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DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 19 20.10.2003
Liebe Leser,
schicken Sie Reaktionen auf die DFB! bitte nicht per Antworttaste an unseren
Webmaster, sondern über die Briefkasten-Funktion unserer Website direkt
an
uns: http://www.maxeiner-miersch.de/briefkasten.htm
Naturschutz
AUSSTERBERATE SINKT
Die derzeitige globale Aussterberate von Tierarten ist die niedrigste seit
500 Jahren. Das erklärte Mark Collins, Chef des WCMC (World Conservation
Monitoring Centre). Das WCMC, das damals die wissenschaftlichen Grundlagen
für unser Buch LIFE COUNTS (Berlin Verlag 2000) lieferte, ist so etwas
wie
die Artenbuchhaltung bei der UN-Umweltbehörde UNEP. Im letzen Drittel des
zwanzigsten Jahrhundert verschwanden unter den Fischen, Vögeln und
Säugetieren etwa zwanzig Arten. Dies entspreche in etwa dem Artensterben
im
16. Jahrhundert. Die schlechte Nachricht: Der Verlust liegt damit immer noch
um ein Vielfaches höher, als wenn es keine Menschen auf dem Planeten gäbe.
Das WCMC sieht die Ursache für das bessere Überleben von Tierarten
ist in
erster Linie im Fortschritt der Agrartechniken, der es den Menschen heute
erlaubt, auf gleicher Fläche immer mehr zu ernten. Während die
Nahrungsmittelproduktion drastisch anstieg, wurde die landwirtschaftliche
Fläche in den letzten hundert Jahren kaum ausgedehnt. Außerdem kommen
bessere Methoden im Wildtier- und Forstmanagement der Natur zugute.
Insgesamt können die Wissenschaftler für die vergangnen 400 Jahren
das
Verschwinden von 675 Arten nachweisen. Es waren aber sehr wahrscheinlich
mehr, da genaue Daten für viele Pflanzen, Insekten und andere Kleintiere
fehlen. Die in den Medien kursierenden Horrorzahlen (100 Arten am Tag etc.)
beruhen jedoch nicht auf Zählungen, sondern sind Schätzungen. Sie
gehen von
vielen Millionen noch unbekannter Insektenarten aus, die möglicherweise
aussterben bevor man sie entdeckt hat.
Quellen: World Atlas of Biodiversity (UNEP 2003) und Denis T. Avery in
American Outlook Today, Newsletter der Hudson Instituts (www.hudson.org) vom
28.08.2002
Klima
KÜHLER KOPF IN MOSKAU
Die Weltklimakonferenz in Moskau Anfang Oktober war voller Überraschungen.
Gastgeber Russland, an dessen Unterschrift das gesamte Kyoto-Protokoll wie
an einem seidenen Faden hängt, gab sich äußerst skeptisch. Andrei
Nikolayevich Illarionov, laut Greenpeace der wichtigste Putin-Berater in
Sachen Kyoto-Protokoll, stellte offen dessen wissenschaftlichen Grundlagen
in Frage. In einer Pressekonferenz berichtete er von "zehn Fragen",
die man
an das UN-Wissenschaftsgremium IPCC (Intergovernmental Panel on Climate
Change) gerichtet habe und von denen "leider keine einzige" beantwortet
worden sei. Dies sei umso bedauerlicher, weil "diese Fragen seit mindestens
zwanzig Jahren gestellt werden". Es folgte eine detailierte Analyse der
wissenschaftlichen Schwächen, Unterlassungen und Unsicherheiten im Rahmen
der IPCC-Klimaprognosen. Wie ein Minenhund spürte Illarionov die zahlreichen
Fragwürdigkeiten auf und präsentierte sie dem Publikum. Sein Fazit:
"Das
Kyoto-Protokoll hat bislang keine wissenschaftliche Begründung. Das Modell
des Klimas, das hier vorgeschlagen wird, hat viele wissenschaftliche Mängel
und lässt zahlreiche Faktoren unberücksichtigt. Was bislang präsentiert
wurde, ist nicht überzeugend". Kritische westliche Wissenschaftler,
die das
gleiche sagen, wurden bislang in den Medien abgewatscht. Der Putin-Berater
kam in der Berichterstattung aus Moskau vorsichtshalber gar nicht vor.
Kreml-Chef Vladimir Putin selbst witzelte in einer Ansprache: Vielleicht sei
eine Erwärmung ja gar nicht so schlecht, "wir müssen dann nicht
so viel Geld
für Pelzmäntel ausgeben".
Russlands Unterschrift unter die Kyoto-Vereinbarung erscheint fraglicher
denn je. Einzig Milliarden-Zuwendungen seitens der EU könnten wohl einen
Meinungsumschwung einleiten. Ob es dazu kommt, ist aber auch nicht sicher.
Nachdem sich das Protokoll auch bei den bisherigen Unterzeichnern als extrem
teuer, bürokratisch und vor allem unwirksam herumspricht, wären einige
der
Beteiligten heimlich erleichtert über ein Scheitern der Vereinbarung.
Link: http://www.themoscowtimes.com/stories/2003/10/01/011.html
Spermiensterben
DIE BULLEN KOMMEN IMMER NOCH
Seit Mitte der neunziger Jahre geistert eine Behauptung durch die Medien:
Durch die Belastung mit Chemikalien, die das Hormonsystem von Mensch und
Tier verändern, nähme die männliche Fruchtbarkeit ab. Doch Studien
zur
Spermienqualität von Männern sind überaus widersprüchlich,
je nach Land,
Jahreszeit der Probennahme und Zählverfahren. Rinder, Pferde und Schweine
können eine wesentlich sicherere Datenbasis liefern, weil ihnen seit
Jahrzehnten regelmäßig Sperma abgezapft wird: Eine Studie der Münchener
Ludwig-Maximilians-Universität verglich 31.542 Bullen-Ejakulate aus den
Jahren 1972 bis 1997 auf Volumen, Gesamt-Spermienzahl und
Spermienkonzentration. Ergebnis: In den letzten 26 Jahren ist kein Rückgang
der Spermienproduktion bei deutschen Bullen zu beobachten.
Quelle: Langfristige Trends in der Spermienproduktion von Bullen,
Diplomarbeit von Heike Trombach (LMU)
Schädlingsbekämpfung
RISIKOTECHNOLOGIE ÖKOLANDBAU
Man stelle sich vor, gentechnisch veränderte Maispflanzen würden viele
Hundert Meter von ihrem Standort entfernt nützliche Insekten abtöten,
darunter auch schöne bunte Schmetterlinge. Ein Aufschrei in den Medien
wäre
sicher. Greenpeace, NABU und BUND würden ihre Truppen in Bewegung setzen
und
das Teufelszeug unter dem Jubel der Öffentlichkeit umpflügen. Anders
beim
Biolandbau, der gemeinhin als supersanft, problemlos und ökologisch
vorbildlich gilt. Dort kann passieren was will, die Deutschen sind fest
entschlossen, diese Form der Landwirtschaft kuchengut zu finden.
Nun hat ein Schweizer Forschungsteam um den Ökologen Franz Bigler
dokumentiert, dass es auch im Biolandbau zu heftigen ökologischen
Nebenwirkungen kommen kann. Auf zirka 30.000 Hektar ökologisch
bewirtschaftetem Maisacker in der Schweiz, Frankreich und Deutschland
bringen Bauern die Schlupfwespe Trichogrammea brassicae aus. Diese in der
heimischen Fauna nicht vorkommende Art (sie stammt aus Moldawien) injiziert
ihre Eier in die Eier des gefürchteten Maiszünslers, die dadurch absterben.
Etwa 10.000 Schlupfwespen pro Hektar werden dafür benötigt. Doch wenn
sie
mit den Maiszünslern fertig sind, suchen sie in der Umgebung nach weiteren
Insekteneiern. Dabei legen sie zehn bis 25 Meter am Tag zurück. In Versuchen
konnte festgestellt werden, dass sie sich über die Eier von mehr als zwanzig
Falterarten her machen, darunter den bei Naturfreunden beliebten
Schwalbenschwanz. Gleichzeitig geht die Zahl der einheimischen Schlupfwespen
zurück, sobald die Konkurrenz aus Osteuropa anrückt. Ökologische
Nebenwirkungen dieser Art, würden bei gentechnisch veränderten Organismen
wahrscheinlich zu einem sofortigen Verbot führen. Macht aber alles nichts,
wenn "öko" oder "bio" draufsteht.
Quelle: Novo Nr. 66, September/Oktober 2003
Irakkrieg
DIE KRUMME TOUR VON SCHOLL-LATOUR
Viel zu selten wird mitgeschrieben, wenn die üblichen Experten, Mahner
und
Warner mal wieder die Bildschirme beherrschen. Nach dem 11. September hat
Henryk Broder des dankenswerterweise getan und daraus das höchst
empfehlenswerte Buch "Kein Krieg, nirgends" erstellt (Berlin Verlag
2002).
Zum Glück gab es auch vor, während und nach dem Irakkrieg ambitionierte
Menschen, die sich all den Unsinn, der geredet und geschrieben wurde
("Hunderttausende Tote", "Millionen Flüchtlinge") anhörten,
ansahen und
festhielten. Die Autoren Markus Bodler und Karl-Heinz Kamp veröffentlichten
das Ergebnis nun unter dem Titel "Die Stunde der Phantasten". Ihr
deprimierendes Fazit: "Offenbar führt auch der zweifelsfreie Beleg,
Unsinn
geredet zu haben, nicht zu nachhaltigem Ansehensverlust." Dies gilt in
unglaublichem Maße für den Turbo-Experten Peter Scholl-Latour. Er
brachte es
fertig, zwischen dem 19. Januar und dem 13. April in 31 Talkshows, Politik-
und Nachrichtensendungen aufzutreten (an manchen Tagen bis zu dreimal).
Dabei sagte er unter anderem einen verlustreichen Häuserkampf in Bagdad
voraus, der dem vietnamesischen Dschungelkrieg ähneln werde. Außerdem
stünde
die irakische Bevölkerung hinter ihrer Armee. Er kündigte eine gewaltige,
massenhafte Intifada gegen die ungläubigen Truppen an, und traute der
US-Regierung zu, Atombomben über dem Irak abzuwerfen. Ähnlichen Unfug
verbreiteten Franz Alt, Günter Grass, Heribert Prantl, Friedrich Schorlemer,
Jürgen Todenhöfer und natürlich die unvermeidlichen Islamexperten
Michael
Lüders und Udo Steinbach. Allein schon die Schreckensvision, dieser Combo
beim nächsten Konflikt wieder auf allen Kanälen zu begegnen, reicht
aus, um
sofort Pazifist zu werden.
Quelle: Markus Bodler, Karl-Heinz Kamp: Die Stunde der Phantasten.
Fehlprognosen währen des Irakkrieges. Arbeitspapier der
Konrad-Adenauer-Stiftung, sankt Augustin, August 2003
Panik
ZU HEISS GEBADET
Hiltrud Breyer, Europa-Abgeordnete der Grünen, fordert ein Verbot von
Planschbecken aus PVC, weil sie so genannte Weichmacher enthalten. Ein
Fachmann der PVC-Branche hat daraufhin ausgerechnet, wie viel Wasser ein
Kleinkind aus einem PVC-Becken trinken müsste, um auch nur in die Nähe
des
gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes zu kommen. Ergebnis: Ein Leben lang
166,67 Liter pro Tag. Das entspricht jeweils dem kompletten Inhalt eines
durchschnittlichen Planschbeckens.
Quelle: DIE WELT vom 7.08.03 und "Thema Additive" Juni 2003
Gesundheit
LUFTVERSCHMUTZUNG VERSCHLIMMERT ASTHMA
Nachdem wir schon des Öfteren darüber berichtet haben, dass (im Gegensatz
zur landläufigen Meinung) die in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunkene
Luftverschmutzung in deutschen Städten keine Allergien hervorruft, möchten
wir nun auch einen gegenteiligen Befund nicht verhehlen. In einer
gemeinsamen Studie mit der US-Umweltbehörde EPA verglich das
GSF-Forschungzentrum die Asthma-Daten einer stark belasteten deutschen
Gemeinde (Hettstedt) mit einer gering belastete (Zerbst). Ergebnis:
Mikroskopische Metallpartikel im Feinstaub beeinflussen die Schwere
allergischer Atemwegserkrankungen.
Quelle: GSF-Presseinformation vom September 2003
Tropenwald
INDUSTRIE LENKT EIN
In der Vergangenheit hatten wird in der DFB! mehrfach über die Bedeutung
des
Ölpalmanbaus für die Tropenwaldrodung in Südostasien berichtet.
Jetzt haben
sich zwei der größten Palmöl-Verarbeiter (Henkel und Nestlé)
auf Druck des
WWF verpflichtet, das Problem anzupacken. Die beiden Unternehmen wollen mit
ihren asiatischen Lieferanten Lösungen entwickeln, wie eine weitere
Ausdehnung der Plantagen auf Kosten der Wälder vermieden werden kann. Palmöl
ist ein wichtiger Rohstoff für Margarine, Süßigkeiten, Waschmittel
und
Kosmetik. Weil der weltweite Bedarf steigt, wurden in den vergangenen Jahren
immer mehr artenreiche Regenwaldgebiete insbesondere in Indonesien und
Malaysia vernichtet, um für Ölpalmplantagen Platz zu schaffen.
Quelle: WWF-Presseinformation vom 24. und vom 29. Juli 2003 (www.wwf.de)
Windenergie
NATURNUTZGEBIETE
"Wenn wir die Natur in einzelnen Parks mit unterschiedlichen
Schutzkategorien erhalten wollen, dann sollten wir die dort vorhandenen
Kräfte der Natur auch nutzen. Deshalb ist es folgerichtig, in einem
Landschaftsschutzgebiet oder in einem Naturschutzgebiet auch Windräder
aufzubauen", sagt Henning Kaul (CSU), der Vorsitzende des Umweltauschusses
des Bayrischen Landtags. Sollte die CSU samt Windkraftlobby damit
durchkommen, steht der Verspargelung der Naturschutzgebiete nichts mehr im
Wege. Die grandiose Idee dürfte alsbald weitere engagierte Mitstreiter
auf
den Plan rufen: Kiesgrubenbetreiber und Steinbruchbesitzer würden ihre
natürlichen Ressourcen sicherlich ebenfalls mit Begeisterung nutzen. Wir
könnten uns auch Stahlwerke vorstellen, in denen natürliches Eisenerz
mit
Hilfe natürlicher Kohle den Bestand der Nationalparks sichert, zumal die
Hochöfen optisch gut mit Windkrafträdern harmonieren. Auch natürliche
Vorkommen an Uran könnten endlich wieder mit gutem Gewissen genutzt werden,
zumal Störche sich auf der Kuppel eines AKW's viel wohler fühlen als
im
Rotor einer Windanlage.
Quelle: NEUE ENERGIE Heft 6/2003
Sonnenenergie
BILLIGZELLEN ANTE PORTAS
Europas größter Halbleiterhersteller, STMicroelectronics, ist möglicherweise
ein entscheidender Durchbruch bei der Entwicklung preiswerter Solarzellen
gelungen. Das italienisch-französischen Unternehmen will bis zum Ende
kommenden Jahres Solarzellen zur Serienreife bringen, die um Größenordnungen
billiger sind. Damit wäre der Solarstrom vom Dach auch gegenüber Strom
konkurrenzfähig, der aus Öl oder Gas generiert wird. Das Geheimnis:
Statt
teurem Silizium werden für die Herstellung billigere Alternativstoffe
verwendet. Der Wirkungsgrad der Zellen fällt dadurch zwar auf zehn Prozent
(gegenüber 20 Prozent bei teuren Spitzen-Solarzellen), die enorme
Preisersparnis macht diesen Nachteil aber um ein vielfaches wett. Den Rest
dürfte der Markt richten: Solarzellen könnten sich so schnell ausbreiten
wie
Satelittenschüsseln auf den Dächern und Handys in den Taschen. Merke:
Plötzlich ist die Zukunft da. Und dies ganz ohne ideologische Bevormundung.
Link:
http://edition.cnn.com/2003/TECH/biztech/10/02/solar.cells.reut/index.html
Nachlese
WAS WURDE AUS DEM NITROFENSKANDAL?
Es ist immer das Gleiche mit den Lebensmittelskandalen. Erst herrscht
monatelang allgemeine Medienhysterie, dann verläuft alles im Sande. Gemäß
diesem Muster schaffte es auch der Abschlußbericht zum Nitrofenskandal
nicht
in die Schlagzeilen, sondern erschien in den meisten Zeitungen nur als
unauffällige Meldung. Damals, im Frühjahr 2002, wurden Zehntausende
Puten
und Hühner notgeschlachtet. Verbraucherministerin Künast gab sich
empört:
"Das ist kein Kavaliersdelikt!". Nun liegen die Auskünfte aus
den
zuständigen Länderministerien größtenteils vor und auch
das Gutachten der
agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock, das von
den
ermittelnden Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben worden war. Fazit: Es
wird wohl keine Anklage wegen Gefährdung von Menschen erhoben, da keine
Belastung in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß gegeben war.
Quelle: Die Welt vom 19.09.03
In eigener Sache 1
FEIER IM DOM
Zu unsere großen Freude bekommt unser Buch "Life Counts" nun
schon zum
dritten mal einen Preis. Am Freitag den 14. November 2003 erhalten wir
zusammen mit unseren Co-Autoren Michael Gleich und Fabian Nicolay den Preis
der Deutschen Umweltstiftung. Die Verleihung finden ab 18.00 Uhr im
Französischen Dom am Gendarmenmarkt in Berlin statt. Einen weiteren
Buchpreis erhält Vandana Shiva für ihr Buch "Biodiversität
- Plädoyer für
eine nachhaltige Entwicklung". Wie unsere Leser wissen, vertritt Frau Shiva
in vielem Umweltfragen gegenteilige Ansichten wie wir. Daher freuen wir uns
umso mehr, dass die Deutsche Umweltstiftung so tolerant ist, auch Kritiker
des grünen Mainstreams mit einem Preis zu bedenken. Die Veranstaltung ist
öffentlich. Wir würden uns über Ihren Besuch freuen.
In eigener Sache 2
Wachstum
ERFOLGSMEDIUM DFB!
Die Ver.di-Zeitschrift PUBLIK (Oktober 2003) kredenzte uns mal wieder einen
der üblichen Jubelartikel, in dem die Globalisierungsgegner von Attac zu
modernen Helden stilisiert werden. Doch plötzlich, mitten im Gähnen,
stießen
wir dabei auf eine bemerkenswerte Information. Um zu unterstreichen wie
sensationell erfolgreich Attac ist, berichtete die PUBLIK-Autorin, die
Organisation gewinne pro Monat 100 neue Sympathisanten. Donnerwetter, dies
gilt also als Erfolg für einen Verein mit redaktioneller Dauerreklame in
Presse, Funk und Fernsehen, sowie erheblichen finanziellen Zuwendungen aus
EU-Töpfen. Und jetzt tatatataaaa: Ohne irgendeine Unterstützung durch
Massenmedien oder EU-Kohle, sondern rein durch Mund-Zu-Mund-Werbung kann
"Die Frohe Botschaft!" den gleichen Zulauf wie Attac verbuchen! Seit
einiger
Zeit wächst die DFB!-Aboliste mit einem Tempo von zirka 100 Neubestellern
im
Monat an. Wir sind somit eine heimliche Massenbewegung.
Quelle: VER.DI Publik Nr. 10, Oktober 2003
In eigener Sache 3
KAUFT!
Die DFB! macht Arbeit und kostet Zeit. Wir kriegen keine EU-Subventionen,
niemand schaltet Werbeanzeigen und auf den Scheck vom CIA warten wir immer
noch vergeblich. Unsere einzige potenzielle Geldquelle sind Sie! Und zwar
indem Sie in unserem Souvenirladen Bücher und Postkarten einkaufen. Also
nicht lange fackeln, sondern ratzfatz hinklicken und für Freunde, Feinde,
Opa , Oma, Nachbarn und Kollegen kaufen, kaufen, kaufen!
Link zu unserem Souvenirladen:
http://www.maxeiner-miersch.de/souvenirs.htm
In eigener Sache 4
FERNSEHTIPP
Tierische Untermieter
Dienstag 28. Oktober 2003, 20.15 Uhr, WDR,
Kameramann Gerd Weiss und Autor Michael Miersch pirschten für diese
Dokumentation durch Lebensräume, die im Naturfilm sonst nur selten zu sehen
sind. Im Mauerwerk einer Chemiefabrik beobachteten sie Turmfalken, auf dem
Dach eines Postamtes entdeckten sie eine Seevogelkolonie und hinter den
Lagerhallen einer Spedition Füchse. Besonders im Winter werden die Zoos
zum
Magneten für tierische Untermieter aller Art. Weiss und Miersch zeigen,
wie
Mäuse zwischen den Beinen von Elefanten überleben.
Kommentare 1
VOM AUSSTERBEN DER GROUPIES
Diverse TV-Größen und Künstler ließen sich beim bezahlten
Sex erwischen.
Prominent sein genügt offenbar nicht mehr, um junge Frauen für sich
einzunehmen. Arme Stars.
Erschienen in DIE WELT vom 20.8.03. Zu finden unter:
http://www.maxeiner-miersch.de/standp2003-08-27a.htm
Kommentare 2
KOHLE OHNE ENDE
Vieles spricht dafür, dass das Zeitalter der Energie aus Kohle keineswegs
abgelaufen ist.
Erschienen in DIE WELT vom 3.09.03. Zu finden unter:
http://www.maxeiner-miersch.de/standp2003-09-03a.htm
Kommentare 3
MEHR MANCHESTERTUM!
Warum die Welthandelskonferenz in Cancun von den zu Unrecht geschmähten
Manchester-Liberalen lernen kann.
Erschienen in DIE WELT vom 10.09.03. Zu finden unter:
http://www.maxeiner-miersch.de/standp2003-09-10a.htm
Kommentare 4
REVOLUTIONÄRE GESUCHT
Einige Bürgerrechts-Helden von 1989 haben das richtige Format zum
Bundespräsidenten.
Erschienen in DIE WELT vom 17.09.03. Zu finden unter:
http://www.welt.de/data/2003/09/17/169672.html
Kommentare 5
MANN BEISST HUND
Wissenschaftler untersuchten die historischen Überschwemmungen an Elbe
und
Oder. Sie kamen zu dem Schluss, dass das katastrophale Hochwasser von 2002
keine "Jahrhundertflut" war. Die Sensation geht um die Welt, doch
in
Deutschland kommt sie nicht in die Schlagzeilen. Und das, obwohl die
Elbeflut eine entscheidende Rolle bei der Kanzlerwahl 2002 spielte. Was ist
nur mit den Journalisten los?
Erschienen in DIE WELT vom 24.09.03. Zu finden unter:
http://www.welt.de/data/2003/09/24/172655.html
Kommentare 6
KOFIS WELT
Die UN genießt in Deutschland einen unerschütterlich guten Ruf. Doch
ein
Blick auf die Realität der Weltorganisation lässt Zweifel aufkommen.
Erschienen in DIE WELT vom 01.10.03. Zu finden unter:
http://www.welt.de/data/2003/10/01/176509.html
Kommentare 7
BÜCHER AUF DEM DEUTSCHEN WEG
Die Buchmesse 2002 beschert eine Flut von Titeln, die Amerika als Reich des
Bösen beschreiben.
Erschienen in DIE WELT vom 08.10.03. Zu finden unter:
http://www.welt.de/data/2003/10/08/179486.html
Kommentare 8
HAARIGE MORAL
Das populäre Pelz-nein-danke-Verdikt führt zu einer merkwürdigen
Doppelmoral.
Erschienen in DIE WELT vom 15.10.03. Zu finden unter:
http://www.welt.de/data/2003/10/15/182815.html
Kommentare 9
DAS RECHT ZUM UNGESUNDEN LEBEN
Gesundheitsbürokraten und sogenannte Verbraucherschützer entdecken
ein neues
Feld für staatliche Bevormundung: Die Dickleibigkeit.
Gesendet im politisches Feuilleton des DeutschlandRadios 16.10.03. Zu finden
unter:
http://www.dradio.de/dlr/sendungen/feuilleton/186565/
Webtipp 1
http://www.theatlantic.com/issues/2003/10/rauch.htm
"Will Frankenfood Save the Planet?" fragt Jonathan Rauch in einem
Report des
angesehenen politischen Magazins ATLANTIC MONTHLY. Er befragte
Naturschützer, Wissenschaftler und Agrarexperten und kommt zu dem Schluss,
dass der grüne Gentechnik eine Schlüsselrolle beim Erhalt von Wildnis
und
Artenvielfalt zukommen wird.
Webtipp 2
http://www.NGOWatch.org
In der erhobenen Tonlage der Empörung vermeldete AKZENTE, die Zeitschrift
der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), im Internet gäbe
es
nun eine neue Webadresse, die sich auf Nicht-Regierungsorganisationen
(englisch NGO) "einschieße" und diese "ins Visier nehme".
Wir finden, dass
dies höchste Zeit ist und begrüßen ausdrücklich "NGO-Watch".
Das American
Enterprise Institute informiert über Aktivitäten, Hintergründe
und Finanzen
solcher Organisationen. Es wird geschätzt, das diese demokratisch zumeist
nicht legitimierten Interessengruppen weltweit über einen Etat von etwa
einer Milliarde Dollar verfügen. Schön, dass ihnen wenigstens im
angelsächsischen Sprachraum zusehends mehr auf die Finger geschaut wird.
Wann kommt endlich eine deutsche NGO-Watch?
Buchtipp 1
Anne Chaplet
SCHNEESTERBEN
Antje Kunstmann Verlag, München 2003
Als die ersten Sonnenstrahlen den Schnee schmelzen lassen, kommt in der
hessischen Provinz eine Leiche zum Vorschein. Die Ermittlungen rühren an
vergangene Gräuel, über die die Dorfbewohner seit langem Schweigen.
Der
fünfte Kriminalroman von Anne Chaplet sorgt für höchste Spannung
und
gepflegten Grusel.
Buchtipp 2
Gunnar Heinsohn
SÖHNE UND WELTMACHT
Orell Füssli Verlag, Zürich 2003
Nicht Religionen, Stammesfehden oder Armut sind die Hauptgründe für
den
anwachsenden Terrorismus. Vielmehr liefert gerade in islamischen Ländern
eine explodierende Zahl an jungen Männern ohne Aufstiegsmöglichkeiten
ein
riesiges Reservoir "gewaltbereiter Krieger". Diese Hypothese arbeitet
der
Völkermord-Forscher Gunnar Heinsohn ebenso Fakten- und Kenntnisreich heraus.
In den USA wird das bedrohliche Phänomen unter dem Begriff "youth
bulge"
sehr viel ernster genommen als hierzulande.
Buchtipp 3
Gerd Koenen
VESPER. ENSSLIN, BADER
Urszenen des deutschen Terrorismus
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003
Es gehört zu den beliebtesten 68-Stereotypen, den Protest als Kündigung
einer Generation an ihre Eltern zu deuten: Die Jungen erheben sich gegen die
Alten, die nichts gegen Auschwitz unternommen hatten. Koenens Buch widerlegt
diesen Mythos vom Generationenbruch. Denn die Originaldokumente der Zeit
zeigen etwas anderes. Der Nationalsozialismus (oder "Faschismus",
wie er
damals genannt wurde, um das positiv besetzte Wort "Sozialismus" zu
vermeiden) kommt fast immer nur als Metapher vor, als verbale Keule die man
zu ganz anderen Zwecken schwang. Einerseits definierte man sich gern selbst
als "die Juden von heute". Andererseits exkulpierte man (unbewusst)
die
wirklichen Nazis, indem man den "neuen Faschismus" auf die alten Feinde
projezierte. Nicht nur die späteren RAF-Terroristen orteten den Volks-
und
Weltfeind Nummer eins jenseits des Atlantik. Auch die legal agierenden
Junglinken empfanden dies als höhere Stufe des Antifaschismus. Simsalabim:
Ami gleich Nazi. Damit war man fein raus. Die Last der Vergangenheit wurde
zur Episode im globalen Kassenkampf, man selbst zum edlen Widerstandskämpfer
und die Eltern zu bedauernswerten Kolonisierten. Von da ging es unbeschwert
weiter ins Palästinenserlager (wo die RAF-Kader schießen und bomben
lernten). Das "Weltjudentum" wurde flugs zum "Zionismus"
umfrisiert und mit
alter Inbrunst bekämpft. Hinter den Maosprüchen klang immer deutlicher
das
Goebbelssche Hassstakkato durch. In Entebbe und anderswo handelten
jungdeutsche Terroristen später dann wie eine SS im Palästinensertuch.
Koenen ruft in Erinnerung, dass bereits der erste "linke" Brandanschlag
am
9. November 1969 in Berlin einem jüdischen Gemeindezentrum galt. Wer
"Vesper, Ensslin, Baader" gelesen hat, wird den teils ironischen teils
naiven RAF-Kult in Kunst, Theater, Kino und Mode nicht mehr so recht lustig
finden können.
Buchtipp 4
Reinhard Mohr
Generation Z
Argon Verlag, Berlin 2003
Was tun, wenn man vor der Clubtür steht und so eine bauchfreie Göre
schnoddert: "Jetzt kommen sie schon zum Sterben her." Am besten im
Boden
versinken. Aber sollte man jenseits der Vierzig wirklich noch vor Clubtüren
Schlange stehen? Spätestens dann, beginnt man über diese Frage nachzudenken.
Was macht ein männlicher, heterosexueller Metropolensingle mit
linksradikaler Sozialisation und Szenelebenslauf, wenn die Schläfen grau,
die Lesebrille fällig und der Bauchansatz unübersehbar werden? Reinhard
Mohr
nimmt diese narzistische Kränkung auf und lässt sein Leben Revue passieren,
selbstkritisch und ätzend, aber auch menschenfreundlich milde. Er erzählt
von den Illusionen und Irrtümern, vom niemals Ankommen und von der
Vorläufigkeit aller Erkenntnis. Für Mohrs Generationsgenossen ist
es ein
tröstliches Buch, denn es zeigt, dass man in den Sackgassen der siebziger
und achtziger Jahre durchaus ein paar Dinge lernen konnte, die einem
jenseits der Vierzig zu ein wenig Weisheit und gelassenem Zukunftsoptimismus
verhelfen können, zu einem "eher leisen, kritischen Rationalismus."
Spätestens jetzt steht man zu sich selbst, kennt seine Stärken und
Schwächen
und hat gelernt mit ihnen auszukommen. Man stürzt sich nicht mehr in jedes
Getümmel und ist skeptischer gegenüber intellektuellen Moden. Die
Verwalter
der großen Gewissheiten mag man weniger denn je. "Der weltumspannende
politische Durchblicker-Moralismus," schreibt Mohr, "ist mir so unerträglich
geworden, wie eine Minute Musikantenstadl'"
Buchtipp 5
Detlev Ganten, Thomas Deichmann, Thilo Spahl
LEBEN, NATUR, WISSENSCHAFT
Alles, was man wissen muss
Eichborn Verlag, Frankfurt 2003
Ein kurzweiliger Führer durch die Welt des Naturwissens: Zeit und Raum,
Erde
und Kosmos, Genom und Gehirn. Dieses nützliches Bildungsbuch für den
täglichen Hausgebrauch lädt ein, den eigenen Wissensstand zu überprüfen.
Wo
hat man in der Schule nicht aufgepasst und was ist alles in den schwarzen
Löchern des Vergessens verschwunden? Wenn dieses Werk ein Bestseller wird,
fällt die nächste PISA-Studie für Deutschland sicherlich besser
aus.
Buichtipp 6
David D. Friedman
DAS RÄDERWERK DER FREIHEIT
Edition Eigentümlich Frei, Grevenbroich 2003
Endlich liegt dieser Klassiker des Anarcho-Kapitalismus auch auf Deutsch
vor. David Friedman hat das durch und durch staatsfeindliche Werk bereits
1973 verfasst, worauf es bald zum Kultbuch der amerikanischen Libertären
wurde. Unter anderem befasst er sich darin mit den Möglichkeiten
nicht-staatlicher Gerichtsbarkeit und Landesverteidigung. Im Gegensatz zu
seinem Buch "Der ökonomische Code" (Eichborn) ist dieses Frühwerk
nicht
immer brillant formuliert, hat ein paar Längen und teilweise etwas
angestaubte Zeitbezüge. Doch es bietet viel anregenden Denkstoff für
radikal
liberale Geister.
Buchtipp 7
Sauvik Chakraverti
ANTIDOTE 2
Macmillan India LTD, New Delhi, 2003
Unser alter Bekannter Sauvik Chakraverti schildert in seiner scharfzüngigen
Essay-Sammlung, wie die indische Gesellschaft nach wie vor durch überzogene
staatliche Kontrollen, Planwirtschaft und Bürokratie behindert wird. Dies
wird besonders auf dem Rücken der Armen ausgetragen.
Wir verabschieden uns bis zur DFB! Nr. 20 mit einem Crashkurs in Ökonomie:
Kapitalismus pur:
Sie besitzen zwei Kühe. Sie verkaufen eine und kaufen eine Bullen, um eine
Herde zu züchten.
Christdemokratische Wirtschaftpolitik:
Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine. Sie behalten eine und
schenken ihrem armen Nachbarn die andere. Danach bereuen Sie es.
Sozialdemokratische Wirtschaftspolitik:
Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine. Sie fühlen sich
schuldig,
weil sie erfolgreich arbeiten. Sie wählen Leute in die Regierung, die ihre
Kühe besteuern. Das zwingt sie, eine Kuh zu verkaufen, um die steuern
bezahlen zu können. Die Leute, die Sie gewählt haben, nehmen dieses
Geld,
kaufen eine Kuh und geben diese Ihrem Nachbarn. Sie fühlen sich
rechtschaffen. Udo Lindenberg singt für Sie.
Kommunistische Wirtschaftspolitik:
Sie besitzen zwei Kühe. Ihr Nachbar besitzt keine. Die Regierung
beschlagnahmt beide Kühe und verkauft Ihnen Milch. Sie stehen stundenlang
für die Milch an. Sie ist sauer.
EU Wirtschaftspolitik:
Sie besitzen zwei Kühe. Die EU nimmt Ihnen beide ab, tötet eine, melkt
die
andere, bezahlt Ihnen eine Entschädigung aus dem Verkaufserlös der
Milch und
schüttet diese dann in die Nordsee.
Französisches Unternehmen:
Sie besitzen zwei Kühe. Sie streiken, weil Sie drei Kühe haben wollen.
Sie
gehen Mittagessen. Das Leben ist schön.
Japanisches Unternehmen:
Sie besitzen zwei Kühe. Mittels modernster Gentechnik werden die Tiere
auf
ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe und die zwanzigfache
Milchleistung
gezüchtet.
Deutsches Unternehmen:
Sie besitzen zwei Kühe: Mittels modernster Gentechnik werden die Tiere
"redesigned", so dass sie alle blond sind, eine Menge Bier saufen,
Milch von
höchster Qualität geben und 160 km/h laufen können. Leider fordern
die Kühe
13 Wochen Urlaub im Jahr.
Russisches Unternehmen:
Sie besitzen zwei Kühe. Sie zählen jedoch fünf. Sie trinken noch
mehr Wodka.
Sie zählen erneut und kommen nunmehr auf 42 Kühe. Hoch erfreut zählen
sie
gleich noch mal und jetzt sind es zwölf Kühe. Enttäuscht lassen
Sie das
Zählen sein und öffnen die nächste Flasche Wodka. Die Mafia kommt
vorbei und
nimmt Ihnen die Kühe (wie viele es auch immer sein mögen) ab.
Schweizer Unternehmen:
Sie verfügen über 5000 Kühe, von denen Ihnen aber keine einzige
gehört. Sie
betreuen die Tiere für andere. Wenn die Kühe Milch geben, erzählen
sie es
niemandem.
Amerikanisches Unternehmen:
Sie besitzen zwei Kühe. Sie verkaufen eine und leasen sie zurück.
Sie
gründen eine Aktiengesellschaft. Sie zwingen beide Kühe, das Vierfache
an
Milch zu geben. Sie wundern sich, als eine tot umfällt. Sie geben eine
Presseerklärung herauss, in der Sie erklären, Sie hätten Ihre
Kosten um 50
Prozent gesenkt. Ihre Aktien steigen.