StandpunkteDiakonie Hintergrund:
Die unbarmherzigen Samaritervon Dirk Maxeiner
und Michael Miersch Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit hat die Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe letzte Wochen eine Entscheidung getroffen, die erheblichen Einfluss auf die ärmsten Länder der Erde haben könnte. Frau Cornelia Füllkrug-Weitzel verfügte, gentechnisch verändertes Getreide dürfe künftig nicht mehr für die Hungerhilfe eingesetzt werden. Schlimmer noch: Auch wenn solche verbesserten Getreidesorten auf lokalen Märkten angeboten werden, sollen Helfer sie boykottieren. Hilfsorganisationen sind in Entwicklungsländern ein Machtfaktor, der erheblichen Einfluss auf Regierungen hat. Die Diakonie Katastrophenhilfe nimmt 34,5 Millionen Euro im Jahr an Spenden, Zinsen und öffentlichen Mitteln ein. Damit kann man in Haiti oder Äthiopien ziemlich selbstbewusst auftreten. Saturierte deutsche Protestanten, die gern bei "Manufactum" und im Ökoladen einkaufen, exportieren ihre Fortschrittsverachtung. Und dies im Namen der Nächstenliebe. Es ist nicht das erste mal, dass die Macht von ideologisierten Hilfsorganisationen Schaden anrichtet. In Simbabwe, Sambia und Angola gelang es Anti-Gentechnik-Aktivisten die Regierungen so zu verunsichern, dass sie gespendeten Mais aus den Vereinigten Staaten nicht an die Not leidende Bevölkerung weitergaben, weil er - wie aller Mais aus Amerika - auch gentechnisch veränderte Sorten enthielt. Noch viel mehr Menschenleben kostet der von grünen Aktivisten und ihnen hörigen Regierung verordnete DDT-Boykott. Überall wo bei der Malariabekämpfung auf das potente Insektengift verzichtet wurde, stieg die Zahl der Toten rasant an. Hunderttausende afrikanischer Kinder könnten noch leben, wenn nicht westliche Eliten den Öko-Popanz DDT aufgebaut hätten. Überall wo sie es dürfen nutzen Millionen von Kleinbauern die gentechnisch verbesserten Pflanzensorten, mit denen sie Geld für Spitzmittel sparen und höhere Erträge erzielen. Als die brasilianische Regierung noch gegen Gentechnik eingestellt war, schmuggelten die Farmer das optimierte Saatgut aus Argentinien. Aber das deutsche Diakonische Werk weiß natürlich besser, was für die Menschheit gut ist. In seiner Erklärung heißt es: "Wissenschaftliche Studien geben derzeit keinen Aufschluss darüber, ob genmanipulierte Organismen schädlich für die menschliche Gesundheit sind." Wo waren die Verfasser im Mai, als die Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften klar und deutlich erklärte: "Kampagnen gegen grüne Gentechnik entbehren wissenschaftlicher Grundlage. Grüne Gentechnik bietet für die Entwicklungsländer große Chancen. Lebensmittel aus geprüften, gentechnisch veränderten Kulturpflanzen sind sicher für Mensch und Tier. Sie sind keine Gefahr für die Umwelt." Wo waren sie im Jahr 2004, als sie Amerikanische Akademie der Wissenschaften resümierte: "Bis heute wurde kein nachteiliger Gesundheitseffekt der Grünen Gentechnik auf den Menschen dokumentiert. Es ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt, Produkte allein nach der Züchtungsmethode zu beurteilen." Selten urteilen Wissenschaftler so einhellig und klar. Aber man kann natürlich auch beim nächsten Greenpeace-Campaigner anrufen. Die Politik der Diakonie Katastrophenhilfe steht jenseits aller wissenschaftlichen Vernunft und in ihrer Konsequenz - lieber Menschen hungern lassen als amerikanischen Mais verteilen - auch jenseits jeglicher Ethik. Doch es gab keine laute Kritik und keinen Protest dagegen. Der Beschluss wurde Schulter zuckend hingenommen, wie die zahlreichen Zerstörungen von Versuchsfeldern in den letzten Wochen. Herr Söder von der CSU biedert sich bei der Anti-Gentechnik-Lobby an und sein Parteifreund Seehofer hält sich bedeckt, bis er ganz sicher weiß, welcher Wind sein Fähnchen am schönsten flattern lässt. Wenn Deutschland sich von einer weiteren Zukunftstechnologie verabschiedet, ist das nur eine weitere Episode im Niedergang einer rückwärtsgewandten Nation. Schlimmer ist, wenn deutsche Hilfsorganisationen versuchen diesen Geist auch noch zu exportieren.
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