DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 13 - 19.10.2002


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DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 13 19.10.2002

Ozonloch
UNBEWÄLTIGTE VERGANGENHEIT
Das Ozonloch über der Antarktis war in diesem Jahr nur etwa halb so groß wie
im Vorjahr. Die natürliche Ursache dafür ist eine warme Luftströmung, die
den Ozonabbau verlangsamt. Erfreulicherweise berichteten diesmal viele
Medien darüber. Nach Ansicht der Forscher werden sich in Zukunft auch die
vom Menschen verursachten Schäden dank FCKW Verbot zurückbilden. "In 30 bis
40 Jahren werden sich die Ozonlöcher über der Antarktis und der Arktis wohl
im Wesentlichen geschlossen haben," sagt Nobelpreisträger Paul Crutzen. Dann
hoffen wir mal das Beste. Schwer nachdenklich macht uns jedoch ein
wissenschaftlicher Disput, von dem uns ein Leser in Kenntnis setzte. Er
wurde Ende der zwanziger bis Mitte der dreißiger Jahre des vorigen
Jahrhunderts in den Wissenschaftsmagazinen "nature" und "Die
Naturwissenschaften" geführt. Einer der Teilnehmer, Professor Günther Cario
vom Palmer Physical Laboratory in Princeton, New Jersey, beschrieb dabei
eine Ozonausdünnung von 4000 km Durchmesser über der Arktis. Zwar benutzte
er dafür nicht das damals noch unbekannte Wort "Ozonloch", scheint aber dem
gleichen Phänomen auf der Spur gewesen zu sein. Und dies Jahrzehnte vor dem
Siegeszug der Spraydosen.
Quelle (u. a.): nature, 24. November 1928, Nr. 3082, Vol. 122

Welternährung
VERSTECKTER OPTIMISMUS BEI DER FAO

Bei der Vorstellung des neuesten Berichtes zur Welternährung der FAO (die
Ernährungs und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) wurden
auf einer Pressekonferenz in Berlin die üblichen pessimistischen Töne
angeschlagen. Die anschließende Berichterstattung suggerierte prompt, alles
werde schlechter. Eine Aussage, die nicht zutrifft. Richtig ist: Es wird
langsamer besser als erhofft, aber es wird eben doch besser. Im Großen und
Ganzen hat die FAO eine in der Tendenz erfreuliche Prognose abgegeben. Die
Weltbevölkerung wird demzufolge in Zukunft langsamer wachsen als bisher und
gleichzeitig werden mehr Menschen besser ernährt sein. Die Zahl der
Unterernährten in Entwicklungsländern wird bis zum Jahr 2030, so die FAO,
von heute 777 Millionen Menschen auf rund 440 Millionen im Jahre 2030
sinken. Dies bedeutet zwar, dass die Vorgaben des Welternährungsgipfels von
1996 nicht erreicht werden, dennoch geht die Entwicklung in die richtige
Richtung. Auch die Zerstörung der tropischen Wälder werde sich weiter
verlangsamen. Die FAO betont zwei Faktoren, die zur Verbesserung der
Ernährungslage beitragen werden: Die Gentechnik und die Globalisierung.
Der FAO Bericht im Internet:
http://www.fao.org/docrep/004/y3557e/y3557e00.htm

Gratulation 1
BULLSHIT AWARD FÜR VANDANA SHIVA
Die indische Gentechnik und Globalisierungsgegnerin Vandana Shiva erhielt
unterdessen den "Bullshit Award for Sustaining Poverty". Während einer
Demonstration indischer und afrikanischer Bauernvertreter beim Erdgipfel in
Johannesburg wurde die verdiente Gewinnerin feierlich ausgerufen. Der
Laudator betonte das hervorragende Engagement von Vandana Shiva, die
unermüdlich Rezepte zur nachhaltigen Erhaltung der Armut verkündet. Die
Ökofeministin konnte sich bei der Juryentscheidung knapp gegen Greenpeace
durchsetzen.

Gratulation 2
BASTIAT PREIS FÜR SAUVIK CHAKRAVERTI
Für seinen publizistischen Einsatz gegen Vandana Shiva und andere falsche
Freunde der Armen erhielt indes unser indischer Freund Sauvik Chakraverti
den Frédéric Bastiat Preis. Er wird vom International Policy Network für
engagierten Journalismus im Geiste von Freiheit und Marktwirtschaft
verliehen. In der Jury sitzen unter anderen Milton Friedman und Hernando de
Soto (siehe Buchtipps). Sauvik erhielt den Preis aus der Hand des
neoliberalen Satans persönlich: Margaret Thatcher.

Fischerei 1
DER HERING HAT SICH ERHOLT
Ein schönes Beispiel für die Wirksamkeit praktischer Umweltpolitik meldet
das Bundesministerium für Verbraucherschutz. Der Heringsbestand der Nordsee
habe sich "sehr gut erholt". Durch Überfischung waren die Bestände Ende der
siebziger Jahre völlig zusammengebrochen, was zu einem vollständigen
vierjährigen Fangverbot führte. Nach einem weiteren Einbruch in den
neunziger Jahren wird der beliebte Speisefisch ökologisch verträglich
bewirtschaftet. Dies wurde zwischen der EU und Norwegen vereinbart.
Quelle: BMVEL Info Nr. 30, 26.7.2002

Fischerei 2
EU PLÜNDERT AFRIKAS KÜSTEN
In Angola hungern Hunderttausende. Die EU hat deshalb ein
Soforthilfeprogramm für die leidende Bevölkerung gestartet. Das ist
erfreulich, aber die EU müsste nicht nur Etwas tun, sondern auch dringend
Etwas unterlassen. 60 europäische Schiffe dürfen derzeit Angolas
Küstengewässer leer fischen und erhalten dafür auch noch 31 Millionen Euro
Subventionen. Die Fangmengen der spanischen, portugiesischen und
französischen Flotte sind nahezu unbegrenzt. Gleichzeitig sieht das EU
Fischereiabkommen mit Angola vor, dass ein Drittel der Gelder genutzt werden
soll, um lokale Fischer zu unterstützen. Bedauerlicherweise gibt es für die
bald nichts mehr zu fischen. Der Fisch stinkt vom Kopf her.
Quelle: WWF Presseinformation 8.10.2002

Energie
WALE GEGEN WINDKRAFT
Der World Wide Fund for Nature (WWF) hat offenbar Jürgen Trittins
Nachhaltigkeitskonzept nicht richtig verstanden. Bei der Untersuchung der
Umweltverträglichkeit eines geplanten Windparks in dem flachen
Ostseeabschnitt zwischen Rügen und Bornholm fanden Wissenschaftler
erstaunlich viele Schweinswale. Um den besseren Schutz dieser kleinen
Meeressäuger sorgen sich die Umweltverbände seit Jahren. Der WWF bittet
deshalb nun Jürgen Trittin, "dass keine Genehmigung für die vier dort
beantragten Offshore Windparks erteilt wird". Das etwa 2000 Quadratkilometer
große Walbiotop verfügt obendrein über ausgedehnte Unterwassersandbänke,
Riffstrukturen und eine äußerst reiche Bodentierwelt. Es ist gleichzeitig
einer der bedeutendsten Winterlebensräume von Wasservögeln in der gesamten
Ostsee.
Nicht nur für Wale ist Windkraft lebensgefährlich. Auch der Mensch ist
bedroht. Besonders wenn er im Hohen Vogelsberg spazieren geht. Bei
Ullrichstein brach ein tonnenschwerer Windrotor mit einem Durchmesser von 44
Metern ab und stürzte aus 50 Metern Höhe auf einen Feldweg. Zum Glück war
gerade kein Schweinswal in der Nähe. Sechs baugleiche Anlagen in dem
Windpark wurden vorerst stillgelegt.
Quellen: WWF Presseinformation 10.10.2002
und Windräder Unfalldatenbank
http://members.aol.com/fswemedien/ZZUnfalldatei.htm

Klima 1
PINGUINE GEGEN WARMDUSCHER
In allen großen Zeitschriften lag in letzter Zeit eine Broschüre der
Deutschen Energie Agentur, die vom Umweltministerium und der Bahn
unterstützt wird. Unter dem Titel "Lasst uns das Klima" retten werden darin
gut gemeinte Energiespartipps gegeben. Zum Beispiel Tipp Nr. 18: Kürzer und
sparsamer Duschen. Erstaunlich welche Maskottchen für diese staatlich
geförderte Klimakampagne ausgesucht wurde: "Prima" und "Klima", zwei
lustige Königspinguine, die ein Protestplakat mit der Aufschrift "Uns ist zu
warm!" in die Höhe halten. Damit wird offenbar auf eine angebliche Erwärmung
der Antarktis angespielt. Eine gewagte These, denn im größten Teil der
Antarktis gibt es derzeit keinen Erwärmungstrend. Außerdem sind
Königspinguine alles andere als bedroht: Artenschutzexperten des UN
Umweltprogramms (UNEP) geben ihre Bestandzahl mit etwa zwei Millionen an.
Aber macht nichts, wenn es doch der Volkspädagogik dient.

Klima 2
KÜHE GEGEN KLIMAPROGNOSEN
Neben Kohlendioxid gilt Methan als ein wichtiges Treibhausgas. Es ensteht
im Magen von Mensch und Tier. Einen großen Anteil an der tierischen
Methanproduktion haben die 1,4 Milliarden Rinder auf der Welt. Auch die
ausgedehnten Reisfelder des Planeten setzen große Mengen Methan frei. Das
Treibhausgas entweicht aber auch aus stillgelegten Bergwerken oder
Mülldeponien. Die Computermodelle der Klimaforscher gehen von einem
weiterhin steigenden Methangehalt aus. Doch demnächst müssen die
Hochrechnungen wohl nach unten korrigiert werden, denn die tatsächlichen
Messungen in der Atmosphäre zeigen Wundersames: Nachdem die
Methananstiegskurve in den vergangenen Jahren erst flacher wurde, stagniert
die Methankonzentration seit etwa drei Jahren und ist unlängst sogar minimal
zurückgegangen. Warum, weiß keiner so recht. Ist den Kühen die
Klimakatastrophe etwa auf den Magen geschlagen?
Die Verlaufskurve der Methanemissionen findet sich unter:
http://www.john-daly.com

Moral 1
BÖSES ESSO, GUTES BP
Sieben Jahre nach Brent Spar ist Tanken wieder zur moralischen Entscheidung
geworden. Mit einer internationalen "Stopp Esso" Kampagne protestiert
Greenpeace gegen den Mineralölkonzern, der die Bush Administration gegen die
UN Klimaschutzpolitik und das Kyoto Protokoll maßgeblich unterstützt habe.
Analysten der Deutschen Bank warnen Investoren bereits davor, dass Esso als
"Umweltfeind Nummer Eins" geächtet werden könnte. Ganz anders der sanfte
Energiekonzern BP mit dem hübschen grünen Firmenschild, der derzeit in den
USA mit dem Slogan "Beyond Petrol" (jenseits des Öls) wirbt. Die Washington
Post wies indes in einem Leitartikel darauf hin, dass sich BP durchaus noch
im Diesseits befindet. Im Jahr 2001 investierte der Konzern, laut Washington
Times, 8,5 Milliarden Dollar in die Suche, Förderung und Produktion von
Ölprodukten. Unter anderem besitzt BP große Explorationsgründe in ökologisch
empfindlichen Gebieten Alaskas. Die Investitionen in Solarenergie beliefen
sich auf 200 Millionen Dollar seit 1995. "Wenn BP ehrlich wäre, müsste der
Konzern zugeben, dass er pro Jahr mehr für die grüne Imagewerbung ausgibt,
als in sechs Jahren für Solarenergie," schreibt die Times.
Quellen: The Guardian, 11.10.2002
The Washington Times, 12.10.2002

Moral 2
PAPIER IST GEDULDIG
Was kommt dabei heraus, wenn alle deutschen Großverlage eine gemeinsame
Zeitschrift herausbringen? Political Correctness in teutonischer Perfektion.
Zu bewundern in dem Magazin Paper News, herausgegeben von Gruner und Jahr,
Spiegel Verlag, Springer, Bauer, Burda, Jahreszeiten Verlag und
Verlagsgruppe Handelsblatt. Die gemeinsam verbreiteten "Nachrichten und
Meinungen zum Thema Papier" (Auflage 8 Millionen) sollen das ökologische
Image der Beteiligten polieren. Neben dem obligaten Bush Bashing ("Bushs
Kahlschlag") einem Seitenhieb auf Bjørn Lomborg ("Alles halb so schlimm?")
feiert man grüne Lichtgestalten wie Prinz Charles, Robert Redford und den
DaimlerChrysler Umweltbevollmächtigten Herbert Kohler. Ganz dufte Typen sind
auch die netten Globalisierungsgegner von "Attac", die sich vor lauter
freundlicher Umarmung der deutschen Verleger kaum retten können. Denn
"Attaci sein ist richtig schick geworden".
Quelle: PAPER News, Ausgabe 2002

Moral 3
AMIS RAUS AUS ÖSTERREICH
Wer in Deutschland moralisch mithalten will, sollte seine Abneigung gegen
Amerika gefragt und ungefragt freien Lauf lassen. Lange genug haben die US
Untermenschen unsere deutsche Tiefenkultur mit ihrer oberflächlichen
Zivilisation geschändet. Auf ähnlichem Niveau wird das Thema derzeit auf den
Leserbriefspalten des Spiegel abgehandelt. Aber wir sind nicht allein,
Nachbar Österreich holt auf. "Ökoenergie", ein in Wien erscheinendes Magazin
zur Förderung erneuerbarer Energien, hat nachhaltig die immer wieder
erneuerbare Ressource Amerikafeindlichkeit entdeckt. Chefredakteur Professor
Ernst Scheiber warnt das "amerikanische Ausbeutungs und
Ungerechtigkeitssystem" vor der "konsequenten Fortschreibung der
Weltvernichtungsstrategie", "dem bitteren Weg des Unrechts" sowie "der
Kannibalisierung der Umwelt und der McDonaldisierung der Kultur". Die
Politik der US Regierung, so Scheiber, "bettelt förmlich um Kurskorrektur".
Unter der konsequenten Führung von Herrn Scheiber würde die Welt sicher
anders aussehen.
Quelle: Ökoenergie, Nr. 48, September 2002

Moral 4
MÜNCHENER RÜCKKOPPELUNG
Das Deutsche Museum eröffnet am 7. November 2002 eine Ausstellung zum Thema
Klima. Die Presseankündigung dazu kam uns irgendwie bekannt vor.
Naturkatastrophen und Wetteranomalien werden durchweg dem menschengemachten
Treibhauseffekt zugeordnet. In einem interaktiven Klimaspiel kann "jeder
Besucher selbst Klimapolitik betreiben, beispielsweise Energiesteuern
erhöhen." Gesponsert wird das Ganze von der Münchner Rückversicherung, der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Bayrischen Staatsregierung. Während
Kritiker der Klimakatastrophenhysterie reflexhaft beschuldigt werden, im
Dienste der Öl und Kohleindustrie zu stehen, ist Konzern und
Staatssponsoring offenbar völlig unanstößig, wenn man nur die vorherrschende
Meinung vertritt. Das Verständnis des Publikums für höhere
Versicherungsbeiträge und Steuererhöhungen fällt ganz nebenbei mit ab.
Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Museums, Oktober 2002

Moral 5
WHO THE HELL IS HUNZINGER?
Erinnern Sie sich noch an einen gewissen Rudolf Sharping? Dem Mann wurde
seine Bekanntschaft zu dem PR Lobbyisten Moritz Hunzinger zum Verhängnis.
Ganz Berlin war entrüstet über Hunzingers Frankfurter Sündenpfuhl, wo sich
Politiker und Wirtschaftsbosse auf dem Schoß saßen. Schwamm drüber, es ist
Zeit für einen Neuanfang. Uwe Karsten Heye, bis vor kurzem Schröders
Regierungssprecher, tritt jetzt ins Kontaktanbahnungsgeschäft ein. Er wird
Consultant bei der Berliner Beratungsgesellschaft WMP Eurocom, die sich laut
Eigenwerbung um "vertrauliche Dialoge oder direkte Interessenvermittlung
zwischen Wirtschaft und Politik" kümmert. Zu den Kunden gehören unter
anderem die türkische Regierung, der Mineralölkonzern BP (siehe oben, Moral
1), der Energiekonzern Vattenfall und mehrere Rüstungskonzerne. Vielleicht
war die Hunzingeraffäre ja weniger eine moralische Aufwallung als ein
knallharter Verdrängungswettbewerb.
Quelle: Die Welt vom 9.10.02

Börse
DER DENGLISH INDIKATOR
Der von uns hoch geschätzte Statistikprofessor Walter Krämer ( u.a. Autor
von "Das Buch der Listen", Eichborn 1997) hat endlich die Ursache für den
Niedergang des neuen Marktes gefunden. Seine vergleichenden Studien ergaben,
dass die Verlierer der New Economy fast durchweg eine Gemeinsamkeit besaßen:
Peinliche Firmennamen aus germanisiertem Englisch ("Denglisch"). Krämer
verfasste eine Liste von 47 Pleitefirmen, die wegen geschäftlichen
Misserfolges aus dem neuen Markt ausgeschieden sind. Darunter rätselhafte
Unternehmen wie die "Lobster Network Storage AG", die "Feedback AG", die
"Comroad AG", die "Ebookers" und "Sunburst Merchandising AG", was auch immer
die hergestellt haben mögen.

Nachtrag zur Flut
NORMALES DESASTER
Aufgrund unserer Berichterstattung über die Elbeflut erreichten uns weitere
aufschlussreiche Informationen. Ein Leser überließ uns seine
geowissenschaftliche Diplomarbeit für die Gutenberg Universität Mainz über
"Naturkatastrophen im Spiegel der Presse". Er widmet darin ein ganzes
Kapitel den "Hochwasserkatastrophen im östlichen Erzgebirge und im
Elbsandsteingebirge". Die Arbeit, die ein Jahr vor der jüngsten Sintflut
abgeschlossen wurde, schildert anhand historischer Hochwasser haargenau wie
die extremen Wetterlagen entstehen, die auch diesmal das Unglück auslösten.
Ausführlich beschrieben werden die "drei Hochwassereignisse von 1897, 1927
und 1957 durch sommerliche Starkregenfälle in einem Gebiet, das durch Relief
und geologischen Aufbau hochwasserbegünstigt ist." Zu diesen Faktoren zählen
Tafelberge mit tiefen und steilen Taleinschnitten sowie der in hohem Maße
wasserdurchlässige Quadersandstein. Die Flut von 1927 kostete etwa 100
Menschen das Leben und hatte auch sonst eine verheerende Schadenbilanz: 196
zerstörte Gebäude, 265 beschädigte Gebäude, 44 Kilometer zerstörte Strassen,
20 Kilometer zerstörte Eisenbahngleise sowie 268 zerstörte Brücken. Auch in
der Fachzeitschrift "Wasser und Abfall" setzte sich der Ingenieur Dr. Martin
Schmidt akribisch mit der Hochwassergeschichte Deutschlands auseinander. Er
kommt zu dem Schluss, dass die jüngere Zeit in dieser Beziehung keinesfalls
besonders auffällig sei.
Quelle: Wasser und Abfall, Oktober 2001

Kommentar 1
JOHANNESBURG: MEHR WACHSTUM WAGEN
Armut ist der schlimmste Feind der Umwelt. Ökonomisches Wachstum ist der
Schlüssel zu mehr Umweltschutz und Naturbewahrung in Entwicklungsländern.
Der größte Fortschritt des Weltgipfels von Johannesburg bestand darin, diese
einfachen Zusammenhänge deutlich auszusprechen, die von vielen
"Wachstumskritikern" aus den wohlhabenden Industriegesellschaften des
Westens immer noch geleugnet werden. Ein Kommentar von Michael Miersch
erschienen in Die Welt vom 29.8.2002.
http://www.welt.de/daten/2002/08/29/0829fo353340.htx?

Kommentar 2
WIR SUBVENTIONIEREN UNS ZU TODE
Der Tabakanbau wird mit Steuergeld gefördert, um die Bauern zu stützen,
Antitabakkampagnen werden gefördert um die Raucher zu retten. Windkraft und
Solarenergie werden gefördert, um das Klima zu schützen. Die Verstromung von
Steinkohle wird gefördert, um dem Bergbau zu helfen. Wobei jenes
Kohlendioxid in großen Mengen frei wird, das Wind und Sonnenenergie
einsparen sollen. Auch das neue Stadion des FC Bayern München wird mit
öffentlichen Mitteln gefördert, ebenso Publikationen der
Globalisierungsgegner von Attac und die Verwandlung von Wein in
Industriealkohol (aus welchem Grund auch immer). So macht sich die
politische Kaste zur Geisel von Interessengruppen und manövriert sich in die
eigene Handlungsunfähigkeit. Ein Kommentar von Michael Miersch erschienen in
Die Welt vom 14.9.2002.
http://www.welt.de/daten/2002/09/14/0914fo356316.htx?

Essay 1
DIOGENES IN DER KONSERVENDOSE
Das Leitbild der Nachhaltigkeit nimmt freiheitsfeindliche Züge an: Der
Mensch soll auf niedrige Erwartungen eingestimmt und zum nachhaltigen
Untertan erzogen werden. Ein Essay von Dirk Maxeiner erschienen in Die Welt
vom 16.08.2002
http://www.welt.de/daten/2002/08/16/0816fo350755.htx?

Essay 2
ESSEN SIE MEHR KÄNGURU
Das Überleben vieler Tierarten wäre gesichert, setzte man sie auf die
Speisekarte anstatt auf die Rote Liste. Ein Essay von Michael Miersch in
Die Weltwoche vom 10.10.2002
http://www.weltwoche.ch/ressort_bericht.asp?asset_id=3407&category_id=60

Essay 3
UNBEEINDRUCKT SINGT DIE MÖNCHSGRASMÜCKE
Schlechte Nachrichten sind willkommen. Gute Nachrichten lösen verdacht aus.
Die Konjunktur des Pessimismus ist ungebrochen.
Ein Essay von Dirk Maxeiner und Michael Miersch in Die Weltwoche vom
17.10.2002
http://www.weltwoche.ch/ressort_bericht.asp?asset_id=3437&category_id=60

Webtipp 1
http://www.weltwoche.ch
Die Züricher Weltwoche hat eine ganze Ausgabe (42/02) optimistischen,
zukunftsfrohen Themen und Autoren gewidmet. Da geht uns regelrecht das Herz
auf. Eine Fundgrube für Menschen, die an ein besseres Morgen glauben. Die
Webside der Weltwoche wird jeden Donnerstag mit der neuen Ausgabe
aktualisiert. Thematisch stets anregend, oft mit neuen Gedanken und deshalb
und immer einen Besuch wert. Auch das Heft (in Deutschland leider nur im
Bahnhofsbuchhandel und an internationalen Kiosken erhältlich) ist ein
inhaltlicher und gestalterischer Lichtblick in der Zeitungslandschaft.

Webtipp 2
http://www.climatescience.gov.
Die US Regierung ist derzeit Lieblingsfeind aller Klimaschützer, lässt sich
von deren politischen Propaganda aber nur wenig beeindrucken. Ein
großangelegtes eigenes Forschungsprogramm soll jetzt die wissenschaftlichen
Grundlagen für die künftige US Klimapolitik liefern. Ein gelegentlicher
Besuch auf der neuen offiziellen Webside des US Climate Change Science
Program ist daher für Umweltinteressierte empfehlenswert.

Buchtipp 1
Ingo Pies und Guido Schroeder
CAUSES AND CONSEQUENCES OF GLOBAL WARMING
Policy Consult (ISBN 3 935151 01 2), Münster 2002
Die beiden deutschen Ökonomen haben untersucht, wie rational der politische
Umgang mit dem Klimaproblem gegenwärtig ist. Dabei wird besonders die Frage
beleuchtet, ob das Anprangern des amerikanischen Ausstiegs aus dem
Klimaschutz eine vernünftige Politikoption ist. Nicht nur in diesem Punkt
kommen Sie zu anderen als den üblichen Schlüssen: Der meist als egoistisch
geprägte Alleingang der Vereinigten Staaten kann aus wissenschaftlicher
Sicht sehr wohl ein Beitrag hin zu mehr Klimaschutz sein. "Man versucht mit
moralischen Appellen und außenpolitischem Druck die USA wieder an den
Verhandlungstisch zu zwingen, statt das Ausscheren der Amerikaner als
Hinweis dafür zu nehmen, dass das Kyotoprotokoll grundlegende
Konstruktionsfehler hat", schreiben die Ökonomen. Ein insbesondere wegen
seiner unaufgeregten Behandlung des Themas äußerst empfehlenswertes Buch (in
englischer Sprache).

Buchtipp 2
Alfred Boss und Astrid Rosenschon
SUBVENTIONEN IN DEUTSCHLAND
Institut für Weltwirtschaft, Kiel 2002
Diese Broschüre aus der Reihe "Kieler Diskussionsbeiträge" offenbart das
ganze Desaster staatlicher Umverteilungspolitik. Nach Rechnung der Kieler
Ökonomen betrugen die direkten Finanzhilfen und Steuervergünstigungen im
vergangenen Jahr 156 Milliarden Euro (weitaus mehr als die Bundesregierung
in ihrem Rechenmodell offiziell zugibt). 156 Milliarden Euro entsprechen 7,5
Prozent des Bruttoinlandsproduktes und 35 Prozent des Steueraufkommens. Zu
den am stärksten begünstigten Bereichen zählen Landwirtschaft, Bergbau,
Verkehr und Wohnungswirtschaft. Würden die Subventionen gestrichen, könnten
die Einkommenssteuersätze um fast zwei Drittel verringert werden. Eine
Pflichtlektüre für jeden arbeitenden Menschen in Deutschland. Die Broschüre
kann für 16 Euro beim Institut für Weltwirtschaft bestellt werden. (Fax 0431
8814 562)

Buchtipp 3
Thomas Kapielski
SOZIALMANIERISMUS
Merve, Berlin 2001
Unter dem schönen Motto "Je dickens destojewski!" hat der Künstler, Musiker,
Familienvater, Hochschuldozent und Kampftrinker Kapielski eine Art Tagebuch
verfasst. Er entwickelt seine Gedanken über das Leben, die Welt und den
deutschen Kulturbetrieb in Eckkneipen und Kunstgalerien, auf
Literaturkongressen und an Wurstbuden. Dabei lässt er den gesunden
Menschenverstand gegen die Aufgeblasenheit der Vernisagenpupser und die
humorlose Wichtigtuerei der Kulturbeamten antreten. Ein Lesevergnügen
erster Klasse!

Buchtipp 4
Karl Heinz Bohrer und Kurt Scheel (Hrsg.)
LACHEN.
ÜBER WESTLICHE ZIVILISATION
Merkur Heft 9/10, 2002, Klett Cotta Stuttgart
Bei unseren eigenen Büchern merken wir immer wieder, dass die Trennlinie
zwischen freudiger Zustimmung und empörter Ablehnung nicht entlang
politischer Koordinaten wie rechts oder links, konservativ oder progressiv,
ökophil oder technophil verlaufen. Der entscheidende Unterschied in der
Rezeption unserer Texte ist die Lust an bestimmten Formen von Scherz und
Ironie, die man eben empfindet oder auch nicht. Höchst dankenswerterweise
hat nun der Merkur 27 Autoren eingeladen, sich mit den politischen und
kulturellen Dimensionen des Lachens zu beschäftigen. Speziell die
Selbstironie zählt vermutlich zu den wichtigsten Errungenschaften der
westlichen Zivilisation. Mangel an Selbstironie ist dagegen das
hervorstechende Merkmal religiöser Fanatiker und totalitärer Ideologen. Ein
analytisch vortreffliches und stellenweise (dem Thema angemessen) auch
höchst amüsantes Kompendium.

Buchtipp 5
Hernando de Soto
FREIHEIT FÜR DAS KAPITAL
Rowohlt, Berlin 2002
Warum wurde der Kapitalismus in Westeuropa, Nordamerika, Teilen Ostasien und
Australien zu einer historisch beispiellosen Erfolgsgeschichte? Und warum
funktioniert er bis heute nicht in so vielen armen Ländern? Der peruanische
Ökonom de Soto hat dafür eine sehr überzeugende Erklärung entwickelt. Die
armen Bevölkerungsschichten werden in ihren Entwicklungsmöglichkeiten
blockiert, weil staatliche Bürokratie verhindert, dass sie ihren kleinen
Besitz zu legalisieren. Viele Millionen Menschen in Afrika, Südamerika und
Asien verfügen über ein Häuschen, ein Stück Land oder einen kleinen
Handwerksbetrieb. Da es jedoch in ihren Ländern keine Eigentumsordnung nach
westlichem Muster gibt, können sie diesen Besitz nicht beleihen und kein
Kapital bilden. Eine Frau, die zum Beispiel eine Schneiderei in Lima
eröffnen möchte, muss nach zahllosen Behördengängen, die sich über ein
Dreivierteljahr hinziehen 1231 Dollar (31 monatliche Mindestlöhne)
bezahlen, um ihr Geschäft zu legalisieren. Wer in Peru legal ein kleines
Haus bauen möchte, kann sich auf 207 Behördengänge zu 52 Regierungsstellen
gefasst machen. Diese absurde Bürokratie ist nicht typisch peruanisch, denn
auf den Philippinen oder in Ägypten ist es nicht anders. Folglich bleiben
die meisten kleinen Geschäfte illegal. Die Armen erhalten nie eine
Möglichkeit Kapital zu bilden. Als Vorbild für die heutigen
Entwicklungsländer empfiehlt de Soto die Vereinigten Staaten, die selbst
auch einmal eine Kolonie waren. Nach der Wildwestphase war die Regierung
dort so klug, die Grundstücke von Landbesetzern zu legalisieren. Fazit: Die
Menschen in den vermeintlich armen Ländern haben riesige Vermögenswerte
angehäuft, doch es fehlt eine Ordnung, die ihr Eigentum schützt und ihnen
Rechtssicherheit bietet.

Buchtipp 6
Wendelin Wiedeking
DAS DAVIDPRINZIP
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2002
Es geht in diesem Buch darum wie die Kleinen gegen die Großen bestehen und
auch in globalen Märkten ihren Platz verteidigen. Der Chef der kleinen aber
feinen Firma Porsche hat zahlreiche Autoren versammelt, die dafür Beispiele
aus Wirtschaft, Politik, Sport und Kultur beschreiben. Neben hoffnungsvollen
Nachwuchsautoren wie Hans Magnus Enzensberger und Martin Walser kommen
Seiteneinsteiger wie Gerhard Schröder und Lothar Späth zu Wort. Aber auch
international renommierte Großschriftsteller wie Maxeiner und Miersch
schmücken das Werk. Unser Beitrag widmet sich der Macht der Kleinen im
Tierreich. Als Honorar gab es entgegen anderslautenden Gerüchten
bedauerlicherweise keinen Porsche.

Wir verabschieden uns bis zur nächsten Ausgabe von DIE FROHE BOTSCHAFT mit
einigen Auszügen aus Kritiken zu unserem neuen Buch "Die Zukunft und Ihre
Feinde" (Eichborn, 2002):

"Nichts scheint die Menschen mehr zu begeistern, als die Aussicht auf eine
schlechte Zukunft. Da tut es gut, dass sich zwei Skeptiker dem Trend immer
wieder in den Weg stellen... Maxeiner und Miersch lassen keine Volksbinse
unbehandelt... In Zukunft wird man den Zukunftsforschern, die sich mit ihren
Vorhersagen bislang immer geirrt haben, Verona Feldbusch als Vorbild
entgegenhalten. Von ihr stammt der nachhaltige Satz: Von der Zukunft erwarte
ich, das sie so gut wird, wie sie bis jetzt war."
(Der Spiegel)

"Maxeiner und Miersch leisten in ihrem Buch einen ersten Beitrag, die neue
politische Landkarte zu sortieren. Sie sehen zwei gegensätzliche Lager. Auf
der einen Seite jene, die die Zukunft als Bedrohung empfinden und überall
den Teufel an die Wand malen. Eine gute Zukunft ist für sie etwas
statisches, alles soll so bleiben wie es ist. Sie möchten den technischen
Fortschritt und den anarchischen Freihandel eindämmen... Immer häufiger und
ebenfalls quer durch alle Lager formieren sich allerdings Menschen, die von
der Zukunft mehr erwarten als eine Energiesparvariante der Gegenwart...Das
neue Opus von Maxeiner und Miersch ist in diesem Sinne ein Aufruf an alle
Optimisten, den Bremsern, Bedenkenträgern und Ideologen nicht weiter das
Feld zu überlassen".
(Deutschlandradio)
http://www.dradio.de/cgi-bin/es/neu-lit-pol/609.html

"Noch immer scheiden wir die politischen Parteien nach dem Vorbild der
Apokalypse des Johannes: links die Böcke, rechts die Schafe. Als ob es nicht
längst verwirrende Koalitionen zwischen Konservativen und Grünen,
knallharten Wirtschaftsliberalen und Anarchisten gäbe. Das Duo Maxeiner und
Miersch schlägt nun eine ganz andere politische Zweiteilung vor. Die beiden
unterscheiden zwischen Freunden und Feinden der Zukunft, Optimisten und
Pessimisten... Lesen sollte man ihr Buch jedenfalls."
(Die Welt)

Überhaupt nicht dieser Meinung wart hingegen ein Redakteur der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung, der unsere Buchvorstellung in Frankfurt beiwohnte. Er
würdigte den Abend, an dem sogar gelacht werden durfte, unter der
Überschrift "Naßforsch gegen Fortschrittsfeinde". Besonders die "Art und
Weise der Autoren, die auch schon mal den Papst, den Fresspapst Wolfgang
Siebeck und die Jungen Nationaldemokraten in einem Atemzug attackieren, weil
sich alle drei gegen Fastfood ausgesprochen haben", fand er irgendwie
degoutant. Sein Fazit: "Wer nicht weniger betreibt, als sich gegen den
gesamten Mainstream der öffentlichen Meinung zu stellen, wird mit solchen
Kabaretteinlagen nicht weiter kommen."