StandpunkteEnergiesparen Hintergrund:
Stand byvon Dirk Maxeiner
und Michael Miersch Wann immer es in Deutschland um Energiepolitik oder Klimaschutz
geht, hat ein handliches kleines Kästchen seinen großen Auftritt:
Die Fernbedienung des Fernsehers und die damit verbundene Stand-by-Schaltung.
Wenn wir dem geballten wissenschaftlichen und politischen Sachverstand
folgen, dann hängt das Schicksal des Planeten unmittelbar von diesem
Gerät ab. Weil der Deutsche in seinem Sessel lümmelt und zu
faul ist zum Einschalten der Glotze aufzustehen, treten Flüsse über
die Ufer und wüten Stürme. Ja sogar von der Atomkraft sind
wir nur deshalb abhängig, weil der Fernbedienungs-Junkie zu viel
Strom verbraucht. Wie sehen die Fakten aus? Zunächst: Selbst wenn alle Radio- und Fernsehgeräte in Deutschland auf Stand-by betrieben würden, ergäbe dies allenfalls den Bruchteil des Strombedarfs, den ein großes Kraftwerk deckt. Es gibt zudem keine verlässlichen Daten darüber, ob der Standy-by-Modus tatsächlich genutzt wird. Angesichts hoher Strompreise dürften viele längst darauf verzichten. Tun wir auch, ist ja nur vernünftig. Allerdings: Audio- und Videoanlagen machen nur einen Teil der Geräte aus, die ständig unter Strom stehen. Es kommen Dinge wie Telefon oder Fax hinzu, die naturgemäß immer betriebsbereit sein sollen. Auch Computer haben einen wachsenden Anteil am Stand-by-Verbrauch. Was Viele allerdings nicht wissen, und was zu recht kritisiert wird: Viele Haushalts-Geräte sind nur scheinbar ausgeschaltet, verbrauchen aber konstruktionsbedingt munter weiter Strom, solange der Stecker in der Dose steckt. Der Besitzer merkt es allenfalls auf der Stromrechnung. Insgesamt kann durch Schein-Ausschaltungen und Bereitschafts-Modi etwa 15 bis 20 Prozent des häuslichen Stromverbrauchs zusammen kommen und das ist kein Pappenstiel. Im richtigen Leben ist es dennoch in vielen Fällen nicht ohne weiteres möglich, auf alle derartigen Geräte zu verzichten. Um Missverständnisse zu vermeiden: Wir finden es vollkommen richtig, Stand-by Schaltungen nicht pausenlos zu aktivieren. Wir finden es auch richtig, Strom zu sparen und beim Gerätekauf auf niedrigen Verbrauch zu achten. Was wir vollkommen falsch finden, ist dieses Sparpotential als Argument für den Ausstieg aus der Atomenergie anzuführen. Wer so argumentiert löst in keiner Weise das Problem unserer beunruhigenden Abhängigkeit von importierten Energieträgern aus unsicheren Weltgegenden. Er betreibt stattdessen Placebo-Politik. Die Antwort kann doch nur heißen: Sparen - ja! Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke - ja! Regenerative Energien - ja! Was soll das Gegenrechnen, wie wäre zur Abwechslung mit Addieren? 30 Prozent Atomstrom, plus vielleicht irgendwann 20 Prozent regenerative Energie, plus 10 Prozent Sparen: Macht 60 Prozent abgasfreie Unabhängigkeit. Unter diesen Umständen wären wir auch bereit, die gigantischen Stand-by Geräte zu akzeptieren, die uns staatlicherseits zwangsverordnet wurden. Gemeint sind jene Kraftwerke, die sofort einspringen und das Netz vor dem Absturz bewahren müssen, wenn den Windrädern irgendwo die Puste ausgeht. Zum Windkraft-Stand-by wird übrigens auch Atomstrom herangezogen. Nach Gabriels Logik nach müsste die Parole lauten: Wenn wir alle unsere Windräder stilllegen, könnten wir ein AKW abschalten! Das bringt uns nicht wirklich weiter. Wir möchten deshalb für ein neues Miteinander von Atom und Windrad plädieren. Die feierliche Hymne dazu haben wir auch schon. Sie stammt von Ben E. King, wurde unter anderem von John Lennon gesunden und heißt "Stand by me": When the night has come
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