DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 15 - 7.2.2003


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DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 15 7.2.2003

Irak 1
SADDAM: ES GEHT NICHT UM ÖL
Die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA verbreitete eine
Stellungnahme von Saddam Hussein, in der er betonte, es gehen bei dem
möglicherweise stattfindenden Angriff der US-Armee und ihrer Verbündeten
nicht ums Öl. Damit widerspricht der Diktator dem meistgebrauchten Vorwurf
aus der Friedensbewegung. Saddam erklärte, die USA hätten über die normalen
Handelskanäle ohnehin Zugang zum irakischen Öl. An eine Versammlung von
Militärs und Parteifunktionären gerichtet, sagte Hussein, es gehe den USA
vielmehr darum, deren Willen zu brechen, "indem sie eure Symbole und eure
Führung angreifen." Leider fand diese Meldung in Deutschland kaum
Verbreitung.
David Frum, ein ehemaliger Redenschreiber von George W. Bush, erklärte
unterdessen, die USA seien schon jetzt in der Lage, genügend Öl aus dem Irak
zu kaufen. Die Kosten eines Krieges seien wesentlich höher, als die
Ersparnis, die man erhoffen könne, wenn der Ölpreis nach einem siegreichen
Feldzug fallen würde. Kaufen ist also wesentlich billiger als Erobern. Laut
dem Statistik-Institut des US-Energieministeriums (EIA) landete im Jahr 2001
ein Großteil des irakischen Öls über Zwischenhändler in den USA.
Quelle: dpa, 29. 01.2003

Irak 2
HEITERES ZITATERATEN
In Deutschland stimmen Regierung und Bevölkerung weitgehend überein, dass
Amerika die Welt bedroht. Das hat die Zunft der Amerika-Experten mächtig
anwachsen lassen. Überall melden sich Stimmen zu Wort, die schon immer
wussten, dass Amerika unser wahrer Feind ist, immer war und bleibt. Hier ein
paar schöne Zitate aus dem Reich der Guten (darunter ein paar schon etwas
ältere). Raten Sie mal, wer was gesagt hat. Zur Auswahl stehen: Wolfgang
Gehrcke (außenpolitischer Sprecher der PDS), Horst Mahler (NPD), Jürgen W.
Möllemann (FDP), Julius Streicher (Herausgeber des "Stürmer", 1944),
Konstantin Wecker (Liedermacher) und Giselher Wirsing (NS-Propagandist,
1942). Von wem stammt welches Zitat? Die Auflösung finden Sie am Ende dieser
DFB!.

1. "Die Supermacht ist entschlossen zuzuschlagen. Koste es, was es wolle.
Die Kosten der Einen sind die Gewinne der Anderen; der Energie- und
Rüstungskonzerne, der Börsenspekulanten, kurz: der Mafia des großen Geldes:
Sie haben gesät, sie haben in den Bush-Clan investiert, jetzt wollen sie
ernten."
2. "Die Initiatoren des Irakkrieges wollen sich auf den Energie-, Rüstungs-,
Kommunikations- und Infrastruktursektoren jeweils mehrstellige
Milliardengewinne sichern und die Völker der Nahost-Region in direkter
Abhängigkeit von den USA und ihren Hauptverbündeten halten."
3. "Wie Pawlowsche Hunde haben sie uns abgerichtet, damit, wenn das Wort
‚Menschenrechte' erklingt, wir ihren Speichel lecken und uns selbst, unser
Volk, vergessen. Die Bevölkerungen in der Gesindestube des Molochs führen
teilweise noch das Leben von verwöhnten Haussklaven. Sie haben es in der
Hand, durch Rebellion sich und die Völker zu befreien. Wenn sie weiterhin
diese Pflicht versäumen ihre Lebenskraft in die Massenvernichtungsmaschine
einspeisen, befinden sie sich selbst im Bereich militärischer
Vergeltungsschläge der Völker. Sie sollten nicht an das Mitgefühl und an die
Solidarität der Geschundenen und Entrechteten appellieren."
4. "Für alle Völker wird viel davon abhängen, ob sie den eigentlichen
Hintergrund dieses Krieges rechtzeitig zu erkennen vermögen. An alle Völker
wird nun die Frage herantreten, ob sie sich der Einheitszivilisation des
Amerikanismus, dieser amerikanischen Konservenkultur, beugen wollen. Es geht
nicht mehr um das Schicksal jedes einzelnen dieser Völker allein, es geht um
die Zukunft der gesamten Welt."
5. "Eine großindustrielle Oligarchie, die sich ein demokratisches Mäntelchen
umhängt und unsere Medien wie Marionetten in ihrem Interesse tanzen lässt,
entmündigt uns immer mehr und versucht Kriege als humanistische Aktionen zu
verkaufen. Es geht um Öl, um Waffengeschäfte und neue High-Tech-Waffen, die
darauf warten, losgelassen zu werden."
6. "Wer glaubt, dass irgendetwas Gutes für Europa aus dem Land der angeblich
unbegrenzten Möglichkeiten kommt, ist ein Narr oder unheilbar naiv."

Irak 3
IM NAMEN DES WAHNSINNS
Da die meisten unserer Leser nicht in München wohnen, haben sie vermutlich
nur am Rande mitbekommen, dass der Liedermacher Konstantin Wecker im Januar
zu einem Freundschaftsbesuch nach Bagdad reiste. Aber für die Münchner
"Abendzeitung" war diese Reise das wichtigste Ereignis seit der Erfindung
der Weißwurst. Sie feierte den "bayerische Knödelbarden" (taz) tage- und
seitenlang. Der gab wie gewohnt weise Worte von sich ("Der Kapitalismus
braucht Kriege, um nicht zu kollabieren"), erzählte aber auch von der
Undankbarkeit mancher Bewohner von Bagdad: "Bei der Rückkehr fliegen Steine
gegen unseren Bus. Jetzt erst erfahren wir von unserem Fahrer, dass wir ein
Regierungskennzeichen haben." Bis zu dem Schlagzeilen-Trommelfeuer der
"Abendzeitung" wussten wir gar nicht, dass Wecker immer noch Gesang
absondert. Dann sind wir aber doch neugierig geworden und haben uns mal auf
seiner Website umgesehen. Das können wir nur empfehlen, denn Weckers dort
versammelte Buchempfehlungen liefern ein nahezu perfektes Sammelsurium aller
Esoteriker, Amerikahasser, Antisemiten und Verschwörungstheoretiker. Von
Eugen Drewermanns Säuselbotschaften bis zur jüdische Weltverschwörung in
drei Bänden (Autor: Wolfgang Eggert), ist wirklich alles versammelt. Wie
hieß noch mal ein Wecker Titel von 1983: "Im Namen des Wahnsinns."
Quellen: "Die Abendzeitung" vom 3.bis zum 6. und vom 16. bis zum 20. Januar
und www.wecker.de

Inquisition 1
ES IST WAS FAUL IM STAATE DÄNEMARK
Einst wurde das Heilige Offizium einberufen und musste beurteilen, ob die
Entdeckungen von Galilei mit der Autorität des Papstes übereinstimmen.
Genauso hat es jetzt die "Dänische Untersuchungskommission für
wissenschaftliche Unaufrichtigkeit" (UVVU) mit Bjørn Lomborg und seinem
Bestseller "The Skeptical Environmentalist" (in Deutschland unter dem Titel
"Apokalypse No!" erschienen) gemacht. Das Buch widerlegt ähnlich wie unser
"Lexikon der Öko-Irrtümer" zahlreiche Umweltmythen und wendet sich gegen die
verbreitete Weltuntergangs-Litanei (Siehe DFB! Nr.7, Nr. 9 und Nr.10) Und so
etwas tut man nicht ungestraft: Bereits im vergangenen Jahr wurde Lomborg im
Magazin "Nature" von einem aufgebrachten Wissenschaftler-Kollegen mit einem
Ausschwitz-Leugner gleichgesetzt, andere versuchten den Verlag (Cambridge
University Press) zu einem Verkaufstop des Buches zu nötigen. Jetzt hat das
dänische "Wahrheitsministerium" (so ein Kommentator) den Statistik Professor
Lomborg der "wissenschaftlichen Unredlichkeit" schuldig gesprochen. Hierfür
wurde eigens eine neue Kategorie geschaffen: Die der "objektiven
Einseitigkeit", was auch immer das sein soll. Die Untersuchungskommission
nennt in ihrem Bericht allerdings keine einzige konkrete Verfehlung. Lomborg
dazu: "Ich komme mir vor wie ein Angeklagter, dem man sein Verbrechen nicht
mitteilen will." Das Kommission stützt ihr Urteil einzig auf einen Bericht
der Zeitschrift "Scientific American". Dort hatten ökopessimistische
Wissenschaftler, die sich von Lomborg kompromittiert fühlten, vehement gegen
"The Skepitcal Environmentalist" vom Leder gezogen. Als ein Kronzeuge wird
die Klima-Kassandra Dr. Stephen Schneider angeführt. Schneiders
wissenschaftliches Ethos lässt sich einem Interview aus dem Jahr 1989
entnehmen: "Um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erringen, müssen wir
erschreckende Szenarien entwerfen und mit vereinfachten und dramatischen
Stellungnahmen in die Offensive gehen. Eventuelle Zweifel sollten wir nur am
Rande erwähnen. Jeder von uns muss die richtige Balance dazwischen finden,
effektiv zu sein und ehrlich zu sein." Zum Glück geht die Affäre für die
Öko-Inquisition nach hinten los: Die dänische Tagezeitung "Politiken"
spricht von Zensur, Zeitschriften wie der "New Scientist" (eigentlich keine
Anhänger von Lomborg) nennen es "Hexenjagd". 280 dänische Wissenschaftler
protestierten inzwischen in einer Unterschriftenaktion. Am meisten gefreut
hat uns die Reaktion des Publikums: Nach dem Urteil der Kommission schnellte
"The Skeptical Environmentalist" auf der Amazon-Verkaufsliste um 400 Plätze
nach oben, in der Kategorie "Natur" sogar auf Platz eins.
Weitere Informationen zum Lomborg-Streit:
Das Urteil der Dänischen Komission:
http://www.forsk.dk/uvvu/nyt/udtaldebat/bl_decision.htm
Björn Lomborgs Erwiderung:
http://www.junkscience.com/jan03/wsj-lomborg.htm
Kommentar in "Techcentralstation":
http://www.techcentralstation.be/2051/wrapper.jsp?PID=2051-100&CID=2051-0110
03N

Inquisition 2
"GP" HEISST JETZT GEDANKENPOLIZEI
Die Umweltorganisation Greenpeace (Kürzel: GP) tritt in die Fußstapfen der
Stasi. Bei einem Treffen mit Verbraucherministerin Künast übergaben
GP-Funktionäre ein Dossier über Frau Marianne Schauzu, wissenschaftliche
Direktorin und Fachgebietsleiterin der Abteilung Gentechnik des
Bundesinstituts für Risikobewertung, einer dem Verbraucherministerium
untergeordneten Behörde. GP hatte ermittelt, dass Frau Schauzu hinter dem
Pseudonym "Marcella Sommer" steckt. Unter diesem Namen waren in den
DKP-Zeitschriften "Marxistische Blätter" und "Unsere Zeit", so wie dem
PDS-Blatt "Junge Welt" Artikel erschienen, die sich kritisch mit Künasts
Blockade der Grünen Gentechnik auseinandersetzten. GP war dadurch, laut
"Süddeutsche Zeitung", "irritiert und regelrecht empört", so dass man bei
der Ministerin intervenierte. Auf unsere Nachfrage im Ministerium erfuhren
wir, dass Frau Schauzu immer noch im Amt ist, da sie glaubhaft bestreitet
die Artikel geschrieben zu haben. Der Fall, hieß es, sei erledigt. Die
Verwendung einer "Anklageschrift" von GP wollte man nicht kommentieren.
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 6.12.2002
und Pressestelle des BMVEL

In eigener Sache
NEUES AUS DEM SOUVENIRLADEN
Für alle, die unsere ehrenamtliche Arbeit an der DFB! schon immer gern
unterstützen wollten, aber nicht wussten wie, haben wir auf unserer Website
ein Versandgeschäft eingerichtet (siehe DFB! Nr. 14). Dort gibt es ab sofort
neben unseren Postkartensets auch ein Buch. Es heißt "Junge Liebe - Kalter
Krieg" und schildert eine spektakuläre Entführungsgeschichte, die sich 1950
in Berlin zugetragen hat.
Die Grenze zwischen DDR und Westberlin verlief mitten durch das Stadtgut
Karolinenhöhe. Als sich West-Magistrat und DDR-Behörden nicht über die
Aufteilung der Ernte einigen können, stürmt am 9. August 1950 ein Trupp
DDR-Volkspolizisten über die Grenze und entführt den Gutsinspektor Ekkehard
Miersch. Drei Monate lang wird der junge Mann in den Gefängniskellern des
Ulbricht-Regimes festgehalten. Währenddessen bringt seine Frau ein Baby zur
Welt. Kaum aus der Entbindungsklinik entlassen, schmiedet sie einen
abenteuerlichen Fluchtplan ...
Die Geschichte eines jungen Paares, das mit Mut und Selbstvertrauen dem
Polizeistaat ein Schnippchen schlägt. Die Autorin, Else Miersch, erzählt
diese Geschichte aus erster Hand, denn sie selbst organisierte die
wahrscheinlich einzige gelungene Flucht aus einem DDR-Gefängnis bis in den
Westen. Ein Buch, das sich besonders für Jugendliche eignet, die kaum mehr
eine Vorstellung vom Unrecht in der DDR haben. Die Entführungsgeschichte ist
eingebettet in einen historischen Rahmen, der die Situation Berlins in den
späten vierziger und frühen fünfziger Jahren lebendig werden lässt. Link zu
unserem Souvenirladen:
http://www.maxeiner-miersch.de/souvenirs.htm
Sie können dort natürlich auch weiterhin unserer beiden Postkartensets "Der
deutsche Weg" und "Grüße aus der Provinz" bestellen. Aktueller denn je!
Unsere Postkarten wurden übrigens kürzlich in der Online-Ausgabe der "Zeit"
gewürdigt:
http://www.zeit.de/2003/03/Glosse_3-2

Moral 1
DÜRFEN MAORIS WALE ESSEN?
Seit Jahrhunderten betrachten die neuseeländischen Maoris gestrandete Wale
als Geschenke der Götter. Als kürzlich 129 Grindwale am Strand der Insel
Stewart Island verendeten mussten die Ureinwohner tatenlos zusehen, wie das
wertvolle Walfleisch in der Sonne verweste. Denn der New Zealand Marine
Mammals Act, ein Walschutzgesetz, verbietet das Schlachten dieser Tiere.
Unterdessen erklärten Wissenschaftler, es sei Tierquälerei, gestrandete
Grindwale wieder ins Meer zu bugsieren. Seit die Meeressäuger im Westen als
quasi heilige Wesen verehrt werden, ist es üblich geworden Strandungen nicht
mehr zu akzeptieren. Stattdessen versuchen Tierfreunde sie zurück ins tiefe
Wasser zu schleppen. Doch solche Versuche, so die Wissenschaftler,
verlängern nur das Leiden der Tiere, die meistens wieder an den Strand
zurück schwimmen. In Neuseeland diskutiert man nun, ob es nicht humaner
wäre, die Qualen zu beenden, indem man die Tiere erschießt.
Quelle: Sustainable News, Januar 2002

Moral 2
EIN HERZ FÜR TIERE
Ingrid Newkirk, Präsidentin der Tierrechts-Organisation PETA (People for the
Ethical Treatment of Animals), hat an Jassir Arafat geschrieben, seine
Terrorkommandos möchten doch bitte keine Esel mehr für Bombenanschläge
verwenden.
Quelle: Washington Post vom 5. 02.2003

Naturschutz 1
LÖWENPLAGE
Vor fünf Jahren wurde die weltberühmte Löwenpopulation in der Serengeti von
einer Staupe-Epidemie dahingerafft. Die Zahl der Großkatzen viel aus einen
Tiefststand von 2000 Stück. Die schlechte Nachricht ging um die Welt und
wurde beispielsweise in Deutschland auf einer Doppelseite "Bildzeitung"
dramatisch ausgewälzt. Die Zahl der Löwen hat sich seither verdoppelt. Heute
gibt es mehr als je zuvor. Das haben wir allerdings nur erfahren, weil
DFB!-Leser aus Tansania es uns berichteten. Die gestiegene Zahl der Löwen
ist allerdings auch nicht unproblematisch. Wissenschaftler fürchten jetzt,
dass bestimmte Beutetiere, z.B. Topi-Antilopen, zu stark reduziert werden
könnten. In Süd-Tansania haben viele Menschen unterdessen ihre Dörfer
verlassen, weil Löwen dort seit Oktober letzten Jahres 13 Menschen getötet
haben und nicht mehr davor zurückschrecken, ihre Opfer nachts aus der Hütte
zu zerren. Solche Menschenfresser-Plagen gab es im südlichen Tansania auch
in der Vergangenheit.

Naturschutz 2
KORALLEN ERHOLEN SICH
Nicht nur die Erholung der Serengeti-Löwen drang nicht so recht ins
öffentliche Bewusstsein. Auch die Erholung des größten Korallenriffes der
Welt war den meisten Zeitungen nur eine Kurzmeldung wert. In den vergangenen
Jahren hatte das Verblassen des Great Barrier Riffs vor Australien weltweit
zu Schlagzeilen geführt. Dies gab Anlass zu vielen Spekulationen. Vielfach
war zu lesen, die Klimakatastrophe sei schuld. Nun hat das Riff seine alte
Farbenpracht zurück gewonnen. Die untersuchenden Wissenschaftler kamen zu
dem Schluss, dass die Korallen abstarben, weil Algen, mit denen sie in
Symbiose leben, durch Wasserverschmutzung geschädigt worden waren. Sobald
das Wasser wieder sauber ist, erholen sich die Korallen offenbar.
Quelle: "Die Welt" vom 18.12.2002

Naturschutz 3
EIN PLATZ FÜR TIERE
Auch eine Untersuchung der angesehenen amerikanischen
Naturschutzorganisation "Conservation International" wurde nur in wenigen
Zeitungen sehr knapp abgehandelt. Die Studie mit dem Titel "Wilderness:
Earth's Last Wild Places", an der Hunderte Wissenschaftler in aller Welt
gearbeitet hatten, kam zu dem Fazit, dass 46 Prozent der Erde nach wie vor
als Lebensraum für wilde Tiere zu Verfügung stehen. Das globale
Wildtierbiotop entspricht den sechs größten Ländern der Erde zusammen.
Dagegen haben sich sieben Zehntel der Menschheit auf 38 Prozent der
Landfläche der Erde konzentriert. Russ Mittermeier, Präsident von
"Conservation International" sprach von einem "Bild des vorsichtigen
Optimismus."
Quelle: Cybercast News Service vom 6.12.2002

Naturschutz 4
KEIN PLATZ FÜR TIERE?
Der Wissenschaftliche Beirat Bodenschutz beim Bundesumweltministerium hat
mit einer erstaunlichen Rechnung Alarm geschlagen. In Deutschland würde
täglich die Fläche von 170 Fußballfeldern mit Gebäuden und Straßen verbaut.
Dies entspräche innerhalb von zehn Jahren der doppelten Größe des
Saarlandes. Man kann sich also schon ausrechnen, wann Deutschland komplett
unter Beton und Asphalt verschwunden sein wird. Dies erscheint uns eine
ziemlich gewagte Behauptung. Und deshalb bitten wir, sollten unter den
DFB!-Lesern Experten zum Thema Flächenversiegelung sein, klären Sie uns und
unsere Leser auf. Ist unser Land demnächst zugebaut, oder handelt es sich
mal wider um eines der üblichen alarmistischen Szenarien?
Ein paar Sachen haben wir schon selbst herausgefunden: Bei solche
Modellrechnungen ist es üblich, Grünflächen im Stadtbereich und
Gartensiedlungen als "bebaute Fläche" zu zählen. Auch widerspricht die
Annahme, Siedlungsgebieten seien ökologisch ärmer als Agrarflächen, den
Erkenntnissen der Wissenschaft. Denn im städtischen Bereich ist die
Artenvielfalt viel höher als auf Äckern. Und schließlich ist die bebaute
Fläche in Deutschland wesentlich kleiner, als die meisten Menschen glauben:
Siedlungsgebiete, Industrieflächen und Straßen nehmen knapp 11 Prozent des
Landes ein. 83 Prozent sind Felder, Wiesen und Forste.
Quellen: "Ohne Boden - bodenlos", Denkschrift des Wissenschaftlicher
Beirates Bodenschutz beim Bundesumweltministerium
und Statistisches Bundesamt.

Rassismus
WIR FORDERN GENTESTS FÜR NEONAZIS!
Ach, hätte es doch vor siebzig Jahren schon Genanalysen gegeben. Die Nazis
hätten echt dumm aus der Uniform geguckt. Im Jahr 2001 stellten Forscher des
Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig fest, dass
die genetischen Unterschiede zwischen zwei Menschen beliebiger Herkunft
(also etwa einem Tansanier und einem Schweden) geringer sind, als zwischen
zwei Schimpansenpopulationen, die nur wenige Hundert Kilometer entfernt
voreinander leben. Dies bedeutet, dass alle Menschen von der gleichen,
zahlenmäßig sehr kleinen Vorfahrengruppe abstammen. "Genetisch gesehen sind
wir alle Afrikaner. Einige leben auf diesem Kontinent, andere eben im Exil,"
erklärte Professor Svante Pääbo. Jetzt haben brasilianische Genforscher noch
eins draufgesetzt und allen Rassisten den Teppich unter den Füssen
weggezogen. Sie fanden heraus: Die äußere Erscheinung eines Brasilianers
sagt nichts darüber aus, ob er vorwiegend portugiesische, afrikanische oder
indianische Vorfahren hat. Das bedeutet: Jede blonde Bestie kann in Wahrheit
(pardon) ein Neger sein. Wir haben es geahnt: Horst Mahler ist der Zwilling
von Robert Mugabe und Jörg Haider der Vetter von Puff Daddy.
Quellen: berlinews.de vom 13.09.2001
"Die Welt" vom 27.12.2002

Medien 1
VER.DI TANZT DEN FIDEL CASTRO
Kürzlich fand ein "Welttreffen der Kriegsberichterstatter" in Havanna statt.
In "M", der medienpolitischen Zeitschrift von Ver.di (Ausgabe 1/03) wird
ausführlich über das vom kubanischen Journalistenverband organisierten
Treffen berichtet. Als besonders eklatanter Verstoß gegen die Pressefreiheit
wird in dem Bericht die Verhaftung eines Kameramanns des arabischen Senders
Al-Jazeerah gegeißelt. US-Truppen hatten ihn in Afghanistan nach dem Rückzug
der Taliban festgenommen. Der Leser vermisst irgendwie den Hinweis, dass zur
gleichen Zeit einem amerikanischen Journalisten von Taliban-Killern vor
laufender Kamera die Kehle durchgeschnitten wurde. Auch eine Mitteilung über
den Zustand der Pressefreiheit im Gastgeberland Kuba hätte man von der
Zeitschrift der gewerkschaftlich organisierten Journalisten eigentlich
erwartet. Doch die unermüdlichen Streiter für die Pressefreiheit verlieren
darüber kein Wort. Statt dessen wird eine begleitende Fotoausstellung
herausgehoben: "Zentrales Thema war das kubanische Engagement in Angola für
die kommunistische MLPA-Armee."

Medien 2
SCHLECHTES TIMING
Der "Süddeutschen Zeitung", die Umwelt- und Lebensmittelskandale
gewohnheitsmäßig immer besonders gruselig ausmalt, ist kürzlich einen nette
kleine Panne passiert. Am 27. Januar 2003 wurde durch das "British Journal
of Cancer" eine groß angelegte Untersuchung schwedischer und amerikanischer
Wissenschaftler bekannt, die die Essgewohnheiten von Tausend Krebskranken
und 500 gesunden Menschen analysierte. Ergebnis: Die Krebs auslösende
Wirkung von Acrylamid, die an Versuchstieren festgestellt worden war, ließ
sich bei Menschen nicht bestätigen. Offenbar hat diese gute Nachricht die
Redaktion der "SZ" aber zu spät erreicht, so dass am 28.1. einer der
üblichen alarmistischen Artikel im Blatt stand. Überschrift: "Gefahr durch
Acrylamid größer als vermutet." Darunter wurde von "bis zu 10 000 Krebstoten
pro Jahr in Deutschland" gewarnt. Dumm gelaufen.
Quellen: "SZ" vom 28.01.2003 und
"Frankfurter Rundschau" vom 28.01.2003

Zoologie 1
FAMILIÄRE HACKORDNUNG
In der CNN-Talkshow "Crossfire" durften wir kürzlich einen einsame
Höchstleistung in der Vermenschlichung von Tieren erleben. Bruce Friedrich
von der Tierrechtorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of
Animals) erklärte, Hühner wollten mehr "Zeit bei ihrer Familie verbringen".
Bevor Herr Friedrich das nächste mal über die Bedürfnisse seiner gefiederten
Freunde schwadroniert, sollte er vielleicht etwas mehr Zeit mit Hühnern
verbringen.
Quelle: CNN vom 6.01.2003

Zoologie 2
EVOLUTIONÄRE DEMOKRATIE
In Tierhorden werden viel häufiger demokratische Mehrheitsentscheidungen
getroffen als man bisher dachte. Eine Gorillagruppe setzt sich in Bewegung,
wenn zwei Drittel der Anwesenden das hörbar wünscht, bei Rothirschen genügen
62 Prozent der Rudelmitglieder. Forscher der Universität Brighton haben
diese und viele andere Feldbeobachtungen gesammelt und draus anhand von
Modellrechungen erfreuliche Schlüsse gezogen: Demokratie ist gut fürs
Überleben. Die Unterwerfung unter Despoten führt viel häufiger zu falschen
Entscheidungen, als eine Orientierung am Mehrheitsprinzip.
Quellen: "Nature", Band 421, S. 155
und "Die Zeit" vom 9.01.2003

Emanzipation
ENDLICH: GRÜNE FRAUEN AM HERD
Was wir kaum zu träumen wagten, auf der Grünen Woche in Berlin wurde es
wahr: Bärbel Höhn, Renate Künast, Katrin Göring-Eckart und weitere grüne
Frauen schoben Küchendienst. Auf dem Infostand der Partei kochten sie lauter
leckere Sachen und sorgten für gute Unterhaltung. Ein "heiteres
Milkshake-Raten" mit den grünen Prommis begeisterte das Publikum ebenso wie
das migrationspolitische Menue "Curry und Kurkuma". Renate Künast äußerte
sich zu dem Thema "Küche, Kühe, Kapriolen". So lautet also die grüne Version
des guten alten "Kinder, Küche, Kirche."
Quelle: Einladung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Grünen
Woche

Energie 1
SCHWARZGRÜN MACHT WIND
Die Bundestagsdebatte um erneuerbarer Energien geriet zu einer
ungewöhnlichen Demonstration geistiger Gleichschaltung. Jürgen Trittin
verkündete das übliche: Deutschland sei "Wind-Weltmeister", 2002 seien 50
Millionen Tonnen Kohlendioxidemissionen durch erneuerbare Energien vermieden
worden. Was Trittin nicht sagte: Die Windenergie sparte auf Seiten der
erneuerbaren Energien gerade mal 6,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid ein (das
Gros entfällt auf die Wasserkraft). Die böse Atomkraft sparte hingegen 165
Millionen Tonnen CO2 ein. Einzig der Karlsruher CDU-Abgeordnete Fischer
wagte an der heiligen Kuh Windkraft zu kratzen: Statt der angegebenen acht
Euro pro Haushalt, beliefen sich die Subventionskosten unter Einbeziehung
der Steuerersparnisse für Wind-Abschreibungsparks auf über 150 Euro pro
Haushalt. Würde dieses Geld in die Effizienzsteigerung vorhandener
Kraftwerke gesteckt, ließe sich ein vielfaches an Kohlendioxid-Emissionen
sparen.
Der ökologische Effekt der Windräder sei überdies auch deshalb nahe null,
weil konventionelle Kraftwerke für den Fall einer Flaute stets in
Bereitschaft stehen müssten. Trittin strafte seinen Kritiker mit hämischem
Lachen ab. Richtig fuchtig wurden hingegen Fischers eigenen Leute. Der Mann
wurde von den Bänken der CDU/CSU ausgebuht. "Der spricht nicht für unsere
Fraktion", rief der CSU-Abgeordnete Ramsauer, "dies ist eine der
unsinnigsten Reden die ich je gehört habe." Wenn die Zukunft schwarzgrün
werden sollte, sehen wir schwarz.
Quelle: "FAZ" vom 3.02.2003

Energie 2
KINDER AN DIE MACHT
Nicht ganz so gut funktionierte die Gleichschaltung beim
Deutsch-Französischen Jugendparlament. Als Gerhard Schröder den jungen
Leuten gemeinsam mit Jacques Chirac Rede und Antwort stand, kam es zu einem
klassischen Betriebsunfall. Die im Vorfeld abgesprochene Forderung nach
erneuerbaren Energien beantwortete der französische Staatspräsident mit dem
Hinweis Windräder seien "Nützlich, aber sehr hässlich". Er fuhr fort mit der
Bemerkung, die Energiefrage sei eben sehr kompliziert und Atomenergie habe
den Vorteil, das sie weder Luft noch Atmosphäre verschmutze. Reaktion des
jugendlichen Publikums: Donnernder Applaus. Es folgte ratloses Entsetzen auf
den Gesichtern von deutschen Journalisten und Politikern. Wir aber machen
uns keine Sorgen mehr um künftige Generationen.
Quelle: "FAZ" vom 24.01.2003

Energie 3
NEUES KAPITALVERBRECHEN
Der für Breisgau-Hochschwarzwald zuständige Landrat Jochen Glaeser gilt als
Gegner von Windanlagen im schönen Schwarzwald. Die auf
Abschreibungs-Windräder spezialisierte Firma "Fesa" sieht darin ein
Verbrechen. Der den geschäftlichen Interessen abträgliche Landrat ist nach
Ansicht eines Unternehmenssprechers eine ganz miese Type. "Fesa" kreierte
für ihn ein abscheuliches neues Delikt: "Klimaschänder".
Quelle: "Stuttgarter Zeitung" vom 19.12.2002

Energie 4
STROM ZU VERSCHENKEN
Der seit 1998 liberalisierte Strommarkt bescherte den verdutzten
Stromhändlern zum vergangenen Weihnachtsfest ein besonderes Geschenk, nur
haben es die Stromkunden nicht bemerkt. In den frühen Morgenstunden des
ersten Weihnachtsfeiertages zwischen 3 und 9 Uhr wurden an der Strombörse in
Leipzig über 23 Millionen Kilowattstunden umsonst abgegeben. Strom war genug
da, nur brauchte ihn keiner. Zur Kochzeit des Weihnachtsbratens betrug der
Preis dann wieder rund 1 Cent pro Kilowattstunde. Peanuts im Vergleich zum
gesetzlich vorgeschriebenen Ankaufspreis für Windstrom (9,1 Cent) und
Sonnenstrom (48,1 Cent).

Fußnoten
BÖSE SCHLAPPEN
Ein Bericht des Magazins "Öko-Test" (Zu 55 Prozent im Besitz der SPD) sorgte
für Aufregung in Schwimmbädern und Saunen. Badesandalen aus PVC enthielten
"erschütternde" Mengen an Weichmachern und es bestünden deshalb
gesundheitliche Gefahren (Ausgabe August 2002). Die Fachleute der
"Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt" (AGPU) haben die Öko-Test-Werte zu
Grunde gelegt und ausgerechnet, unter welchen Umständen diese gefährlich
werden könnten. Ergebnis: Um die lebenslang tolerierbare Menge der
Weichmacher über die Füße aufzunehmen muss ein Saunagänger sein ganzes Leben
jeden Tag damit rumlatschten. Und jeder dieser Tage müsste 15 000 Stunden
haben.

Prominente 1
GUT MEINEN UND GUT MACHEN
Nachdem wir schon das letzte Mal die Wohltätigkeitskultur der Celebrities
unter die Lupe genommen haben, hier die Fortsetzung: Echte Pluspunkte
sammelt Bill Gates, dessen Stiftung 200 Millionen Dollar für die
Krankheitsbekämpfung in Entwicklungsländern gespendet hat. Während die
großen Pharmaunternehmen ihre Forschungsmilliarden auf die
Zivilisationskrankheiten in den reichen Ländern konzentrieren, fehlt es bei
Krankheiten wie Malaria hinten und vorne an Forschungsgeldern. Gates Dollars
sollen darüber hinaus in die Aids-Prävention, sowie die Bekämpfung von
Durchfall- und Atemwegskrankheiten fließen. Alleine letztere kosten jährlich
etwa zwölf Millionen Menschen das Leben.

Prominente 2
FOOL ON THE HILL
Merkwürdige Sorgen hat hingegen Paul McCartney. Im Namen der
Tierrechts-Organisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals)
klagt der Ex-Beatle den WWF an. Die Umweltorganisation sei verantwortlich
für eine der "größten Tierversuchsreihen der Geschichte" und opfere grausam
tausende von Tieren. Der Hintergrund: Auf Druck des WWF untersucht die
amerikanische Regierung die Auswirkung von Chemikalien, die möglicherweise
auf den Hormonhaushalt wirken. Und dies geht nun mal nicht ohne Versuche an
Ratten und Mäusen

Prominente 3
IT'S A GAS, GAS, GAS
Die Rolling Stones, bislang zuverlässige Bösewichter und Verfechter heißer
Rhythmen, fürchten sich plötzlich vorm Treibhauseffekt. Sie wollen dieser
Tage in Los Angeles mit einem Konzert auf die Gefahren der Klimaerwärmung
aufmerksam machen. Einen Kohlendioxid-Song haben die Stones ja schon lange:
"Jumpin' Jack Flash, It's a gas, gas, gas..." Viel besser hat uns die
Rentner-Combo bei einem Auftritt in New York gefallen. Die Stones rauchten
während der Vorstellung im Madison Square Garden auf der Bühne (was dort
verboten ist). Bürgermeister Bloomberg, der das Qualmen fanatisch bekämpft,
schickte sofort die Sheriffs. Doch die Stones waren bei deren Eintreffen
schon abgedampft.

Klima 1
BÄREN AUFGEBUNDEN
Die Kampagnen der Klimaschützer sind doch immer für eine Überraschung gut.
Zuerst starben die Pinguine am Nordpol aus, obwohl es sie doch nur am Südpol
gibt. Vor zwei Jahren war der Nordpol angeblich weg geschmolzen, tauchte
aber schnell wieder auf. Mitte Januar dieses Jahres meldeten die Agenturen,
die Eisbären würden wegen der Klimaerwärmung aussterben. Sie tun dies
allerdings nur in Computerprognosen. Im richtigen Leben sind die weißen
Riesen ziemlich munter. Eine Studie des WWF "Polar Bears at Risk" führt für
die Hudson Bay, wo die Eisbären angeblich besonders leiden, Zahlen an, die
mit dem Titel nur schwer in Einklang zu bringen sind: Die Populationen sind
stabil, das gleiche gilt für ihr gesamtes Verbreitungsgebiet. Eine
erhellende Analyse zum Thema findet sich unter
http://www.john-daly.com/p-bears/index.htm
Doch schon droht neue Gefahr unterm Nordlicht. Laut einer Studie im Magazin
"Nature" suchen dort immer mehr Tier- und Pflanzenarten neue Lebensräume.
Pro Jahr verlagerten sich die untersuchten Arten durchschnittlich um 6,1
Kilometer nach Norden. Wenn das so weiter geht, zotteln demnächst die ersten
Kamele um die Hudson Bay. Die Eisbären können es gar nicht erwarten.
Quelle: "Bild" vom 9.01.2003
und "Die Welt" 3.01.2003

Klima 2
TREIBHAUS FÖRDERT TERRORISMUS
Wer derzeit um öffentliche Aufmerksamkeit und staatliche Fördergelder
konkurriert, sollte sich tunlichst die Terrorismusbekämpfung auf die Fahnen
schreiben. Nachdem die Klimakatastrophe als Bedrohung etwas in den
Hintergrund gerückt ist, hat der Leiter des wissenschaftlichen
UN-Klimagremiums (IPCC), Rajendra Pachauri, nun endlich den Dreh zur
Terrorismus-Vorbeugung gefunden. Der argumentative Dreisprung lautet: 1. Es
wird wärmer, deshalb werden die Menschen ärmer (Zwischenfrage: Warum
eigentlich?) 2. Es wird dort am wärmsten, wo die Menschen ohnehin die
ärmsten sind (Zwischenfrage: Also beispielsweise in Sibirien?) 3. Wo die
Menschen am ärmsten sind, neigen sie am ehesten zum Terrorismus
(Zwischenfrage: Warum kommen die Top-Terroristen dann aus Saudi-Arabien?).
All dies hindert den IPCC-Vorsitzenden nicht an der Aussage, der durch den
Ausstoß von Treibhausgasen verursachte Klimawandel könnte Millionen Menschen
für den Terrorismus anfällig machen.
Quelle: Reuters vom 9.12.2002

Grüne Gentechnik 1
INDISCHE UNABHÄNGIKEITSERKLÄRUNG
A.P.J. Kalam, Präsident von Indien, nutze am 24. Januar eine Rede zum 54
Unabhängigkeitstag Indiens als Plädoyer für die Anwendung der Grünen
Gentechnik. Das Land brauche diese als Bestandteil einer "zweiten grünen
Revolution", um die Nahrungsmittelproduktion zu steigern. Kalam, von Beruf
Raketen-Wissenschaftler, distanzierte sich damit deutlich von der
Anti-Gentechnik-Bewegung der reichen Industrieländer, die auch in Indien
zahlreiche Kampagnen gestartet hat.
Mehr unter: http://www.cgfi.org/materials/articles/2003/jan_30_03.htm

Grüne Gentechnik 2
MAKELLOSER MAIS
Die Gen-Mais Affäre in Simbabwe vom Frühjahr 2002 war noch verrückter als
bisher angenommen. Obwohl laut FAO in dem Land zirka 6 700 000 Menschen von
Hunger bedroht sind (49 Prozent der Bevölkerung), wies der Despot Robert
Mugabe eine Hilfssendung von 10 000 Tonnen Mais zurück. Denn er hatte den
Verdacht, dass diese Nahrungsmittelhilfe aus Amerika gentechnisch
verändertes Getreide enthalte. So ging die Geschichte damals durch die
Weltpresse. Doch jetzt stellte sich heraus, dass in der Hilfssendung gar
keinen gentechnisch optimierter Mais war. Zwar enthalten zirka 95 Prozent
aller maishaltigen Lebensmittel in Amerika Mehl von genveränderten Sorten.
Doch die 10 000 Tonnen für Simbabwe kamen gar nicht aus Amerika. Sie waren
in Südafrika gekauft worden. Durch die ruinöse Wirtschaftspolitik Mugabes
sackte die Getreideproduktion Simbabwes unterdessen auf ein Drittel der
normalen Erzeugung.
Quellen: Associated Press, 31. 05.2002
"FAO-aktuell" Nr. 10 2002
"The Guardian" 19.12.2002

Nanotechnologe
NEUES FUTTER FÜR PROTESTINDUSTRIE
In Michael Chrichtons neustem Buch "Die Beute" geht es um winzig kleine
Nanowesen, die sich selbstständig machen. Kaum erobert das Buch die
Bestsellerlisten, springt die Protestbranche auf den Zug. Die kanadische
Organisation "ETC" ("Action Group on Erosion, Technology and
Concentration") setzt sich nach eigenem Bekunden für kulturelle und
ökologische Diversität sowie die Menschenrechte ein. Ende Januar
veröffentlichten die Aktivisten auf dem Welt-Sozialforum in Porto Alegre
einen Bericht zur Nanotechnologie und forderte unter anderem ein Moratorium
für die kommerzielle Produktion von neuen Produkten und Stoffen, die ihre
Existenz der Nanotechnologie verdanken. Es dürfte nur eine Frage der Zeit
sein, bis sich auch Gruppen wie Greenpeace auf das neue Feindbild
einschießen. Merke: Mittlerweile genügt bereits ein gut gemachter
Chrichton-Thriller um eine Technik auf den Index zu setzen. Mehr unter:
http://www.smalltimes.com/document_display.cfm?document_id=5417

Report
TOMATEN VOM MOND
Seelenloses Gemüse, traurige Tiere - die Hightech-Landwirtschaft genießt
einen eher zweifelhaftern Ruf. Zu Recht? Michael Miersch hat holländische
Agrarfabriken besucht, in den mit modernsten Methoden an der Zukunft des
Landbaus gearbeitet wird. Ein Report aus "Die Weltwoche" Nr. 1/2003
http://www.weltwoche.ch/ressort_bericht.asp?asset_id=4021&category_id=60

Kommentar
DIE LUFTHOHEIT ÜBER DEN KOCHTÖPFEN
Das Verbraucher Ministerium landet erstaunlich schnell an dem Punkt, auf den
es von Anfang an zulief: Der Verbraucher soll vor sich selbst geschützt
werden. Jüngstes Beispiel: Renate Künasts Kampagne gegen niedrige
Lebensmittelpreise in Discounterfilialen.
Ein Kommentar von Dirk Maxeiner erschienen in "Die Welt" vom 23.1.2003. Zu
finden unter:
http://www.welt.de/data/2003/01/23/35280.html?search=Dirk+Maxeiner&searchHIL
I=1

Webtipp 1
http://www.weltwoche.ch/ressort_bericht.asp?asset_id=4179&category_id=60
Hier finden Sie ein ausgezeichnetes Essay von Matthias Horx, das in "Die
Weltwoche" stand. Er wirft einen Blick zurück auf die Kriege der
Vergangenheit, rechnet nach und kommt zu dem überraschenden Schluss: Die
Welt ist friedlicher geworden. Die Zahl der Kriegstoten sank im Verlauf des
20. Jahrhunderts. Fiel vor einigen Jahrzehnten noch jeder hundertste
Erdenbürger einem Krieg zum Opfer, so ist es heute jeder Zweihundertste.
Horx argumentiert, dass auch der militärische Sturz von Saddam Hussein eine
gute Botschaft beinhalten würde: In Zukunft leben Tyrannen gefährlich.

Webtipp 2
http://www.memri.org/
The Midle East Media Research Institute
Wer Berichte, Reden oder Kommentare über den Nahen Osten aus erster Hand
lesen will, ist hier genau richtig. Auch viele aktuelle Politiker-Reden im
Wortlaut. Sie erfahren beispielsweise was Saddam wirklich so von sich gibt.
Sehr empfehlenswert.

Webtipp 3
http://www.theatlantic.com/unbound/interview/int2002-08-08.htm
Unser Lieblingsautor hat den Arbeitgeber gewechselt. P. J. O'Rourke schreibt
jetzt nicht mehr für den "Rolling Stone" sondern für "The Atlantic". Nach
wie vor ist jede seiner Reportagen und Essays ein Lesevergnügen der
Spitzenklasse. Der Link führt zur Suchmaschine von "The Atlantic". Einfach
"O'Rourke" eingeben und lesen, lesen lesen.

Buchtipp 1
Detmar Doering (Hrsg.)
KLEINES LESEBUCH ÜBER DEN FREIHANDEL
Akademia Verlag, Sankt Augustin 2003
Eine ausgezeichnete Anthologie mit Texten zum Thema "Freihandel", von Adam
Smith bis Mario Vargas Llossa. Kaum eine ökonomisches Prinzip ist in der
Praxis so gut bewiesen, wie die segensreiche Wirkung durchlässiger Grenzen.
Dennoch können sich viele Menschen immer noch nicht vorstellen, dass ein
freier und offener Welthandel, besonders den Ärmsten und Schwächsten nutzt.
"Der Freihandel," schreib der britische Historiker Thomas B. Macaulay, "eine
der größten Segnungen, die eine Regierung einem Volk erweisen kann, ist
dennoch fast in jedem Lande unpopulär." Früher war Freihandel mal ein Ziel
der Linken (die ja einst - man hat es fast vergessen - internationalistisch
war). Besonders erfreut hat uns, dass Herausgeber Detmar Doering ein Gedicht
von Kurt Tucholsky entdeckt hat, in dem dieser den Freihandel preist (und
das verdammt aktuell klingt). Auszüge:
...
In Italien verfaulen Apfelsinen -
Lasst die deutsche Landwirtschaft verdienen!
Deutsche, kauft deutsche Zitronen!
Und auf jedem Quadratmeter Raum
Träumt einer seinen völkischen Traum.
...
Die Andern! Die andern sollen kaufen!
Die Andern sollen die Weine saufen!
Die andern sollen die Schiffe heuern!
Die anderen sollen die Kohle verfeuern!
Wir?
Zollhaus, Grenzpfahl und Einfuhrschein:
Wir lassen nicht das geringste herein.
Wir nicht. Wir haben ein Ideal.
Wir hungern. Aber streng national.
...
Es lodern die völkischen Opferfeuer:
Der Sinn des Lebens ist die Steuer!
Der Himmel sei unser Konkursverwalter!
Die Neuzeit tanzt als Mittelalter.

Buchtipp 2
James D. Gwartney und Robert A. Lawson
WIRTSCHAFTLICHE FREIHEIT IN DER WELT
Liberales Institut, Potsdam 2003
Auf das englische Original (Economic Freedom Report) hatten wir bereits in
der DFB! Nr. 12 hingewiesen. Über fünfzig Forschungsinstitute in aller Welt
ermitteln dafür alljährlich den Grad der wirtschaftlichen Freiheit in 123
Ländern der Erde. Jetzt hat das Liberale Institut dankenswerter Weise eine
Kurzfassung in Deutsch herausgebracht. Sie kann dort bestellt werden.
Anschrift: Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung, Postfach
900164, 14437 Potsdam oder libinst@fnst.org

Übrigens: Die Abonnentenzahl der DFB! geht munter auf die 1000 zu. Der/dem
Tausendsten versprechen wir kleines Paket mit signierten
Maxeiner-und-Miersch-Büchern (vorausgesetzt sie/er sendet uns auf Nachfrage
ihre/seine Postadresse).

Und noch ein technischer Hinweis: Wie manchen Lesern vielleicht aufgefallen
ist, haben wir in der DFB! so gut wie nie Bindestriche benutzt. Der Grund:
Bindestriche verwandeln sich bei der elektronischen Übertragung öfters mal
in Fragezeichen, was zu Verwirrungen führt. Nun hat uns ein technisch
versierter Berater erklärt, dass dies beim Versand der DFB! nicht passieren
würde. Wir verwenden also ab dieser Ausgabe wieder Bindestriche und hoffen,
dass niemand eine DFB! voller Fragezeichen erhält.

Auflösung des heiteren Zitateratens:
1. Gehrcke
2. Möllemann
3. Mahler
4. Wirsing
5. Wecker
6. Streicher

Wir verabschieden uns diesmal mit einem Zitat aus dem britischen
"Economist":
"Europe has never met a dictator, it didn't want to appease".