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DIE FROHE BOTSCHAFT! NR.28 September 2005
Reflexionen, Kritiken, Pointen und Lesetipps von Henryk M. Broder, Dirk Maxeiner
und Michael Miersch, zusammengestellt aus Tagebucheinträgen, die zwischen
4. Mai
2005 und 31. August 2005 bei www.achgut.de erschienen sind. Wobei - müssen
wir
leider gestehen - die Auswahl immer willkürlicher wird, denn seit der
letzten
"
DFB!" sind 180 Schreibmaschinenseiten Text im Tagebuch erschienen! Aber
es
steht ja alles unter www.achgut.de, und wer nachsehen möchte, wieviele
informative, sensationelle, witzige und aberwitzige Einträge wir nicht
in der
"
DFB!" unterbringen konnten, kann jederzeit im Tagebuch zurückblättern.
Doch zunächst ein Auszug aus der wöchentlichen (jeweils Mittwochs)
Maxeiner &
Miersch Kolumne in DIE WELT.
"Feste Deiche helfen in jedem Fall, egal ob ein Desaster nun natürlich
oder vom
Menschen gemacht ist. Der Streit darüber nimmt ohnehin absurde Züge
an. So hat
sich In Deutschland eine Handvoll Klima-Wissenschaftler darauf spezialisiert,
egal welche Laune der Natur sofort mit der globalen Erwärmung zu begründen.
Ein
Anruf genügt und schon kommt das gewünschte 15 Sekunden-Mantra übers
Mikrophon.
Mit einer gewissen Genugtuung in der Stimme wird die Schuld des Menschen beklagt
und anschließend ins Land verbreitet.
Halten wir deshalb mal kurz fest, was unter Klimaforschern Konsens ist. Erstens:
Die globale Durchschnittstemperatur ist in den vergangnen 100 Jahren um etwa
0,6
Grad gestiegen. Zweitens: 6,2 Milliarden Menschen mit ihren 20 Milliarden
Haustieren, ihren Feuerstellen, Autos, Fabriken und Kraftwerken sind ein
Klimafaktor. Alles andere ist heftig umstritten. Besonders die Frage: Wie
gewichtig ist der Einfluss des Menschen, verglichen mit natürlichen Faktoren?
Politiker wollen ihre Entscheidungen mit einem wissenschaftlichen Konsens
legitimieren. Sollte sich die Faktenlage ändern, kann man zumindest sagen:
Wir
haben nach dem damaligen Stand des Wissens gehandelt. Das ist verständlich
und
geht auch in Ordnung. Nicht in Ordnung geht, wenn eine Reihe von Klimaforschern
seinen heutigen Erkenntnisstand zum Dogma erklärt und sich mit dem Hinweis
auf
einen angeblichen Konsens gegen wissenschaftliche Kritik immunisiert. Motto:
Wer
an unseren Aussagen zweifelt ist ein Außenseiter, ein Irrer oder bösen
Willens."
Neugierig geworden? Aus " Deiche statt Symbolpolitik " von Maxeiner & Miersch.
Alle neuen (und die alten) Kolumnen finden Sie unter
http://www.maxeiner-miersch.de/standpunkte.htm
Und jetzt viel Spaß bei der "willkürlichen Auswahl" aus unserem Tagebuch:
Dirk Maxeiner 31.08.2005
DANKE SPIEGEL ONLINE!
Im deurtschen Medien-Jammertal gibt es doch immer wieder Lichtblicke und einen
solchen liefert Christian Malzahn in Spiegel Online. Man möchte ihn knutschen
dafür: "Hurrikan Katrina forderte Hunderte Menschenleben, richtete
Milliardenschäden an. Doch statt Anteilnahme und Spendenaufrufen hören
die
Amerikaner aus Deutschland vor allem Häme und Belehrungen. Das transatlantische
Verhältnis steuert auf seinen beschämenden Tiefpunkt zu - schuld
daran ist die
amtierende Regierung." Der weitere Text:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,372407,00.html
Dirk Maxeiner 31.08.2005
KLAMMHEIMLICHE FREUDE WIRD AUCH IN USA BEMERKT
In Benny Peisers Newsletter kommentiert ein Amerikaner aus Atlanta die
gehässigen und mitleidslosen Kommentare europäischer Politiker und
Medien zur
Hurrikan-Katastrophe mit folgenden Worten:
"
Little wonder the American people think the Germans (and the French) are
political demagogues and not worth listening to, ever again. Thank
goodness, we don't need their votes, for anything. However, they may need ours
sometime."
Dirk Maxeiner 30.08.2005
TRITTIN: AMIS SELBST SCHULD
Der Bundesumweltminister widmet sich mit einer gewissen Genugtuung den Opfern
des Hurrikans in Amerika, denn "der durchschnittliche Amerikaner erzeugt
mehr
als doppelt so viel CO2 wie der durchschnittliche Europäer." Siehe:
http://www.frankfurter-rundschau.de/ressorts/nachrichten_und_politik/thema_des_t
ages/?cnt=718533. Mitgefühl können die Amerikaner von Herrn Trittin
nicht
erwarten, der gesamte Gastkommentar in der Frankfurter Rundschau enthält
kein
einziges Wort des Bedauerns für die betroffenen Menschen. Auch die
Schuldzuweisung an George den Schrecklichen erfolgt mit pavlowscher
Berechenbarkeit: "Der amerikanische Präsident verschließt die
Augen vor den
wirtschaftlichen und menschlichen Schäden, die seinem Land und der
Weltwirtschaft durch Naturkatastrophen wie "Katrina", also durch
unterlassenen
Klimaschutz, zugefügt werden." Im übrigen soll die Welt am deutschen
Wesen
genesen "Nie war es dringender als heute, die Vorreiterrolle Deutschlands
im
internationalen Klimaschutz zu stärken. Wir brauchen keine Lockerung,
sondern
eine erhebliche Verstärkung internationaler Reduktionsziele - kurz ein "Kyoto
zwei".
Hierzu nur ein paar Fakten.
Erstens: Kein seriöser Wissenschaftler kann Hurrikan Katrina auf die globale
Erwärmung zurückführen. Hurrikans werden erst seit etwa 60 Jahren
aufgezeichnet
und über diesen Zeitraum zeigt die Statistik keinen eindeutigen Trend
zu mehr
oder stärkeren Hurrikans. Siehe
dazu:http://www.klimanotizen.de/html/newsletter_9.html
Zweitens: Der amerikanische Präsident weigert sich genau wie sein Vorgänger
Bill
Clinton das Kyoto-Protokoll dem Kongress vorzulegen, weil es weder bei
Republikanern noch bei Demokraten eine Chance hat. Der Grund ist ganz einfach:
Kyoto kostet Unsummen, beeinflusst das Klima aber praktisch nicht. Der
Temperaturunterschied aufgrund von Kyoto liegt bis zum Jahr 2050 by wenigen
Hunderstel Grad. Und deshalb ist dieses Abkommen so gut wie tot. Siehe dazu:
http://www.welt.de/data/2005/07/20/748035.html und
http://www.welt.de/data/2004/10/02/340683.html
Drittens: Es wird kein "Kyoto zwei" geben. China und Indien, die
in absehbarer
Zeit größten Kohlendioxid-Emittenden der Welt haben es dezidiert
abgelehnt, sich
dem europäischen Weg anzuschließen. Statt dessen haben Sie sich
mit den USA
zusammengetan um das Klimaproblem pragmatischer und damit wirksamer zu lösen.
Dem deutschen "Vorreiter" reitet niemand hinterher, Herr Trittin
halluziniert in
einer virtuellen Käseglocke. Siehe
http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=922&ref=80
Michael Miersch 30.08.2005
PETA MÖCHTE DAS WORT "MEERESFRÜCHTE" ABSCHAFFEN
Also dann liegen in Zukunft achtarmige oder hartschalige Mitbürger auf
der
Pizza-Marinara. Hauptsache es schmeckt.
Hier nachzulesen: http://www.peta.de/news/newssample.php?id=602
Dirk Maxeiner 22.08.2005
HÄNSCHENS GESPÜR FÜR GERECHTIGKEIT
Hans Eichel hat die Irrungen rund um den Begriff "soziale Gerechtigkeit" in
einem Interview mit Jochen Spengler vom Deutschlandfunk prima auf den Punkt
gebracht. Frage von Spengler: "Sie sagen 25 Prozent für alle, das
ist ungerecht.
Dann will ich auch fragen: Wieso ist das ungerecht, wenn einer, der sagen wir
mal 2000 Euro im Monat verdient, 25 Prozent Steuern zahlt, also 500 Euro in
dem
Fall, und einer, der 20.000 Euro im Monat verdient, auch 25 Prozent, also 5000
Euro?" Eichel: "Das ist doch klar! Der eine behält dann 1.500
und der andere
15.000 übrig." Der Zustand maximaler Gerechtigkeit ist demnach hergestellt,
wenn
beide nur noch 1.500 Euro erhalten. Zugleich wird dies der Zustand maximaler
Armut für alle sein, weil kein Mensch, der noch bei Trost ist, sich anstrenegen
wird, um 20 000 Euro zu verdienen..
Michael Miersch 08.08.2005
NATIONALER KONSUM: SO SCHAFFEN WIR'S
Renate Künast weist uns den Weg aus der Wirtschaftmisere: Kauft deutsch!
Hier nachzulesen: http://www.netzeitung.de/deutschland/351897.html
Angesichts der ökonomischen Dünnbrettbohrerei deutscher Ministerinnen,
fragt man
sich allerdings, ob es nicht einer elegantere Problemlösung gibt: Importiert
Politiker! Ein paar pfiffige Köpfe aus Großbritannien, Dänemark,
den baltischen
Staaten oder der Slowakei als Gastarbeiter in die nächste Bundesregierung
- das
wäre einen Versuch wert. Denn anders als bei Autos oder Mobiltelefonen
ist man
bei Politikern leider auf die mangelhafte deutsche Ware angewiesen.
Michael Miersch 26.07.2005
DER GRÖSSTE UMWELTSKANDAL ALLER ZEITEN
Haben sie schon mal von Dihydrogen-Monoxid gehört? Nein? Sehen Sie. Es
ist
unglaublich, wie interessierte Kreise mit diesem gefährlichen Stoff unsere
Umwelt und unsere Gesundheit ruinieren. Informieren Sie sich hier über
das
unglaubliche Ausmaß der Gefahr... http://www.dhmo.org/
Dirk Maxeiner 18.07.2005
BADEN GEHEN IN DRESDEN
Dutzende Dresdner stürmten gestern zum internationalen Elbe-Badetag in
in die
Elbe. Zu DDR Zeiten war der Fluss eine verseuchte Kloake, woran ich hier aus
gegebenem Anlass einmal erinnern möchte. Der böse Kapitalismus hat
den
Elbe-Anwohnern eine gesunde Umwelt zurückgebracht - vielleicht keine blühenden
Landschaften, aber immerhin saubere Luft und saubere Flüsse. Deshalb hoffe
ich,
dass Gysi und Lafontaine auch baden gehen. Vielleicht überlegt es sich
ja jenes
Drittel der Wähler in den neuen Bundesländern, die laut Umfragen
den Sozialismus
wiederhaben wollen, noch anders.
Michael Miersch 12.07.2005
"
GLÜCKLICHE HÜHNER" SIND OFT KRANK UND STERBEN FRÜH
Verluste von bis zu 36,8 Prozent der Tiere wurden bei einer Untersuchung
alternativer Legehennenhaltung der Landesanstalt für Landwirtschaft von
Bayern,
Sachsen und Thüringen festgestellt. Zitat: "Die Tierverluste (zwischen
3,3 und
36,8 Prozent), wurden hauptsächlich durch Infektionskrankheiten und
Kannibalismus verursacht. Besonders risikoreich erwies sich die Freilandhaltung
mit hohem Befall an Darmparasiten (Spulwürmer), Darmentzündungen
und
bakteriellen Erkrankungen. Hinzu kamen noch etwa 5 Prozent Verluste durch
Raubwild. 27,4 Prozent aller untersuchten Herden mussten ein- oder mehrmals
mit
Antibiotika behandelt werden. 82 Prozent der Bestände wiesen Milben auf.
Fliegenbefall schien die Tiere schreckhafter und aggressiver zu machen.
Technopathien wie Brustbeinbrüche u. a. traten häufiger bei Volieren
und
Ganzrostställen auf." Mehr:
http://194.145.122.235/presse/presseinfo_archiv.cfm?mode=beitrag&id=2079
Michael Miersch 12.07.2005
BIOSPRIT IST ENERGIEVERSCHWENDUNG
Eine aktuelle Studie könnte Ethanol und Biodiesel als Öko-Kraftstoffe
der
Zukunft entzaubern. Die Umwandlung von Pflanzen wie Mais, Sojabohnen und
Sonnenblumen verschlingt US-Forschern zufolge mehr Energie, als anschließend
in
Form von Treibstoff zur Verfügung steht. Mehr:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,363989,00.html
Michael Miersch 12.07.2005
MEIN NEUES LIEBLINGSZITAT ...
...habe ich soeben auf dem Blog von Michael Kreutz entdeckt.
"
Der Hass gegen den Liberalismus ist das Einzige, in dem die Deutschen einig
sind."
Ludwig von Mises, 1927
Michael Miersch 11.07.2005
EIN DRINK UNTER FREUNDEN IN ZEITEN DES KRIEGES
Ein Stück von Paul Berman aus dem Jahr 2004 übersetzt von Ingo Way,
erschienen
auf der Seite der "Freunde der offenen Gesellschaft."
"
Mein Bekannter lehnte sich über den Kneipentisch und sagte: 'Du bezeichnest
den
Irakkrieg also als antifaschistischen Krieg. Sogar als linken Krieg, als
Befreiungskrieg. Schon deine Wortwahl! Allerdings sind nicht allzu viele Linke
deiner Meinung' ..." Mehr: http://fdog-berlin.de/index.php/77
Michael Miersch 07.07.2005
WESTLICHE WOHLTATEN - NEIN DANKE!
Das Live-8-Spektakel hat zumindest in einigen Zeitungen zu einer erfreulich
kritischen Diskussion um Entwicklungshilfe und Schuldenerlass geführt.
Vorläufiger Höhepunkt ist ein Interview mit dem ugandischen Journalisten
Andrew
Mwenda in der heutigen SZ. Hier nachzulesen:
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/272/56216/
Kostprobe: "Die Hilfsindustrie setzt im Jahr 60 Milliarden Dollar um.
Zigtausende Europäer und Amerikaner werden davon bezahlt. Die sind alle
daran
interessiert, dass das extravagante und verrückte System bestehen bleibt.
Als
die Briten 1962 Uganda verlassen haben, gab es 70 Verwaltungsbeamte. Heute
arbeiten hier mehr als 5000 Hilfsexperten. Man könnte meinen, dass wir
als
Kolonie unabhängiger waren als heute."
Sehr lesenswert ist auch das Interview mit dem kenianischen Wirtschaftexperten
James Shikwati, das am 4. Juli bei Spiegel-Online erschienen ist:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,363375,00.html
Henryk M. Broder 07.07.2005
WIE PETER SCHOLL-LATOUR GESCHICHTE(N) SCHREIBT
In seinem letzten Buch ("Koloß auf tönernen Füßen")
schreibt PSL auch über die
instabilen Verhältnisse im Norden des Irak, wo Kurden leben, die einen
eigenen
Staat haben möchten. "Das Entstehen eines quasisouveränen Kurdistan
in
Nordirak... würde unweigerlich starke Anziehungskraft auf die Masse der
kurdischen Bevölkerung Ostanatoliens und der türkischen Metropolen
ausüben...Nordirak könnte gewissermaßen jene Rolle ausüben,
die Piemont bei der
Schaffung der nationalen Einheit Italiens gespielt hatte."
So weit, so gut. Warum sollen die Kurden keinen eigenen Staat haben, wie er
ihnen von den Großmächten nach dem WK 1 versprochen wurde? Aber
darum geht es
nicht. Es geht, wie immer, um die Strippenzieher im Hintergrund. Auf Seite
3o7
schreibt PSL:
"
Um die Situation vollends zu komplizieren, hat mit Duldung der Regierung
Scharon in Jerusalem eine begrenzte Rückwanderung ehemaliger jüdischer
Iraker in
die von Talabani kontrollierte kurdische Nordregion eingesetzt. Diese Heimkehrer
aus Israel sollen beachtliche Ländereien erworben haben, was in Bagdad,
aber
auch in Ankara mit Argwohn registriert wird."
Tolle Geschichte, dachte ich und rief gleich meine beiden irakischen Freunde
in
Jerusalem, Abi und Eli, an, die als Kinder aus dem Irak nach Palästina
bzw.
Israel gekommen waren. Sie würden, sagten sie, gerne zu Besuch in den
Irak
fahren, wenn das möglich wäre, so wie Juden aus Polen oder Deutschland
zu Besuch
nach Polen oder Deutschland fahren. Aber richtig zurück gehen? Nie und
nimmer! -
Ich war beruhigt. Bei Abi und Eli zu Hause gibt es immer eine wunderbare Kubbe-
Suppe und andere Leckereien aus der irakischen Küche Es wäre schrecklich,
wenn
ich dafür bis nach Bagdad oder Kirkuk fahren müßte. Abi und
Eli hatten auch
nichts von anderen ehemaligen jüdischen Irakern gehört, die zurück
gegangen
wären oder planten, zurück zu gehen. "No way!", sagte Abi. "Impossible,
we're no
stupid", sagte Eli.
Also schickte ich eine mail an PSL und bat ihn um Aufklärung, woher er
denn
seine Informationen haben würde, wen ich, außer ihm, noch fragen
könnte. PSL
rief umgehend zurück und sagte: "Das habe ich in Bagdad erfahren.
Es sind
Gerüchte aus der üblichen Gerüchteküche. Dahinter steckt
die permanente Angst,
daß Israel im Irak Land kaufen will, um die Palästinenser dorthin
umzusiedeln."
Das ist PSL, wie wir ihn seit der Schlacht am Bosporus kennen und lieben. Er
hört in Bagdad ein Gerücht, das in sein Schema paßt, macht
daraus eine Nachricht
("hat mit Duldung der Regierung Scharon eine Rückwanderung eingesetzt..."),
sagt
nicht, woher er sein Wissen hat, und wenn man ihn danach fragt, legt er ein
weiteres Gerüchtals Erklärung und Bestätigung nach. Herzlichen
Glückwunsch, PSL!
Die Falschmeldung hat man exklusiv, die Blamage auch.
Dirk Maxeiner 06.07.2005
KEILEREI IM TREIBHAUS
Es geht gerade hoch her im Klimazirkus. Nicht nur die Politiker sondern auch
die
Klimaforscher geraten immer heftiger aneinander. Anfang der Woche lieferte
ausgerechnet die altehrwürdige Royal Society ein Musterbeispiel für
politisierte
Wissenschaft. Eine gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsakademien aller
G8-Länder zum Stand der Forschung war deren Vorsitzendem Bob May offensichtlich
nicht dramatisierend genug. Deshalb gab er im Namen der Acht eine alarmistische
und politisch gegen George Bush gemünzte Pressemitteilung heraus, die
vom Inhalt
des Konsens-Papiers überhaupt nicht gedeckt wird. Inzwischen hat sich
die
amerikanische Akademie der Wissenschaften empört davon distanziert.
http://www.timesonline.co.uk/article/0,,22649-1681145,00.html
Die russische Akademie hat sich nicht nur von der Pressemitteilung, sondern
auch
von dem gesamten Konsens-Papier distanziert - und obendrein von ihrem eigenen
Vorsitzenden, der das Papier ohne Rücksprache unterzeichnet habe.
http://en.rian.ru/science/20050701/40831419.html
Heute meldet sich dann auch noch das britische House of Lords mit einer
Kyoto-Schelte erster Güte zu Wort:
http://news.scotsman.com/politics.cfm?id=746502005 Berichte dazu auch im
Guardian: http://politics.guardian.co.uk/lords/story/0,9061,1522251,00.html
Und in der Times "Britain's environmental policy is a costly shambles
based on
dubious predictions about the future"
http://www.timesonline.co.uk/article/0,,1072-1682423,00.html.
Ähnlich wie schon beim Thema Afrika entwickelt sich im Umfeld des G8-Gipfels
auch um den so genannten Klimaschutz eine erfreulich kritische Debatte. Wer
besonders gut und aktuell informiert sein will, sollte sich Benny Peisers
kostenlosen und ausgezeichneten CCNet-Newsletter bestellen, dem ich die meisten
der hier angegebenen Quellen und Informationen verdanke. B.J.Peiser@livjm.ac.uk
Henryk M. Broder 30.06.2005
ALLES ROGER UNTER DER BURKA?
Die Liebe der deutschen Gutmenschen zu den Armen, Hungernden und Unterdrückten
in aller Welt kennt keine Grenzen. Vor allem, wenn die Armen, Hungernden und
Unterdrückten a) weit weg leben und b) keinen Versuch unternehmen, den
deutschen
Gutmenschen den Genuß am frischen Rindercarpaccio durch den Anblick von
Elendsgestalten zu verderben. Bettelnde Zigeunerbälger mit Rotz an der
Nase sind
eine Zumutung, aber süße kleine Negerkinder, die einen mit großen
Augen von
Plakatwänden ansehen, rühren das Herz.
Besonders rührig - was für ein Übergang! - ist die Bonner Aktion "helfen
steckt
an", die den Menschen in Afghanistan helfen will. Natürlich erst
seit die
Taliban weitgehend vertrieben wurden, vorher wäre es zu riskant gewesen.
Jetzt
aber kann man gefahrlos im Rathaus der Stadt Bonn einen "Tag der offenen
Tür"
veranstalten, um "viele Bürger und Schüler an den Stand der
Kampagne" zu locken,
um ihnen ein authentisches Bild vom Leben in Afghanistan zu vermitteln. "Hier
konnten die Besucher ausprobieren, wie es sich unter einer Burka lebt. Die
Burka
ist ein in Afghanistan traditionelles Ganzkörper-Gewand für Frauen."
Wer glaubt, dat jibt et nit, nicht einmal im Rheinland, wo alles möglich
ist,
kann sich unter dieser Adresse überzeugen, daß ich mir diese Geschichte
nicht
ausgedacht habe. http://www.helfen-steckt-an.de/aktuelles.html
Wie lebt es sich so unter einer Burka? Ist es unter dem Ganzkörper-Gewand
nicht
heiß und stickig, vor allem im Sommer? Gibt es ein spezielles Deo, das
man/frau
benutzen sollte? Vor allem aber: Woran erkennt ein Mann, daß es sich
um seine
Frau handelt, wenn er sie irgendwo treffen will, wo doch alle Burkas gleich
sind? Darf der Rock ein wenig angehoben, der Schleier etwas gelüpft werden?
Suleika, bist du es? Oder deine Mutter?
Eine weitere Frage, die beim Tag der offenen Tür im Bonner Rathaus ebenfalls
nicht beantwortet wurde, war: Wie stirbt es sich unter einer Burka? Frauen,
die
von den Taliban zum Tode "verurteilt" und im Stadion von Kabul exekutiert
wurden, mußten aus Gründen der Sittlich-keit eine Burka tragen.
Es gibt sehr
schöne Filmaufnahmen von solchen "Hinrichtungen", heimlich gedreht
von
afghanischen Frauen, die ihr Leben riskierten, um die Morde der Taliban zu
dokumentieren. Und jetzt spielen ein paar Bonner Bälger "Leben unter
der Burka",
assistiert von ein paar durchgeknallten rheinischen Witzbolden.
Es ist nicht das erste Mal, daß die Aktion "helfen steckt an" ihre
epidemischen
Einfälle öffentlich zelebriert. Ende Februar kamen die "Kampagnen-Botschafter"
Cosma Shiva Hagen, die Enkeltochter von Eva Maria Hagen, und Roger Willemsen,
der Adoptiv-Sohn von Jürgen Drews und Peter Sloterdijk, von einer "dreitätigen
Rundreise aus Afghanistan" zurück. Gleich drei Tage ihrer kostbaren
Zeit hatten
sie geopfert, um sich vor Ort ein Bild von den Lebensbedingungen zu machen.
Und
was stellten sie bei ihrer mühsamen fact-finding-mission fest? Den Afghanen
geht
es nicht gut, sie sind auf Hilfe angewiesen. Eine erstaunliche Erkenntnis,
die
sie mit anderen Eindrücken würzten:
"
Für Cosma Shiva Hagen war die Reise ,magisch', es sei ,definitiv das
gastfreundlichste Land, in dem ich je gewesen bin. Selbst im ärmsten Dorf
bekommt man einen Tee angeboten'. Sie ließen über 200 Luftballons
fliegen, von
denen jeder einen persönlichen Wunsch von Bonner Bürgerinnen und
Bürgern für
Afghanistan mitnahm."
Und wenn sie nicht geplatzt sind, dann fliegen sie noch immer und verbreiten
das
Bonner Virus der Aktion "helfen steckt an" in der Atmosphäre.
Ein Unglück kommt
selten allein. Ein Roger auch nicht.
Michael Miersch 27.06.2005
EIN MUSLIM SEZIERT DEN KORAN
Ibn Warraq
Warum ich kein Muslim bin
Matthes & Seitz, Berlin 2004
28,90 Euro
Das Buch ist 1995 in New York erschienen, als die meisten Amerikaner ihre Augen
vor der islamischen Bedrohung so fest verschlossen hielten, wie es heute die
meisten Europäer tun. Die Rushdie-Affäre war schon fast wieder vergessen
und die
westlichen Intellektuellen ergingen sich in Kultur-Relativismus und
Multikult-Seligkeit. Doch für Ibn Waraq markierte die Fatwa gegen Rushdie
und
die darauf folgenden Morde an Übersetzern und Verlegern "eine Arte
Wendepunkt
min der intellektuellen und politischen Geschichte." Er fing an sich mit
dem
Quellen seines Glaubens zu befassen, und nachzuprüfen ob der Islam in
seiner
traditionellen Form überhaupt mit Freiheit, Demokratie und Menschenrechten
in
Einklang zu bringen sei. Auf diesen Gang zu den Quellen (zum Koran und zum
Leben
Mohammeds) nimmt das Buch den Leser mit. Vom Mythos des Islam als Religion
der
Toleranz und des Friedens bleibt nach dem Lesen wenig übrig. Ibn Warraq
macht es
sich nicht leicht mit seiner Dogmenkritik. Da wirft sich nicht einer in Pose,
sondern hat seinen Abfall vom Glauben ehrlich dokumentiert.
Der Autor stammt aus Pakistan und lehrt an einer amerikanischen Universität.
Als
Kind wurde er in einer Koranschule erzogen und studierte später
Islamwissenschaften. Ibn Warraq ist nicht sein wirklicher Name, sondern ein
Pseudonym, dass er aus Sicherheitsgründen benutzt.
"
Der Islam braucht entschieden eine Aufklärung," hat Ayaan Hirsi Ali
einmal
gesagt, "gönnt uns einen Voltaire." Vielleicht war Voltaire
in Gestalt von Ibn
Warraq schon da.
Dirk Maxeiner 24.06.2005
BENZ-AID
Im Spectator wird die Tragik der Entwicklungshilfe sehr schön anhand der
Verbreitung von Luxuslimousinen in Afrka beschrieben. Steigt die Hilfe, werden
sofort mehr große Mercedes verkauft. Kleines Zitat: "Today, though,
there is one
man who is doing more than the Lord himself to buy a Mercedes-Benz for the
leading creeps of the world. That man is of course Bob Geldof, the spur to
our
global conscience. Africas leaders cannot wait for the G8 leaders hectored
by
Bob and Live 8 into bracelet-wearing submission to double aid and forgive the
continents debts. They know that such acts of generosity will finance their
future purchases of very swish, customised Mercedes-Benz cars, while 315 million
poor Africans stay without shoes and Western taxpayers get by with Hondas."
Siehe: http://www.spectator.co.uk/article.php?id=6283
Funktioniert leider nur, wenn man sich registrieren lässt.
In der WELTWOCHE gab es diesen wunderbaren Artikel auf Deutsch. Das Archiv
ist
allerdings kostenpflichtig.
Michael Miersch 22.06.2005
FREIHEIT UND DEMOKRATIE: SCHMUTZIGE WÖRTER IN CHINA ... UND BEI MICROSOFT
Der Software-Gigant hat dem Regime in Peking zugesagt, dass auf seinem
chinesischen Internet-Portal Wörter wie "Freiheit", "Demokratie" oder
"
Menschenrechte" zensiert werden. Auch Yahoo! und Google haben derartige
Absprachen getroffen. (Gefunden von G.D.)
Mehr: http://www.opinionjournal.com/editorial/feature.html?id=110006841
Dirk Maxeiner 22.06.2005
SAURER REGEN GUT GEGEN KLIMAERWÄRMUNG
Es ist aber auch verflixt: Unlängst wurde an dieser Stelle berichtet,
das die
Erfolge der Luftreinhaltung zu höheren Temperaturen beitragen, weil die
Sonne
ungehinderter auf die Erde scheinen kann. Und jetzt das: Saurer Regen kühlt
den
Planeten ebenfalls - weil er auf Sumpflandschaften und Reisfeldern niedergeht
und dort das Wachstum schwefelliebender Bakterien fördert. Diese verdrängen
andere Bakterien, die das Treibhausgas Methan produzieren. Siehe:
http://www.wissenschaft.de/wissen/news/254134.html
Dirk Maxeiner 14.06.2005
FEINSTAUB MACHT WAS ER WILL
Die Realität weigert sich im Umweltbereich immer wieder der Theorie und
insbesondere der reinen Lehre zu folgen. Derzeit lässt sich das am Thema
Feinstaub beobachten. Gestern, am 13.06. berichtete das Fernsehmagazin FAKT
darüber, dass selbst Totalsperrungen beim Besuch des amerikanischen Präsidenten
in Mainz keinen erkennbaren Einfluss auf die Feinstaub-Belastung hatten.
Originalton Dr. Michael Weissenmayer, Landesumweltamt Rheinland-Pfalz: "Wir
haben uns auf Grund der umfangreichen Verkehrssperrungen in der Region Mainz/
Wiesbaden schon eine deutliche Reduzierung der Feinstaubbelastung versprochen.
Die Verkehrsreduzierung konnte ganz klar an Hand der Stickoxidwerte hier an
Hand
des Stickstoffmonoxids nachgewiesen werden. Hier waren die Konzentrationen
an
dem Tag sehr gering. Die Feinstaubbelastung zeigte jedoch keine Reaktion."
"
Mainz Parcusstraße: durchschnittlich 39.000 Autos am Tag. Etwa 1000 Mal
passieren Busse diese Kreuzung und 390 Mal Straßenbahnen. Aktuelle
Feinstaubbelastung an diesem Morgen: 32 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das
sind
sogar 5 Mikrogramm weniger als am Tag des Bush-Besuchs als hier praktisch gar
nichts fuhr. Verkehrte Welt, Widersprüche, wie sooft, wenn es um das Thema
Feinstaub geht."
Siehe: http://www.mdr.de/fakt/aktuell/2001560.html
Dirk Maxeiner 04.06.2005
VILLEPINS ELITÄRER DÜNNSINN
Der neue französischen Premierminister Dominique de Villepin wird hierzulande
gerne als hochbegabter Vertreter der französischen Elite hochgejubelt.
Phillip
Fabian befasst sich auf seinem Blog dankenswerterweise etwas intensiver mit
dem
Herren und der "Grand-Siècle-Aristokratie-Firlefranz-Literatur",
die dieser so
absondert. Lesen und staunen:
http://quovadiseu.blogspot.com/2005/05/old-europe-goes-even-more-old.html
Michael Miersch 26.05.2005
WAS BAYERISCHE SCHÜLER SO LERNEN MÜSSEN
Aus dem Schulaufgabentrainer für Band 2 des Buches "English G 2000" für
Gymnasien in Bayern (Cornelsen Verlag):
Dication
Global warming on earth
People use more energy, drive more cars and pollute the environment more. Almost
all experts agree that this will cause more global warming and more problems
fort the environment. Acid rain has already killed many trees. More storms
than
ever are destroying large areas. Some countries are now so hot and dry that
people can't find water or food. Life will get more difficult and science alone
won't help us in the future. We all have to change our lives, and we have to
do
it now, not in the next century.
But the first and most important step to help our poor planet is to throw away
silly school books which spread bullshit. Der letzte Satz ist frei erfunden.
Michael Miersch 21.05.2005
MUSS MAN LESEN!
Alan M. Dershowitz
Plädoyer für Israel
Europa Verlag, Hamburg
Bei Eichborn hätte dieses Buch ,Lexikon der Israel- und Nahostirrtümer'
heißen
können. Dershowitz nimmt sich populärsten Vorurteile, Irrtümer
und
Propagandalügen über Israel vor, und zerlegt sie Fakt um Fakt. Aufklärung
pur.
Ich liebe solche Bücher, denn sie bringen Klarheit in den Nebel schlecht
informierter und tendenziöser Berichterstattung, der unentwegt aus den
Fernsehen, Radio und Zeitungen wabert. Bestens geeignet für Kenner der
Materie,
aber auch für jeden, der endlich mal erklärt haben möchte, um
was genau es
damals im Unabhängigkeitskrieg, im Sechs-Tage-Krieg und im Jom-Kippur-Krieg
ging.
. War der Teilungsplan der Vereinten Nationen den Palästinensern gegenüber
unfair?
. Waren die Juden in dem Gebiet, das zu Israel wurde, tatsächlich in der
Minderheit?
. Hat Arafat Baraks und Clintons Friedensvorschlag zurecht abgelehnt?
. Warum kommen bei dem Konflikt mehr Palästinenser als Israelis um?
Diese und 28 weitere Fragen werden gut verständlich und genau beantwortet.
Und
als Sahnehäubchen hat Henryk Broder noch ein Vorwort beigesteuert, das
auf das
seltsame Israel-Bild in Deutschland eingeht.
Dirk Maxeiner 12.05.2005
HÄNDLER UND HELDEN
Im "Spiegel" von dieser Woche ist eine neue Theorie beschrieben,
die sich mit
dem Aussterben des Neandertalers beschäftigt. Ursache für dessen
allmähliches
Verschwinden sei womöglich die Tatsache gewesen, daß er keinen Tauschhandel
betrieb. Und dies lies ihn verlieren gegen den modernen Menschen, "der
wohl
damals schon ein Homo Ökonomicus war". Erstaunlicherweise ließ sich
der Spiegel
eine schöne Pointe entgehen: Der Generalverdacht gegen das Ökonomische
hierzulande deutet darauf hin, dass die Deutschen offenbar fest entschlossen
sind in die Fußstapfen der Neandertaler zu treten...
Quelle: Der Spiegel Nr. 19 2005. Seite 172
Michael Miersch 08.05.2005
SAUBERE LUFT IST SCHLECHT FÜRS KLIMA
Die in vielen Industrie- und Schwellenländern verwirklichten
Umweltschutzmaßnahmen beginnen nun auch global zu greifen. Erstmals seit
den
50er Jahren wird die Luft im Weltmaßstab sauberer. Doch, oh Schreck,
dadurch
trifft mehr Sonnenlicht auf die Erde, was die befürchtete Klimaerwärmung
beschleunigen könnte. Unser Leser D. P. fordert: "Nieder mit Russfiltern,
ein
Hoch auf den Feinstaub. Müsste jetzt nicht der Zigarettenkonsum staatlich
subventioniert werden?" Tja.
Informationen über die Studie gibt's hier:
http://www.nature.com/news/2005/050502/full/050502-8.html
Michael Miersch 04.05.2005
GIB'S UNS GÜNTER
"
Es ist schon alles gesagt! Nur noch nicht von allen", bemerkte
unser bayerischer Hausphilosoph Karl Valentin einmal in weiser Vorausahnung
der
Mediengesellschaft. Nun also Günter Grass zur Münte-Debatte (heute
auf Seite 1
der ZEIT). Schonungslos zeigt er uns die Fratze des Kapitalismus: "...So
unterwirft sich die Demokratie dem Diktat des global flüchtigen Kapitals.
...
Wiederum stellt sich die Frage: Was ist aus der uns vor sechzig Jahren
geschenkten Freiheit geworden, zahlt sie sich nur noch als Börsengewinn
aus?
Unser höchstes Verfassungsgut schützt nicht mit Vorrang die bürgerlichen
Rechte,
ist vielmehr zu Niedrigpreisen verschleudert worden, auf dass es, dem
neoliberalen Zeitgeist genehm, vor allem der sich "frei" nennenden
Marktwirtschaft dienlich wird. Doch dieser zum Fetisch gewordene Schummelbegriff
verdeckt nur mühsam das asoziale Verhalten der Banken, Industrieverbände
und
Börsenspekulanten." usw. , usf.
Wer sich das antun will, kommt hier zum kompletten Text:
http://www.zeit.de/2005/19/01___grass_teil_1
Ich frage mich dabei, wie es der alte Zausel schafft, immer noch jemanden zu
finden, der ihn ernst nimmt. Ob Waldsterben oder Wiedervereinigung: Seit
Jahrzehnten redet er Unsinn, fern jeder Realität. Macht aber nichts, bei
der
nächsten feuilletonistischen Großdebatte ist er wieder dabei und
erklärt uns
"
Günters Welt". In den 80er Jahren hat er mal ein paar Monate in Kalkutta
verbracht. In Indien wurde damals alles befolgt, was er und seine Freunde gut
finden: Abschottung der nationalen Wirtschaft, staatliche Devisenkontrolle,
behördliche Überwachung der Unternehmen. Diese Rezepte führten
zu ökonomischer
Stagnation und Massenarmut - was Grass eigentlich gesehen haben müsste.
Indische
Politiker schafften es umzudenken. Günter Grass nicht.
Wie der "ungezügelte" amerikanische Kapitalismus gegenüber
der sozialen
Wohlfahrt Europas abschneidet, hat kürzlich das schwedische Timbro-Institut
erforscht. Fazit: "Die meisten Amerikaner haben einen Lebensstandard,
den die
Mehrheit der Europäer bei weitem nicht erreicht." Ein Viertel der
amerikanischen
Haushalte wird als Geringverdiener klassifiziert. Dies bedeutet weniger als
25
000 Dollar Jahreseinkommen. Würde man den gleiche Maßstab in Schweden
anlegen,
gälten dort 40 Prozent als Geringverdiener. Fast die Hälfte der "Armen" in
USA
besitzt ein Eigenheim, und über Dreiviertel ein eigenes Auto. Das Pro-Kopf-BIP
von Deutschland entspricht Arkansas, dem viertärmsten Bundesstaat.
Hier kann man sich die Timbro-Studie als PDF-Datei herunterladen:
http://www.timbro.com/euvsusa/