DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 17 - 9.6.2003


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DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 17 9.6.2003

Kriegsberichterstattung
UNZULÄNGLICHE GLEICHSCHALTUNG
Nachdem wir aus ver.di ausgetreten sind, sind wir beim DJV (Deutscher
Journalisten-Verband) gelandet. Doch offenbar weht dort ein ganz ähnlicher
Geist. In der Verbandszeitschrift "Journalist" Nr. 5/2003 wird mächtig auf
die Kriegspropaganda der Amerikaner und Briten eingedroschen. Geflissentlich
ignoriert wird hingegen die offensichtliche Tatsache, wie extrem einseitig
bis agitatorisch gerade die deutsche Kriegsberichterstattung ausfiel. Der
"Journalist" lobt stattdessen unsere deutschen Medien, die "zumeist
differenzierte, oftmals hinreichend distanzierte und immer wieder
hintergründige Berichte" geboten hätten. Wir müssen beim Zappen wohl was
falsch gemacht haben, dass wir fast nie solche Berichte sahen. In der
gleichen Ausgabe heißt es an anderer Stelle: "Es ist schon frappierend: Bei
keinem der vorangegangenen Kriege waren sich deutsche Medien mit ihren
Lesern so einig wie beim Irak-Krieg. Die Formel ‚Kein Blut für Öl' spiegelte
nicht nur die Mehrheitsmeinung sondern auch den Regierungskurs wieder."
Stimmt, denkt der Leser, jetzt kommt eine Abrechnung mit dem medialen
Herdentrieb, der schon fast an Gleichschaltung grenzte. Doch weit gefehlt!
Es folgt eine Tirade gegen den Axel-Springer-Verlag, der es wagte anderer
Meinung zu sein und die Regierungslinie zu kritisieren. In der Wahrnehmung
des "Journalist" war dies ein "strammer Kriegskurs".

Schönfärberei
KÜNAST REDET SICH MUT ZU
Im "BUND-Magazin", der Zeitschrift des Bund für Umwelt und Naturschutz Nr.
2/2003 lasen wir Folgendes: "Zentraler Akteur der Agrarwende sollten sie
sein. Sollten dazu beitragen, durch den Kauf umwelt- und tiergerecht
produzierter Lebensmittel den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche
in Deutschland bis 2010 auf 20 Prozent zu steigern: die Verbraucher. Doch
was tun sie? Sie rennen Mehrheitlich zum Discounter und verschaffen Aldi und
Co. im vergangenen Jahr einen Anstieg des Marktanteils von 33,6 auf 37,8
Prozent. Dagegen dümpelt der Ökoanteil am deutschen Lebensmittelmarkt nach
bescheidenen Zuwächsen im vergangenen Jahr bei 2 bis 3 Prozent dahin."
Soweit die harte Realität. Ganz anders liest sich dies jedoch in der
Ministeriumspostille BMVEL-Informationen Nr. 16/17, 2003. Überschrift:
"Wachsende Sensibilisierung für Bioprodukte." Darunter werden die
Ergebnisse einer EMNID-Umfrage so interpretiert, dass Renates Welt plötzlich
ganz rosig aussieht: "Bio-Lebensmitteln scheint die Zukunft zu gehören ...
23 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass sie in den nächsten zwölf
Monaten verstärkt Bio-Lebensmittel kaufen werden ... Blickt man in die
fernere Zukunft sagen sogar 43 Prozent der Verbraucher, mehr Lebensmittel in
Bio-Qualität kaufen zu wollen als bisher." In Abwandlung eines berühmten
Karl Valentin Zitats: "Die Verbraucher sind gut, nur die Konsumenten sind
schlecht."

Greenpeace
ENTWAFFNENDE EHRLICHKEIT
Die Firma Syngenta plante in Thüringen die Erprobung einer gentechnisch
gegen Pilzbefall veränderte Weizensorte. Greenpeace vereitelte dieses
Vorhaben durch die Aussaat konventionellen Weizens auf der Testfläche. Diese
Methode zur Sabotage der Versuche bot sich an, so Greenpeace-Sprecher
Henning Strodthoff, weil es unmöglich sei, die beiden Sorten voneinander zu
unterscheiden. Ganz recht, das sagen wir doch schon lange.
Quelle: Planet Ark vom 11 April 2003
http://www.planetark.org/dailynewsstory.cfm/newsid/20444/story.htm und The
Center for ConsumerFreedom.com
http://www.consumerfreedom.com/headline_detail.cfm?Headline_ID=1875

Gentechnik
ERSTAUNLICHE EINSICHTEN
Verblüffend, was die Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP zum Thema
Grüne Gentechnik antwortete. Unter anderem wird darin zugestanden, dass
Gentechnik durchaus Vorteile für Bauern in Entwicklungsländern haben kann.
Zitat aus der Antwort zu einer Frage nach möglichen Vorteilen: "Zu diesen
Vorteilen gehören neben der Rationalisierung der Arbeit, d. h. einem
geringeren Aufwand an Arbeitszeit, die Sicherung oder Steigerung von
Erträgen. Hinzu kommt vor allem für technisierte Betriebe die Möglichkeit
der Kosteneinsparung für Pflanzenschutzmittel." An andere Stelle heißt es,
die gentechnische Erhöhung des Proteingehalts bei Kartoffeln " wäre zu
begrüßen." Donnerwetter, woher dieser plötzliche Realitätssinn? Waren
Trittin und Künast im Urlaub? Und danke FDP für diese kleine Anfrage.
Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache 15/958 vom 07.05.2003

Subventionen
LIBERAL DURCHGEWUNKEN
Schön, dass die FDP solche Anfragen macht (siehe oben), weniger schön, dass
sich nicht mal die Liberalen aufraffen können, dem Subventionswahnsinn in
der Landwirtschaft entschieden entgegenzutreten. So wurde auf dem Bremer
Parteitag der FDP im Mai die Forderung nach einer "Kulturlandschaftsprämie"
durchgewunken, die angeblich - so die blumige Rhetorik - den
"landwirtschaftlichen Unternehmer" stärken soll. Im Klartext soll jeder
Landwirt dafür Steuergelder bekommen, dass er Wildnis verhindert. Warum
eigentlich? Wieso muss die Landschaft gepflegt werden? Warum muss der Staat
das bezahlen? Und warum verbringen Millionen Deutsche ihren Urlaub in
ungepflegten Landschaften (Kanada, Kenia) und genießen das? Als ob das nicht
unliberal genug wäre, fordert die FDP außerdem, dass auf Stillegungsflächen
weiterhin nachwachsende Rosstoffe angebaut werden dürfen. Im Klartext: Wer
Industrie-Raps anbaut soll doppelt Subventionen kassieren - für den Raps und
für die Stillegung.
Quelle: Beschluss des 54. Ord. Bundesparteitages der FDP, 16.-18. Mai 2003

BSE
NEUE HOCHRECHNUNGEN
Die Prognosen zum Anstieg der vermutlich durch BSE ausgelösten neuen
Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) werden immer weiter nach
unten korrigiert. Britische Forscher schätzen die Zahl der mögliche Opfer
jetzt auf 540 - im ungünstigsten Fall. Vor wenigen Monaten wurde noch von
bis zu 50 000 Toten ausgegangen, in manchen Publikationen sogar von 200 000.
Bisher sind seit bekannt werden des ersten Falles von vCJD weltweit 130
Menschen betroffen und die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen sinkt.
Quellen: Consumerfreedom.com-Meldung vom 21.05.2003 und Die Welt vom
21.05.2003

Neuseeland
PELZ OHNE PELZ
Wie in Kanada und Namibia hat die weltweite Anti-Pelz-Mode auch in
Neuseeland zu sozialen und ökologischen Verwerfungen geführt. Dort brach die
Nachfrage für Fuchskusu-Felle ein (die in Deutschland unter dem Handelsnamen
"Opossum" verkauft werden). Diese Blattfresser wurden vor langer Zeit aus
Australien importiert und machten sich sogleich über die neuseeländischen
Wälder her. Einige seltenen Baumarten setzten die niedlichen Pelztierchen
dermaßen zu, dass auch Neuseeländische Naturschützer vehement für die
Fallenjagd eintreten. Nur lohnt die sich nicht mehr, seit in Westeuropa und
Nordamerika Pelz verpönt ist. Jetzt haben neuseeländischer
Textilspezialisten Abhilfe geschaffen: Sie erfanden ein Verfahren, wie das
wollige Fell des Fuchskusus gewebt werden kann. Anstatt es mitsamt dem Leder
zu Pelzmänteln zu vernähen, kann man nun auch hübsche Strickpullover daraus
machen. Für die Tiere macht es keinerlei Unterschied, weil natürlich niemand
die Fuchskusus lebend fängt und rasiert. Aber was tut man nicht alles, für
die von Anti-Pelz-Ideologie infizierten Konsumentinnen in London, Paris und
Berlin.
Quelle: IWMC Sustainable eNews, April 2003

Klima 1
DISKRIMINIERENDE WOLKE
Dunkle Ruß- und Abgaswolken tragen erheblich mehr zur globalen Erwärmung
bei, als bisher angenommen. Ein Team von NASA-Forschern hat dies in einer
neuen Studie herausgefunden. Die Partikel-Wolken werden beispielsweise durch
Verkehrsabgase (vor allem durch Dieselmotoren), durch Kohleverbrennung oder
offene Holzfeuerstellen verursacht. Die schwarzen Teilchen absorbieren Wärme
und erhitzen so die oberen Luftschichten. Einige Schätzungen gehen davon
aus, dass ihr Klimaeffekt beinahe so groß wie der des Kohlendioxids sein
könnte. Die größte derartige Abgaswolke wurde 1999 von einem internationalen
Forscherteam über dem indischen Ozean festgestellt. Diese so genannte
"Asian Brown Cloud" erreichte die Ausdehnung der Vereinigten Staaten. Sie
ist zurückzuführen auf die enorme Luftverschmutzung in einigen asiatischen
Ländern, darunter Indien. Der indische Atmosphären-Wissenschaftler Dr.
Veerabhadran Ramanathan, der die groß angelegte Mess- und Forschungsaktion
zusammen mit Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen organisierte, sieht seine
Arbeit jetzt gefährdet, weil eine weitere Untersuchung der "Asian Brown
Cloud" politisch unerwünscht ist. Auf Druck vor allem der indischen und
pakistanischen Regierungen entzog das Umweltprogramm der Vereinten Nationen
(UNEP) dem Forschungsprojekt die bisherige Unterstützung. Die asiatischen
Diplomaten betrachten die Forschungen für ihre Länder als diskriminierend,
außerdem seien sie geeignet hinsichtlich des Kyoto-Protokolls Druck von den
USA zu nehmen. Dr. Ramanathan hat aus der Lektion in Sachen Freiheit der
Forschung eine erste Konsequenz gezogen. Die "Asian Brown Cloud" (ASC) heißt
jetzt "Atmospheric Brown Cloud".
Quellen: NASA-Pressemitteilung vom 14.05.03
http://www.spaceflightnow.com/news/n0305/14soot/ und The Wall Street Journal
vom 6.05.03 http://www.junkscience.com/may03/wsj-Asian_Brown_Cloud.htm

Klima 2
KOSMISCHE WOLKE
Seit Jahrzehnten vermuten Sonnenforscher wie die dänischen Meteorologen
Henrik Svensmark und Eigil Friis Christensen, dass die kosmische Strahlung
sich auf die Wolkenbildung auswirkt und somit die Temperaturen auf der Erde
beeinflusst. Einen solchen Zusammenhang legten frappierende statistische
Übereinstimmungen zwischen dem Sonnenfleckenzyklus und der
Temperaturentwicklung auf der Erde nahe. Die offizielle Klimaforschung
fasste das Thema jedoch stets mit sehr spitzen Fingern oder überhaupt nicht
an, da der Nachweis eines physikalischen Mechanismus fehle. Das dürfte sich
jetzt ändern. Einer Arbeitsgruppe um Frank Arnold vom Max-Planck-Institut
für Kernphysik in Heidelberg hat in einem aufwendigen Versuch erstmals
experimentelle Hinweise auf den physikalischen Prozess gefunden. Wie von den
Sonnenforschern bislang vermutet, können Teilchen, die aus dem All mit hoher
Geschwindigkeit in die Atmosphäre eindringen, tatsächlich Kondensationskerne
für Wolken entstehen lassen. Pioniere der These wie Henrik Svensmark dürften
die Max-Plank-Ergebnisse als späte Genugtuung empfinden und als Ausgleich
für die jahrelangen Anfeindungen durch manche etablierten Klimaforscher.
Quelle: MaxPlanckForschung (Wissensmagazin der Max-Planck-Gesellschaft)
1/2003. Siehe auch: Unser "Lexikon der Öko-Irrtümer" (Eichborn-Verlag)

Klima 3
HEISSE INSELN
Es ist schon länger bekannt, dass wachsende Bebauung in den Städten zu
höheren Temperaturen führt. Der Effekt wurde beim Vergleich mit historischen
Daten auch bisher schon berücksichtigt, dies aber offensichtlich in viel zu
geringem Maße. Eine neue Untersuchung der Universität von Maryland legt
ferner nahe, dass beispielsweise auch bewässerte Landwirtschaftsflächen die
Durchschnittstemperaturen grob verfälschen können (Tags sind die Felder
etwas kühler, nachts aber erheblich wärmer). Insgesamt glauben die Forscher
aufgrund ihrer Analyse der Daten für die USA, dass der erwärmende Effekt
durch so genannte "Heat-Islands" doppelt so groß ist, wie bislang
angenommen. Der vermutete Treibhauseffekt muss also entsprechend bereinigt
werden, er fällt geringer aus.
Quelle: Nature, 42, 528- 531, 2003 und
http://www.nature.com/nsu/030527/030527-6.html

Klima 4
RÄTSELHAFTE SENKEN
Wälder und Grünland absorbieren einen Teil des vom Menschen zusätzlich
freigesetzten Kohlendioxids durch verstärktes Wachstum. Politik und
Bürokratie sind im Rahmen des Kyoto-Protokolls deshalb schon munter damit
beschäftigt, deren Anteil für die Kohlenstoffbilanz eines Landes
anzurechnen. Obwohl es dabei um Milliarden von Euro geht, gibt es keine
seriöse wissenschaftliche Grundlage für diesen Klimaschutzbasar. So ist
weiterhin unklar wie viel und wie lange die "Senken" überhaupt Kohlendioxid
aufnehmen. In einer neuen Studie warnen Forscher des Max-Planck-Instituts
für Biogeochemie In Jena vor einer Überschätzung der Speicherkapazität auf
der Nordhalbkugel. Wissenschaftler des Weizmann Institutes in Rehovot
(Israel) kommen für Wälder in trockenen Regionen hingegen zu überraschenden
befunden: Bei der Untersuchung eines am Rande der Negev-Wüste gepflanzten
Waldes stellte sich heraus, dass er sich in den letzten 35 Jahren viel
rascher ausgebreitet hat als erwartet. Ein vermehrter Kohlendioxidanteil in
der Luft erlaubt den Pflanzen nach Ansicht der Forscher mit weniger Wasser
auszukommen. Bäume könnten jetzt auch Regionen erobern, in denen sie bislang
keine Chance hatten.
Quellen: FAZ vom 28.05.03 und The Independent vom 12.05.03
http://www.news.independent.co.uk/low_res/story.jsp?story=405428&host=3&dir=
507

Klima 5
WEISE WORTE
In einem Interview zum Thema Wissenschaft und Medien sagte der Soziologe
Peter Weingart: "Als Sozialwissenschaftler können wir den Inhalt der
Klimaforschung nicht beurteilen. Wir beobachten lediglich die Diskussion und
analysieren deren selektive Verarbeitung durch Wissenschaft, Politik und
Massenmedien. Da scheint es, dass die Medien immer auf Sensationen aus sind,
die Politik alles auf Entscheidungen zuspitzt und die Wissenschaft
vorläufiges Wissen formuliert. Im Falle der Klimaforschung kommt hinzu, dass
schon die Wissenschaftler selbst Aussagen über einen vom Menschen
ausgelösten Klimawandel als politisches Problem dargestellt haben. Die
Wissenschaft hat sich damit ins politische Geschäft begeben und ist ein
hohes Glaubwürdigkeitsrisiko eingegangen."
Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 11.05.03 (Das Interview
führte Edgar Gärtner)

Aidshilfe
BUSH AID
Der Popmusiker und Begründer von "Life Aid", Bob Geldof, hat sich in der
Szene der internationalen Hilfsorganisationen schwer unbeliebt gemacht. Sein
Vergehen: Er lobte George W. Bush und dessen 15 Milliarden schweres
Aids-Hilfsprogramm für Afrika und die Karibik als "extrem radikal und
willkommen". Ein Seitenhieb auf Bushs Vorgänger Clinton, der engagiert
gesprochen aber nichts getan habe, macht die Sache nicht besser. Zu allem
Überfluss wies Geldof auch noch auf die in Sachen Aidshilfe seiner Meinung
nach ebenso "pathetische" wie "entsetzliche" Rolle der europäischen Staaten
hin.
Quelle: The Independent 29.05.03
http://news.independent.co.uk/low_res/story.jsp?story=410448&host=3&DIR=508

Globalisierungsgegner
KOHLE AUS BRÜSSEL
Eine kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Vera Lengsfeld (CDU) an die
Bundesregierung bringt ein wenig Licht in die Finanzierung der Organisation
ATTAC. Demnach erhielten die Globalisierungsgegner im Zeitraum von zwei
Jahren 110 000 Euro aus EU-Mitteln vor allem für Veranstaltungen und
Publikationen. Unsere einzige Hoffnung: Erfahrungsgemäß subventioniert die
EU häufig Branchen, die keine Zukunft haben.
Quelle: Auswärtiges Amt, Antwortschreiben vom 17.04.03

Werbung
RÜCKRUF
Sieg! DaimlerChrysler hat seine Jeep-Werbung zurückgezogen, die auf Kosten
Robben jagender Eskimos ging (siehe DFB! Nr.16).
Quelle: IWMC Sustainable eNews, April 2003

Entwicklungsländer
DIE ARMEN STERBEN, DER STAAT KASSIERT
In den letzten Jahren hagelte es Kritik an den großen Pharmaunternehmen, die
nicht bereit waren Lebens rettende Medikamente in armen Ländern billiger
abzugeben. Unter dem Druck von Hilfsorganisationen haben Merck,
GlaxoSmithKline, Pfizer und Roche ihre Preise für Entwicklungsländer nun um
achtzig Prozent und mehr gesenkt. Doch jetzt enthüllt eine Studie der
Europäischen Union, dass die Regierungen in einigen Staaten durch hohe Zölle
die Medikamente weiterhin unbezahlbar machen. In Sierra Leone zum Beispiel
belastet die Regierung importierte Arzneien mit vierzig Prozent Zoll. Fazit
der EU-Studie: "Die Aufhebung dieser Zölle würde erheblich zur Senkung der
Konsumpreise beitragen."
Quelle: Die Weltwoche, Nr. 17/2003

Agrarwissenschaft
IST ÖKOLANDBAU ÖKOLOGISCH?
Glomalin, ein natürlicher Bestandteil des Bodens der die Ackerkrume
zusammenhält, ist wesentlich bedeutsamer für die Bodenfruchtbarkeit als
bisher angenommen. Nach Studien von Dr. Sara Wright, Mikrobiologin beim
Sustainable Agriculture Systems Laboratory in Beltsville, USA, wäre die Erde
ohne Glomalin der Erosion preisgegeben. Häufige Bodenbearbeitung reduziert
den Glomalin-Anteil. Diese ist im Ökolandbau üblich, um Unkräuter zu
unterdrücken. Dies bedeutete, dass Ökolandbau dem Boden viel mehr schaden
könnte als bisher angenommen. Viel nachhaltiger ist es demnach, wenn man
auf das Pflügen ganz oder fast ganz verzichtet. Dies tun heute bereits viele
Farmer in den USA, indem sie die Unkräuter mit einem Herbizid vernichten und
Nutzpflanzen säen, die durch Gentechnik resistent gegen dieses Herbizid
gemacht wurden.
Quelle: Hudson Headlines, www.hudson.org, 22.05.2003

Theater
WALKAMPF IN BERLIN
Anlässlich der Konferenz der Internationalen Walfangkommission, die vom 16.
bis 19. Juni in Berlin stattfindet hat der Bundestag ein trauriges Beispiel
opportunistischen Gutmenschentums abgegeben. In einem gemeinsam von SPD,
Grünen und FDP formulierten Antrag machten sich die Parlamentarier auch noch
die unsinnigsten Propagandabehauptungen der Anti-Walfang-Lobby zu eigen. Die
einfache Tatsachen, dass die Walfangländer Japan, Norwegen und demnächst
vielleicht auch Island Walarten jagen wollen, die nicht im geringsten
bedroht sind, dass sie dabei Fangquoten einhalten, die weit unter dem
natürlichen Wachstum der Populationen liegen, wird in der
Bundestagserklärung schlicht ignoriert. Dafür fordert man ein ökologisch
unbegründetes generelles Verbot des Walfangs. Genauso gut könnte man ein
Verbot der Wildschweinjagd in Deutschland fordern.
Jungendorganisationen haben unterdessen einen Wettbewerb für
Schülerzeitungsredakteure gestartet, die über Walschutz schreiben sollen.
Erster Preis: Ein Gespräch mit Renate Künast. Wir sind schon ganz gespannt,
welche Position der Sieger-Text wohl vertritt.
Quellen: Deutscher Bundestag, Drucksache 15/995 vom 20.05.2003 und
http://www.presseportal.de

In eigener Sache 1
KAUFT!
Die DFB! macht Arbeit und kostet Zeit. Anders als ATTAC und andere Agenturen
des Guten, kriegen wir weder EU-Subventionen und staatliche Unterstützung,
auch gibt es (leider) weder Großspender noch Werbeanzeigen. Unsere einzige
potenzielle Geldquelle sind unsere Leser, die von nun an hoffentlich
massenweise in unserem Souvenirladen einkaufen. Dort gibt es Bücher und
Postkarten-Sets von Maxeiner und Miersch. Also nicht lange fackeln, sondern
sofort hinklicken und für Freunde, Feinde, Opa , Oma, Nachbarn und Kollegen
kaufen, kaufen, kaufen.
Link zu unserem Souvenirladen:
http://www.maxeiner-miersch.de/souvenirs.htm

In eigener Sache 2
Die ACHSE DES GUTEN
Mit einigen sympathischen Geistesverwandten haben wir, wie schon beim
letzten mal vermeldet, ein publizistisches Netzwerk geknüpft. Kaum standen
wir damit im Netz, mussten wir den Namen ändern (denn leider beansprucht
eine Werbeagentur die Rechte auf "CIA"). Deshalb hat unser Netzwerk einen
neuen Namen. Licht aus, Spot an: "Die Achse des Guten"! Mit zwei Klicks
kommt man von unserer Homepage zur Homepage von Ulrike Ackermann, Cora
Stephan, Henryk M. Broder und Burkhard Müller-Ullrich und umgekehrt. Link:
http://www.maxeiner-miersch.de/die_achse_des_guten.htm

In eigener Sache 3
LESER WERDET AUTOREN!
Unsere DFB! kann noch besser werden. Immer häufiger machen uns Experten
aller möglichen Fachgebiete auf überraschende Neuigkeiten aufmerksam, die
von den großen Medien ignoriert wurden. Wir nehmen das gerne auf, sind aber
nicht selten überfordert. Denn der Aufwand für die DFB! und die Updates
unsere Website ist bereits erheblich und kostet Zeit, die wir eigentlich mit
Erwerbsarbeit verbringen sollten. Es ist also ein teueres Hobby, was wir uns
da leisten. Deshalb haben wir uns eine Form der Qualitätssteigerung
ausgedacht, die für uns möglichst wenig zusätzliche Arbeit bedeutet. Und das
geht so: Wenn Sie in Ihrem Fachgebiet eine Neuigkeit haben, die Ihrer
Meinung nach in die DFB! passen würde, formulieren Sie sie selbst und
schicken sie uns zu. Es gelten folgende Bedingungen:
• Schicken Sie uns Ihre Meldung über die Briefkasten-Seite auf unserer
Website:
http://www.maxeiner-miersch.de/briefkasten.htm
• Länge: Nicht über 10 Sätze!
• Eine für uns und die Leser mühelos (!) nachprüfbare seriöse Quelle am
besten in Form eines Internet-Links.
• Stellen Sie sich kurz vor: Name, Adresse. Wie sind sie auf diese Nachricht
gestoßen und worauf begründet sich ihr Interesse daran und ihre
Expertenschaft?
• Wir behalten uns vor, Meldungen stilistisch zu verändern (etwa eine Pointe
einzubauen) aber versprechen, sie inhaltlich oder in der Tendenz nicht zu
verfälschen.
• Wir behalten uns die Auswahl vor und haben leider nicht die Zeit,
Ablehnungen zu begründen. Dies ist die übliche Bedingung, die für
unangefordert geschickte Manuskripte bei jeder Zeitung gilt.

Kommentare 1
DEUTSCHLAND ALLEIN ZUHAUS'
Warum wurde der gegen Amerika gerichtete Kurs der Bundesregierung in der
Bevölkerung so begeistert aufgenommen? Der neue, trotzige Nationalstolz
kompensiert die Zukunftsangst einer erstarrten Gesellschaft. Ein Kommentar
von Dirk Maxeiner und Michael Miersch erschienen in "Die Literarische Welt"
vom 25.04.2003. Zu finden unter
http://www.welt.de/data/2003/04/26/78953.html

Kommentare 2
SOLIDARITÄT À LA FRANÇAISE
Bei den kürzlich gescheiterten WTO-Verhandlungen in Genf gaben die
Amerikaner nicht den Bösewicht. Im Gegenteil: Sie unterbreiteten Vorschläge,
die den Forderungen der Entwicklungsländer weit entgegenkamen. Doch die EU
will ihren Markt nicht für die landwirtschaftliche Produkte aus armen
Regionen öffnen. Motto: Brot für die Welt - aber die Wurst bleibt hier.
Ein Kommentar von Michael Miersch erschienen in "Die Welt" vom 03.05.2003.
Zu finden unter http://www.welt.de/data/2003/05/03/83012.html

Webtipp 1
http://www.wadinet.de
Wadi, ein in Frankfurt ansässiger "Verband für Krisenhilfe und solidarische
Entwicklungszusammenarbeit", unterhält eine bemerkenswerte Website. Sie
befasst sich zwar hauptsächlich mit der Situation in Kurdistan, sammelt aber
auch viele gute Zeitungsartikel und Kommentare zu Irak, dem Nahen Osten und
der deutschen Außenpolitik.

Webtipp 2
http://www.geopowers.com
Diese deutsche Website befasst sich mit Verteidigungspolitik, Außenpolitik
und angrenzenden Themen. Mit guten Kommentaren und Quellenhinweisen,
manchmal etwas Militär lastig.

Webtipp 3
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/zen/14304/1.html
Nachdem wir in den vergangenen Ausgaben auf mehrere kritische Arbeiten zum
Thema Vögel und Windenergieanlagen hingewiesen haben, soll auch die
Gegenposition nicht zu kurz kommen. Unter obiger Web-Adresse findet man
einen aktuellen Artikel, der argumentiert, dass Fenster,
Hochspannungsleitungen und Autos wesentlich mehr Vögel töten als
Windrotoren. Für Gegner und Befürworter der Anlagen gleichermaßen
lesenswert, weil er Links zu vielen Arbeiten über dieses Thema bietet.

Webtipp 4
http://www.weltwoche.ch/ressort_bericht_print.asp?asset_id=5013&category_id=
60
Schätzungsweise wird sich auch ein Teil von Ihnen, liebe Leser, lange,
qualvoll und umständlich von der Linken gelöst haben. Normalerweise verläuft
dieser Prozess indem man viel reist, in anderen Ländern Erfahrungen macht,
die partout nicht ins Weltbild passen wollen und dann anfängt Bücher zu
lesen, die das formulieren, was man schon lange ahnt, aber nicht
auszusprechen wagt. Schließlich trifft einen die Erkenntnis, dass die guten
linken Ziele (niemand soll arm sein, alle sollen gute Chancen haben, alle
sollen in Freiheit leben) mit den üblichen Linken Methoden (mehr Staat, mehr
Umverteilung, Pazifismus) nicht erreicht werden. Der Weltwoche-Redakteur
Hanspeter Born hat diesen, seinen Erkenntnisprozess niedergeschrieben
(spielt zwar in der Schweiz, unterscheidet sich aber kaum von ähnlichen
Erfahrungen in Deutschland). Sehr lesenswert.

Webtipp 5
http://www.muslimmarkt.de
Dieser "Standpunkt im Internet für deutschsprachige Muslime"
(Eigendefinition) zeigt auf beängstigende Weise, wie richtig Udo Ulfkotte
(Siehe Buchtipp 2) mit seiner Besorgnis liegt. Hier kann man zum Bespiel
lernen, was ein guter deutscher Muslim so alles boykottieren sollte: Neben
den üblichen Feindbildern (Coca Cola, McDonald's) und einer langen Liste von
Firmen die in irgendeiner Form mit Israel oder mit Juden zu tun haben,
stehen unter (vielen) anderen auch die "taz" und die "Titanic" auf der
schwarzen Liste. Nach längerem Studium dieser Website mussten wir erstmal in
Ruhe ein Bier trinken, Schweinebraten essen und dazu den "Playboy" lesen, um
den Grusel wieder abzuschütteln.

Webtipp 6
http://www.consumerfreedom.com/ad_campaign.cfm
Das Center for Consumer Freedom ist eine Koalition die in Amerika von
Restaurants, Lebensmittelunternehmen und Konsumenten unterstützt wird. Sie
klärt über Veganer, Gentechnik-Gegner und andere Gruppen auf, die den
Menschen den Appetit verderben wollen. Unser Link führt zu einer Seite mit
Plakaten, die uns besonders gut gefallen haben, weil in Deutschland solche
Frontalangriffe auf die Gesinnungs-Aktivisten kaum denkbar wäre. Kostprobe:
Greenpeace (ist) "eine Bande von wissenschaftlichen Analphabeten mit
Gestapo-Methoden" (Zitat Patrick Moore, Mitbegründer von Greenpeace). Oder:
Laborratten oder kranke Kinder? Lassen Sie nicht zu, dass Extremisten wie
PETA die medizinische Forschung stoppen! Man kann diese Plakate übrigens
auch ausdrucken (und aufhängen!).

Webtipp 7
http://www.mueller-ullrich.com/Texternte/Museumskrieg.htm
Als sich die Freudentänze befreiter Iraker nicht mehr ganz verheimlichen
ließen, als schließlich Saddams erste Massengräber geöffnet wurden, da
klammerten sich deutsche Feuilletons und Fernsehanstalten lieber an ein
vorgeblich unter den Augen der USA begangenes Verbrechen. Die Plünderung
antiker Kunstschätze des irakischen Nationalmuseums. Unerwähnt blieben dabei
die innigen Beziehungen der Museumsleitung zum Saddam-Regime. Unerwähnt
blieben auch, dass die Taten eigentlich nur von Insidern durchgeführt werden
konnten. Nach dem gleichen Muster wurde 1990 nach dem Einmarsch Saddams in
Kuwait von irakischen Experten das dortige Nationalmuseum geleert. Burkhard
Müller-Ullrich zeigt Zusammenhänge, vor denen die deutschen Medien fest die
Augen verschlossen.

Webtipp 8
http://www.henryk-broder.de/html/tagebuch.html?a=1
"Ich bin Jürgen Fliege und es ist Krieg". So moderierte Deutschlands
führender Fernsehpfarrer seine Sendung zum Irakkrieg an. Henryk Broder hat
die Gesprächsrunde mitgeschrieben und offenbart das unsägliche Elend der
friedenstalkenden Klasse.

Buchtipp 1
Gunnar Heinsohn
LEXIKON DER VÖLKERMORDE
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1998
Es hat ein bisschen gedauert, bis wir es entdeckt haben, aber es ist nie zu
spät, dieses wichtige und äußerst nützliche Lexikon zu kaufen. Gunnar
Heinsohn ist Soziologieprofessor in Bremen und Sprecher des
Raphael-Lemkin-Instituts für Xenophobie- und Genozidforschung (was kaum ein
Mensch weiß: Das Wort "Völkermord" wurde 1943 von Raphael Lemkin geprägt).
Übersichtlichen geordnet ist in diesem Verzeichnis des Grauens nachzulesen,
was die Tyrannen dieser Welt, der aufgehetzte Mob und traurigerweise
manchmal auch Armeen demokratischer Staaten unschuldigen Zivilisten alles
angetan haben. So kann man zu beispielsweise erfahren, dass Saddam Hussein
in den 24 Jahren seiner Herrschaft den Tod von etwa 240 000 Menschen zu
verantworten hat. Da kommt einem natürlich sofort der (zwar zynisch
klingende, aber doch aufschlussreiche) Gedanke, dass die monatliche
Durchschnittszahl seiner Opfer höher war, als die der zivilen Toten im
Irakkrieg. Oder wussten Sie schon, dass der in manchen linken Kreisen immer
noch geschätzte Lenin der fünfgrößte Völkermörder der Geschichte war (nach,
in dieser Reihenfolge, Stalin, Mao Zedong, Hitler und Chiang Kai-shek). Ein
unverzichtbarer Navigator im Meer des historischen Horrors.

Buchtipp 2
Udo Ulfkotte
DER KRIEG IN UNSEREN STÄDTEN
Eichborn, Frankfurt am Main 2003
Ein detailliertes Kompendium über Vernetzung islamistischer Gruppen in
Deutschland. Nach der Lektüre wundert man sich kaum noch, dass viele
Attentäter des 11. September so lange unbehelligt hier leben und ihre
Verbrechen planen konnten. Leider fällt Ulfkotte gelegentlich in einen
unnötig reißerischen Ton, dabei sind die Fakten schlimm genug. Die
Publikation dieser Recherchen ist jedoch äußerst verdienstvoll und mutig. Es
ist schon beängstigend, wie wenig Aufmerksamkeit Bund und Länder bisher dem
religiösen Untergrund widmen und wie naiv Kirchen und humanitäre
Organisationen den PR-Strategen des Islamismus auf den Leim kriechen. Man
sollte Ulfkottes Buch sofort kaufen, bevor es zensiert wird, denn die
Anwälte der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs und anderer Gruppen
versuchen mit eine Flut von Anträgen auf einstweiligen Verfügung die
Auslieferung zu verhindern. Wie clever sie das Rechtssystem dabei ausnützen,
zeigt der Fall eines hessischen Imams, der mit seiner Verbotsforderung
sogleich einen Antrag auf Prozesskostenhilfe gestellt hat, da er mittellos
sei. Verliert er, muss die öffentliche Hand für seine Kosten aufkommen.

Wir verabschieden uns bis zur nächsten DFB! mit einem Zitat der
Bundestagspräsidentin, Theologin und Ex-Maoistin Antje Vollmer, die die
Befreiung Bagdads irgendwie geschmacklos fand. Zitat:
"Was die Befreiung betrifft, so glücklich wollte dieses Volk nicht
aussehen, auch nicht jene US-gestützten Straßengangs von männlichen
Jugendlichen, die nur mit Militärmaschinen die Denkmäler gestürzt kriegten,
Frauen habe ich in diesem Kreis der Jubel-Iraker und Plünderer nicht
gesehen."
Wir empfehlen Frau Vollmer bevor sie an Feierlichkeiten zum 17. Juni 1953
teilnimmt, einen Blick auf die Fotos von damals. Sie zeigen hauptsächlich
"Straßengangs von männlichen Jugendlichen".