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DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 14 9.12.2002
Moderne Mythen
GLOBALE DORFTROTTEL
Manch einer von Ihnen, liebe Leser, kennt bestimmt die Bilanz des "Globalen
Dorfes", die seit einiger Zeit im Internet kursiert. Die Menschheit wird
darin rechnerisch auf ein Dorf von 100 Einwohnern reduziert und die globalen
Zahlenverhältnisse auf diese Kleingruppe umgelegt. 70 Dorfbewohner seien
demnach Analphabeten, 50 unterernährt. Sechs Personen würden 59 Prozent
des
gesamten Reichtums besitzen, alle sechs kämen aus den USA. Diese Angaben
werden von einigen besinnlichen Sätzen eingerahmt, oftmals endet die Email
mit der Aufforderung die Liste weiterzuschicken. Die elektronische
Moralpredigt ist sicherlich gut gemeint, die Statistik des globalen Dorfes
hat nur einen Fehler: Sie ist falsch. Der junge Ökonom Stephan Pfaffenzeller
recherchierte dankenswerter Weise einmal nach. Laut UNESCO sind
beispielsweise nicht 70 sondern 30 Prozent aller Menschen Analphabeten. Laut
dem UN Entwicklungsprogramm UNDP liegt die Zahl der Unterernährten global
bei 14 Prozent und nicht bei 50. Der Anteil der USA am Welteinkommen liegt
bei knapp 22 Prozent und der Anteil der US-Amerikaner an der Weltbevölkerung
liegt bei 4,8 Prozent. Stephan Pfaffenzeller: "Demnach reduziert sich die
Aussage, dass sechs Prozent der Weltbevölkerung 59 Prozent des Weltreichtums
besäßen und aus den USA kämen auf die Behauptung, dass ein Teil
der
Bevölkerung der USA, der größer ist als die Gesamtbevölkerung
der USA,
reicher ist als die USA insgesamt. Kapiert? Ich auch nicht."
Quelle: eigentümlich frei, Nr. 28, 2002
Bundesregierung 1
HALLO KANZLER, WEITER SO!
Weil es zur Zeit ja niemand tut, müssen wir die Berliner Staatsspitze einmal
ausdrücklich loben. Grund ist ein wertvoller Kleinfund, den wir in der
Koalitionsvereinbarung entdeckt haben. Auf Seite 82 heißt es unter der
Überschrift "Globale Gerechtigkeit und Entwicklungszusammenarbeit"
erstaunlicherweise: "Die Bundesregierung wird sich sowohl auf europäischer
Ebene als auch in der WTO für einen erweiterten Marktzugang für
Entwicklungsländer, den Abbau ökologisch schädlicher Subventionen
und den
besseren Schutz der biologischen Vielfalt einsetzen. Die Bundesregierung
wird dafür eintreten, die unfaire Konkurrenz durch Exportsubventionen der
Industrieländer gegenüber den Ländern des Südens zu überwinden."
Marktzugang
für Entwicklungsländer? Abbau von Subventionen? Wie kommt der neoliberale
Freihandel bloß ins rotgrüne Reformhaus? Wir reiben uns die Augen.
Da gibt
es noch viel zu tun: Nach Angaben der Weltbank liegen die Importzölle für
Agrarprodukte und andere Waren aus Entwicklungsländern viermal höher
als für
Güter aus Industrieländern.
Bundesregierung 2
HOPPLA KANZLER, AUFGEWACHT!
Frankreichs Bauernführer Jacques Chirac, nebenberuflich auch als
Staatspräsident tätig, hat Kanzler Schröder in aller Deutlichkeit
gezeigt ,
wo jede Sparpolitik ihre Grenze hat: bei den Interessen französischer
Bauern. Auf dem Berliner EU Gipfel im Oktober verhandelten Präsident und
Kanzler über die künftigen Einsparungen bei den Agrarsubventionen.
Übereinstimmend stellten beide fest, dass die Ausgaben für Direktbeihilfen
vom Jahr 2007 an auf dem Niveau von 2006 eingefroren werden sollten.
Dummerweise stellte sich danach heraus, dass Bruder Jacques nicht die so
genannten "realen" Ausgaben von 39 Milliarden Euro meinte, sondern
die
"Obergrenze" in Höhe von 45 Milliarden Euro. Dies führt,
oh la la, zu
keinerlei Degression bei den Direktzahlungen. Die lobenswerten Ziele der
Koalitionsvereinbarung (siehe oben) sind damit bereits an der deutsch
französischen Sprachbarriere gescheitert. Die jährlich (!) sechs Milliarden
teure Verhandlungspanne war der deutschen Presse erstaunlicherweise nur
knappe Meldungen wert. Sparkanzler Schröder kommentierte es mit den Worten:
"Wenn man mit Dolmetschern spricht, mag das zu Missverständnissen
führen."
In eigener Sache
DER DEUTSCHE WEG
Kennen Sie Weltwitz? Filz? Obermarxgrün? Haben Sie schon mal von
Schrödershof und Grünenplan gehört? Dies sind nur einige Stationen
des
deutschen Weges, die wir für unsere vaterländische Ansichtskarte aus
dem
Postleitzahlenverzeichnis ausgesucht haben, Ideal für Ihre Korrespondenz
mit
Behörden und Politikern. Neugierig? Hier klicken.
http://www.maxeiner-miersch.de/derdeutscheweg.htm
Weihnachten steht vor der Tür und die Bestellung dieser Karte (10 Stück,
10
Euro) bietet Ihnen die Gelegenheit, DIE FROHE BOTSCHAFT! und unsere Website
tatkräftig zu unterstützen. Außerdem gibt es in unserem neu
eröffneten
Souvenirladen weitere Postkarten zu prekären Themen wie Sex, Drogen,
Religion und Risiko ( 11 unterschiedliche Motive, 11 Euro).
Alle reden über Rabatte, wir auch. Noch rechtzeitig zum Fest können
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Das Mephisto Prinzip, Lexikon der Ökoirrtümer, Das bizarre Sexualleben
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Für Medienschaffende gibt es im übrigen noch einen dritten Weg DIE
FROHE
BOTSCHAFT! zu unterstützen. Wenn Sie (was zu unserer Freude recht oft
geschieht) Meldungen aus DFB! nutzen oder weiterverbreiten, weisen Sie doch
auf die Quelle hin (was natürlich ein Informationshonorar nicht
ausschließt). Wir versprechen schon jetzt, eventuelle Einnahmen nicht
für
privaten Konsum zu missbrauchen, sonder möglichst zügig beim Finanzamt
abzuliefern.
Gesundheitskosten
ALTE MÄNNER ENTLASTEN KASSEN
Die wachsende Zahl alter Menschen wird gerne für die steigenden Kosten
im
Gesundheitssystem verantwortlich gemacht. Eine Untersuchung des Max Planck
Instituts für demographische Forschung belegt jetzt, dass dies ein
Fehlschluss ist. Für die Studie untersuchte Dr. Hilke Brockmann die Daten
von 430 000 AOK Patienten. Überraschendes Resultat: Alte Menschen nehmen
meist weniger kostenintensive Therapien wahr als jüngere, die unter der
gleichen Krankheit leiden. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Ärzte bei
Patienten über 80 Jahren den Therapieaufwand rationieren, indem sie häufiger
Mittel anwenden, die Beschwerden lindern, als solche die die Ursachen
bekämpfen. Erstaunlicherweise tritt dieser Befund genauso in den USA auf,
obwohl die Gesundheitssysteme sehr unterschiedlich sind. Bei gleicher
Krankheit kostet die Behandlung eines neunzigjährigen Amerikaners nur knapp
die Hälfte eines 65jährigen. Bei der Auswertung in Deutschland zeigte
sich
außerdem, dass die Ausgaben für alte Männer wesentlich niedriger
liegen als
für alte Frauen.
Lebensmittel
UNSTERBLICHE ÄNGSTE
Die Gefahr lauert in der Milchkanne. Eine neue Technologie nimmt "das Leben
aus der Milch", so die Kritiker. Nährstoffe würden negativ beeinflusst
und
die Verbreitung von Krankheiten befördert. Prinzipiell diene das verdächtige
Verfahren lediglich den Profitinteressen der Großagrarier und untergrabe
die
Existenz der Kleinbauern. Empörte Bürger fordern ein Recht auf
naturbelassene Milch. Es klingt wie die Debatte zur grünen Gentechnik,
ist
aber bereits über 100 Jahren alt. Damals wurde die Pasteurisierung von
Milch
eingeführt. Die obligatorische Kurzzeiterhitzung sollte sich als bedeutender
Faktor bei der Reduzierung der Kindersterblichkeit erweisen. Gefährliche
Krankheiten wie Tuberkulose gingen drastisch zurück. Zuvor waren alleine
in
den USA 160 000 Menschen pro Jahr daran gestorben, ein Großteil davon
hatte
sich an Milch infiziert. Das argumentative Repertoire der Technikfeinde hat
sich in 100 Jahren offenbar nicht sehr verändert. Nachzulesen in: Food
Technologie, Vol.55, Nr.9, September 2001.
Ökolandbau
NEUE BIOLOGIE
In dem von der Bundesregierung millionenfach verbreiteten Heftchen "Das
sollten Sie wissen" bekommt man "Fakten zum biologischen Landbau"
serviert.
Zum Thema grüne Gentechnik heißt es darin, "Die Natur wusste
schon immer was
am besten ist. Denn sie selektiert ungünstige Gene ganz einfach aus. Das
Ergebnis sind gesunde, widerstandsfähige Pflanzen und Tiere." Echt
Klasse
diese Natur, wie Sie aus Wildschweinen Hausschweine zauberte, aus Gräsern
Getreide züchtete und uns obendrein netterweise aus Amerika die Kartoffel
herüberschickte. Da haben sich die Bauern aber gefreut.
Nebenwirkungen
EIN HOCH DEM ARTENSCHUTZ
Da frohlockt der Chinese und der Artenschützer jubelt. Laut einer Studie
der
Universität Sydney verdrängt Viagra obskure Potenzmittel aus der
traditionellen chinesischen Heilkunde. Solche Präparate werden aus
Tigerpenis, Hirschgeweih und ähnlichen Bestandteilen wilder Tiere (darunter
höchst bedrohte Arten) zusammengebraut. Jetzt hat der Erfolg der blauen
Pille dazu geführt, dass die Nachfrage nach solchen Naturprodukten drastisch
zurückgegangen ist. Die Preise legal verkaufter tierischer Potenzmittel
sanken stark, beispielsweise bei Rentiergeweih innerhalb nur eines Jahres um
mehr als 70 Prozent. Der Wert von Robbenpenissen schrumpfte von 100 Dollar
auf 15 Dollar, die Verkaufsmenge ging von 1996 auf 1998 um die Hälfte
zurück. Quelle: NewScientist.com vom 25.10.02.
Megastädte
GRENZEN DES WACHSTUMS
Ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nahm, wurden die Prognosen über
das
dramatische Wachstum der großen Ballungsgebiete nach unten korrigiert.
Experten wie David Satterthwaite vom Londoner International Institute for
Environment and Developement gehen nun davon aus, dass die in den siebziger
und achtziger Jahren aufgestellten Szenarien nicht entreffen werden. Die
Entwicklung verläuft offenbar viel differenzierter als man ursprünglich
dachte. Einige Ballungszentren wachsen nach wie vor rapide, andere viel
langsamer als erwartet, manche gar nicht mehr. So rechnete die UN für das
Jahr 2000 mit mehr als 31 Millionen Einwohnern in Mexiko City. Es waren
jedoch ein Drittel weniger. Auch für andere Städte wurden die Schätzungen
korrigiert: zum Beispiel Rio de Janeiro (Von 19,4 Millionen auf 10,6),
Kalkutta (von 19,7 auf 12,7) und Seoul (von 18,7 auf 12,3). Offenbar
entscheiden umzugswillige Landbewohner ziemlich rational, welcher Wohnort
ihnen die meisten Vorteile bietet. So können zum Beispiel kleinere Städte
oder Vorstädte mit Industrieansiedlungen oftmals bessere Bedingungen bieten.
Umweltprobleme und schlechte Infrastruktur in den Megazentren, veranlassen
auch Unternehmen zur Abwanderung.
Quelle: http://www.peopleandplanet.net/doc.php?id=1044
Prominente
GUT MEINEN UND GUT MACHEN
Tageschausprecherin Eva Herman (blond) unterstützt neuerdings die
Tierrechtsorganisation PETA, die unter anderem die Abschaffung jeglicher
Tierforschung, die Schließung aller Zoos und den Totalverzicht auf Fleisch,
Käse, Eier und Honig fordert. Auf der Hamburger Gala der Veganer posierte
sie im Protestlook gegen Pelzmäntel. Wie wir lesen mussten, schreckt die
mutige Tierfreundin vor nichts zurück. Sie würde sich gern für
die Kampagne
"Lieber nackt als im Pelz" fotografieren lassen, jedoch nur mit öffentlich
rechtlicher Genehmigung: "Wenn mein Chef ja sagt, mache ich das."
Die
tägliche Fron bei der Tagesschau scheint bei jungen Frauen seltsame Hobbys
hervorzubringen. Exkollegin Susan Stanke (blond) machte das Publikum bereits
mit der live Übertragung ihrer Darmspiegelung auf sich aufmerksam. Das
hätte
PETA nie erlaubt (lebende Darmbakterien!).
Dass Prominenz nicht unbedingt zu gutmenschlichem Aktionismus führen muss,
lehrt uns indes der britische Popunternehmer Richard Branson (auch blond,
aber macht nichts). Der Gründer der Fluglinie Virgin finanziert eine
Gesundheitsstiftung, die sich mit tatsächlichen Probleme befasst. Sie
kümmert sich um die Aids und Malariaprävention in Afrika. Unter anderem
soll
eine Kondomfabrik gebaut werden, deren Gewinne in die Sexualerziehung von
Jugendlichen gehen.
Forschung
WENN DER BERG KREISST
Ministerin Edelgard Bulmahn startete vor zwei Jahren einen groß angelegten
Forschungsdialog, für den Hunderte Wissenschaftler, Verbandsvertreter und
Journalisten angesprochen wurden. Das hoch wichtige Projekt "Futur"
sollte
zukunftsweisende Ideen für die künftige Arbeit von Frau Bulmahn
hervorbringen. Das Ergebnis Dutzender Konferenzen und Expertenrunden liegt
nun vor. Die "wegweisenden Impulse" (Bulmahn) wurden in vier Leitvisionen
formuliert. Licht aus! Spot an! Tatatataah! Hier sind sie:
1. Das Denken verstehen
2. Den offenen Zugang zu den Lernwelten von Morgen schaffen
3. Leben in der vernetzten Welt: individuell und sicher
4. Ein Leben lang gesund und vital durch Prävention
Diese Ergebnisse werden nun, so droht Frau Bulmahn, in konkrete
Fördermaßnahmen umgesetzt. Wir bleiben dran.
Für Leitvision 2 (Lernwelten von morgen) haben wir schon einen
Projektvorschlag. Die Universität Bonn suchte unlängst 100 Testpersonen,
die
einen Berg Geschirr spülen, den sie zuvor schmutzig gemacht hatten. Ein
Forscherteam der Sektion Haushaltstechnik am Institut für Landtechnik möchte
auf diesem Weg nach kulturellen Unterschieden in den europäischen
Spülgewohnheiten forschen.
Falls das Projekt nicht bei Frau Bulmahn unterkommt, empfehlen wir eine
Bewerbung beim amerikanischen IgNobel Preis. Er wird für die schrägsten
Forschungsarbeiten des Jahres verliehen. Dieses Jahr wurde unter anderem ein
Münchner Wissenschaftler ausgezeichnet, der den Verfall von Bierschaum
auf
mathematischen Gesetzmäßigkeit untersucht hat.
Protest
KLASSE STATT MASSE
Auch dieses Jahr fand am 1. Dezember wieder der globale "Celebrate
Capitalism Day" statt, den der australische Aktionskünstler Prodos
in Leben
gerufen hat. Wie bereits vergangenes Jahr kam im antikapitalistischen
Deutschland einer der weltweit kleinsten "Walks for Capitalism" zustande.
20
bis 25 aufrechte Kapitalismusbefürworter demonstrierten in Berlin vom
Brandenburger Tor bis zur DGB Zentrale. Dabei hätte es ja in diesem Herbst
wahrlich Anlass gegeben, dass die Teilnehmerzahl Kirchentagsdimensionen
erreicht. Immerhin, man trank Sekt, schwenkte die Stars and Stripes vor der
amerikanischen Botschaft und rief fetzige Parolen wie "Frei! Frei!
Freihandel!". Besonders gut gefiel uns ein Zitat von Ludwig von Mises,
das
den Demoaufruf zierte: "Die, die für freies Unternehmertum und freien
Wettbewerb kämpfen, verteidigen nicht die Interessen derer, die heute reich
sind. Sie wollen Freiheit für die unbekannten Menschen, die die Unternehmer
von morgen sein werden."
Ökologie
BÖSE BÄUME
"Bäume sind Luftverschmutzer," gab einst Ronald Reagan dem erstaunten
Publikum zu besten. Das Zitat wurde weltberühmt und galt als Beleg für
die
umweltpolitischen Ignoranz von good old Ronny. Jetzt stellt sich heraus: Er
hatte gar nicht so unrecht. Britische und kalifornische Forscher fanden
unabhängig von einander heraus, dass Bäume tatsächlich auch
Schadstoffproduzenten sei können. So produziert in den Bergen der Sierra
Nevada eine Eichenart vierzig bis siebzig Prozent der Bodenozons, das die
dortigen Kiefernwälder schädigt.
Quelle: independent.co.uk vom 24.11.2002
Nachhaltigkeit
GRÜNER GOCKEL
Endlich kann man ohne schlechtes Gewissen in die Kirche gehen. Die
Evangelische Landeskirche in Württemberg hat jetzt ein eigenes Umweltsiegel:
Der Grüne Gockel (Blauer Engel war ja schon besetzt). "Grundlage,"
so
verkündet die Pressestelle stolz, "sind die Richtlinien der Europäischen
Union (EMAS VO, Environmental Management Audit Scheme Verordnung), die auf
die Bedürfnisse von Kirchengemeinden übertragen wurden." Dies
führe zu einem
"konsequenten Senken der CO2 relevanten Verbräuche und einer Veränderung
in
den Köpfen und im Handeln der Gemeindemitglieder." Als nächstes
sei eine
Offensive "Sustainable Churches" geplant. Die Katholische Kirche hält
sich
nach 2000 Jahren selbst für ausreichend nachhaltig und ist schon einen
Schritt weiter. Eine Fondsgesellschaft legt jetzt den Pax Cattolico Union
Fonds auf, der sich streng an den Kriterien des Papstes ausrichtet. Die
zugelassnen Unternehmen müssen (wir ahnten es schon) "dauerhaftes
Nachhaltigkeitsmanagement" vorweisen.
Wer sich nicht so recht vorstellen kann, was das sein soll, der muss sich
dringend weiterbilden. Wir empfehlen das neue Grundlagenwerk "Dimensionen
einer Bildung zur nachhaltigen Entwicklung" (Schneider Verlag). Zitat aus
der Verlagsankündigung: "Der Autor entwirft ein mehrperspektivisches
Instrument zur Erschließung und Interpretation der risikogeprägten
Mensch
Natur Beziehung: Das Didaktische Kreuz' mit seinen vier wechselseitig
aufeinander bezogenen Momenten und zwölf epochaltypischen Kategorien. In
seiner Begründung, auf der Basis fundierter bildungstheoretischer
Überlegungen und praktischer Erfahrungen, erweist sich der Entwurf, sowohl
in seiner kritisch analytischen als auch in seiner konstruktiv
konzeptionellen Funktion gewissermaßen als Urform' eines sensiblen
und
zugleich pragmatischen didaktischen Modells." usw.,usf. Nachdem wir uns
mit
einiger Mühe durch diese Nachhaltigkeitslyrik gequält hatten, mussten
wir an
Henryk Broder denken, der kürzlich in einer Rede gefordert hat, der Begriff
"Nachhaltigkeit" solle zusammen mit "Betroffenheit" und
"Identität" endlich
verboten werden.
Terror
NATURSCHUTZ FÜR FRIEDENSTAUBEN
In der Entwicklungspolitik ist der Begriff "Nachhaltigkeit" schon
wieder auf
dem absteigenden Ast. Der Zeitgeist fordert seinen Tribut. Zuvor hießen
die
Trendwörter "Armutsbekämpfung" und "Frauenförderung",
jetzt ist
"Konfliktprävention" unaufhaltsam angesagt. Insider aus der Gesellschaft
für
Technische Zusammenarbeit (GTZ) berichten uns, dass jeder Projektantrag
konsequent auf "Konfliktprävention" gebürstet werden muss,
egal ob es um
Dorfbrunnen oder Krankenstationen geht. Auch das Bundesamt für Naturschutz
hat den Zeitgeist flink erkannt und rief gemeinsam mit der Heinrich Böll
Stiftung zu ersten internationalen Tagung zum Thema "Naturschutz und
Konfliktprävention". So soll zum Beispiel ein geplantes Biosphärenreservat
im Altai Gebirge einen wesentlichen Beitrag zur "zivilen Krisenprävention"
leisten. Wir finden das ganz prima. Wie wär's mit Nationalparks für
islamistische Terroristen? Wir würden dann gerne die Löwen reinlassen.
Kommentar
KLASSENKAMPF VON OBEN
In Deutschland wird ein knallharter Klassenkampf ausgetragen. Jedoch nicht
wie einst zwischen Arbeitern und Kapitalisten, sondern zwischen zwei Lagern,
deren ökonomischen Interessen mindestens ebenso antagonistisch gegeneinander
stehen: Dem produktiven Sektor und dem öffentlichen Dienst. Die SPD ist
schon lange nicht mehr die Partei der Fabrikarbeiter, sondern die Partei des
öffentlichen Dienstes, dessen Interessen sie unverhohlen und entschieden
vertritt. Auch in den anderen Parteien dominiert der öffentlichen Dienst,
wenn auch nicht ganz so extrem. Im Bundestag sind die Beamten in grotesker
Weise überrepräsentiert. Der produktive Sektor kommt in der Volksvertretung
kaum vor. Das Drittel der Gesellschaft, an dem die Wertschöpfung hängt,
ist
vielen Volksvertretern fremd und manchmal sogar suspekt geworden. Doch diese
Gruppe kommt für alle und alles auf: Für die Renten, die Krankenkassen,
die
Bildung, für Arbeitslosengeld und Sozialhilfe, und natürlich auch
für die
Besoldung des öffentlichen Dienstes.
Ein Kommentar von Michael Miersch erschienen in Die Welt vom 23.10.2002. Zu
lesen auf unserer Website, unter
http://www.maxeiner-miersch.de/standpunkte.htm
Webtipp 1
http://www.john-daly.com/#faust
Über Windkraft und Vogelschutz ist schon viel geschrieben worden. Diese
Seite zeigt Aufnahmen von durch Rotoren zerhackten Adlern. Kein sehr schöner
Anblick. Die Fotos wurden unter spanischen und kalifornischen
Windkraftanlagen gemacht, wo Naturschützer regelmäßig die Überreste
toter
Greifvögel einsammeln.
Webtipp 2
http://www.zukunftsinstitut.de/1_home/Manifest/mani_text.html
So hysterisch wie gestern noch über echte und vermeintliche Umweltgefahren
berichtet wurde, so schrill wird heute die ökonomische Misere dargestellt.
Die berechtigte Kritik an der Politik der Bundesregierung droht im
allgemeinen Gejammer über alles und jedes unterzugehen. Geht Ihnen diese
Panikmache von Medien und Politik auf die Nerven? Schließen Sie sich auf
der
Website des Zukunftsinstituts dem Manifest "Die Zukunft ist möglich"
an.
Wenn genügend Menschen diesen Aufruf von Matthias Horx unterstützen,
wird er
an Redaktionen, Parteien und Verbände verteilt.
Buchtipp 1
Josef H. Reichholf
DIE FALSCHEN PROPHETEN
Wagenbach, Berlin 2002
Immer selbstbewusster melden sich kritische Stimmen zu Wort, die die
gängigen Glaubensätze grüner Gesinnung auseinander nahmen. Doch
wer nicht
einsehen will, dass alles immer schlechter wird, wird von der Ökolobby
schnell als "Verräter" ausgegrenzt. Aber das funktioniert heute
nicht mehr
so gut wie einst, denn auch innerhalb der Umweltverbände und der grünen
Bewegung melden sich Skeptiker zu Wort. Jetzt hat es die deutsche Ökoszene
echt hart erwischt: Josef H. Reichholf, Zoologieprofessor, renommierter
Ökologe, Führungsmitglied des WWF und Autor viel zitierter Regenwald
Bücher
hat ein Essay gegen die Ideologie des Angstmachens geschrieben.
Es widerstrebt ihm, dass sein Forschungsgebiet, der Ökologie, als
Namensgeber einer neuen Religion herhalten muss. Wo die Ökologie neutrale
Befunde liefert, bastelt der Ökologismus ein romantisches Naturbild als
Gegenentwurf zur Moderne. Ökologen müssen sich tagtäglich mit
der
dynamischen Veränderung der Natur auseinandersetzen. Ökogläubige
pflegen ein
statisches Naturbild. "Es gibt kein natürliches Gleichgewicht",
schreibt
Reichholf. Doch offenbar wollen viele Menschen nicht, dass sich etwas
verändert, besonders wenn sie in wohlhabenden Industrieländern leben
und es
ihnen im Großen und Ganzen materiell gut geht. "Es ist wie in früheren
Zeiten, als Ablass gezahlt wurde, um Vergebung der Sünden zu erlangen.
Das
war damals wie heute einträglich: damals für die Kirche heute für
den
Staat," schreibt Reichholf.
Der Ökologe meldet grundsätzliche Zweifel am Naturbild der derzeit
medial
gehätschelten Klimapropheten an. Es sei absurd davon auszugehen, das Klima
müsse von Natur aus stabil sein und würde erst durch das Zutun des
Menschen
aus dem Gleichgewicht geraten. "Was berechtigt uns zu der Annahme, das
Klima
am Ende der Kleinen Eiszeit sei das beste aller möglichen Klimata gewesen?"
Die Klimageschichte zeigt, dass es in den vergangenen zehntausend Jahren in
Mitteleuropa meistens wärmer als heute war. In Warmzeiten ging es den
Menschen, der Landwirtschaft, der Vegetation und der Artenvielfalt stets
besser als in Kaltzeiten.
Buchtipp 2
Dan Diner
FEINDBILD AMERIKA
Propyläen, München 2002
Dan Diner sucht nach den Wurzeln amerikafeindlicher Ressentiments und findet
sie in der deutschen Romantik. Beispielsweise beim Dichter Nikolaus Lenau,
der bereits vor 160 Jahren den schnöden Materialismus und die
Oberflächlichkeit der Amis auf den ornithologischen Punkt brachte: "Die
Nachtigal hat Recht, dass sie bei diesen Wichten nicht einkehrt. Das scheint
mir von ernster, tiefer Bedeutung zu sein, dass Amerika keine Nachtigall
hat. Es kommt mir vor, wie ein poetischer Fluch."
Lenaus poetischer Fluch hallte durch die Jahrhunderte und wurde von Karl May
über Brecht bis zu Grass, Baudrillard und Arundhati Roy weiter verstärkt.
Längst dient die USA als Projektionsfläche für alle Übel
dieser Welt. In
Deutschland konnten die abgewirtschafteten Sozialdemokraten sogar einen
Wahlkampf damit gewinnen und in Österreich raunt Haider braun wie die
Nachtigall vom schädlichen Einfluss der amerikanischen "Ostküste".
Diner zeigt, dass Antisemitismus und Antiamerikanismus aus den selben trüben
Quellen schöpfen. Beide sind Reaktionen auf die Moderne, die uns ständig
rasante Veränderungen des Soziallebens, der Wirtschaft und der Wissenschaft
zumutet. Aus dem Blickwinkel traditioneller Gesellschaften symbolisieren
"die Juden" und "die Amerikaner" Entwurzelung, hemmungslose
Liberalität und
Geldgier. Bilder die heutzutage bei den Umzügen der Globalisierungsgegner
wieder wach gerufen werden. Die Ähnlichkeit der antikapitalistischen
Anklagen von Attac und Neonazis ist nicht zufällig. Das dahinter steckende
Ressentiment, das Diner vor Augen führt, bleibt unabhängig von jeweiligen
politischen Fehlern dieser oder jener US-Regierung bestehen.
Wie "der Jude" muss "der Amerikaner" herhalten, um die ungeliebten
Seiten am
eigenen ich auf andere zu projizieren. Wir wären auch gern reich, aber
die
Amerikaner sind "raffgierig und geldgeil". Wir mogeln uns durch unsere
Bildungslücken, doch die Amerikaner sind "kulturlos und oberflächlich".
Wir
fürchten uns vor dem islamistischen Terror, aber die Amerikaner reagieren
"hysterisch und aggressiv".
Buchtipp 3
Roland Baader
TOTGEDACHT
Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören
Resch Verlag, Gräfelfing 2002
Was haben Brecht, Bloch, Eisenstein, Heidegger, Neruda, Picasso,
Riefenstahl, Shaw und Sartre gemeinsam? Sie alle stellten (zumindest
zeitweise) ihre Begabungen in den Dienst der Massenmörder des 20.
Jahrhunderts. Sie waren damit keine Ausnahmen. Dutzende weltberühmter,
Hunderte prominenter und Tausende unbekannter Intellektueller beteten
Hitler, Mao oder Stalin an. Antitotalitäre Denker wie Karl Popper oder
George Orwell waren im 20. Jahrhundert seltene und oftmals von ihren
Kollegen ausgegrenzte und angefeindete Ausnahmen.
Baader erklärt den antikapitalistischen Ingrimm vieler Geistesgrößen
aus der
wirtschaftlichen Stellung ihrer Kaste, die alles vom Staat und wenig vom
Markt zu erwarten hat. "Über Jahrtausende hinweg galt es als
selbstverständlich," schreibt er, "dass Reichtum nur in Zusammenhang
von
Macht und Herrschaft stehen konnte." Erst im Kapitalismus wurde es jedermann
möglich, durch Tüchtigkeit reich zu werden. Ein guter Pizzabäcker
bringt es
nicht selten zu mehr Wohlstand als ein hoch gebildeter Doktor der
Philosophie. Auf diese Kränkung durch den Markt reagieren die meisten
Intellektuellen mit Antikapitalismus und einem starken Glauben an staatliche
Planung und Lenkung. Im romantisch geprägten Deutschland wird daraus häufig
ein generelles Ressentiment gegen die Oberflächlichkeit der westlichen
Zivilisation. Im Gegensatz zum Kapitalismus offerieren totalitäre Führer
ein
gewaltiges Jobprogramm für Intellektuelle in Propaganda, Planung und
Überwachung.
Buchtipp 4
Ulrike Ackermann
SÜNDENFALL DER INTELLEKTUELLEN
Klett-Cotta, Stuttgart 2000
Dieses Buch beschäftigt sich mit dem gleichen Thema und beschreibt, wie
die
antifaschistische Ideologie den antitotalitären Geist verdrängte,
der unter
westdeutschen Intellektuellen der fünfziger Jahre kurzzeitig vorherrschend
war. Und wie die Entwicklung in Frankreich genau umgekehrt verlief: vom
Stalinismus der Fünfziger zum Antitotalitarismus der Siebziger. Ackermann
untersucht, warum so viele engagierte Denker glaubten, sich mit den
Kommunisten gegen die Überreste des Nationalsozialismus verbünden
zu müssen,
und damit brutalen Diktaturen in die Hände spielten. Sie schließt
ihr Buch
mit einem Zitat von Raymond Aron aus dem Jahre 1957: "Wenn aber die Toleranz
nur aus dem Zweifel geboren wird, dann lehre man den Zweifel an Vorbildern
und Utopien, man lehre, die Propheten des Heils und die Verkünder von
Katastrophen in die Schranken zu weisen. Rufen wir mit unseren Wünschen
die
Zweifler herbei, wenn sie es vermögen, den Fanatismus zu töten."
Buchtipp 5
Surjit S. Bhalla
IMAGINE THERE'S NO COUNTRY
Poverty, Inequity, and Growth in the Era of Globalisation
Institute for International Economics, Washington 2002
Anhand von Statistiken aus vielen Entwicklungsländern zeigt der indische
Ökonom Bhalla, dass die Globalisierung zum Rückgang von Armut und
Ungerechtigkeit beigetragen hat. Zwischen 1980 und 2000 wuchs die Wirtschaft
der armen Staaten fast doppelt so schnell wie die der Industriestaaten. Im
gleichen Zeitraum sank der Prozentsatz der Armen an der Gesamtbevölkerung
weltweit um mehr als zwei Drittel. Dies ist der gewaltigste Rückgang der
Armut in der gesamten Menschheitsgeschichte.
Buchtipp 6
Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.)
KATASTROPHE ODER CHANCE?
Hochwasser und Ökologie
Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2002
Dieser Tagungsband der Kommission für Ökologie war bereits im Druck,
als im
Sommer 2002 die Elbe über die Ufer trat. Er ist ein schönes Beispiel
für den
sachlichen und unaufgeregten Umgang mit Umweltproblemen. Nur das Erkennen
der in Ökosystemen ablaufenden Vorgänge erlaubt es, Fehler bei der
Flussregulierung zu vermeiden, wie sie in der Vergangenheit zahlreich und
schwerwiegend begangen wurden. Die Autoren zeigen, dass extreme Hochwässer
an den großen deutschen Strömen schon seit vielen Jahrhunderten historisch
belegt sind. Sie erläutern die ökologische Bedeutung von Überschwemmungen
besonders für die Flora und Fauna der Flussauen. Ein Aspekt, den man sich
kaum zu erwähnen traut, angesichts der katastrophalen Auswirkungen auf
die
Menschen. Er ist aber dennoch wichtig, um ökologische Zusammenhänge
zu
verstehen.
Buchtipp 7
Julian L. Simon
A LIFE AGAINST THE GRAIN
Transaction Publishers, New Brunswick 2002
Der verstorbene amerikanische Ökonom Julian Simon war seit den siebziger
Jahren des vorigen Jahrhunderts Gegenspieler von Katastrophen Predigern und
Umwelt Pessimisten. Seine Hauptthese lautete: Der menschliche Intellekt ist
die entscheidende Ressource für die Zukunft. Erfindungsgeist und
Technologie überwinden immer wieder die scheinbaren Grenzen des Wachstums,
Köpfchen ersetzt natürliche Rohstoffe. Im Gegensatz zu den apokalyptischen
Vorhersagen der Schwarzmaler bewahrheiteten sich Simons Prognosen über
die
ökologische und ökonomische Zukunft der Menschheit immer wieder. Dennoch
blieb Simon außerhalb der USA weit gehend unbekannt. Seine Frau hat die
Biografie aus einem begonnenen Manuskript und dem umfangreichen Textnachlass
posthum zusammengestellt. Das Buch schildert die spannende Geschichte eines
Menschenfreundes, der von der etablierten Wissenschaft für seine gegen
den
Zeitgeist gerichteten Thesen gehasst und bekämpft wurde. Im letzten Kapitel
sind seine "Werte und Lebenseinstellungen" zusammengefasst. Ein zeitloses
Manifest einer freiheitsliebenden Persönlichkeit, die an die immer neue
Entwicklungsfähigkeit der Menschen glaubt.
Buchtipp 8
Julian Morris
SUSTAINABLE DEVELOPMENT
Profile Books, London 2002
Der Begriff der Nachhaltigkeit ist in Deutschland mittlerweile sakrosankt,
im angelsächsischen Sprachraum bleibt die Fachwelt hingegen kritisch. Der
Ökonom und Jurist Julian Morris hat 17 Experten gebeten sich mit
verschiedenen Aspekten des "Sustainable Development" auseinanderzusetzen.
Die Kardinalfrage dabei: Befördert diese Idee den Fortschritt oder, ganz
im
Gegenteil, führt sie zu kontraproduktiven Wohlstandverlusten und zementiert
in den Entwicklungsländern die Armut? Das Buch kommt zu dem Schluss, dass
selbstbestimmte, freie und demokratische Gesellschaften das beste
Wohlstandsmodell für heutige und künftige Generationen sind. Im Namen
der
Nachhaltigkeit staatlich verordnete Lebensstile, Einschränkungen der
individuellen und wirtschaftlichen Freiheiten, werden hingegen zum genauen
Gegenteil einer gedeihlichen Zukunft führen. Erneut würde ein
Weltbeglückungsmodell den Weg in die Unfreiheit, Planwirtschaft, Bürokratie
und Armut weisen.
Buchtipp 9
Julian Morris
RETHINKING RISK AND THE PRECAUTONARY PRINCIPLE
Butterworth Heinemann, Oxford 2000
Wie können moderne Gesellschaften mit Risiken umgehen? Das so genannte
Vorsorge oder Vorsichtsprinzip scheint zunächst einleuchtend, mutierte
aber
in den vergangenen Jahren zu einem beliebten
Fortschrittsverhinderungsinstrument. Zwölf hochkarätige Wissenschaftler
aus
verschiedenen Disziplinen analysieren die Fallstricke des Vorsorgeprinzips
und formulieren Vorschläge für eine rationalere Abwägung zwischen
Vorsicht
und Risiko.
Buchtipp 10
Fritz Eckenga
DRAUSSEN HÄNGT DIE WELT IN FETZEN,
LASS UNS DRINNEN SPECK ANSETZEN
Kunstmann, München 2002
Ein vortrefflicher Gedichtband des Dortmunder Satirikers, in dem es nicht
nur um Esse, Tiere, Fußball und Liebe geht, sondern auch um einige bekannte
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Unter anderem dichte Eckenga
folgende Ode auf ein Idol der Grünen, mit der wir uns für heute
verabschieden möchten.
Queen of Green
Claudia Roth, Du grüne Hoffnung,
Powerfrau full voll Betroffnung,
Strom, der alle Schleusen bricht,
Deine Tränen lügen nicht!
Du bist Hirn und Emotion,
Liebreiz, Duft und Emulsion,
weich und wild und warm und klug,
alles Lob ist nicht genug,
Deiner doch gerecht zu werden,
Friedensfürstin, Salz der Erden,
Mother Nature, Queen of Green,
Engel der Afghanerin,
löstest sie vom Joch der Burka,
Halleluja, grüne Gurka!