DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 16 - 8.4.2003


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DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 16 8.4.2003

Krieg und Frieden 1
HALL OF FAME
Die drei besten Texte, die in den vergangene Wochen zum Thema Irakkrieg und
Friedensbewegung erschienen sind:
Hannes Stein in "Die Welt" am 21.03.2003
http://www.welt.de/data/2003/03/21/55529.html
Henryk M. Broder in "Die Weltwoche" Nr.8/2003
http://www.henryk-broder.de/html/tb_totalfrieden.html
Leon de Winter in "Literarische Welt" am 8.03.2003
http://www.welt.de/data/2003/03/08/49427.html

Krieg und Frieden 2
HALL OF SHAME
Die gehässigste Schlagzeile zum Thema Irakkrieg druckte die Münchner "TZ".
Als die alliierte Invasion begann, implizierte das Boulevardblatt auf Seite
eins, dass bereits im Zweiten Weltkrieg nicht die Nazis sondern die
Amerikaner die eigentlichen Verbrecher waren: "So erlebte ich 1944 die
Angriffe in München."
Da wollte die Konkurrenz von der "Abendzeitung" nicht nachstehen und lies
Hausautor Konstantin Wecker einen offenen Brief an ein Kind im Irak
verfassen: "Amerikanische und britische Bomben erlösen dich, und wenn du
Glück hast, kannst du schon bald den neuesten Schwarzenegger-Film sehen,
Hamburger kaufen, Videokriegsspiele spielen und CNN und MTV empfangen. Bald
schon kannst du lernen, was der Westen unter Wahrheit versteht."

Krieg und Frieden 3
RAD AB
Jetzt bekommen diese kriegslüsternen Yankees endlich den entschlossenen
Widerstand deutscher Pazifisten zu spüren. "Die Amerikaner sind nur über das
Geld zu kriegen", sagt Heiko Müller, Geschäftsführer eines Darmstädter
Fahrradherstellers. "Die Firma Riese und Müller verurteilt auf das
Schärfste, dass George W. Bush ohne UN-Mandat einen Angriffskrieg gegen den
Irak führt", heißt es in einer Pressemitteilung des Hauses, "wir haben
deshalb beschlossen, keine Fahrradteile mehr aus den USA zu ordern." Eine
Chance haben die Amis nur, wenn Sie mit erhobenen Händen nach Darmstadt
robben und sich "öffentlich gegen den Krieg bzw. die Politik von George W.
Bush äußern."
Falls Sie den hessischen Riesen und Müllers zur Erfindung der asymmetrischen
Wirtschaftskriegsführung mit eingebautem Sockenschuss gratulieren möchten,
richten Sie ihr Schreiben am besten an die Presseabteilung: presse@r-m.de.
Quelle: http://www.r-m.de

Krieg und Frieden 4
VOLKSSCHAUSPIELER
Repräsentieren die Menschen, die gegen die Alliierten auf die Strasse gehen,
wirklich die Bevölkerung? Soziologen vom Berliner Wissenschaftszentrum haben
auf der Großdemonstration vom 15. Februar rund 1500 Teilnehmer Fragebögen
ausfüllen lassen. Von einer alle politischen Richtungen umfassenden Bewegung
kann den Ergebnissen zu Folge keine Rede sein. Nach Parteien-Präferenz ergab
sich folgendes Bild: 1 Prozent waren Anhänger der FDP, 1,7 Prozent CDU/CSU,
20 Prozent PDS, 21 Prozent SPD und 53 Prozent Grüne. Im allgemeinen
politischen Spektrum verordneten sich 83 Prozent der Befragten als "links".
Erhebliche Zweifel, dass sich auf unseren Strassen die Mehrheitsmeinung
artikuliert, lässt auch eine aktuelle Allensbach-Umfrage aufkommen. Die
Demoskopen stellten folgende Frage: "Wenn jemand sagt, ‚Wer für den Frieden
demonstriert, der sollte nicht nur gegen George Bush, sondern auch gegen
Saddam Hussein demonstrieren.' Sehen Sie das genauso oder nicht?" Ergebnis:
75,9 Prozent der Deutschen sind der Meinung, man solle stets auch gegen den
Diktator demonstrieren. Nur 11 Prozent sehen das nicht so. Doch anscheinend
sind es genau jene 11 Prozent, die demonstrieren.
Quellen: "Die Welt" vom 14.03.2003 und Allensbach HB 7040/ Februar März 2003

Klima 1
WARM GERECHNET
Die Hochrechnungen des Intergovernmental Panel on Climatic Change (IPCC)
sagen laut dem letzten Bericht einen Anstieg der Temperaturen bis 2100
zwischen 1,4 und 5,8 Grad voraus. Basis der Computersimulationen sind unter
anderem Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklung der Welt. Dafür wurden
eine ganze Reihe ökonomische Szenarien erstellt, und aus diesen der zu
erwartende Kohlendioxidausstoß berechnet. Ian Castles vom australischen
Centre for Development Studies, früher Leiter des statistischen Amtes von
Australien, und David Henderson von der Westminster-Business School, ehemals
Chefökonom der OECD, haben sich die Berechnungen einmal genauer angesehen.
Das Ergebnis: Sie sind falsch. Und dies, so glauben die beiden Ökonomen,
"mit Vorsatz".
Die IPCC-Verantwortlichen haben für die Messung des Gefälles zwischen
reichen und armen Ländern eine irreführende Methode gewählt, um diesen
Abstand besonders groß erscheinen zu lassen. So wird behauptet, die
durchschnittlichen Einkünfte in den entwickelten Ländern lägen heute 40 mal
höher als in den asiatischen Entwicklungsländern, und zwölf mal höher als in
den Entwicklungsländern insgesamt. Diese ernorme Größenordnung ergibt sich,
wenn die Brutto-Inlandsprodukte in Dollar umgerechnet und dann miteinander
verglichen werden. Statt dieser "Währungsparität" muss seriöse ökonomische
Wissenschaft aber die so genannte "Kaufkraftparität" zugrunde legen. Mit
ihrer nationalen Währung können die Menschen in Entwicklungsländern viel
mehr kaufen als etwa in USA oder Europa, weil auch die Preise in armen
Ländern viel niedriger sind. OECD und IWF berücksichtigen dies schon seit
Jahren. In Kaufkraft gemessen liegen die Einkommen in den armen Ländern dann
drei bis viermal höher als vom IPCC angenommen. Der Abstand, der zwischen
Arm und Reich überbrückt werden muss, ist also um Größenordnungen geringer
und damit wären es letztlich auch die bei der wirtschaftlichen Aufholjagd
anfallenden Mengen an Kohlendioxid. Auch die vom IPCC angenommenen
Zielvorstellungen sind mitunter abenteuerlich: Selbst im zurückhaltendsten
Szenario würde beispielsweise das Einkommen der Südafrikaner im Jahre 2100
höher sein als das der US-Bürger. Selbst Algerien, Argentinien, Libyen und
Nord-Korea hätten die USA überholt. In einem Szenario verfügte Südafrika
2100 sogar über ein Bruttoinlandsprodukt, das dem der ganzen Welt im Jahre
1990 entsprechen würde. Rajendra Pachauri, der Vorsitzende des IPCC hat eine
Überprüfung angekündigt. Das kann aber noch ein paar Jahre dauern und bis
dahin leisten die Phantomszenarien des IPCC gute politische Dienste.
Quellen: "Wirtschaftswoche" Nr. 12/2003
Economist 13.02.03, siehe auch:
http://www.economist.com/finance/PrinterFriendly.cfm?Story_ID=157333
"National Post, Kanada", 4.12.2002, siehe auch:
http://www.nationalpost.com/components/printstory/printstory.asp?id=54b082f6
-100c-4ada-9012-edf7ec30dd03

Klima 2
LUFT ANHALTEN
Die europäische Union hat zehn Unternehmen mit ihrem Umweltpreis
ausgezeichnet. Zu den Gewinnern zählte ST-Microelectronic aus Malta, ein
Unternehmen, das sich laut Juryurteil "das ausgesprochen ehrgeizige Ziel
gesetzt hat, seine Kohlendioxid-Emissionen bis 2010 auf Null zu senken". Wir
sind gespannt, wie das funktionieren soll: Dürfen Mitarbeiter ab diesem
Zeitpunkt nur noch nach Feierabend ausatmen?
Quelle: Europäische Kommission, "Informationsblatt der Generaldirektion
Umwelt", Januar 2003

Klima 3
DÜNNES EIS
Auf political correctness in Sachen Klimakatastrophe ist immer weniger
Verlass . Die Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft" berichtete in ihrer
Februar-Ausgabe über die Antarktis und fragte groß auf dem Titel: "Bleibt
die Katastrophe aus?". Die Antwort steht dick darunter und wir reiben uns
die Augen: "Die Forscher sind sich jetzt einig: Das Eis am Südpol wird so
bald NICHT schmelzen".
In beinahe noch größere Verwirrung stürzt uns der WWF, in dessen Auftrag
norwegische Wissenschaftler (mit Hilfe teilweise 500 Jahre alter Logbücher)
den Klimawandel in der Arktis rekonstruierten. Ergebnis laut
Pressemitteilung des WWF: "Das Eis der Arktis ist schon seit mindestens 150
Jahren auf dem Rückzug". Ein erheblicher Teil davon verschwand, bevor Abgase
irgendeinen Einfluss gehabt haben können. Die Behauptung, der Rückzug der
letzten Zeit sei vom Menschen verursacht, wird dadurch nicht gerade
plausibler (wenn auch nicht direkt widerlegt). In Ausdehnung und
Geschwindigkeit gab es ähnliche Veränderungen wie in jüngster Zeit
jedenfalls auch schon ohne Industrie und Autos.
Quelle: "Spektrum der Wissenschaft", Februar 2002 und WWF Presseinformation
vom 24.02.2003

Klima 4
LOGIK EINGEFROREN
Der britischen Zeitschrift "New Scientist" bleibt es in dieser Ausgabe der
DFB! überlassen, die Ehre die Klima-Katastrophisten zu retten. "Globale
Erwärmung stellt Rentiere kalt," lautet frei übersetzt eine Überschrift des
Blattes ("Global Warming Puts Freeze on Reindeer"). Aufgrund ungewöhnlich
großer gefrorener Schneemassen kommen die Tiere nicht an ihre Nahrung heran.
Und an diesem Umstand ist natürlich die globale Erwärmung schuld. Man
gewöhnt sich allmählich an solche "Logik". Wenig Schnee: Klimaerwärmung.
Viel Schnee: Klimaerwärmung. Schwindende Eismassen: Klimaerwärmung. Sich
ausdehnende Eismassen: Klimaerwärmung. Dies bringt uns zu der brennend
heißen Frage: Was müssten Eis und Schnee eigentlich tun, um eine
Klimaabkühlung zu zeigen?
Quelle: "New Scientist", 8. 03.2003

In eigener Sache 1
AND THE WINNER IS ...
Der tausendste Abonnent der DFB! und dadurch Gewinner eines kleinen Paketes
mit Maxeiner-Miersch-Büchern heißt Thomas Hennecke. Er ist 21 Jahre alt,
angehender Fachinformatiker und begeisterter Freizeit-Jongleur. Er liest
gern Douglas Adams und zählt "Blues Brothers" zu seinen absoluten
Lieblingsfilmen, was in unseren Augen für seinen guten Geschmack spricht.

In eigner Sache 2
ÖKO-OPTIMISMUS IM SOUVENIRLADEN
Für alle, die unsere ehrenamtliche Arbeit an der DFB! schon immer gern
unterstützen wollten, aber nicht wussten wie, haben wir auf unserer Website
ein Versandgeschäft eingerichtet (siehe DFB! Nr. 14). Dort gibt es ab sofort
auch signierte Exemplare des im Buchhandel vergriffenen Rowohlt-Taschenbuchs
"Öko-Optimismus". Greifen Sie zu, verschenken Sie diesen "neuen Klassiker
der Umweltliteratur" (amazon) an Freunde und helfen Sie dadurch mit, dass
wir unsere Website und die DFB! auch zukünftig finanzieren können. Außerdem
gibt es im Souvenirladen natürlich weiterhin unsere impertinenten
Postkartensets und das Buch "Junge Liebe - Kalter Krieg", dass eine
spektakuläre Entführungsgeschichte schildert.
Link zu unserem Souvenirladen:
http://www.maxeiner-miersch.de/souvenirs.htm

In eigener Sache 3
DFB! GEHÖRT JETZT ZUR CIA
Mit einigen sympathischen Geistesverwandten haben wir ein publizistisches
Netzwerk geknüpft: die Centrale Intelligenz Agentur (CIA). Mit zwei Klicks
kommt man nun von unserer Homepage zur Homepage von Cora Stephan, Henryk M.
Broder und Burkhard Müller-Ullrich und umgekehrt. Praktisch für alle, die
nicht glauben können, dass es sogar mehr als zwei Autoren in Deutschland
gibt, die der nationalpazifistischen Volksgemeinschaft unentschuldigt fern
bleiben.
Link: http://www.maxeiner-miersch.de/cia.htm

In eigener Sache 4
LESER WERDET AUTOREN!
Unsere DFB! kann noch besser werden. Immer häufiger machen uns Experten
aller möglichen Fachgebiete auf überraschende Neuigkeiten aufmerksam, die
durch den Rost der großen Medien gefallen sind. Wir nehmen das gerne auf,
sind aber nicht selten überfordert. Denn der Aufwand für die DFB! und die
Updates unsere Website ist bereits erheblich und kostet Zeit, die wir
eigentlich mit Erwerbsarbeit verbringen sollten. Es ist also ein teueres
Hobby, was wir uns da leisten. Deshalb haben wir uns eine Form der
Qualitätssteigerung ausgedacht, die für uns möglichst wenig zusätzliche
Arbeit bedeutet. Und das geht so: Wenn Sie in Ihrem Fachgebiet eine
Neuigkeit haben, die Ihrer Meinung nach in die DFB! passen würde,
formulieren Sie sie selbst und schicken sie uns zu. Es gelten folgende
Bedingungen:
• Schicken Sie uns Ihre Meldung über die Briefkasten-Seite auf unserer
Website:
http://www.maxeiner-miersch.de/briefkasten.htm
• Länge: Nicht über 10 Sätze!
• Eine für uns und die Leser mühelos (!) nachprüfbare seriöse Quelle am
besten in Form eines Internet-Links.
• Stellen Sie sich kurz vor: Name, Adresse. Wie sind sie auf diese Nachricht
gestoßen und worauf begründet sich ihr Interesse daran und ihre
Expertenschaft?
• Wir behalten uns vor, Meldungen stilistisch zu verändern (etwa eine Pointe
einzubauen) aber versprechen, sie inhaltlich oder in der Tendenz nicht zu
verfälschen.
• Wir behalten uns die Auswahl vor und haben leider nicht die Zeit,
Ablehnungen zu begründen. Dies ist die übliche Bedingung, die für
unangefordert geschickte Manuskripte bei jeder Zeitung gilt.

Ich-AGs
ABZOCKE AUF DEM RÜCKEN VON ARBEITSLOSEN
Das Dienstleitungsunternehmen "The Webworker Group" hat einmal
nachgerechnet, was die Förderung so genannter Ich-AGs kostet und was sie
bringt. Fazit: Es handelt sich um eine Selbstversorgung der Bundesanstalt
für Arbeit und angeschlossner Beraterfirmen. Der Gründer einer Ich-AG erhält
aus Arbeitslosenversicherungsbeiträgen im ersten Jahr 7200 Euro (nach Abzug
der auferlegten Pflichtbeiträge bleiben ihm davon etwa 3600 Euro). Sein
zugeteilter Coach erwirtschaftet, indem er ihn berät, 6250 Euro. Das
Arbeitsamt zahlt also 13 450 Euro, um einen Arbeitslosen aus der Statistik
streichen zu können. Wenn tatsächlich (wie erhofft) 20 000 Arbeitslose diese
neue Möglichkeit ergreifen, kostet das 2,7 Milliarden Euro. 1,44 Milliarden
für die Gründer und 1,25 für die Gründerberater. Am Erfolg dieser Maßnahmen
kann man jetzt schon mal ein großes Fragezeichen anbringen. Wie die
"Webworker Group" herausfand, werben die Arbeitsämter nicht etwa
unternehmerische Typen mit guten Ideen für dieses Programm an, sondern
gezielt Langzeitarbeitlose, die bereits erfolglos ABM-Maßnahmen hinter sich
gebracht haben. Ob die dann tatsächlich 25 000 Euro Gewinn jährlich
erzielen, wie ihnen von Beratern schön gerechnet wird, darf bezweifelt
werden.
Quelle: Mitteilung von "The Webworker Group", März 2003

Weltbevölkerung
EHRLICH WÄHRT AM LÄNGSTEN
Die UN hat die Entwicklung der Weltbevölkerung wieder einmal drastisch nach
unten korrigiert. Demnach wird sich die Zahl der Menschen im Jahre 2050 bei
etwa 8,9 Milliarden einpendeln, eine halbe Milliarde weniger als bislang
geschätzt. Die Ursache liegt vor allem in der mittlerweile auch in vielen
Schwellen- und Entwicklungsländern überraschend schnell zurückgehenden Zahl
der Kinder pro Frau. Dies ist nicht nur in China und Indien sondern
beispielsweise auch in Brasilien, Indonesien, Iran und der Türkei der Fall.
Statt wie bislang von durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau geht die UN nun
bis 2050 von nur noch 1,85 Kindern aus. Bei zwei Kindern ersetzt sich ein
Paar statistisch gewissermaßen selbst, in Europa liegt die Zahl inzwischen
nur noch bei 1,4 (die Bevölkerung schrumpft). Langfristig wird auch die
Weltbevölkerung abnehmen, ein Rückgang der sich (genauso wie die Zunahme)
eine Zeit lang sogar exponentiell beschleunigen wird. Dies wird sich
tendenziell positiv auf die globale Umweltsituation auswirken:
Wasserverbrauch und Kohlendioxidemissionen steigen wohl nicht in dem bislang
erwarteten Maß an, bisherige Klima-Szenarien (siehe oben IPCC) sind vor dem
Hintergrund der neuen Bevölkerungsprognose ebenfalls revisionsbedürftig. Nur
einen ficht das alles nicht an: Den amerikanischen Biologen Paul Ehrlich
("Doctor Doom"), der schon seit den sechziger Jahren den Weltuntergang via
Bevölkerungsexplosion herbei schreibt. Er warnt jetzt statt dessen vor den
gefährlichen Zunahme der Single-Haushalte. Diese, so Ehrlich in seiner
neusten Studie, würden die Umwelt weitaus mehr schädigen, als es die
Bevölkerungsexplosion vermocht hätte. Egal also, ob die Menschheit viele
oder gar keine Kinder bekommt: Das Ende ist nah. Und Schuld ist der
westliche Wohlstand.
Quellen: "International Herald Tribune" vom 12.03.03 und Deutsche Stiftung
Weltbevölkerung, Pressemitteilung vom 26.02.03

Flächenverbrauch 1
VOLK OHNE RAUM?
"Betonierte Republik " heißt ein neues staatlich gefördertes
Bedrohungsszenario. Das Umweltbundesamt beklagt, das täglich 130 Hektar
Boden für Siedlungs- und Verkehrsfläche geopfert werde, das entspräche 170
Fußballfeldern. In der letzten DFB! berichteten wir bereits darüber und
baten unsere Leser um weitere Erkenntnisse. Inzwischen haben wir tatsächlich
mehr erfahren, denn im Lande Rheinland-Pfalz wurde die Statistik genauer
unter die Lupe genommen. Der Anteil der ausgewiesenen Siedlungs- und
Verkehrsfläche liegt dort bei 13,4 Prozent, also noch höher als im
Bundesdurchschnitt (12,3 Prozent). Tatsächlich versiegelt sind aber nur etwa
ein Drittel dieser Flächen. Der Rest sind Gärten, Parks, Friedhöfe,
Freizeitgelände, Golfplätze und ähnliches. Auch unbebaute Grundstücke und
Freiflächen innerhalb von Siedlungegebieten gehen in die Statistik ein. Das
größte Wachstum gibt es dabei nicht im Verkehrs- Gewerbe oder
Industriebereich, sondern beim privaten Hausbau.
Mit Vorsicht zu genießen sind auch die Projektionen des Umweltbundesamtes
zum zukünftigen Flächenverbrauch: Bis zum Jahr 2010 wurde kurzerhand eine
Verdreifachung (!) der jährlichen Flächen-Inanspruchnahme unterstellt. Das
ist offenbar der branchenübliche Katastrophenzuschlag. Doch woher soll diese
exorbitante Bautätigkeit angesichts von Wirtschaftsmisere und siechen
öffentlichen Haushalten kommen?
Quelle: "Wirtschaftsbild" 4/2003

Flächenverbrauch 2
NATUR AUF DEM HOLZWEG!
Jetzt müssen wir aber mal Alarm schlagen. Der deutsche Wald ist zwischen
1993 und 2001 um fast einhundert Quadratkilometer gewachsen. Das entspricht
13 000 Fußballfeldern! Muss Deutschlands beliebteste Sportart demnächst
aufgegeben werden, weil rücksichtslose Forstleute aggressiv Bäume pflanzen?
Quelle: Statistisches Bundesamt

Werbung
ROBBENKNUTSCHER IM SUV
Große Geländewagen, so genannte SUV (Sports Utility Vehicles), haben wegen
ihres hohen Benzinverbrauchs in den USA ein Imageproblem. Die Firma Jeep
(Daimler-Chrysler) steuert dem jetzt mit einem neuen Fernsehspot entgegen
und wird dabei leicht aus der Kurve getragen. Das Filmchen geht so: Ein
Mann, äußerlich unschwer als Eskimo zu erkennen, fährt mit seinem Jeep auf
das zugefrorene Meer. Dort liegt ein hilfloses Robbenbaby. Der Mann steigt
aus und erhebt eine Art Eispickel, scheinbar in Richtung des bedauernswerten
Tieres. Doch dann ein überraschender Schnitt: Der Mann mit dem Pickel
schlägt ein Loch ins Eis, so dass die Robbenmutter wieder auftauchen und zu
ihrem Baby gelangen kann. Die Botschaft: Der Mann ist gut. Er fährt einen
Jeep. Jeep ist gut. Weniger gut finden wir die versteckte Botschaft: Eskimos
sind normalerweise böse, weil sie Robben jagen. Auf Kosten der Inuit wird
hier ein seit Jahren widerlegtes Vorurteil perpetuiert. Weder sind
Sattelrobbenbestände vor der Küste Kanadas bedroht, noch ist die
Tötungsmethode grausamer als auf unseren Schlachthöfen.
Quelle: IWMC "Sustainable eNews", März 2003

Globalisierung
DIE UMWELT GEWINNT MIT
Wir haben es in unseren Büchern immer wieder beschrieben, jetzt wird es
durch eine weitere aktuelle Untersuchung bestätigt: Die Globalisierung wirkt
sich ökologisch positiv aus. Dies fand das Carnegie Institute for
International Peace in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen heraus.
Volkswirtschaften, die sich der Globalisierung öffnen, belegen auch in den
einschlägigen Umwelt-Indizes bessere Plätze. Der Zusammenhang ist
signifikant.
Quelle: "Reason", Nr.3/2003

U-Boote
TSCHECHEN AUF WALFANG
Greenpeace drängt die Tschechische Republik in das Internationale
Walfangkomitee (IWC) einzutreten. Zwar hat das Binnenland niemals Walfang
betrieben, doch Greenpeace sammelt Stimmvieh, um bei den kommenden
IWC-Verhandlungen jegliche Lockerung des totalen Walfangverbots zu
verhindern. Da die Aktivistenorganisation in Tschechien ziemlich beliebt
ist, stehen die Chancen gut, dass das Parlament zustimmt.
Quelle: IWMC "Sustainable eNews", März 2003

Fischerei
DIE GROSSEN FISCHE FRESSEN DIE KLEINEN
Fischfarmen könnten eigentlich eine Lösung für das weltweite Problem der
Überfischung sein. Doch leider werden viele Farmfische ihrerseits mit
Fischen gefüttert. Der WWF machte darauf aufmerksam, dass Fischfarmen heute
siebzig Prozent der weltweiten Fischölproduktion und 34 Prozent der
Fischmehlproduktion verbrauchen. Es werden im Schnitt vier Kilo Futterfische
(z.B. Blauer Wittling) verbraucht, um ein Kilo Aquakulturfisch zu erzeugen.
Das spricht allerdings nicht gegen Fischfarmen als solche, die durchaus auch
andere Futtermittel nutzen könnten.
Quelle: WWF-Presseinformation vom 18.02..2003

Windkraft
KEIN BLUT FÜR WIND
Claus-Peter Hutter, Präsident der Umweltschutzorganisation Euronatur,
bekämpft 76 große Windanlagen, die in Brandenburg aufgestellt werden sollen.
Die Standorte liegen ausgerechnet im Flugkorridor zwischen den beiden
bedeutendsten deutschen Kranichrastplätzen. Dies hätte, so Hutter, fatale
Folgen: "Die scheinbar so umweltfreundliche Windkraft wird dann zum Vogel
mordenden Großschredder." Die Windräder sollten jeweils 133 Meter hoch sein
und einen Rotordurchmesser von 70 Metern haben. Laut Planungsbehörden sollen
die Bauvorhaben jetzt neu abgewogen werden.
Quelle: Presseinformation, Euronatur 24.3.03

Naturschutz 1
WIRKT VIAGRA DOCH NICHT?
In der DFB! Nr. 14 berichteten wir über eine Studie der Universität Sydney,
die zu dem Ergebnis kam, dass Viagra die Nachfrage nach obskuren
Potenzmitteln aus der traditionellen chinesischen Heilkunde senkt. Solche
Präparate werden aus Bestandteilen wilder Tiere (darunter höchst bedrohte
Arten) zusammengebraut. Die Forscher berichteten, dass die Preise legal
verkaufter tierischer Potenzmittel seit der Einführung der blauen Pillen
heftig sinken. Jetzt meldetet der WWF berechtigte Zweifel an den
Schlussfolgerungen der Wissenschaftler an. Die internationale
Naturschutzorganisation weist darauf hin, dass die Preisentwicklung auf dem
Markt für legale Produkte (z.B. Rentiergeweihe und Robbenpenisse) keine
Schlüsse auf den Schwarzmarkt (z.B. mit Tigerpenissen und Nashornpulver)
zulässt. Im übrigen würde die meisten Substanzen nicht als Potenzmittel
eingesetzt, sondern um Krankheiten zu kurieren (so soll etwa Nashornpulver
Fieber senken).
Quelle: WWF-Presseinformation, 20.02.2003

Naturschutz 2
ES GEHT UMS ÖL
In unserem "Lexikon der Öko-Irrtümer" und in anderen Büchern und Artikeln
haben wir bereits vor Jahren darauf hingewiesen, dass in Europa der
Tropenholzhandel überschätzt und die Wirkung des Palmölanbaus (und auch des
Kautschukanbaus) auf die Regenwälder Südostasiens unterschätzt wird. Jetzt
mach der WWF auf die dramatische Situation der Wälder Sumatras (Indonesien)
aufmerksam, die weiterhin abgebrannt werden, um Platz für Ölpalmen zu
schaffen. Palmöl ist der Grundstoff für viele Kosmetikprodukte, Waschmittel,
Frittierfette, Margarine und Süßwaren. Im Jahr 2001 importierte Deutschland
430 000 Tonnen davon. Informationen zu dieser Umweltkatastrophe liefert die
Broschüre "Kahlschlag zum Frühstück", die beim WWF bestellt werden kann
(http://www.wwf.de).
Quellen: WWF-Presseinformation vom 11.12.2002 und vom 01.04.2003

Kommentare 1
DIE KOALITION DER ZUKUNFTSANGST
Was verbindet Personen wie Jörg Haider, Peter Gauweiler und Konstantin
Wecker? Alle fühlten sich bemüßigt vor dem Krieg in den Irak zu reisen, um
dort ihre gute Gesinnung zu demonstrieren. Stramm Rechte und Linke finden
sich in ihrer Kriegsgegnerschaft zu einer merkwürdigen Koalition zusammen.
Ein Kommentar von Dirk Maxeiner erschienen in "Die Welt" vom 15.03.2003. Zu
finden unter
http://www.welt.de/data/2003/03/15/52464.html

Kommentare 2
WO BLEIBT DER DEUTSCHE SUPERMAN?
In der Diskussion um Stammzellenforschung streiten Naturwissenschaftler und
Ethiker. Die Kranken aber, von denen viele auf den medizinischen Fortschritt
hoffen, kommen kaum zu Wort. Ein Kommentar von Michael Miersch erschienen in
"Die Welt" vom 15.03.2003. Zu finden unter
http://www.welt.de/data/2003/03/15/52464.html

Kommentare 3
WIR HABEN DIE EDLEREN GEFÜHLE
Die Bundesregierung hält Gen-Mais für gefährlich, bremst aber in der WHO
eine strengere Anti-Zigaretten-Politik. Stimmungen sind wichtiger als
erwiesene Tatsachen. Wohin führt diese "Politik der Herzen"?
Ein Kommentar von Michael Miersch erschienen in "Die Welt" vom 1.04.2003. Zu
finden unter
http://www.welt.de/data/2003/04/01/61435.html

Webtipp 1
http://www.henryk-broder.de/php/druck.php?datei=fremd.html
Das Institut für Medienanalyse "Medien Tenor" hat die Berichterstattung der
deutschen Leitmedien über Israel untersucht. Ergebnis: 5 Prozent positiv, 45
Prozent negativ, 49 Prozent neutral. Das liegt nicht nur an Scharons hartem
Kurs gegen den Terrorismus, sondern hat auch andere, handfeste Gründe. Die
palästinensische Autonomiebehörde versucht durch Einschüchterung und Zensur
jegliche kritische Berichterstattung über ihre Aktivitäten zu verhindern.
Dies wird durch den Umstand vereinfacht, dass neunzig Prozent der
Kameraleute in Gaza und im Westjordanland Palästinenser sind. Die
Korrespondenten sitzen fast nur noch am Schneidetisch und bebildern
Ereignisse, die sie gar nicht selbst gesehen haben. Dies und andere
Hintergründe der Nahost-Berichterstattung kann man aus einem Vortrag von
Esther Schapira und Georg M. Hafner erfahren, zwei leitende Redakteure des
Hessischen Rundfunks. Henryk M. Broder hat diesen aufschlussreichen Text auf
seine Website gestellt.

Webtipp 2
http://www.amerikanski.com
Diese Website ruft zur Solidarität mit den alliierten Truppen im Irak auf.
Der Betreiber, Oliver Kossmann, nimmt erfrischend deutlich Stellung für die
universelle Gültigkeit westlicher Werte, wie Freiheit, Demokratie und
Menschenrechte. Ein Treffpunkt für alle, die keine Pace-Fahnen aus dem
Fenster hängen mögen.

Webtipp 3
http://www.finetech.net
Götz Warnke, Autor des sehr empfehlenswerten Buches "Die grüne Ideologie"
(Peter Lang Verlag, Frankfurt 1998), unterhält eine umfangreiche Website zu
alternativen Energien. Alles über den Stand der Technik, neue Entwicklungen
und sogar interessante Ausflüge in die Historie. Faktenreich und angenehm
ideologiefrei.

Webtipp 4
http://www.MidEastTruth.com/cartoons.html
Wem die Karikaturen der deutschen Zeitschriften, die sich fast durchweg auf
dem Bush-als-Cowboy-Niveau bewegen, auf Dauer ein bisschen zu dürftig sind,
der kann sich auf dieser Seite ansehen, was Cartoonisten in anderen Ländern
zu Themen wie "Naher Osten", "Terror" und "Irakkrieg" so einfällt.

Buchtipp 1
Christopher Hitchens
WIDERWORT
Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München 2003
Der britische Journalist Christopher Hitchens, als Achtundsechziger
sozialisiert, lässt sich vom Zeitgeist nicht einschüchtern, woher der auch
gerade immer weht. Von Henry Kissinger über Bill Clinton bis zu Mutter
Theresa musste dies schon mancher Säulenheilige erfahren.
Betroffenheitsschaum an Harmoniesoße sind ihm ein Gräuel. In seinen Briefen
an einen "jungen Unruhegeist" möchte er Mut machen zum skeptischen Denken
und schlägt eine Bresche für Aufklärung und kritische Vernunft. Nur eines,
so Higgins, dürfe man dafür nicht erwarten: intellektuelle Anerkennung oder
gar Sozialprestige. Der wahre Oppositionelle muss sich selbst froh machen.
Die Mehrheit hat nicht deshalb schon Recht, weil sie die Mehrheit ist.

Buchtipp 2
Walter Laqueur
KRIEG DEM WESTEN
Propyläen, München 2003
Diese faktenreiche und unaufgeregte Analyse des Terrorismus im 21.
Jahrhundert zählt wohl zum Besten, was derzeit zu diesem Thema auf dem Markt
ist. Der angesehene Zeitgeschichtler Laqueur schildert detailreich wie
islamistischen Hassprediger und ihre Anhänger seit vielen Jahren in
Deutschland, England, Frankreich und den USA einsickern, und hier unter dem
Deckmantel der Religionsausübung Massenmorde planen. Er räumt überzeugend
mit Vorurteilen auf, die durch einseitige und oberflächliche Berichte
ständig weiter verfestigt werden. So führt der ständige Medienfokus auf
Nahost (in Israel sind mehr Journalisten akkreditiert als in ganz Afrika)
dazu, den Terror in anderen Weltgegenden auszublenden. In Ländern wie
Algerien und Sri Lanka wurden Zehntausende Menschen Opfer von religiöser und
politischer Gewalt, ohne dass die westliche Öffentlichkeit viel Anteil daran
nahm.

Buchtipp 3
Johan Norberg
DAS KAPITALISTISCHE MANIFEST
Eichborn, Frankfurt 2003
Das beste Buch zur Globalisierung seit Langem, obendrein anregend und
verständlich geschrieben. Wir hatten die englische Ausgabe ja bereits in
DFB! Nr. 11 empfohlen. Es würde dem Niveau der öffentlichen Diskussion gut
tun, wenn hierzulande der gleiche Effekt einträte wie in Schweden, wo
Norbergs Buch die Globalisierungsdebatte vom Kopf auf die Füße stellte. Der
28jährige Autor schreibt zwar mit kühlem Kopf, aber mit heißem Herzen. Er
will sich nicht damit abfinden, dass Millionen Menschen auf der Welt immer
noch in Hunger und Elend leben. Und darum betrachtet er die Globalisierung
aus der Warte der wirklich Armen, und nicht aus der Perspektive europäischer
Gewerkschafter, Landwirte oder Staatsbeamter, die gern so tun, als seien sie
die Verdammten dieser Erde.

Buchtipp 4
Matthias Horx
FUTURE FITNESS
Eichborn, Frankfurt 2003
Ein Handbuch für unternehmerische Menschen, in dem vielen nützliche
Ratschläge stecken. Unser Lieblingstrendforscher verrät unter anderem, wie
man den "inneren Apokalypse-Angsthasen" überwindet und zeigt, welchen
Schaden der verbreitete Zukunftspessimismus anrichtet. Kaum jemand
beherrscht die Kunst, Aufklärung unterhaltsam und Komplexität verständlich
zu machen, so gut wie Horx.

Wir verabschieden uns bis zur nächsten DFB! mit einem hübschen englischen
Aphorismus, der uns per Email erreichte:

What a Wonderful World

You know the world is REALLY changing when
the best rapper is a white guy,
the best golfer is a black guy,
the Swiss hold the America's Cup,
France is accusing the US of arrogance,
and Germany doesn't want to got to war.