Wortmarke Maxeiner und Miersch

 

Cover Öko-Optimismus - Taschenbuchausgabe
Vergriffen. Nur noch
antiquarisch erhältlich


Wissenschaftsbuch
des Jahres 1996

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dogmatischer
Pessimismus hat der
Umweltbewegung ihre
Dynamik genommen.

 

Öko-Optimismus

Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch

Hardcover:
Metropolitan Verlag,
Düsseldorf 1996
ISBN 3-89623-018-2
342 Seiten
24,95 Euro

Taschenbuch:
Rowohlt Taschenbuch Verlag,
Reinbek 1999
ISBN 3-49960-740-9
416 Seiten
Vergriffen. Nur noch antiquarisch erhältlich.

 

Aus dem Vorwort

Suchen Sie ein paar bequeme Ausreden, um Energie zu verschwenden? Brauchen sie Argumente, um die Natur zu plündern? Wollen Sie eine Bestätigung dafür, daß sich alle Umweltprobleme von selbst erledigen? Dann können sie Öko-Optimismus getrost beiseite legen. Wenn Sie jedoch wissen wollen, wie engagierte Bürger, Unternehmer und Politiker ökologische Erfolge erzielen, wie Umweltprobleme in der Vergangenheit und Gegenwart gelöst wurden und wie wir alle schon in naher Zukunft im Einklang mit der Natur leben werden, dann lesen Sie.

Wer in den technikbegeisterten fünfzigerer und sechziger Jahren vor den Folgen des industriellen Fortschritts warnte, wurde verlacht oder beschimpft. Heute hat sich die Situtaion umgekehrt: Wer bezweifelt, daß die technische Zivilisation direkt in den Abgrund führt, wer Umweltprobleme im besten Sinne der Aufklärung für lösbar hält, wer an ein besseres Morgen glaubt, dem weht der Wind des Zeitgeistes hart ins Gesicht. Beflissen wird der Unruhestifter in Schubladen gesteckt: So einer kann nur von der Industrie gekauft sein, ein pathologischer Schönfärber oder bestenfalls ein Naivling.

Doch alle sozialen Reformen der Geschichte, jeder politischer Fortschritt, jede technische Verbesserung wurden von Menschen verwirklicht, die an die Zukunft glaubten. Wer die Apokalypse erwartet, verändert die Welt nicht.

Dogmatischer Pessimismus hat der Umweltbewegung ihre Dynamik genommen. Viele stecken in einem düsteren Gedankengefängnis, in das sie sich selbst eingesperrt haben. Es ist Zeit auszubrechen und die besseren Argumente neu zu erringen. Dafür müssen verhärtete Vorurteile, Denkverbote und Tabus geknackt werden. "Der einzige Weg der Natur beizustehen, liegt darin, ihr scheinbares Gegenteil zu entfesseln, das unabhängige Denken," schrieb Max Horkheimer.

Ökologische Untergangsszenarien stimmen immer weniger mit den Fakten überein. Stück für Stück demontiert die Wirklichkeit die Katastrophen-Prognosen der Vergangenheit. Das Ökosystem Erde ist offensichtlich stabiler als vielfach angenommen. Hinzu kommen die Erfolge praktischen Umwelt- und Naturschutzes: Manche Flüsse, Wälder und Tierarten erholen sich in einem geradezu atemberaubendem Tempo.

Viele Umweltschützer reagieren auf den eigenen Erfolg nicht etwa mit Freude, sondern mit Erklärungsnotstand. Ökologische Fortschritte wollen sie nicht zur Kenntnis nehmen. Reflexartig halten sie an vertrauten Denkmustern fest und schüren aus alter Gewohnheit Katastrophenängste. Dabei verlieren sie rapide an Glaubwürdigkeit und setzen fahrlässig ihren Einfluß aufs Spiel. Was wurde zum Beispiel aus dem Waldsterben? Alle wissen mittlerweile, daß es ein Mythos war. Doch anstatt offen darüber zu reden, wechseln grüne Gralshüter lieber Wörter aus. Statt "Waldsterben" heißt es jetzt "Waldschäden". Wie einst in Moskau kann man die aktuelle Parteilinie nur anhand abgewandelter Formeln erahnen.

Die Ökologiebewegung ist zweifellos historisch auf der richtigen Seite, doch sie hat Probleme mit der Gegenwart. Viele ihrer Protagonisten haben nicht begriffen, daß der Zug in Richtung Umweltschutz längst angestoßen ist, erfreulich rasant fährt, und nur noch mit gewaltigen Anstrengungen anzuhalten wäre. Keine soziale Bewegung des 20. Jahrhunders erzielte auch nur annähernd so schnell Erfolge, wie die Umweltbewegung.

Umweltbewußtsein ist weltweit eine treibende Kraft geworden. Erstmals in der Geschichte der Menschheit wurden globale Umweltabkommen beschlossen, die für alle Nationen verbindlich sind. Im Falle des FCKW-Verbots gelang dies sogar in erstaunlich kurzer Zeit. Ökologie überwindet Grenzen. Dieser große gesellschaftliche Umschwung ist dauerhaft und unabhängig von tagespolitischen Zickzackbewegungen. Die Luftqualität in den USA wurde in den achtziger Jahren besser, obwohl Ronald Reagan regierte, der behaptete, Bäume verschmuzten die Umwelt mehr als Autos.

In Deutschland sind die atomare Wiederaufbereitung und die Brütertechnologie vom Tisch. Kein Atomkraftwerk wurde mehr gebaut, der Energieverbrauch sank. Das Müllaufkommen veringert sich, die Flüsse und die Luft sind reiner, verloren geglaubte Tierarten kehren zurück und die Liste der verbotenen und ausgemusterten Gifte in Landwirtschaft und Industrie wird immer länger. In anderen westlichen Staaten geht der Trend in die gleiche Richtung und sogar einige Entwicklungsländer erzielten bemerkenswerte Erfolge im Umwelt- und Naturschutz.

In den neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts hat die Abkehr von den fossilen Energieträgern begonnen. Große Mineralölkonzerne investierten Milliardenbeträge in die Solarenergie. Bei den Autoherstellern setzte ein Wettlauf um neue Antriebskonzepte eing(Brennstoffzelle, Wasserstofftechnik). Sie wollen noch vor 2010 völlig abgasfreie Autos in großer Serie auf den Markt bringen.

Die Effizienz-Revolution schreitet zügig voran: Für tausend Mark Bruttosozialprodukt wurden Mitte der neunziger Jahre in Deutschland nur noch etwa halb soviel Rohstoffe und Energieträger verbraucht wie 1960. Der Energieverbrauch der Industrie schrumpfte in Relation zum Bruttosozialprodukt sogar um zwei Drittel.  Selbst China verbraucht, wie eine aufsehenerregende UN-Studie herausfand, für eine Tonne Produktionsausstoß Ende der neunziger Jahre nur noch halb soviel Energie wie 1980 (!). Je später ein Land im historischen Zeitablauf in den Industrialisierungsprozess eintritt, desto schneller wird die Wohldstandsentwicklung vom Ressourcenverbrauch abgekoppelt. "Dies hat geringere Umweltschäden zur Folge als aus historischen Erwartungen und Extrapolationen zu erwarten", schreibt der Ökonom Martin Setzer in einer 1998 veröffentlichten Studie.

Von einem ökologischen Rollback (wie er bei der Erstauflage von Öko-Optimismus vielfach vorausgesagt wurde) kann nun wirklich keine Rede sein. Schon gar nicht in Deutschland: Die Grünen wurden Regierungspartei, Atomausstieg und Ökosteuer offizielles Programm. Der von Greenpeace seinerzeit als "Klimakiller" gescholtenene Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch brachte das erste Dreiliterauto auf den Markt. Dies und vieles andere haben wir 1996 zutreffend vorausgesagt.

So wie es derzeit ausssieht, tun die Ingenieure erheblich mehr für die Umwelt als die Ideologen. Für letztere kommt so manche Umweltentlastung früher, als sie es gebrauchen können. In romantischem Schwermut verteufeln sie daher die Technik. Doch das Doppelgesicht des Fortschritts ist kein Verhängnis des Industreizeitalters. Allein schon durch den Gebrauch des Feuers konnten schon steinzeitliche Kulturen ihre Umwelt von Grund auf verändern, und taten dies auch.

Fast alle technischen Neuerungen der letzten Jahre führten zu mehr Energieeffizienz, geringerem Ressourcenverbrauch und weniger Müll. Es gibt keinen fundamentalen Gegensatz zwischen dem Künstlichen und dem Natürlichen. Der Mensch ist eine überaus erfolgreiche Art, die —  wie Ameisen oder Elefanten — ihre Umwelt gestaltet. Diese Gestaltungskraft kann zerstörerisch werden. Wenn wir jedoch unseren Verstand benutzen, wird die technische Zivilisation im Einklang mit Wäldern und Walen, Seen und Savannen existieren.

Öko-Optimismus will die konstruktive Zusammenarbeit mit den Kräften der Natur. Öko-Optimismus setzt kritischen Verstand gegen romantische Düsterkeit. Öko-Optimismus will konkrete Lösungen statt selbstgefälliger Symbolpolitik. Dieses Buch ist ein Plädoyer für mehr Pragmatismus und Zuversicht in der Umweltdebatte. Lassen wir die Endzeitpropheten in ihrem Gedankennebel stehen und wenden wir uns der ökologischen Zukunft zu. Menschliche Phantasie und Erfindungsgabe halten noch viele Überraschungen für uns bereit.

 

Inhaltsangabe und Kritiken
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