DIE FROHE BOTSCHAFT! Nr. 34 - Sommer 2007


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DIE FROHE BOTSCHAFT ist eine bunte Mischung von Beiträgen, die auf
www.achgut.de erschienen sind und wird Ihnen serviert von Henryk M.
Broder, Dirk Maxeiner und Michael Miersch.

Zunächst - für alle, die sie noch nicht gelesen haben - die Rede, die
HMB am 24. Juni 2007 in der Paulskirche gehalten hat, als ihm der Ludwig
Börne Preis verliehen wurde:

BIN ICH VERRÜCKT, ODER SIND ES DIE ANDEREN?

...Ich weiß, ich bin ein Glückskind. Ich habe noch jeden Charterflug
überlebt, letztes Jahr einen Bestseller geschrieben und eine Tochter,
die soeben das Abitur gemacht hat - mit einer Note, die mich an meiner
Vaterschaft zweifeln lässt.

Und doch verspüre ich immer öfter ein leises Unbehagen, sobald ich mein
Arbeitszimmer verlasse und mich in die Welt begebe, und sei es nur zum
Zeitunglesen ins Café Einstein. Es ist kein Katzenjammer, der aus dem
Überfluss resultiert, kein Weltschmerz, der sich sich selbst genügt, es
ist das Gefühl: Bin ich verrückt, oder sind es die anderen?...

Hier steht der Rest:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/spotlight/bin_ich_verrueckt_oder_sind_es_die_anderen/

Und nun - wie gewohnt - einige vermischte Meldungen, die in letzter
Zeit auf achgut.de erschienen sind.

31.07.2007 (hmb)
I WANNA BE LIKE OSAMA
Das ist das Licht am Ende des Tunnels, der Anfang vom Ende des
Islamismus: ein Musical über Osama Bin Laden. Es heißt "JIHAD - THE
MUSICAL" und wird nächsten Monat beim Edinburgh Fringe Festival
aufgeführt. Hier eine Kostprobe:
http://youtube.com/watch?v=eeDDb5VYwbY

30.07.2007 (hmb)
DAS ABC DER VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN
Die RAF war nichts als ein Instrument des deutschen Staates, mit dem die
Linke diskreditiert werden sollte. Glaubt Gerhard Wisnewski. Der
Dschihad ist eine Erfindung der CIA. Behauptet Mathias Bröckers. Alles
Unsinn? Jedenfalls verdienen beide Geld mit Verschwörungstheorien. Das
können Sie auch! Marc Chmielewski und Johannes Kaufmann verraten im ABC
für Verschwörungstheoretiker alles, was Sie dafür wissen müssen.
http://www.buze.org/artikel/view?id=98

29.07.2007 (hmb)
DEUTSCHLAND: ABWESEND
Wir haben uns oft und gerne über Claudia Roth lustig gemacht. Aber nicht
aus Prinzip. Jetzt hat die Chefin der Grünen Kurdistan besucht und kam
mit einigen erstaunlichen Einsichten zurück. Wir ziehen den Hut und
rufen: Weiter so, Claudia!

"Also, ich muss Ihnen nun sagen, wir erleben hier eine stabile
Sicherheitslage. Erbil, Suleymaniyah, das sind Millionenstädte, das sind
lebendige Städte, und man sieht, wie der Wiederaufbau und auch die
Demokratisierung schon vorangeschritten ist. Und ich muss Ihnen sagen,
ich verstehe überhaupt nicht, warum die Bundesrepublik Deutschland
ökonomisch, diplomatisch, kulturell oder politisch hier nicht anwesend
ist.

Es gibt hier keine konsularische Vertretung zum Beispiel, obwohl hier
sehr, sehr viele deutsche Staatsbürger sind, oder Menschen, die in
Deutschland gelebt haben, zum Beispiel der Bürgermeister von Erbil, der
ist aus Bonn, der ist deutscher Staatsbürger. In den Ministerien sind
Deutsche. Also, es ist nicht nachvollziehbar, warum hier keine
Vertretung ist. Wir sehen hier viele ausländische Firmen, chinesische,
japanische, koreanische, wir sehen italienische Projekte, britische
Projekte, aber wir sehen weit und breit keine deutschen Firmen, die die
relativ stabile Situation hier in Kurdistan auch als Ausgangspunkt
nehmen für Investitionen, für den Aufbau von, ja, von Infrastruktur
hier, die dann ja auch auf den Gesamtirak sich auswirken kann."
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/651095/

19.07.2007 (dm)
FROHE KUNDE FÜR LAFONTAINE
Das Allensbacher Institut für Demoskopie stellte einem repräsentativen
Querschnitt der deutschen Bevölkerung folgende Frage: "Kürzlich sagte
uns jemand: ,Ich frage mich, was das für eine Freiheit sein soll, in der
Millionen arbeitslos sind, immer mehr Leute von Sozialhilfe leben müssen
und die Großindustrie Rekordgewinne macht. Auf so eine Freiheit kann ich
verzichten.' Würden Sie das auch sagen, empfinden Sie das auch so, oder
würden Sie das nicht sagen?". 62 Prozent der Befragten antworteten "Das
sehe ich auch so." Mann, Oh Mann.
Quelle: FAZ vom 18.07.2007

16.07.2007 (mm)
DAS NICHT-MÄSTEN VON SCHWEINEN, EINE AUSSICHTSREICHE BRANCHE
Prof. Wolfgang Kasper schrieb uns: You will be amused by the attached
letter, which an English friend of a friend sent to the UK Secretary of
the UK Department of the Environment, Food and Rural Affairs Rt Hon
David Miliband MP ...

16 May 2007
Dear Secretary of State,

My friend, who is in farming at the moment, recently received a cheque
for £3,000 from the Rural Payments Agency for not rearing pigs. I would
now like to join the "not rearing pigs" business.

In your opinion, what is the best kind of farm not to rear pigs on, and
which is the best breed of pigs not to rear? I want to be sure I
approach this endeavour in keeping with all government policies, as
dictated by the EU under the Common Agricultural Policy.

I would prefer not to rear bacon pigs, but if this is not the type you
want not rearing, I will just as gladly not rear porkers. Are there any
advantages in not rearing rare breeds such as Saddlebacks or Gloucester
Old Spots, or are there too many people already not rearing these?

As I see it, the hardest part of this programme will be keeping an
accurate record of how many pigs I haven't reared. Are there any
Government or Local Authority courses on this?

My friend is very satisfied with this business. He has been rearing pigs
for forty years or so, and the best he ever made on them was £1,422 in
1968. That is - until this year, when he received a cheque for not
rearing any.

If I get £3,000 for not rearing 50 pigs, will I get £6,000 for not
rearing 100? I plan to operate on a small scale at first, holding myself
down to about 4,000 pigs not raised, which will mean about £240,000 for
the first year. As I become more expert in not rearing pigs, I plan to
be more ambitious, perhaps increasing to, say, 40,000 pigs not reared in
my second year, for which I should expect about £2.4 million from your
department.

Incidentally, I wonder if I would be eligible to receive tradable carbon
credits for all these pigs not producing harmful and polluting methane
gases?

Another point: These pigs that I plan not to rear will not eat 2,000
tonnes of cereals. I understand that you also pay farmers for not
growing crops. Will I qualify for payments for not growing cereals to
not feed the pigs I don't rear?

I am also considering the "not milking cows" business, so please send
any information you have on that too. Please could you also include the
current Defra advice on set aside fields? Can this be done on an
e-commerce basis with virtual fields (of which I seem to have several
thousand hectares)?
In view of the above you will realise that I will be totally unemployed,
and will therefore qualify for unemployment benefits.

I shall of course be voting for your party at the next general election.
Yours faithfully,
Nigel Johnson-Hill

11.07.2007 (dm)
DIE ACHSE FEIERT NEUE BESUCHERREKORDE
Liebe Leser, Sie werden immer mehr! Die Besucherzahlen der Achse des
Guten kennen nur eine Richtung: Aufwärts. Und zwar kräftig. Hier die
Zahlen für das erste Halbjahr 2007:
1.2007 161.009
2.2007 159.995
3.2007 186.586
4.2007 174.460
5.2007 182.988
6.2007 217.397
Die Zahl der einzelnen Seitenaufrufe (page impressions) markiert
ebenfalls ein neues Rekordniveau. Sie lag im Juni bei 415.628.

11.07.2007 (mm)
SCHÖNES ZITAT ZUM THEMA "RINKS UND LECHTS"
"Wir sind Sozialisten, [wir] sind Feinde des heutigen kapitalistischen
Wirtschaftssystems, mit seiner Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen,
mit seiner Ungerechtigkeit der Entlohnung, (...) wir sind entschlossen,
dieses System unter allen Umständen zu vernichten."
Aus den "Nationalsozialistischen Briefen" (Halbmonatsschrift) vom
1.7.1927, herausgegeben von Gregor Strasser und redigiert von Joseph
Goebbels.
(Zitiert nach J. Fest, "Hilter - Eine Biographie", 1973)

23.06.2007 (mm)
DICK DURCH DÜNNE DATEN
Aus der ernährungswissenschaftlichen Fachzeitschrift EU.L.E.n-Spiegel
Nr. 2/2007:
Die Deutschen sind die dicksten Europäer! So tönte es im letzten Monat
unisono aus den Gesundheitsredaktionen.... Doch wie kam es zu dieser
schockierenden Nachricht? Hatten sich die Medien etwa einen verspäteten
Aprilscherz erlaubt? Nein, viel schlimmer: Es handelte sich um die
alltägliche "kritische Berichterstattung" in Sachen Ernährung und
Gesundheit. Die Journalisten zogen einfach ein paar Daten heran, die
zuvor von der International Association for the Study of Obesity (IASO)
zur Adipositas in Europa veröffentlicht worden waren. Das Gesamtwerk,
das von den Redaktionen zu einer "Studie" hochstilisiert wurde, besteht
aus zwei kleinen Tabellen ohne Autor. Hinter dem Zahlenmaterial stecken
- wie man unlängst der Fachpresse entnehmen konnte - die Gelder von
Pharmaunternehmen, die Appetitzügler verkaufen.
http://www.das-eule.de/eulenspiegel0207_besondere_erkenntnis.html

13.06.2007 (mm)
WELTWEIT WERDEN IMMER MEHR NATURGEBIETE IM DIENSTE DER KLIMARETTUNG
ZERSTÖRT
Wissenschaftler und Umweltschützer warnen vor den Folgen des
Biosprit-Booms:
http://www.regenwald.org/regenwaldreport.php?artid=223
http://www.regenwald.org/regenwaldreport.php?artid=220
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/uk/article1909827.ece
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/asia/china/article1917927.ec
e

01.06.2007 (dm)
ÖKO-NIHILISMUS
Die Umweltpolitik wurde in den 70er und 80er Jahren zum erfolgreichsten
Politikbereich überhaupt. Aber gerade ihre eindrucksvollen Erfolge bei
der Reinhaltung der Gewässer und der Luft lockten die Umweltpolitik in
die Falle des Populismus, in eine von Katastrophenangst und Hysterie
getriebene mentale und tendenziell auch ökonomische Abwärtsspirale. Das
schreibt Edgar Gärtner in seinem neuen Buch "Öko-Nihilismus".

Mit anderen Worten: Als die Bekämpfung konkreter, messbarer Belastungen
von Wasser und Luft bereits große Fortschritte gemacht hatte, verlegte
sich die Politik im Namen des "Vorsorgeprinzips" auf die vorgeblichen
Bekämpfung hypothetischer Zukunftsprobleme wie dem als Bedrohung
empfundenen Klimawandel. Nur so glaubte sie, sich weiter auf der
Erfolgsschiene bewegen zu können.

Gärtner zeigt, dass die dem "Vorsorgeprinzip" zugrunde liegende
Denkfigur des Alles oder Nichts ein Kind des Kalten Krieges zwischen dem
mehr oder weniger marktwirtschaftlich verfassten Westen und der
Befehlswirtschaft des Ostens ist. Es ließen sich damit Investitionen
rechtfertigen, die sich, rein ökonomisch gesehen, nicht rechneten. Es
ging seinerzeit um den Fortbestand der westlichen Welt als solche, um
eine reale Bedrohung der Freiheit. Jetzt werde diese Logik jedoch auf
hypothetische Gefahren angewandt. Deshalb droht das Abgleiten in den
Nihilismus, meint Gärtner.

Nihilist sein heißt, irgendetwas für wichtiger zu erachten als das
menschliche Leben in Freiheit und Würde. Aktuelle Musterbeispiele dafür
sind ohne Frage islamistische Selbstmord-Attentäter. Weniger offenkundig
sei die nihilistische Tendenz bei manchen Klimaschützern und
Weltverbesserern. Doch auch sie stellen nicht selten fragwürdige Ziele,
wie den Schutz des "Weltklimas" über das Ziel der Bewahrung von Freiheit
und Menschenwürde. Sie nehmen dabei, so Gärtner, nicht nur in Kauf, dass
die Armen infolge der Verteuerung von Nahrung und Energie noch ärmer
werden, sondern verschlechtern auch allgemein die Voraussetzungen für
den Fortgang technischer Innovationen und des Wirtschaftswachstums.

Edgar L. Gärtner: Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie.
CFACT Europe, TvR Medienverlag, 2007. ISBN 978-3-00-020598-9. 284
Seiten. Preis Euro 24,50

09.05.2007 (dm)
ZWISCHENRUF VOM ZWISCHENWIRT
In einem Kommentar über die Steuerbegierden der Politik hat Peter
Gillies heute in DIE WELT eine sehr schöne Formulierung gefunden, die
mich fast neidisch macht: "Der Bürger ist jedoch mehr als ein
Zwischenwirt des Geldes auf dem Weg zum Finanzamt."

03.05.2007 GASTBEITRAG VON WOLF LOTTER

OFFEN GEGEN DEN HINTERHALT
Warum die Anonymität im Internet nur den Feinden der offenen
Gesellschaft nutzt

Das Internet ist frei und niemand kann es unter seine Kontrolle bringen.
Wer diesen Satz heute noch glaubt, ist naiv. Die freie Rede im Internet
ist bedroht. Schuld dran sind die, die sich nicht unter Kontrolle haben.
Nicht sinistre Geheimdienste und die Produkte anderer Hirngespinste
bedrohen die Freiheit im Internet, sondern jene, denen es schlicht an
Anstand und Mut fehlt, zu dem, was sie zu sagen haben, auch zu stehen.

Blogs und Foren sind mittlerweile der Tummelplatz anonymer
Heckenschützen. Längst sind es nicht mehr rechts- oder linksradikale
Spinner, die sich in Verschwörungstheorien, Verleumdungen und
Beleidigungen üben. Diese Leute haben der Masse an Schreibtischtätern,
die sich heute hinter Pseudonymen und Kürzeln verbergen, nur Pate
gestanden.

Ihre Sprache kennt keinen Respekt - ihr fehlt also die Grundlage jeder
Meinungsfreiheit. Dieser Sprache ist das Gegenteil eines demokratischen
Diskurses, in dem freie Bürger ihre Meinung und ihre Position
austauschen. Die kann, die soll kontrovers sein. Wer aber die Freiheiten
der Technologie dazu nutzt, andere zu denunzieren, zu verleumden und zu
diskreditieren, verzerrt dieses Recht bis zur Unkenntlichkeit. Solange,
bis es nichts mehr wert ist.

Nun behaupten jene, die die Anonymität im Internet verteidigen, ihre
freie Rede wäre gefährdet, wenn sie sich mit ihrem Namen dazu bekennen
würden. Sie würden Nachteile erleiden müssen. Wer so argumentiert,
spielt dem wachsenden Kontrollbedürfnis - etwa des Staates - erst recht
in die Hände. Denn aufseiten jener, die Kontrolle ausüben wollen, werden
stets die Beispiele angeführt, bei denen Anonymität dazu führt, dass die
letzten Hemmungen verloren gehen. Anonymität führt zum Generalverdacht
und, schlimmer noch, zur Bedeutungslosigkeit. Ein Netz, dessen Bewohner
weder Name noch Adresse haben, hat auch keine Stimme, wenigstens keine
ernstzunehmende, bleibt stumm und Spielball der Macht.

Womöglich wird man einwenden, die Forderung nach offener, nicht-anonymer
Debatte würde den Charme des Internet zerstören, die vielbeschworene
Subkultur des Untergründigen, auf das, warum auch immer, so viele stolz
sind. Ist es eine Ehre, sich in einem freiheitlich demokratischen System
verstecken zu wollen? Braucht es vielleicht Mut dazu? Ist es ehrenwert?
Oder doch nur Feigheit? Denkt nach, Heckenschützen. Oder könnt ihr nicht
argumentieren? Fehlen euch Mut und Argumente? Dann wäre es doch auch mal
in Ordnung, einfach die Klappe zu halten, meint ihr nicht?

Pseudonyme mögen in Diktaturen nötig sein. Wer sie in Demokratie
verwendet, schadet der offenen Gesellschaft. Die Freiheit der Rede, zu
der Redlichkeit, Anstand und Fairness gehören, leidet darunter. Die
Freiheit des Wortes hat nur dann Gewicht in einer Demokratie, wenn sie
von real existierenden Bürgern wahrgenommen wird. Blog-Heckenschützen
und anonyme Diskutanten vermögen so wenig zu verändern wie vermummte
Chaoten oder heimliche Brandstifter und nächtliche Schlägertrupps. Sie
sind, was sie sind: Feige Gewalttäter. Ein Bürger hat einen Namen.
Dieses Herkunftszertifikat garantiert echte Haltung.

Das Internet ist frei, solange wir uns unter Kontrolle haben. Wo
demokratische und liberale Grundhaltungen fehlen, herrscht bald
Bunkermentalität. Aus Bunkern sieht man schlecht. Aus dünnen Schlitzen
wird deshalb fest draufgehalten auf alles, was ausserhalb der eigenen,
kleinen, verengten Meinungswelt existiert.
So führt die Anonymität zum Gegenteil der Freiheit: Sie führt zur
Meinungswillkür, zur Ahnungslosigkeit, zum selbstgewählten Authismus.

Derlei ist nicht schützenswert, sondern gefährlich. Anonymität fördert
die Feigheit und stützt alle jene, die gegen eine offene Gesellschaft
sind. Eine offene Gesellschaft erträgt unterschiedliche Meinungen und
Positionen. Feigheit aber ist die Vorhut der Tyrannen, sie ist ihre
stärkste Legion.

Die offene Rede ist ein Bürgerrecht, im Internet und anderswo, aber
beides taugt nichts, wenn Anonymisierung und Pseudonym den Gehalt der
offenen Rede entwerten. Wer ohne Name schreibt und spricht, ist nicht
fasslich für berechtigte Kritik und für Gegenrede. Wie soll unter diesen
Bedingungen Wissen geteilt werden? Wie soll sich Wissen verbreiten, wenn
es unter der Narrenkappe der anonymen Gleichgültigkeit auftaucht? So ist
das Pseudonym im Web auch der Klassenfeind der Wissensgesellschaft.

Das Recht auf offene Rede ist wichtiger als jenes auf Camouflage.
Dieses Recht ist zu verteidigen, es ist in der Tat nie gesichert. Ganz
bestimmt aber wird es nicht gestützt durch Feiglinge, die nicht wissen
wollen, was Zivilcourage bedeutet: Das ist der Mut der Anständigen.

Wie wäre es stattdessen, die Kräfte darauf zu verwenden, all jenen, die
die freie Rede sanktionieren, entgegenzutreten, mit Name, Adresse und
dem dafür nötigen Mut? Dazu gäbe es reichlich Anlass, viele
Möglichkeiten, gerade im Internet. Hasenfüsse haben wir schon genug.

Feedback bitte nicht an achgut.de sondern direkt an Wolf Lotter:
post@wolf-lotter.de

28.04.2007 (mm)
DDT-EINSATZ REDUZIERT MALARIA-TODESFÄLLE IN SÜDAFRIKA UM 73 PROZENT
Auszug aus einer dpa-Meldung vom 25. April 2007: ...DDT hat in Südafrika
nach Regierungsangaben maßgeblich zur Reduzierung der Malaria
beigetragen. "DDT ist ein überaus wichtiges Insektizid beim Kampf gegen
die Malaria", betonte Bony Malobo vom nationalen Gesundheitsministerium.
Zum Afrika-Malaria-Tag am Mittwoch erklärte sie im südafrikanischen
Rundfunk, die Zahl der Malariafälle habe sich seit Beginn des
DDT-Einsatzes mehr als halbiert, die Zahl der Todesfälle durch die von
Stechmücken übertragene Krankheit sei um 73 Prozent gesunken. Südafrika
gehört ebenso wie das Nachbarland Mosambik zu den Ländern im Südlichen
Afrika, die entgegen der Bedenken von Umweltschützern großflächig DDT im
Kampf gegen die Stechmücken einsetzen. Malaria gilt als eine der
wichtigsten Todesursachen in Afrika. Ihr fallen vor allem Kinder zum
Opfer...
Ich frage mich, wann die Millionen Malariatoten, die auf das Konto
grüner Ideologie gehen, endlich mal zu einem Thema in der europäischen
Öffentlichkeit werden.

DAS KLIMA ALS SÜNDENBOCK

Exklusiv für DIE FROHE BOTSCAFT eine kleine Kostprobe aus Dirk Maxeiners
neuem Buch "Hurra, wir retten die Welt! Wie Politik und Medien mit der
Klimaforschung umspringen".

...Shishmaref ist ein kleines Dorf in Alaska mit rund 500 Ureinwohnern.
Der Ort liegt auf einer winzigen Insel, 400 Meter breit und vier
Kilometer lang. Die kleinen Häuser wurden überwiegend mit
US-Staatsgeldern nahe am Strand gebaut, sie bestehen überwiegend aus
Holz. 1997 riss eine Sturmflut einen Landstreifen am Rand des Dorfes weg
und einige Häuser blieben halb gekippt an der Abbruchstelle liegen. Die
Bilder gehen seitdem um die Welt. Die Einwohner von Sishmaref gelten
als Opfer der globalen Erwärmung. Das Meer friert später zu als in
vergangenen Jahrzehnten und ist den Fluten deshalb ungeschützter
ausgeliefert. Deshalb sollen die Einwohner in ein sicherer gelegenes
neues Dorf umziehen. Nicht alle sind darüber unglücklich, weil es bisher
zum Beispiel kein fließendes Wasser gibt. Für Aktivisten und Medien ist
Shishmaref jedoch ein Menetekel der globalen Erwärmung: Hier könne man
die ersten "Klimaflüchtlinge" besichtigen.

Ortswechsel. "Wenn es keine Pumpen gäbe, dann stünde bei uns alles unter
Wasser," sagt der Ureinwohner, "das ganze Gebiet würde absaufen." Er
lebt in einer unheimlichen Region. Häuser neigen sich und bekommen tiefe
Risse, Bäche fließen rückwärts, Straßen sinken, Wälder verwandeln sich
in sumpfige Seen. Menschen müssen ihre Häuser verlassen und umgesiedelt
werden, ganze Ortschaften werden zu Geisterstädten.

Befinden wir uns auf einer versinkenden Südseeinsel? In einer
sibirischen Permafrost-Region? Nein, der Mann heißt Klaus Wagner und
steht auf einem Deich am nördlichen Rand des Ruhrgebietes.
Altendorf-Ulfkotte ist ein Stadtteil der nordrhein-westfälischen
Bergbaustadt Dorsten. Über einen Kilometer unter der Erde wird hier
Steinkohle abgebaut. Der Boden versinkt, doch das Grundwasser sinkt
nicht mit. 177 Pumpen sind im Betrieb, sonst würden rund 800
Quadratkilometer im alten Bergbaurevier geflutet. 2005 hat auch noch die
Erde angefangen zu beben, stärker und häufiger als je zuvor, 488
Erschütterungen wurden alleine 2006 registriert. Jährlich werden in
Nordrhein-Westfalen und im Saarland 50.000 Schäden durch den
Steinkohle-Untertagebau gemeldet. Gutachter schätzen die Schadensumme
zwischen 13 und 40 Milliarden Euro. Im saarländischen Fürstenhausen
stehen 727 Gebäude, davon sind 725 beschädigt. 449 gelten als sogenannte
"Schieflagen", 91 als Totalschaden. Große Schlagzeilen macht das nicht,
die Öffentlichkeit interessiert sich dafür nur in der Region selbst.

Weltweit werden Millionen von Menschen durch die Kohleförderung oder den
Bau von Talsperren aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben. Umsiedlung
in großem Stil ist längst Alltag auf dem Planeten - und oft genug ein
Skandal. Doch die Weltöffentlichkeit nimmt davon sehr viel weniger
Notiz, als vom Schicksal der Einwohner von Shishmaref. Sicherlich darf
man die Probleme, vor die die Menschen in den arktischen Regionen
gestellt werden, nicht einfach abtun. Der Klimawandel kann die
Jagdgewohnheiten der Inuit beinträchtigen, am Rande der
Permafrostregionen richten mildere Temperaturen Schäden an Gebäuden und
Strassen an. Dennoch geraten die tatsächlichen Probleme der Menschen
durch die Fixierung auf das Klima vollkommen aus dem Blick. Die sind
nämlich viel stärker sozialer und ökonomischer Natur.

Die Klimakatastrophe als Ausrede für staatliches oder gesellschaftliches
Versagen ist ganz groß im Kommen. So haben die kanadischen Inuit eine
deutlich geringere Lebenserwartung als die übrigen Bewohner des Landes,
sechs mal so häufig Tuberkulose, die Arbeitslosigkeit ist viermal so
hoch, der zahlreiche Nachwuchs erreicht selten eine höhere Schulbildung.
Alkoholismus, Depression und Gewalt sind an der Tagesordnung - und dies
schon seit Jahrzehnten. Keine ethnische Gruppe in der ganzen westlichen
Welt hat eine so hohe Selbstmordrate wie die Inuit. Die Gründe dafür
sind vielschichtig, vor allem ist es nicht gelungen, den jungen
Ureinwohnern eine vernünftige Ausbildung und Perspektiven zu geben. Doch
anstatt über sozial- und strukturpolitische Versäumnisse zu reden,
zeigen die Verantwortlichen lieber auf den Klimawandel. Der Niedergang
der Inuit-Kultur begann jedoch lange bevor die Temperaturen anstiegen.
Mehr und mehr bildet sich auf der Welt ein Klima-Determinismus heraus,
der für seit langem bekannte Missstände eine bequeme neue Begründung
liefert....

Auszug aus: "Hurra, wir retten die Welt! Wie Politik und Medien mit der
Klimaforschung umspringen." Von Dirk Maxeiner. WJS-Verlag, 220 Seiten.
19,90 Euro (D) 20,60 Euro (A) 34,90 Franken (CH). ISBN
978-3-937989-29-7.

Das Buch erscheint Anfang September 2007 und kann beispielsweise hier
schon bestellt werden:
http://www.amazon.de/Hurra-wir-retten-die-Welt/dp/3937989293

Mehr zum Buch hier:
http://www.wjs-verlag.de/site/reload.html?../buch/Hurra,-wir-retten-die.
html

Zum Abschluss noch zwei Zitate aus dem Jüdischen Kalender 2007 - 2008,
der in Kürze erscheint:

"Sehen Beirut und Damaskus, Kairo und Gaza eines Tages aus wie Tel Aviv,
ist Europas Freiheit sicher; sieht Tel Aviv aus wie Teheran oder gar
Hiroshima - na, dann kaufen Sie Ihrer Frau schon mal eine Burka und
melden Sie ihr Kind zur Koranschule an."
Alan Posener

"Zwischen zwei Stühlen zu sitzen, ist in Wahrheit der anständigste
Platz, den es gibt."
Moritz Heimann, Schriftsteller und Lektor 1868-1925)

Jüdischer Kalender 2007-2008
Herausgegeben von Henryk M. Broder und Hilde Recher. Informativ,
kritisch, aktuell. Ein Lesebuch mit zirka 400 Zitaten und Texten aus
deutsch-jüdischer Kultur, Politik und Geschichte. Mit Schabbatzeiten und
Wochenabschnitten. 25. Jahrgang, 288 Seiten. Euro 9,90.
Hier bestellen:
http://www.oelbaum-verlag.de/