Wortmarke Maxeiner und Miersch

Standpunkte

Minderheitenschutz absurd

Hintergrund:
Die scharz-rote Koalition winkte ein absurdes Anti-Diskriminierungsgesetz durch, dass vom wahrhaft grünen Geist der Weltverbesserung beseelt ist.

 

Heute schon diskriminiert?

von Dirk Maxeiner und Michael Miersch

Erschienen am 19.05.2006 in DIE WELT

Wir befinden uns im Zustand gehobener Vorfreude und können den großen Moment kaum erwarten: Jenen Tag, an dem in Deutschland endlich das neue Gleichbehandlungsgesetz in Kraft tritt. Dann ist Schluss mit lustig und wir beide machen richtig Karriere! Als erstes wird sich Miersch bei der Fraktion der GRÜNEN als Pressesprecher bewerben. Und die haben dann ein echtes Problem, denn ablehnen können sie ihn eigentlich nicht. In dieser Kolumne wurde regelmäßig über die grüne Partei und ihr Führungspersonal abgelästert, was auf eine gewisse Weltanschauung schließen lässt. Nun ist diese garantiert nicht die von Renate Künast, aber das ist ja genau der Trick: Wenn Frau Künast Herrn Miersch als Pressesprecher ablehnt, dann handelt es sich um eine Diskriminierung aufgrund einer Weltanschauung und ist strafbar. Sollten sich die Grünen herausreden wollen, indem sie Miersch als zu alt oder geistig erstarrt bezeichnen, dann ist dies eine Diskriminierung entweder aufgrund des Alters oder einer Behinderung, was künftig ebenfalls direkt vor den Kadi führt. Sie können allenfalls behaupten, Miersch sei zu teuer, aber da haben sie sich gewaltig geirrt: Diesen Job macht er auch umsonst, als Lohn genügt der Unterhaltungswert!

Maxeiner wird sich derweil bei der örtlichen Karstadt-Filiale als Verkäufer in der Abteilung Damenunterwäsche bewerben und auch seine Anstellung ist beinahe zwangsläufig. Der Hinweis des Personalchefs, dass sich die Kundinnen dieser Abteilung lieber von einer Verkäuferin beraten lassen, führt nämlich direkt hinter Gitter, weil es sich um eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes handelt. Auch Maxeiner ist bereit umsonst zu arbeiten, siehe Unterhaltungswert. Unser Aufstieg in völlig neue Tätigkeitsbereiche ist praktisch nicht zu verhindern, jetzt müssen wir nur noch sehen, wo die Kohle herkommt.

Aber auch da hilft uns das wunderbare neue Gesetzeswerk: Wir gründen nämlich einen antidiskriminatorischen Abmahnverein und werden in kürzester Zeit steinreich. Deutschland steht eine echte Gründerwelle bevor. Die Geschäftsidee ist ganz einfach: Einkommen durch außergerichtliche Abfindungen! Zunächst schicken wir Oma auf einen Töpferkurs und bitten Sie dann bei der Sparkasse ein kostenloses Girokonto für Auszubildende zu eröffnen. Sollte die Bank das Ablehnen, ist das ein klarer Fall von Altersdiskriminierung und wir klagen. Ihren Enkel platzieren wir derweil undercover in Omas Stammlokal, wo er den Seniorenteller bestellt und garantiert nicht bekommt. Wieder ein klarer Fall von Alterdiskriminierung und zack: Die nächste Abfindung winkt. Wir sehen in diesem Bereich hervorragende Verdienstmöglichkeiten für studentische Aushilfskräfte und rüstige Rentner.

Als Arbeitgeber eines florierenden Antidiskriminierungsunternehmens nehmen wir selbst das neue Gesetz völlig gelassen - weil wir ja jeden beschäftigen: Alt, jung, schwarz, weiß, braun, rot, katholisch, muslimisch, hetero, homo - als Diskriminierungsopfer kommt praktisch jeder in Frage. Es ächtet Benachteiligung aufgrund von Rasse, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung und sexueller Orientierung. In Deutschland leben somit mehr als 80 Millionen potentielle Diskriminierer, die in Teilzeit zugleich das Diskriminierungsopfer geben. Täter und Opfer sind in fröhlicher Tateinheit die Selben.

Ähnlich wie die Eintreiber der Rundfunkgebühren wird ein Heer freischaffender Diskriminierungsagenten ins Land hinausschwärmen und die geringste Abweichung vom Gleichheitsgrundsatz den Gerichten zuführen, wo ebenfalls viele neue Arbeitsplätze entstehen. Gewerkschaften und Verbände dürfen sogar stellvertretend die Gerichte anrufen, ohne dass angebliche Opfer dies wollen. Das Gleichschaltungsgesetz - pardon Gleichbehandlungsgesetz - ist somit das erste innovative Beschäftigungsprogramm nach Art der großen Koalition. Frau Merkel Sie sind genial!