StandpunkteÖko-Dogmen Hintergrund:
Stille Beerdigungenvon Dirk Maxeiner
und Michael Miersch Puuhhh, hat das gedauert. Der Wald-Schadensbericht soll künftig allenfalls noch alle vier Jahre erscheinen. Im Klartext heißt das wohl: Das Waldsterben mitsamt einer darum erblühten Bürokratie wird still und leise beerdigt. Endlich. Es ist es eine schöne Vorstellung, dass sachliche Argumente und rationales Verhalten sich im gesellschaftlichen Diskurs, in der Berichterstattung der Medien und schließlich auch im politischen Entscheidungsprozess durchsetzen. Wer daran glaubt, braucht allerdings einen langen Atem und ziemlich viel Geduld. Jetzt ist mit dem sinnlosen Ritual also Schluss. Wobei niemand das auch offen und ehrlich sagt. Stattdessen läuft die Operation Gesichtswahrung. Anstatt die ökologischen Fakten anzuführen, ist von Bürokratieabbau und Verwaltungsvereinfachung die Rede. Das kommt besser an als die Botschaft, dass einige hundert Millionen Euro für die Jagd nach einem Phantom ausgegeben wurden. Na gut, so läuft es eben bei der Revision ökologischer Irrtümer. Die Chronik ist stets die gleiche. Die ersten Kritiker werden als pathologische Leugner, Zyniker und von der Industrie bezahlte Betonköpfe geschmäht. Sobald die wissenschaftlichen Fakten mit dieser Methode nicht mehr vom Tisch gewischt werden können, kommt das "Silence Treatment". Die neuen Erkenntnisse werden schlicht ignoriert. Erst wenn sie sich absolut nicht mehr ignorieren lassen, wird auf leisen Sohlen der Rückzug angetreten. Ein ehrliches Eingeständnis von faktischen Irrtümern erfolgt so gut wie nie, schließlich soll das alarmistische Gesamtgebäude aufrecht erhalten bleiben. Motto: Prinzipiell könne natürlich "keine Entwarnung" gegeben werden. Fassen wir uns also weiterhin in Geduld mit unserem Glauben an die Macht der Fakten, die Lage ist durchaus nicht hoffnungslos. So weisen Malaria-Fachleute seit langem darauf hin, dass Verbot und Verteufelung des Pestizides DDT Millionen Menschen in den Entwicklungsländern das Leben kostet. In kleinen Mengen in den Häusern angewendet tötet DDT die krankheitsübertragende Anopheles-Mücke. Nach über einem Jahrzehnt korrigiert die Weltgesundheitsorganisation ihre Einstellung und will DDT wieder zum Bestandteil der Malariabekämpfung machen. Im deutschen Entwicklungshilfe-Ministerium von Heidemarie Wieczorek-Zeul will man das noch nicht wahr haben und setzt weiter auf alternative Mosquitonetze, die sich in der Praxis leider als ziemlich unwirksam erwiesen haben. Warten wir noch ein paar Jahre, auch die deutsche Anti-Pestizid-Ideologie wird irgendwann unter dem Druck der Fakten still eingepackt und das DDT noch stiller ausgepackt werden. Genau wie in der DDT-Frage leidet die Bundesregierung auch mit dem Atomausstieg unter zunehmender internationaler Vereinsamung. Während sich Bundesumweltminister Gabriel rethorisch kämpferisch gibt, setzt er faktisch andere Zeichen: Nach einem strickten Atomkraftgegner an der Spitze der Reaktor-Sicherheitskomission beförderte er jüngst einen ausgewiesenen Atomkraft-Befürworter auf diesen Stuhl - und zwar auffallend geräuschlos. Mal sehen, wie lange der Beschluss zur vorzeitigen Abschaltung deutscher AKW'S noch Bestand hat. Könnte gut sein, dass im engsten Familienkreis eine äußerst stille Beisetzung vorbereitet wird.
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