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DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 12 29.08.02
Katastrophen 1
IMMER MEHR? IMMER SCHLIMMER?
Die Überschwemmungen in Mitteleuropa haben der alten These von der Zunahme
der Katastrophen neuen Auftrieb gegeben. Wer sich genauer damit beschäftigen
möchte, dem sei eine Arbeit der beiden Österreichischen Ökonomen
Josef
Nussbaumer und Helmut Winkler empfohlen:
WIRD DIE NATUR GEWALTTÄTIGER?
Die Bilanz der letzten hundert Jahre
Empirische Implikationen zur Naturkatastrophenforschung
In: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 84. Band
Franz Steiner Verlag Stuttgart 1997
Die beiden Forscher untersuchten 1422 Naturkatastrophen, die zwischen 1896
und 1995 jeweils mehr als hundert Menschenleben gekostet hatten. Dabei
fanden sie heraus, dass die Anzahl der kleineren Katastrophen erheblich
angestiegen ist. Doch die Häufigkeit ganz großer Katastrophen (über
10 000
Tote) ging im 20. Jahrhundert zurück. Naturkatastrophen töteten am
Ende des
Jahrhunderts weniger Menschen als am Anfang. In den reichen Ländern sanken
die Opferzahlen drastisch. Doch selbst in den Entwicklungsländern nahm
die
Zahl der Katastrophentoten trotz heftig ansteigender steigender
Bevölkerungsdichte leicht ab.
Daraus ergeben sich alle möglichen Fragen: Nimmt die Zahl der Katastrophen
zu, oder nur die Berichterstattung darüber? Werden Naturkatastrophen immer
weniger schlimm (weil weniger Tote), oder schützen sich die Menschen nur
besser? Zumindest ein Schluss scheint plausibel: Arme trifft es härter
als
Reiche. Die gleichen Wirbelstürme töten in Mittelamerika viel mehr
Menschen
als in Florida.
Nussbaumer und Winkler halten sich mit Interpretationen zurück und betonen,
"dass sowohl die Verfügbarkeit als auch die Zuverlässigkeit der
Daten einem
geographisch und zeitlich bedingten Wandel unterworfen sind." Ihre Antwort
auf die Frage, ob die Gewalt der Natur zunehme, lautet: "Der gegenwärtige
Stand der Forschung erlaubt keine eindeutige Antwort."
Sicher ist, dass die Versicherungsschäden kräftig ansteigen. Doch
dies kann
viele Gründe haben. Weltweit nimmt der Wohlstand zu. Immer mehr Bürger
versichern ihr Hab und Gut. Auch siedeln mehr Menschen in gefährdeten
Gebieten (die Bevölkerungsdichte an den Küsten der Vereinigten Staaten
verdoppelte sich in zwanzig Jahren).
Informationen aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts sind äußerst
dürftig,
denn sie beruhen größtenteils auf Zeitungsmeldungen. Doch ob ein
Desaster in
die Zeitung kommt, hängt von vielen Faktoren ab. Bestes Bespiel: Die
Katastrophenberichterstattung der letzten hundert Jahre zeigt zwischen 1936
und 1945 einen auffälligen Knick nach unten. Ursache ist wohl kaum eine
in
dieser Zeit besonders friedliche Natur, sondern der zweite Weltkrieg.
Katastrophen 2
HOCHWASSER IN SACHSEN
Ein Eisenbahnfan und Leser der DFB! machte uns auf einen Artikel in der
Zeitschrift MODELLEISENBAHN SPEZIAL NR. 4 aufmerksam, in dem es um eine
Überschwemmungskatastrophe in Sachsen im Sommer 1927 geht. Damals hatten
ebenfalls heftige Regenfälle die Flussläufe im Erzgebirge anschwellen
lassen. Das kleine Flüsschen Müglitz, das bei Dresden in die Elbe
mündet,
wurde zum reißenden Strom, brachte Gebäude zum Einsturz und zerstörte
die
Eisenbahnstrecke durchs Müglitztal. Damals kamen in einer Nacht 150 Menschen
(!) ums Leben.
In ihrer Ausgabe vom 24./25. August stellte die SÄCHSICHE ZEITUNG eine
Chronologie der Überschwemmungen zusammen:
1336 stieg die Elbe so stark an, dass man drei Tage nicht vom einen zum
anderen Ufer gelangen konnte.
1446 wurden die (steinernen) Brückenbögen weggespült.
1501: Drei Brückenpfeiler brechen. Der Chronist Anton Weck: "Am
Abend
Mariä Himmelfahrt, den 15. August, hub die Elbe an zu wachsen ... Es brachte
viel Häuser aus Böhmen und sonst von oben herunter geführet ...
und das
Wasser bis an die Schwibbögen reichte, so dass man solches mit einer Hand
erlangen konnte.
Wie bereits 1501, so rissen auch 1571 die Wassermassen die Pfeiler der
Elbbrücke einfach weg.
Zwei Jahre später waren die Fluten so hoch, dass das Wasser sogar
die
Brücke überspülte.
Auch 1605 waren Pfeiler der Elbbrücke mit Wasser bedeckt.
1655: Dresden versinkt im Wasser.
1661: Starkes Hochwasser.
1665: Sehr starkes Hochwasser.
1669: Starkes Hochwasser.
Am 30 Juni 1771 rissen die Wassermassen in Chemnitz alle Brücken
und Stege
sowie auch einige Häuser mit sich fort. Die Menschen retteten sich anfangs
in die oberen Etagen ihrer Häuser und später auf die Dächer.
Grimma wurde
von der Flut so schnell überrascht, dass die drei geschlossenen Stadttore
und Teile der Stadtmauer von den Wassermassen einfach weggerissen wurden.
Auf ihrem Weg zur Elbe riss die Mulde zahlreiche Menschen in den Tod. Die
Gewitter dauerten örtlich 48 Stunden und länger.
Auch für die anschließenden Jahre sind schwere Winter- und
Frühjahrsüberschwemmungen nachweisbar, wie beispielsweise
1784,
1785
1799.
Am 31. März 1845 stieg der Elbpegel auf 8,77 Meter an. An der neuen
Elbbrücke brach der fünfte Pfeiler.
Wenn immer nur von DER Elbbrücke die Rede ist, so darum, weil es bis zum
vorvorigen Jahrhundert tatsächlich nur eine Brücke in Dresden gab.
Arbeitsplätze 1
WUNDERBARE JOBVERMEHRUNG
Im Bundestag und in vielen Medien wird von den Protagonisten der
alternativen Stromgewinnung immer wieder verbreitet, dass in der Branche der
erneuerbaren Energien 130 000 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Durch
beständiges Wiederholen wird so eine Zahl dann zum Fakt. Recherchen eines
Lesers der DFB! ergaben, dass die Angaben keinerlei Bezug zur Realität
haben. Der größte deutsche Windradbauer beschäftigt 1 400 Menschen,
in den
vergangenen vier Jahren hat er maximal 400 neue Arbeitnehmer eingestellt.
Alle anderen Windradbauer sind bedeutend kleiner und somit auch die Zahl
ihrer Neueinstellungen. Der größte deutsche Solarmodulbauer in Freiburg
hat
gerade mal 70 Mitarbeiter. Selbst wenn man die komplette Belegschaft ganzer
Stahlwerke hinzurechnet, auch wenn diese nur ein paar Schrauben zugeliefert
haben, ist die Zahl von 130 000 neuen Arbeitsplätzen in keiner Weise
nachvollziehbar. Vielleicht sollten wird darüber nicht allzu traurig sein.
Laut Wirtschaftsministerium (Pressemitteilung vom 12.04.02) wird ein
Arbeitsplatz in der Windindustrie derzeit mit 150 000 Euro pro Jahr
subventioniert.
Arbeitsplätze 2
BERUFSPROTEST MIT QUALITÄTSSICHERUNG
Endlich: In Zürich wurde die schweizerisch-deutsche "Gesellschaft
für
Campaigning" gegründet. Diese hat sich für Protestkampagnen "die
Qualitätssicherung in Ausbildung und Praxis" zum Ziel gesetzt. Schließlich
sei hier eine "neue, interdisziplinär tätige Branche" im
Entstehen. Wer
heutzutage auf die Straße geht, sollte nach Ansicht der Gesellschafter
ganz
schön was auf dem Kasten haben: "Campaigner müssen sich unter
anderem auf
den Gebieten der Kommunikation, der Werbung, des Marketings, des
Eventdesigns, des Projektmanagements, der Strategielehre, des
Changemanagements und der Spieltheorie auskennen." Wer sich in der
aufstrebenden Branche engagieren will, sollte sich möglichst bald um einen
Ausbildungsplatz bewerben. Gründungsmitglieder der Gesellschaft für
Campaigning sind: 4C (Campaigning and Crisis Communications Consulting
GmbH), Zürich (www.campaigning.ch), die Kampagnenforum GmbH, Zürich
(www.kampagnenforum.ch) und die agentur für public affairs afpa, Bonn/Berlin
(www.afpa.de).
Grüne Gentechnik 1
AUS VORSICHT DAFÜR
In Abwägung aller Chancen und Risiken gebietet das Vorsorgeprinzip die
Weiterentwicklung und Anwendung der grünen Gentechnik und keineswegs einen
Verzicht. Im Rahmen der Diskursrunde "Grüne Gentechnik" des
Bundesministeriums für Verbraucherschutz war Dirk Maxeiner eingeladen,
diese
These vorzutragen. Den vollständigen Vortrag finden Sie unter
http://www.gruene-gentechnik.de/Doku_runde4/Maxeiner_vortrag.pdf.
Grüne Gentechnik 2
NEUE FREUNDE
Vom Welternährungsgipfel, der im Juni in Rom tagte, wurde alles mögliche
berichtet. Doch dass sich die Versammlung für Grüne Gentechnik ausgesprochen
hat, haben wir nirgends gehört oder gelesen. In der Abschlusserklärung
heißt
es: "Wir fordern die FAO auf, ... die Agrarforschung zu neuen Technologien
einschließlich der Biotechnologie voranzutreiben." Ohnehin gewinnt
die Grüne
Gentechnik derzeit neue Freunde. Einer davon ist UNEP-Chef Klaus Töpfer,
der
laut TIMES vom 28. Juli sagte: "Es mag Umweltprobleme mit einigen
gentechnisch veränderten Nahrungspflanzen geben, aber diese Technologie
kann
nicht aufgehalten werden. Sie könnte viele Vorteile bringen, beispielsweise
höhere Erträge auf dem bereits vorhandenen Ackerland. Das wird den
Druck
mindern, Wildnisgebiete in Äcker umzuwandeln."
Religion
HALTET DIE LUFT AN
Neue Messergebnisse zeigen, dass beim Verbrennen von Weihrauch Dioxin
entsteht.
(Quelle: John von Radowitz PA News Body 2.8.01)
Gesundheit 1
LIEBER OHNE GUMMI
Luftverschmutzung, Verkehrs- und Industrieabgase sowie die Produkte der
chemischen Industrie gelten bei vielen Menschen immer noch als Hauptauslöser
von Allergien. In der Realität spielen sie freilich eine untergeordnete
Rolle. In einer lesenwerten Spezial-Ausgabe ihrer Broschürenreihe "Mensch
und Umwelt" (15/2002) geben die Wissenschaftler des GSF Forschungszentrums
für Umwelt und Gesundheit einen hervorragenden Überblick über
die
tatsächlichen Ursachen der Erkrankungen, den Stand des Wissens sowie heutige
und künftige Therapiemöglichkeiten. Die Texte sind für jedermann
verständlich und voller Überraschungen. Wer weiß beispielsweise,
dass eine
sprunghaft ansteigende Zahl von Menschen auf Naturgummilatex allergisch
reagiert? Die Broschüre "Asthma und Allergien" ist kostenlos
zu beziehen
unter
http//www.gsf.de oder E-Mail oea@gsf.de
Gesundheit 2
WENIGER SCHNUPFEN DURCH SAUBERE LUFT
Eine aktuelle Studie des GSF Forschungszentrums bringt weitere
Überraschungen zutage (GSF-Presseinformation vom Juli 2002). Demnach gingen
in Ostdeutschland mit der Verbesserung der Luftqualität,
Erkältungskrankheiten, Bronchitis und Nebenhöhlenentzündungen
zurück. Was
man bisher über den Zusammenhang von Luftverschmutzung und Gesundheit
glaubte, wird damit geradezu auf den Kopf gestellt. Noch vor ein paar Jahren
nahm man an, dass dreckige Atemluft vor allem zu Asthma und Allergien führt.
Jetzt stellt sich heraus, dass sich die (durch Bakterien und Viren
ausgelösten) Erkältungsleiden durch Schwebstaub und Schwefeldioxid
häufen.
Bei diesen Krankheiten hatte man einen Zusammenhang mit Umweltverschmutzung
weit weniger vermutet. Bereits 1992 hatten GSF-Forscher darauf aufmerksam
gemacht, dass überraschender Weise in damals noch hoch belasteten
ostdeutschen Regionen Asthma und Allergien weitaus seltener vorkamen als in
westdeutschen Gebieten mit reiner Luft (siehe auch LEXIKON DER ÖKO IRRTÜMER,
Kapitel Gesundheit).
Windkraft
TOTE VÖGEL
Die bisher vorherrschende und durch mehrere Studien bestätigte Ansicht,
dass
Windkraftanlagen der Vogelwelt nicht schaden, gerät ins Wanken. Eine
Untersuchung, die zwischen März 2000 und März 2001 in der spanischen
Region
Navarra durchgeführt wurde, kommt zu einem gegenteiligen Resultat. Unter
den
elf untersuchten Anlagen fanden die Forscher bei ihren Stichproben 141 tote
Vögel und Fledermäuse. Die Biologen glauben jedoch, dass weitaus mehr
Tiere
getötet und verletzt wurden, als sie gefunden haben. Hochgerechnet auf
das
ganze Jahr nehmen sie einen Verlust von über 8400 Vögeln und Fledermäusen
an, darunter allein über 440 Geier. Quelle: SUNDAY TIMES vom 21. Juli 2002
Bildung
DIE SCHIEFEN BILDER VON PISA
Unter diesem Titel hat der Autor Joachim Killer in dem IT-Newsletter SILICON
einen sehr lesenswerten Kommentar zur aufgeregten Bildungsdebatte in
Deutschland veröffentlicht. Killer zeigt, wie alle möglichen
Interessengruppen ihr Pisa-Süppchen kochen und völlig unsinnige Schlüsse
ziehen, die von den Ergebnissen der Studie nicht im geringsten untermauert
werden. Im Web zu finden unter: http://www.msm.de/TakeOff/takeof77.htm
Proteste
ADIDAS AM PRANGER
Die britische Tierrechtlergruppe Vegetarians International Voice for Animals
(VIVA!) ruft zum Protest gegen die Sportartikelfirma Adidas auf. Der Grund:
Das Unternehmen stellt Fußballschuhe aus Känguruleder her. Über
zehntausend
Emails von radikalen Tierfreunden sind bereits in der Firmenzentrale
eingegangen. Der World Conservation Trust (IWMC) eine Organisation, die sich
mit der nachhaltigen Nutzung von Wildtierbeständen befasst, erklärt
dazu,
dass die australische Känguruindustrie ökologisch vernünftig
wirtschaftet.
Anders als Schafe und Rinder zerstören diese einheimischen Beuteltiere
nicht
das Grasland. Und trotz intensiver Jagd (5 bis 6 Millionen Abschüsse pro
Jahr) vermehren sie sich prächtig. Fünf von 48 Känguruarten dürfen
in
Australien kommerziell genutzt werden, was ihrer Bestandsentwicklung
offenbar gut bekommt. In den siebziger Jahren wurden diese Arten noch auf
Roten Listen geführt, heute sind sie häufiger denn je.
Bevölkerungsentwicklung
BESSER LEBEN IN MEGASTÄDTEN
Das Anwachsen der großen Ballungszentren in den armen Ländern wird
gemeinhin
als Katastrophe betrachtet. Doch die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
(DSW)
sieht diese Problematik wesentlich differenzierter (DSW Newsletter
Juli/August 2002). Einerseits entstehen in den Ballungszentren massive
Probleme, wie Kriminalität und Umweltzerstörung. Zugleich bieten die
Megastädte jedoch vielen Menschen Aufstiegschancen, deren Alternative in
einem Leben hinter dem Ochsenpflug besteht. Konsumniveau und Kaufkraft seien
nirgendwo im Süden höher als in den Megastädten. Damit seien
sie der Motor
der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, zitiert der DSW Newsletter
eine Wissenschaftlerin. Viele Beobachter lassen sich jedoch davon verwirren,
dass das Elend in den Städten viel mehr auffällt als auf dem Lande,
und
vergessen dabei, dass die meisten Landbewohner viel ärmer sind als arme
Städter.
Grundwasser
EGAL OB BIO ODER NORMAL
Wissenschaftler vom GSF-Institut für Hydrologie haben auf dem Versuchsgut
Scheyern erforscht, wie die Landwirtschaft die Grundwasserqualität
beeinträchtigt. "Die Unterschiede im Schadstoffeintrag ins Grundwasser
sind
zwischen dem ökologischen Landbau und dem integrierten Pflanzenanbau relativ
gering," resümiert Prof. Klaus-Peter Seiler. Der überwiegend
organische
Stickstoffeinsatz der Biobauern hat keine erkennbare Auswirkung auf die
Grundwasserqualität. Das bedeutet allerdings nicht, dass man sorglos
Kunstdünger auf die Felder kippen sollte. Verringern lasse sich die
Belastung der Gewässer nur durch gezielteren Einsatz von Düngemitteln.
Durch
"Precision Farming" müssten die Wuchsförderer möglichst
niedrig dosiert und
genau an die Bedürfnisse der Pflanzen angepasst werden. Quelle: GSF
Presseinformation vom Juli 2002.
Kommentar 1
DIOGENES IN DER KONSERVENDOSE
Das Leitbild der Nachhaltigkeit nimmt freiheitsfeindliche Züge an. Der
Mensch soll auf niedrige Erwartungen eingestimmt und zum nachhaltigen
Untertan erzogen werden. Ein Essay von Dirk Maxeiner erschienen in DIE WELT
vom 16.8.2002. Zu finden unter:
http://www.welt.de/daten/2002/08/16/0816fo350755.htx
Kommentar 2
JOHANNESBURG: MEHR WACHSTUM WAGEN
Auf dem Weltgipfel in Johannesburg steht die ökonomische Entwicklung der
armen Länder im Mittelpunkt, und das ist gut so. Es war weise von den
Vereinten Nationen, die Armut in den Vordergrund zu stellen. Konkrete
Probleme wie Wasserverschmutzung und Brennholzmangel sind wichtiger als
hypothetische Weltuntergangsszenarien. Armut ist der schlimmste Feind der
Umwelt. Wirtschaftliches Wachstum führt zu mehr Umweltschutz. Dennoch ist
es
im reichen Westen nach wie vor in Mode, Verzicht statt Wachstum zu predigen.
Als gäbe es keine Effizienzrevolution, keine technischen Fortschritt, als
sei die Erde ein Kuchen, bei dem es nur auf die möglichst gleichmäßige
Aufteilung ankommt. Ein Kommentar von Michael Miersch erschienen in DIE WELT
vom 29.8.2002. Zu finden unter:
http://www.welt.de/daten/2002/08/29/0829fo353340.htx
Lesetipp
WIDER DEN ÖKOLOGISMUS
Unter diesem Titel ist in der Septemberausgabe von PSYCHOLOGIE HEUTE ein
Text von Maxeiner & Miersch zum Thema Umwelterziehung erschienen. Darin
heißt es: "Umweltbildung erweist der Ökologie einen Bärendienst,
wenn sie
sich darauf beschränkt, die Doktrinen einer Katastrophenreligion
herunterzubeten, Skepsis und Anschauung sind die besten Lehrmeister."
Fernsehtipp
Thomas Weidenbach und Meike Hemschemeier
MIT LANGEM ATEM
In nächster Zeit werden mehrere Dokumentarfilme gesendet, die der von uns
hoch geschätzte Filmemacher Thomas Weidenbach gemeinsam mit Meike
Hemschemeier realisiert hat. Weidenbach war in der Vergangenheit mehrmals
Zielscheibe wütender grüner Fundamentalisten, weil er konstruktiv
und ohne
Untergangsrhetorik über Umweltprobleme berichtete. Am 26.August (bei
Erscheinen dieser DFB! leider schon vorüber), 9. September und 23.September
läuft jeweils um 19.00 Uhr in arte die Reihe "Mit langem Atem",
in der es um
Menschen in aller Welt geht, die durch konkrete Taten dafür sorgten, dass
die Umwelt besser wird. In gekürzter Fassung werden die Filme am 3.9. und
4.9. im WDR Schulfernsehen um (oh Schreck) 6.30 Uhr gezeigt.
Webtipp 1
http://www.longbets.org
Die im Jahr 2001 gegründete Long Bets Foundation möchte Propheten
aller Art
dazu ermuntern, ihre Vorhersagen finanziell zu untermauern, indem sie Wetten
darauf abschließen. Gewinne müssen allerdings für gute Zwecke
gespendet
werden. Außerdem bietet diese Website ein Forum um Zukunftsprognosen zu
diskutieren. Zur Zeit laufen unter anderem folgende Wetten: 2150 wird es
noch mindestens einen Menschen geben, der im Jahr 2000 bereits gelebt hat.
2030 werden ferngesteuerte Passagierflugzeuge ohne Piloten üblich sein.
2010
werden weltweit die Hälfte aller Bücher "on demand" gedruckt.
Webtipp 2
http://www.mueller-ullrich.com
Der Publizist Burkhard Müller-Ullrich schreibt begnadet gute Essays zu
politischen Zeitfragen, und ist der Autor des ausgezeichneten Buches
MEDIENMÄRCHEN (Blessing Verlag, München 1996). Als einer der wenigen
in der
Branche macht er die journalistische Berichterstattung selbst zum Thema,
analysiert wie Medienhypes entstehen, und recherchiert die Fakten hinter
Pseudoskandalen. Humor kombiniert mit treffsicherer Polemik lassen jedes
seiner Stücke zum Genuss werden.
Webtipp 3
http://www.amprogress.org
Die Americans für Medical Progress sind eine Initiative aus Patienten,
Medizinern und anderen Wissenschaftler, die es nicht länger hinnehmen
wollen, dass Tierversuchsgegner und Gentechnikgegner die öffentlichen
Debatten beherrschen und den medizinischen Fortschritt aufhalten.
Webtipp 4
http://www.torontofreepress.com/gr_peace.htm
Unter dieser Webadresse findet man den TRUE GREEN REPORT, eine ständig
aktualisierte Artikelsammlung, die Worte, Taten und Weltanschauung grüner
Aktivisten kritisch beleuchtet.
Buchtipp 1
Indur M.Goklan
THE PRECAUTONARY PRINCIPLE
Cato Institut, Washington 2001
Der Begriff der Vorsorgeprinzips wird zunehmend als Instrument zu
Verhinderung jeglichen Fortschritts missbraucht. Wer eine neue Technologie
einführen will, soll deren vollkommene Unschädlichkeit von vorne herein
nachweisen. Das kommt einer Umkehr der Beweislast gleich und widerspricht
damit rechtstaatlichen Prinzipien. Außerdem ist ein solcher Nachweis
praktisch unmöglich. Der Amerikaner Indur M. Goklany hat sich einen guten
Ruf als Unterhändler in Sachen Umwelt bei UN-Verhandlungen gemacht. In
seinem erhellenden Buch rückt er das Vorsorgeprinzip gerade: Die Risiken
der
Anwendung einer Technologie müssen stets den Risiken ihrer Nichtanwendung
gegenübergestellt werden. Beides muss dann gegeneinander abgewogen werden.
Dabei kommt es zu überraschende Ergebnissen.
Buchtipp 2
Hans Mathias Kepplinger
DIE KUNST DER SKANDALISIERUNG UND DIE ILLUSION DER WAHRHEIT
Olzog Verlag, München 2002
"Die großen Skandale kann man als demokratische Variante von Schauprozessen
betrachten," schreibt Mathias Kepplinger in dieser scharfsinnigen Analyse
der großen deutschen Medienskandale der vergangenen Jahre. Er zeigt auf,
wie
wenig Skandale oftmals mit den wirklichen Missständen zu tun haben, warum
oftmals relativ kleine Übel, zu der größten Empörung führen
und wie die
gesellschaftliche und mediale Konstellation sein muss, damit ein Ärgernis
zum Skandal wird. In geballter Form bekommt man noch einmal vor Augen
geführt, wie viele der nationalen Gefühlsaufwallungen auf Falschmeldungen
oder wüsten Übertreibungen beruhten (Sebnitz, Brent Spar, Molkezug).
Manche
richteten schwere Schäden an: Nudelskandal 1985 kostete zirka 500, die
BSE-Hysterie im Jahr 2000 etwa 10 000 Arbeitsplätze. Viele der vergangenen
Aufregungen, die einmal Deutschland in Atem hielten, sind aus heutiger Sicht
kaum mehr nachzuvollziehen. "Die Skandalisierung," so Kepplingers
Fazit,
"ruft eher resignative Apathie als kritisches Engagement hervor."
"Die
Mehrheit kehrt nach einiger Zeit nicht deshalb zu ihren alten Gewohnheiten
zurück, weil sie die Wahrheit nun kennt, sondern weil sie das, was sie
immer
noch für die Wahrheit hält, nicht mehr ernst nimmt. Also tanken die
Leute
wieder bei Shell, essen Rindfleisch und wählen CDU."
Buchtipp 3
Jürgen Maruhn, Manfred Wilke (Hrsg.)
DIE VERFÜHRTE FRIEDENSBEWEGUNG
Olzog Verlag, München 2002
Der achtziger Jahre Retrotrend lässt in letzter Zeit gelegentlich
Erinnerungen an die wohl größte außerparlamentarische Bewegung
der alten
Bundesrepublik aufkommen: den Protest gegen die Nachrüstung der NATO mit
atomaren Mittelstreckenraketen. Die Wirkung der Friedensbewegung und hat die
Achtundsechziger Rebellion bei weitem übertroffen und beeinflusst bis heute
die politische Stimmungslage in Deutschland, wenn es beispielsweise um den
Kampf gegen den Terrorismus geht. Damals, im Oktober 1981, versammelten sich
250 000 Friedensbewegte in Bonn. 4,7 Millionen Menschen unterschrieben den
"Krefelder Appell" gegen die Nachrüstung. Die SPD war in dieser
Frage tief
zerrissen und die Regierung von Schmidt und Genscher wackelte. Der
Saarbrücker Kommunalpolitiker Oskar Lafontaine nutzte die Gunst der Stunde,
um seine höheren Ambitionen anzumelden. Anhand der heute zugänglichen
Quellen belegen die Autoren des Buches, dass die Friedensbewegung massiv von
der SED, ihrem westdeutschen Ableger DKP und deren Tarnorganisationen
gesteuert wurde. Nicht nur naive Mitläufer wurden schamlos manipuliert,
auch
führende Köpfe wie der Bundeswehrgeneral und spätere Abgeordnete
der Grünen
Gert Bastian wurden direkt von Ostberlin in Stellung gebracht. Einer, der
bereits in den siebziger Jahren kommunistisch gesteuerte Friedensaufrufe
unterschrieben hat, hieß übrigens Jürgen W. Möllemann,
der offenbar schon
damals für antiwestliche Rhetorik zu haben war.
Buchtipp 4
Milton Friedman
KAPITALISMUS UND FREIHEIT
Eichborn, Frankfurt 2002
Dankenswerterweise hat der Eichborn Verlag diesen Klassiker der liberalen
Ökonomie aus dem Jahre 1962 wieder aufgelegt. Friedmans Argumente gegen
eine
wuchernde Staatsbürokratie sind heute noch genauso zutreffend wie damals.
Er
hat bereits vor vierzig Jahren Vorschläge gemacht, die jetzt als
revolutionär brandaktuell diskutiert werden (z.B. Nationalparks zu
privatisieren). Angesichts der etatistischen Einheitsfront Schröder/Stoiber,
die sich beide hartnäckig weigern eine Zurücknahme von Subventionen
und
überflüssigen Regulierungen auch nur in Erwägung zu ziehen, spendet
Friedman
wenigsten theoretischen Trost.
Buchtipp 5
James D. Gwartney, Robert A. Lawson, und andere
ECONOMIC FREEDOM OF THE WORLD
2002 Annual Report
Liberales Institut, Potsdam 2002
Über 50 Forschungsinstitute in aller Welt ermitteln alljährlich den
Grad der
wirtschaftlichen Freiheit in 123 Ländern der Erde. Dabei untersuchen sie
Indikatoren wie Staatsquote, staatliche Transfers, Rechtssicherheit,
Preisstabilität, freien Außenhandel usw. Dabei kam unter anderem
heraus,
dass das ärmste Zehntel der Bevölkerung in ökonomisch freien
Länder über ein
fast zehn mal höheres Einkommen verfügt, als die Armen in unfreien
Wirtschaftssystemen. Auch der Abstand zwischen den Reichsten und den Ärmsten
ist in Ländern mit freier Marktwirtschaft geringer als in solchen mit
staatlicher Wirtschaftssteuerung. Deutschland kommt beim Ranking der
Steuerlast auf Platz 102 von 123. Statistische Angaben über die Freiheit
bzw. staatliche Regulierung des Arbeitmarktes lagen von 74 Ländern vor.
Den
letzten Platz belegt (raten Sie mal?): Deutschland.
Der Bericht kann bezogen werden vom Liberalen Institut der Friedrich Naumann
Stiftung, Postfach 900164, 14437 Potsdam oder libinst@fnst.org
Zum Schluss
EIN BISSCHEN REKLAME
Es heißt ja immer Werbung wirkt durch Wiederholung. Nun, das wollen wir
mal
versuchen. Wer es also noch nicht in DFB! Nr. 10 und DFB! Nr. 11 gelesen
hat, soll es jetzt erfahren: Unser neues Buch ist da. Kaufen Sie es!
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DIE ZUKUNFT UND IHRE FEINDE
Wie Fortschrittspessimisten unsere Gesellschaft lähmen
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main
19,90 Euro
Ab 4. September ist es im Buchhandel erhältlich.