelmäßigkeit um drei Monate pro Jahr zugenommen. Aus dieser erfreulichen
Nachricht ergeben sich Konsequenzen für Arbeitsleben, Rentenpolitik und
Gesundheitswesen und somit die nächste Katastrophe. Der Spiegel warnte
bereits in einem Bericht vor dem "Planet der Alten". Nach der
Bevölkerungsexplosion setze sogar in den Entwicklungsländern nun die
Vergreisung ein. Merke: Alles was besser wird, kann nur böse enden.

Gesetze 1
ROSTSCHUTZ
Mit großem Vergnügen lesen wir immer wieder die Fachzeitschrift Auto Bild.
Da kann man wirklich etwas lernen. Zum Beispiel die Konsequenzen des neuen
verbraucherfreundlichen Gewährleistungsrechtes. Es schreibt vor, dass
Selbständige und Freiberufler, die ihren Firmenwagen an eine Privatperson
verkaufen, ein Jahr Garantie geben müssen. Als freiberufliche Herausgeber
der DFB! Können wir unseren alten Opel respektive Fiat also praktisch nicht
mehr veräußern, denn mit einer Garantie könnten wir gleichzeitig den
Offenbarungseid leisten. Das Schlimmste ist uns aber noch erspart geblieben:
Siehe nächste Meldung.

Gesetze 2
MINDERHEITENSCHUTZ
Das geplante Antidiskriminierungsgesetz wurde vor der Wahl auf Eis gelegt.
Und das ist gut so. Es ist eigentlich zum Schutz von Minderheiten gedacht,
macht aber, wie auch das Gewährleistungsgesetz beim Autoverkauf Probleme.
Die FAZ beschreibt die Sachlage so: "Wer sein Auto an einen alten
heterosexuellen weißen Protestanten verkaufen will, kann aufatmen. Vorerst
wird es kein Antidiskriminierungsgesetz geben. Wenn es doch kommt, muss
besagter Autoverkäufer mit der Klage eines junge homosexuellen schwarzen
Katholiken rechnen. Das Neue wäre: Dieser Interessent hätte Aussicht auf
Erfolg." Bei uns wäre er willkommen. Aber bitte ohne Garantie (siehe oben).
Einen Vorgeschmack auf die Wirkung des geplanten Gesetztes erhielt kürzlich
eine gute Freundin von uns in einem Münchner Supermarkt. Wegen der langen
Schlangen eröffnete ein junger (schwarzer) Verkäufer eine neue Kasse. "Sie
können sich hier anstellen", rief er unserer noch an einem Verkaufstisch
stehenden Bekannten zu. "Danke, aber ich bin noch nicht soweit," antwortete
sie. Eine Kundin in einer der Warteschlange interpretierte dieses Verhalten
als schwere Diskriminierung. "Warum stellen Sie sich denn nicht an?" rief
sie in barschen Ton. "Der junge Mann hat sie doch freundlich aufgefordert!"
Weiteres Einkaufen wäre in dieser Situation nacktem Rassismus
gleichgekommen.

Gesetze 3
KINDERSCHUTZ
Die Tochter von Franz Josef Strauß, Bayerns Kulturministerin Monika
Hohlmeier, fordert gesetzliche "Handhabe gegen erziehungsunwillige Eltern."
Denkbar seien "Geldbußen oder Leistungseinschränkungen." André F.
Lichtschlag, Herausgeber der Zeitschrift "Eigentümlich Frei" entwickelte
daraufhin schon mal einen Bußgeldkatalog: "Kinder zu lange ferngesehen: 5
Euro. Kind grüßt Lehrerin nicht: 10 Euro. Kind nicht zur Schule geschickt:
100 Euro. Kind sympathisiert mit Verfassungsfeinden: 1000 Euro." (Quelle:
Eigentümlich Frei Nr. 25/2002)

Kreativität
MEIN FREUND DER BAUM
Das Bundesamt für Naturschutz startet eine originelle Aktion zum Tag des
Baumes. Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene sollen einen Brief an einen
Baum schreiben. Mit welchen Erwartungen und Vorstellungen die Briefschreiber
das verbinden, wolle man ganz der Fantasie überlassen. Der Präsident des
Bundesamtes für Naturschutz, Professor Hartmut Vogtmann, ist sich sicher: "
Die Auseinandersetzung mit den Bäumen aus der Sicht verschiedener
Generationen ist spannend". Deshalb wollen man bewusst die "Vielfalt der
Meinungen, Gedanken und Ideen" zulassen. Wir könnten uns beispielsweise
Briefe jugendlicher Discoraser an Chausseebäume vorstellen, eine wirklich
spannende Auseinandersetzung. Briefe aber bitte nicht auf Papier schreiben,
sonst müssen die Bäume dran glauben, bevor sie die Post erreicht. Alles
weitere unter http://www.naturdedektive.de

Kommentare 1
INTENSIVLANDWIRTSCHAFT? JA, BITTE!
Eine ganze Phalanx prominenter Wissenschaftler und Naturschützer macht sich
im Interesse des Erhalts der noch unberührten Wildnisgebiete für die
intensive Landwirtschaft stark (Siehe oben, Welternährung). Dirk Maxeiner
stellt die Fragen: Was bedeutet dies für die Bio-Landwirtschaft in
Deutschland? Und was ist unter diesen Umständen von dem Slogan "Klasse statt
Masse" zu halten? In Die Welt vom 27.5.2002
http://www.welt.de/daten/2002/05/27/0527fo334400.htx

Kommentare 2
GRÜNE GENTECHNIK MIT GUTEM GEWISSEN
Wie wäre es wenn der Deutsche Umweltpreis 2002 mal an Genforscher ginge? Wir
haben die beiden deutschen Erfinder des für die Menschen in den
Entwicklungsländern so segensreichen "Goldenen Reis" zunächst in DIE FROHE
BOTSCHAFT! (NR. 4/2001) vorgeschlagen. Die Genforscher Peter Beyer und Ingo
Potrykus haben die neue Vitamin A reiche Reissorte entwickelt und an die
betreffenden Länder verschenkt. Ihr Reis kann dazu beitragen, dass Millionen
Menschen nicht mehr aufgrund von Mangelerscheinungen erblinden. Jetzt gab
uns die Reaktion Focus die Möglichkeit unseren Vorschlag in ihrem Magazin
der großen Öffentlichkeit vorzustellen (Focus Nr. 6/2002). Zu finden unter:
http://www.focus.de/F/FC/FCH/fch.htm?para=?-showt:client/focus/focus/j2002/q
1/m02/t04/s054/001_001.dcs
Inzwischen wurden die beiden Forscher übrigens auch ganz offiziell bei der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt vorgeschlagen.


Kommentare 3
ALLES IST GIFTIG
Die Nitrofen-Affäre ist ein typisches Beispiel für den falschen,
anti-aufklärerischen Umgang mit Gefahren. Statt über die realen Probleme
Deutschlands zu reden, flüchten wir uns in irrationale Vergiftungsangst.
Doch Giftigkeit ist immer eine Frage der Dosis, wissen wir seit Paracelsus.
Ein Vierteljahrhundert lang wurde Nitrofen in Deutschland ganz legal
eingesetzt. Es kam in dieser Zeit zu keiner erkennbaren Erhöhung von Krebs
oder Missbildungen. Ein Kommentar von Michael Miersch über Hysterie,
Toxikologie und Öko-Landbau, erschienen in Die Welt am 14.6.2002. Zu finden
unter:
http://www.welt.de/daten/2002/06/14/0614fo338050.htx


Webtipp 1
http://www.longnow.org
Der amerikanische Autor, Erfinder, Designer und Zukunftsforscher Stewart
Brand gilt als Vater des Umwelttages "Earthday" und war in den siebziger und
achtziger Jahren Herausgeber von The Whole Earth Catalogue, einem Kultobjekt
der frühen Ökobewegung. Zusammen mit Kevin Kelly (einer der Gründer der
Zeitschrift Wired), dem Avantgardemusiker Brian Eno und weiteren prominenten
Wissenschaftlern und Kreativen hat er die Long Now Foundation gegründet. Sie
wollen eine Uhr bauen, die einmal im Jahr tickt und deren Jahrhundertzeiger
sich nur alle 100 Jahre bewegt. Alle 1000 Jahre kommt ein Kuckuck zum
Vorschein. Die Uhr soll so solide gebaut und geschützt werden, dass sie
mindestens 10.000 Jahre erhalten bleibt. Die Long Now Stiftung will dazu
anregen, die Welt im Lichte längerer Zeiträume zu betrachten. Uns erscheint
das ein ziemlich faszinierendes Projekt.
Übrigens: Die amerikanische Übersetzung unseres Buches Life Counts (Eine
Globale Bilanz des Lebens), die dieser Tage in New York vorgestellt wurde,
hat Stewart Brand so gut gefallen, dass er ein Vorwort dafür schrieb.

Webtipp 2
http://www.iwmc.org/censored/humor05.htm
Was würde passieren, wenn Gott heutzutage Noah beauftragen würde, wieder
eine Arche zu bauen? Allerhand, aber eine Arche käme dabei nicht zustande.
Denn Noah würde weder eine Baugenehmigung erhalten noch könnte er die
Umweltauflagen erfüllen und sowieso an den Artenschutzgesetzen scheitern.
Eine lehrreiche Satire über Umweltschutz und Bürokratie (auf Englisch).

Webtipp 3
http://www.iwmc.org
Obige Noah-Satire fanden wird auf der Website des World Conservation Trust
(ehemals International Wildlife Management Consortium). Die Organisation
setzt sich mit wissenschaftlichen Argumenten für die nachhaltige Nutzung von
Wildtieren und Fischbeständen ein. Denn gerade in den armen Ländern ist
Naturschutz zum Scheitern verurteilt, wenn die Menschen die wilde Fauna
nicht für ihren Lebensunterhalt nutzen dürfen. Präsident der Organisation
ist übrigens Eugéne Lapointe, der ehemalige Generalsekretär von CITES
(Washingtoner Artenschutzabkommen).

Webtipp 4
http://www.envirotruth.org
Website, die vom amerikanischen National Center for Public Policy Research
gesponsort wird und sich mit Falschbehauptungen von Öko-Aktivisten befasst.
Zu Themen wie Klima, Gentechnik, Chlor oder PVC findet man dort viele Zitate
von Greenpeace und Co. und die dazugehörigen Richtigstellungen.

Webtipp 5
http://www.hayek.de
Website der Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft. Sie bietet eine
Biographie des großen Denkers der Freiheit, Schriften von und über Hayek,
eine virtuelle Bibliothek und Links zu vielen anderen Hayek Websites.

Buchtipp 1
Dirk Maxeiner und Michael Miersch
DIE ZUKUNFT UND IHRE FEINDE
Eichborn Frankfurt, 2002
Wer von hysterischen Debatten über wichtigtuerische Möllemänner, alterseitle
schwäbische Schriftsteller und Nitrofen in Ökoeiern genug hat, und sich mal
wieder den realen Problemen dieses Landes zuwenden möchte, muss nur noch
zirka sechs Wochen auf unser neues Buch warten. Es wird aller Voraussicht
nach Ende Juli erscheinen. Interessierte Rezensenten können die Fahnen
bereits Anfang Juli bei Dieter Muscholl (Eichborn Presseabteilung, Tel. 069
256003 12) bestellen. Außerdem kann man in Kürze auf der neu gestalteten
Eichborn Website das Cover des Buches in druckfähiger Auflösung herunter
laden.

Buchtipp 2
Johan Norberg
IN DEFENCE OF GLOBAL CAPITALISM
Timbro 2001 (www.timbro.com)
Wenn man den Titel dieses Buches geschickt ins Deutsche übertragen würde,
könnte er lauten: Warum Kapitalismus das beste Mittel gegen Armut ist.
Norberg, ein junger Mann mit Sympathien für den Anarchismus und Mitarbeiter
der freiheitlichen Schwedischen Stiftung Timbro, hat weder für allzu
mächtige Großkonzerne noch für gierige Finanzhaie viel übrig. Statt dessen
liegen ihm die Entwicklung der armen Länder, die persönliche Freiheit und
die Wahlmöglichkeiten des Individuums am Herzen. Faktenreich weist er nach,
dass diese Ziele nur in Verbindung mit freiem Wettbewerb und Privateigentum
erreicht werden können. Norberg trifft genau den richtigen Ton um seine
Generation davon zu überzeigen, dass bei aller Kritik Humanität nur im
kapitalistischen System eine Chance hat. Das beste Buch zur Globalisierung
seit langem, obendrein anregend und verständlich geschrieben.

Buchtipp 4
Daniel T. Oliver
ANIMAL RIGHTS
THE INHUMANE CRUSADE
Capital Research Center, Washington 1999
"Die Mörder stehen links," verkündete vorschnell die Anhänger des
niederländischen Politikers Pim Fortuyn. Darüber geriet völlig in
Vergessenheit, wer den Kandidaten wirklich erschossen hat: Ein Tierrechtler.
Vermutlich weil Fortuyn angekündigt hatte, ein geplantes Gesetz gegen
Pelztierfarmen nach einem Wahlsieg sofort in den Papierkorb zu befördern.
Gezielter Mord wie im Falle Fortuyn ist noch eine Ausnahme, aber
Brandstiftungen, Bombenanschläge, Überfälle, Einbrüche, Vandalismus und
Psychoterror militanter Tierrechtlern gehören fast schon zum Alltag in den
reichen westlichen Gesellschaften. Die militanten Aktionen richten sich
gegen Mediziner, Pharmazeuten, Zoologen, ebenso gegen Landwirte, Kürschner
und Fischer. Seit etwa 15 Jahren wächst die Animal Rights Bewegung in
Europa und Nordamerika rasant an. In den Vereinigten Staaten sind
Tierrechtsgruppen wie PeTA (People for the ethical Treatment of Animals)
heute bereits mitgliedsstärker und spendenreicher als die herkömmlichen
Tierschutzorganisationen. Doch die Tierrechtler wollen etwas völlig anderes
als Tierschutz: Sie wollen JEGLICHE Nutzung und JEGLICHEN Besitz von Tieren
abschaffen (Fleisch ist Mord, Käse ist Folter, Honig ist Raub). Denn nach
ihrer Ideologie gebührt allen Tieren das gleiche Recht auf Leben und
Freiheit wie den Menschen. Daniel T. Oliver hat in diesem Buch
zusammengestellt, was Tierrechtler in den USA bereits angerichtet haben. Wie
sie kranken Menschen schaden, indem sie den medizinischen Fortschritt
aufhalten und wie sie versuchen mit Gewalt ihre Ziele durchzusetzen. Eine
wertvolle Faktensammlung, die auch in Deutschland Leser finden sollte.
Besonders, wenn man bedenkt wie viele Prominente aus der
Unterhaltungsindustrie auch hierzulande für PeTA und andere
Tierrechtsorganisationen Reklame machen.

Buchtipp 4
Christine Stecher (Hrsg.)
DER TAG, AN DEM DIE TÜRME FIELEN
Knaur, München 2002
Schon heute können wir es kaum erwarten, dass dieses Werk endlich erscheint.
Es soll uns die "Symbolik und Bedeutung des Anschlags" erklären und
verspricht "Versöhnung mit der Angst". Dafür Sorgen die Autoren Franz Alt,
Jürgen Fliege, Ruediger Dahlke, Sabrina Fox und andere "renommierte Lehrer,
Psychotherapeuten, Heiler und Publizisten." Die Ankündigung des Knaur
Verlages verspricht, eine "Systemische Analyse des Anschlags", einen Blick
auf "das Spiel der Mächte aus der Perspektive der Astrologie", Aufklärung
über die "geomantischen Auswirkungen der Tragödie", Neues über den "Mythos
der Türme" und eine Analyse des Attentats "in der Sprache der Farben."
Leider müssen wir uns noch bis zum 27. August gedulden, bis wir dieses Buch
endlich in Händen halten können. Bis dahin erstellen wir ein Horoskop über
den Geisteszustand des Knaur Verlages.

Poesie
DER LETZTE ICHTHYOSAURUS
Wir verabschieden uns bis zur nächsten Ausgabe von DIE FROHE BOTSCHAFT! mit
einem Gedicht. In ergreifenden Worten schildert darin Joseph Viktor von
Scheffel (1826 bis 1886), dass Kulturpessimismus kein Phänomen der Neuzeit
ist, sondern bereits im Trias und der Kreidezeit verbreitet war. Wir
entdeckten diese Verse bei einem Besuch des Fossilien-Museums in Holzmaden
(Baden-Württemberg).

Es rauscht in den Schachtelhalmen
Verdächtig leuchtet das Meer -
Da schwimmt mit Tränen im Auge
Ein Ichthyosaurus daher.

Ihn jammert der Zeiten Verderbnis
Denn ein sehr bedenklicher Ton
War neulich eingerissen
In der Triasformation.

Der Plesiosaurus, der alte
Der jubelt in Saus und braus,
Der Pterodactylus selber
Flog neulich betrunken nach Haus.

Der Iguanodon, der Lümmel,
Wird frecher zu jeder Frist:
Schon hat er am hellen Tage
Die Ichthyosaura geküsst!

Mir ahnt eine Weltkatastrophe,
So kann es länger nicht geh'n!
Was soll aus dem Trias werden,
Wenn solche Dinge gescheh'n!

So klagte der Ichthyosaurus,
Da ward ihm so kreidig zu Mut,
Sein letzter Seufzer verhallte
In Qualm und zischender Flut.

Es starb zur selben Stunde
Die ganze Saurierei;
Sie kamen zu tief in die Kreide
Da war's natürlich vorbei.

Und der da hat gesungen
Dies petrefaktisch Lied
Der fand's als fossiles Albumblatt
Auf einem Koprolith!