StandpunkteAnmaßende Klimaforschung Hintergrund:
Beim Barte des Prophetenvon Dirk Maxeiner
und Michael Miersch Der Winter war lang, kalt und keiner hat ihn vorhergesagt. Auch die Heizölrechnung mag so gar nicht zur globalen Erwärmung passen. Die Klima-Kassandras hatten ein vorübergehendes Glaubwürdigkeitsproblem und schwiegen. Jetzt kommt endlich der Frühling, es wird wärmer und im Garten blühen erste Narzissen und Primeln. Und sofort sind auch die Alarmglöckchen wieder da und bimmeln. Das Deutsche Klimarechenzentrum in Hamburg hat seinen neuen Supercomputer angeworfen und 432 Billiarden Rechenoperationen ausgeführt. Heraus kam die "Wetterkarte der Zukunft" (BILD), denn es lassen sich Temperatur, Wind, Niederschlags- oder Sonneneinstrahlungswerte aus der ganzen Bundesrepublik auf den Bildschirm holen. "Und das für jede Stunde bis ins Jahr 2100", so die Forscher. Das Bundesumweltamt veranstaltete eine Pressekonferenz, Boulevardblätter und Nachrichtenmagazine veröffentlichten kreative Wetterkarten anno 2100 mit eher trüben Aussichten. In den Alpen "Schneeschmelze", im Großraum Leipzig "Starkregen", im Südwesten "Steppendürre" im Osten "Wüstensonne", an Nord- und Ostsee "Mittelmeerklima". Für Hamburg und Kiel hatten wir persönlich ja eigentlich mit hoher Feuchtigkeit gerechnet, weil sie bis dahin doch eigentlich sechs Meter unter dem Meeresspiegel liegen sollten. Aber Schwamm drüber, Mittelmeerklima ist auch hübsch. Miersch versuchte sofort für künftige Urenkel ein Doppelzimmer in Kühlungsborn zu buchen, August 2087. Maxeiner dagegen hat eine für Mai 2050 gebuchte Städtetour nach Berlin abgesagt. "Der Mai verspricht für Berlin wenig Gutes. Es wird viel regnen, über 20 Prozent mehr als normal", schildert der SPIEGEL den Hauptstadt-Mai 2050 und eine Meteorologin prophezeit "Die Sonne macht sich rar". Unschlüssig sind wir lediglich, wo wir im kommenden August die Ferien verbringen sollen. Das Wetter in 100 Tagen schafft der Supercomputer leider noch nicht. Je näher der Zeitpunkt einer Vorhersage, desto schwieriger wird sie, wir ahnten das schon. Nun wollen wir hier keine kleinliche Kritik üben, sondern die Wissenschaft durch interdisziplinäre Denkansätze bereichern. Voraussagen für 2050 oder 2100 können nämlich auch andere, beispielsweise Frank Schirrmacher. Und wenn wir dessen "Methusalem-Komplott" trauen dürfen, dann wird es in Brandenburg, Meck-Pomm, Thüringen, Pfälzer Wald und Hunsrück dann nicht nur sehr trocken sein, sondern auch sehr einsam. Denn in den demographisch entvölkerten ariden Gebieten werden unsere Kinder wieder "Zeitgenossen der Wölfe". Die Frage ist nun, wie die dort hypothetisch einwandernden Wölfe mit den dort hypothetisch herrschenden Temperaturen zurechtkommen. Eine echte Aufgabe für den WWF! Ansonsten haben die Deutschen im Sinne des vorbeugenden Klimaschutzes beschlossen auszusterben. 2050 werden wir laut Methusalem-Komplott bereits "12 Millionen Menschen verloren haben - das sind mehr als die Gefallenen aller Länder im ersten Weltkrieg". Den Skiliftbetreibern in den Alpen werden also erst die Kunden und dann der Schnee ausgehen. "Die Daten helfen, das Land möglichst schnell auf das sich wandelnde Klima einzustellen," sagt das Bundesumweltamt über die neuen Klima-Berechnungen. Aber nicht doch, Deutschland hat sich längst eingestellt. Schlagt nach bei Schirrmacher: Das Land wird unbewohnt sein, bevor es unbewohnbar wird, was soll also die Aufregung. Nun gibt es in letzter Zeit auch die anders geartete Prognose, dass Deutschland im Jahr 2100 eine gut bevölkerte islamische Republik sein wird. Auch das schreit nach interdisziplinären Ansätzen. Denken wir nur an den verwerflichen westlichen Lebensstil. Ist der Koran in dieser Hinsicht pädagogisch nicht viel wirksamer als das Kioto-Protokoll? Und schützt eine Burka nicht viel effizienter vor der sengenden Ostseesonne als ein Bikini? Und die Räume des Deutschen Klimarechenzentrums könnte in eine Moschee überführt werden. Es würden also lediglich die Propheten wechseln.
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